Digicams aus Florida

Anno 2002 liegt die CeBIT in Sachen Digicams etwas unglücklich zwischen der Fotomesse PMA in Orlando, die vor knapp zwei Wochen ihre Pforten geschlossen hat, und der diesjährigen photokina im Herbst in Köln. So wird Hannover zwar mit einigen noch streng gehüteten Neuheiten aufwarten, hauptsächlich bekommt das Publikum aber die in Florida vorgestellten Kameras präsentiert.

vorlesen Druckansicht
Lesezeit: 6 Min.
Von
  • Dr. Klaus Peeck
Inhaltsverzeichnis

Die spannendste Entwicklung gibt es bei den digitalen Spiegelreflexkameras der Mittelklasse: Ab rund 3000 Euro bekommt man hier in Kürze respektable 6-Megapixel-Modelle. Bei den Sucherkameras liegt der Schwerpunkt auf der Oberklasse ab 4 Megapixel, wo die Hersteller mit einer Reihe modellgepflegter Geräte auf den Markt kommen. Aber auch die Reihen der Einsteigerkameras im 2-Megapixel-Segment füllen sich beständig mit neuen Modellen - sogar Nikon ist jetzt mit einer ‘fun-orientierten’ Digicam dabei. Selbst die Lowcost-Klasse mit ihren 1,3-Megapixel-Geräten ist keineswegs tot, sondern um 250 Euro kommen neue Markengeräte mit durchaus anständiger Ausstattung, deren Bildgüte man nicht gleich in der Nähe von Webcams wähnen muss.

Canon beschert seinen Anhängern mit der EOS D60 die 6-Megapixel-Nachfolgerin der D30, die nach wie vor mit einem CMOS-Chip arbeitet. Schneller und sensibler soll sich hier der Autofokus geben, außerdem ist das LC-Datendisplay jetzt elektrolumineszent hinterleuchtet, und die D60 bietet einen Kombimodus, der JPEG- und RAW-Daten zusammen speichert. Trotz großer Bilddateien verzichtet Canon leider auf ein FireWire- oder USB-2.0-Interface. Mit 3000 Euro wird die D60 zum Zeitpunkt der Markteinführung im März 250 Euro weniger kosten als ehedem ihre Vorgängerin mit halber Pixelzahl.

Auch die neue Fuji FinePix S2 Pro rangiert nun in der 6-Megapixelklasse, mit einem SuperCCD-Chip der dritten Generation, der durch seine Wabenstruktur Auflösungsvorteile gewähren soll und bis ISO 1600 ‘gepusht’ werden kann. Die Fuji basiert auf dem Gehäuse der Nikon F80 und nutzt deren Objektivpalette. Speicherseitig stehen ein SmartMedia- und ein CompactFlash-II-Slot zur Verfügung, der Datentransfer läuft über USB-1.1 und FireWire. Ab Juni soll die S2 Pro ‘unter 4500 Euro’ zu haben sein.

Für die neue Nikon D100 gibt es noch keine Preisangabe, sie soll aber die digitale Spiegelreflex-Palette des Herstellers nach unten abrunden. Auch der D100 liegt ein F80-Gehäuse zu Grunde, allerdings ohne SmartMedia-Schacht und FireWire-Interface. Der 6-Megapixel-Bildaufnehmer ist ein konventioneller CCD-Chip, der dennoch ISO-Einstellungen bis 1600 erlaubt. Bei der Nikon fällt noch die Wahlmöglichkeit dreier (s)RGB-Farbräume auf, und zubehörseitig kann die Kamera unter anderem mit einem Batteriegriff mit 6 AA-Zellen ergänzt werden. Die D100 ist für den Sommer angekündigt. Die im letzten Heft vorgestellte Spiegelreflex Sigma SD9 mit dem neuen Foveon-X3-CCD ist auf der CeBIT nicht zu sehen.

Fuji zeigt auf der CeBIT mit der FinePix S602 die stark überarbeitete Nachfolgerin der FinePix 6900. Die Kamera besitzt nun ein 3-Megapixel-SuperCCD der dritten Generation mit echtem VGA-Video bei 30 fps, das nur durch den verfügbaren SmartMedia- oder CompactFlash-Speicher beschränkt wird. Der ‘Ringspeicher’ der Kamera nimmt im Fotomodus ständig fünf Bilder pro Sekunde auf und kann so auch die dem Auslösen jeweils vorangegangenen Bilder bereitstellen. Die S602 besitzt einen eigenständigen AF-Sensor und arbeitet mit Standard-AA-Zellen. Die Kamera soll ab Juni erhältlich sein, ein Preis steht noch nicht fest.

Im unteren Preissegment erreichen jetzt HP und Kodak die 4-Megapixel-Klasse. Die HP photosmart 812 kann man via ‘Instant share’ anweisen, die Fotos nach Etablierung der PC-Verbindung automatisch zu verteilen - etwa per E-Mail oder an einen (HP-)Drucker. Die Kamera besitzt ein 3fach-Zoom von Panasonic und nutzt auch dessen SD-Cards. Kodaks neue DX4900 bietet das bekannte ‘Easy share’ für den simplen Datentransfer mittels Docking-Station. Beide Kameras sollen im April für 650 Euro auf den Markt kommen, die Dockingstation der Kodak ist nicht mehr serienmäßig, sondern kostet nun 120 Euro extra.

Zu knapp 500 Euro steigt nun auch Nikon in das Segment der kleinen designorientierten ‘Fun-Kameras’ ein. Die Coolpix 2500 besitzt eine drehbare Objektiveinheit mit 3fach-Zoom, die zum Transport schützend weggeschwenkt werden kann. Die 2-Megapixel-Auflösung, den Funktionsumfang und den LiIonen-Akku hat die Kleine mit der kantigeren Schwester Coolpix 775 gemein, muss aber auf deren optischen Sucher verzichten.

Besonders preiswert möchte Canon ab Mai seine A100 lancieren, ein 35-mm-Festbrennweiten-Modell zum Listenpreis von 249 Euro. Die Kamera macht 1,2-Megapixel-Bilder, besitzt recht umfangreiche Einstellmöglichkeiten und ein für diese Preisklasse bemerkenswertes TFT-Display mit 117 000 Pixeln. Auch ein 3-Feld-AF ist an Bord, und der Strom kommt aus zwei AA-Zellen.

Bei den Kamera-Minis fällt Konica mit seiner neuen KD-400Z auf, mit einem 4-Megapixel-CCD, Dreifach-Zoom und als Besonderheit mit Slots sowohl für SD-Cards als auch für Sonys Memory Stick. Damit ist Konica der erste Kamera-Fremdhersteller, der Sonys Speicherstreifen nutzt.

Sony selbst zeigt auf der CeBIT modellgepflegte Versionen der DSC-P-Reihe, mit verbessertem Autofokus, Belichtungsmessung und interner Bildverarbeitung. Auch ein schnellerer Videomodus wird integriert, und die Geräte arbeiten nun mit Mignon-Akkus. Die DSC-P31 kommt im März mit 35-mm-Objektiv und löst nun 2 Megapixel auf. Das gilt auch für die P51, jedoch mit 2fach-Zoom, während die P71 ein 3fach-Zoom und ein 3-Megapixel-CCD mitbringt. Preise stehen noch nicht fest. (klp)

Canon, Halle 1, 5b 2
Fujifilm, Halle 1, 3l 1
HP, Halle 23, A10
Kodak, Halle 1, 6d 12
Konica, Halle 1, 2g 2
Nikon, Halle 22, B28
Sony, Halle 2, C02 (ole)