Anschluss-Wahl

Egal, ob man MP3-Dateien und Videofilme saugt, nächtelang mit Freunden im Netz daddelt oder mit der Wohngemeinschaft surft: Highspeed-Internet macht noch mehr Spaß, wenn man möglichst wenig dafür bezahlt. Und T-DSL ist nicht immer das günstigste Angebot.

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Inhaltsverzeichnis

Zur CeBIT kam Bewegung in den Markt der schnellen Internet-Zugänge. Für die wichtigste Nachricht sorgte am Rande der Messe die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP). Sie hat entschieden, zu welchen Konditionen die Telekom ihre letzte Meile künftig mit anderen DSL-Anbietern teilen muss (Line-Sharing). Für 4,77 Euro pro Monat können jetzt Telekom-Konkurrenten DSL auf dem Telekom-Kupfer zum Kunden bringen und sind nicht mehr gezwungen, eine zweite Anschlussleitung (TAL) legen zu lassen oder die bestehende TAL zu mieten. Das ebnet den Weg für günstigere Tarife; etliche Preise in der Tabelle könnten bald purzeln.

Die Telekom hat angekündigt, ab Mitte Mai die Versorgungslücken bei T-DSL über Satellit zu schließen. Allerdings surft man dabei weiterhin über die Telefonleitung; nur größere Downloads fallen mit DSL-Geschwindigkeit (768 kBit/s) vom Himmel. Tiscali bietet ab sofort einen Zugang an, bei dem in beide Richtungen via Satellit übertragen wird.

Die Powerline-Anbieter wollen ihr Internet aus der Steckdose bis Sommer in mehreren Städten vermarkten. In weiteren 20 Gemeinden laufen Pilotversuche, die ebenfalls schnell zum Regelbetrieb ausgebaut werden könnten. Und auch beim Zugang über TV-Kabelnetze tut sich einiges. So plant der Provider Ish, in Nordrhein-Westfalen bis 2004 immerhin 80 Prozent der verkabelten Haushalte mit Breitbandnetz zu versorgen. Die Vor- und Nachteile dieser Techniken beschreibt der Artikel auf Seite 138.

Bei der am meisten verbreiteten Technik, DSL (Digital Subscriber Line), muss man zwischen ADSL und SDSL differenzieren. Dabei richten sich SDSL- und ADSL-Angebote in der Regel an unterschiedliche Zielgruppen [1].

Der Einsatz von SDSL (Symmetric DSL), bei dem Upstream und Downstream gleich schnell sind, bietet sich an, wenn man zum Beispiel einen eigenen Server ins Netz stellen oder ständig große Datenmengen verschicken will. Daher wird SDSL in der Regel an Unternehmen vermarktet, teurer als ADSL, aber dafür mit zusätzlichen Qualitätsmerkmalen wie einer garantierten Verfügbarkeit.

ADSL ist meist wesentlich günstiger erhältlich und somit auch für Endanwender erschwinglich. Dafür ist der Upstream langsamer als der Downstream (Asymmetric DSL). Das bekannteste Beispiel für ADSL-Technik ist T-DSL, stammt von der Telekom und bietet einen Downstream von 768 kBit/s und einen Upstream von 128 kBit/s. Ab Herbst - auch das eine CeBIT-Ankündigung - gibt es T-DSL wahlweise auch mit 1,5 MBit/s Downstream- und 192 kBit/s Upstream-Geschwindigkeit. Der Aufpreis zum normalen T-DSL soll zehn Euro betragen.

In die Tabelle auf Seite 136 haben wir Preismodelle aufgenommen, die maximal 100 Euro Grundgebühr pro Monat kosten, ein monatliches Transfervolumen von mindestens einem Gigabyte beinhalten sowie eine Downstream-Geschwindigkeit von mindestens 150 kBit/s bereitstellen. Falls ein Provider mehrere Tarife anbietet, haben wir die unserer Meinung nach attraktivsten ausgewählt - die Flatrate, falls vorhanden, oder die günstigste Gebühr.

Neben den monatlichen Surf-Gebühren fallen in vielen Fällen noch weitere, einmalige Kosten an. So erheben viele Provider eine Einrichtungspauschale. Außerdem muss der Kunde bei vielen Angeboten Hardware kaufen, vom ADSL-Modem für weniger als hundert Euro bis zur Ausrüstung für die Satelliten-Verbindung, die mehr als 1000 Euro kosten kann.

Die Nutzungsweise schränkt die jeweils sinnvollen Angebote weiter ein. Ein Spieler von Reaktionszeit-abhängigen Shootern wird beispielsweise mit einem träge reagierenden Satelliten-Zugang nicht glücklich - es sei denn, es steht ein zusätzlicher, herkömmlicher Online-Zugang bereit. Dies ist bei den erschwinglichen Angeboten, die ohne teure Sendeanlage auskommen, der Fall. Aber auch nicht alle ADSL-Zugänge bieten die für den Spielspaß benötigten kurzen ‘Ping-Zeiten’ - Details siehe Artikel auf Seite 138.

Film-Fans, die sich ihre Moviez aus dem Netz saugen, können Ping-Zeiten egal sein. Sie benötigen ein Gebührenmodell ohne Volumenbeschränkung, denn bei 700 MByte pro Video sind ein paar Gigabyte Download-Volumen sonst schnell erschöpft. Wer dagegen einfach nur häufig und lange im WWW surft und ohne große Downloads auskommt, muss sich wegen einer Volumenbeschränkung keine Sorgen machen. Er sollte darauf achten, dass der Vertrag eine ausreichend lange Online-Zeit berücksichtigt.

Wo Kabel- und Powerline-Zugänge existieren, sind sie häufig günstiger als ADSL-Angebote.

Für Anwender, die nur gelegentlich surfen oder nur ein gewisses Übertragungsvolumen benötigen, können Einsteigertarife der Provider die beste Wahl sein. So bietet zum Beispiel Tiscali neben dem in der Tabelle aufgeführten Gebührenmodell mit zwei Gigabyte enthaltenem Transfervolumen weitere Tarife, die auf 500 Megabyte, ein Gigabyte Transfervolumen oder auf hundert Online-Stunden beschränkt sind.

Mitunter gilt es, mit spitzer Feder zu rechnen: Der Flatrate-Tarif von 1&1 bietet eine Preisnachlass-Option: Hat ein Kunde in einem Monat weniger als 100 Stunden online verbracht, dann berechnet der Provider nur den halben Tarif, also 14,90 Euro. Auf den ersten Blick erscheint der Tarif also eine gute Wahl für Surfer, die mal weniger, mal mehr als 100 Stunden im Netz sind. Bei genauerem Vergleich fahren diese jedoch mit dem Tarif ‘DSL 100’, ebenfalls von 1&1, häufig besser. Der Tarif für monatlich 14,90 Euro Grundgebühr umfasst 100 Freistunden im Netz, weitere Online-Minuten kosten je 0,5 Euro-Cent. Damit ist bis zu einer Surf-Dauer von 150 Stunden der Tarif ‘DSL 100’ mindestens so günstig wie die Flatrate. Für Anwender, die regelmäßig mehr als 100 Stunden online sind, dürfte ohnehin die T-Online-Flatrate günstiger sein.

Wer keine Flatrate nutzt, sollte mit entsprechenden Programmen die Surf-Zeit und das übertragene Datenvolumen überwachen. Die in [2] vorgestellten Programme sowie die unter dem Soft-Link erhältliche Shareware SWR3 Online Counter ermöglichen dies.

Auf den ersten Blick erscheint die 1&1-Flatrate sehr attraktiv, dürfte aber in der Praxis nur für wenige Surfer günstiger sein als zum Beispiel der 1&1-Tarif DSL 100 oder die T-Online-Flatrate.

Bevor man einen Highspeed-Zugang im lokalen Netz mehreren Nutzern bereitstellt, muss man einen Blick ins Kleingedruckte der Vertragsbedingungen werfen. Denn nicht alle Anbieter erlauben dies. Eine ausführliche Anleitung zum Anschluss lokaler Netze ans Internet finden Sie ab Seite 96.

Der Standort schränkt die verfügbaren Angebote weiter ein. Während Satelliten flächendeckend ausstrahlen, gibt es Powerline- und Kabelnetz-Zugänge nur in einigen ausgewählten Städten und Ballungsräumen (siehe Tabelle auf Seite 136). Die Telekom kann hingegen nach eigenen Angaben 90 Prozent der Haushalte mit T-DSL versorgen. Übrig bleiben etwa zwei Millionen, die über vier Kilometer von der Vermittlungsstelle entfernt sind, und eine Million Haushalte in den neuen sowie 800 000 in den alten Bundesländern, die über Glasfaserleitungen telefonieren. Sie alle erfüllen nicht die technischen Voraussetzungen für T-DSL (siehe Seite 138).

Darüber hinaus bedeutet bei T-DSL die ‘Verfügbarkeit’ in einer Region nicht zwangsläufig, dass jeder Teilnehmer dort einen Anschluss erhält. Bei jedem Antrag muss erst geprüft werden, ob in der betreffenden Vermittlungsstelle noch ein Port frei ist. Gegebenenfalls muss der Kunde warten, bis die Telekom neue Ports nachrüstet [3].

Alternative DSL-Provider bieten ihre Internet-Zugänge nur in größeren Städten und Ballungsräumen an: Für sie rechnen sich die kostspieligen Investitionen in die Infrastruktur nur in Gegenden, in denen sie viele potenzielle Kunden erwarten können. Daher wird sich auch in absehbarer Zeit nichts Prinzipielles an der Flächenabdeckung der alternativen Provider ändern. Auf den Webseiten der Provider kann man sich über die Verfügbarkeit der Angebote genauer informieren.

Der Markt der Highspeed-Zugänge ist hart umkämpft. Dies gilt insbesondere für die DSL-Anbieter, die versuchen, mehr oder weniger gleichwertige Produkte an den Surfer oder die Surferin zu bringen. Bei den ADSL-Anbietern herrscht eine zweigeteilte Situation: Die Telekom dominiert das ADSL-Geschäft mit 95 Prozent Marktanteil. Zwar tritt sie nicht selbst als Provider in Erscheinung; sie stellt aber die Technik für solche wie T-Online, AOL oder 1&1 bereit und verdient so auch bei deren Kunden mit. Den Rest des ADSL-Kuchens teilen sich Dutzende, meist kleinere Anbieter.

Viel-Sauger benötigen einen Tarif ohne Volumenbeschränkung. Flatrates ziehen solche Nutzer an. Providern, die das nicht einkalkulieren, drohen Verluste.

Dabei müssen die Provider den Spagat schaffen, ein zugleich wirtschaftliches wie attraktives Angebot auf den Markt zu bringen. Wer sich dabei verkalkuliert, wird von der Nachfrage überrannt. Insbesondere Viel-Surfer und -Sauger stürzen auf für sie günstige Flatrates und sorgen dafür, dass kurzsichtige Mischkalkulationen nicht aufgehen [3]. 1&1 musste beispielsweise im November seine Flatrate kurz nach dem Start wieder einstellen - offensichtlich hatte der Provider sich verrechnet.

Für kleinere Provider, die nicht T-DSL weiterverkaufen, könnte sich der starke Wettbewerb gefährlich auswirken: So dürften Anbieter mit einem kleinen Kundenstamm und wenig Datendurchsatz von den Betreibern der großen Backbones geringere Mengenrabatte für den Datentransfer erhalten als große Unternehmen wie T-Online oder AOL. Andererseits sind die Provider gezwungen, Surfer mit günstigen Angeboten anzulocken. Es ist daher zu erwarten, dass in diesem Jahr einige der ‘Kleinen’ aus diesem ruinösen Wettbewerb aussteigen - oder sogar draufgehen. Der Münchner Provider Streamgate musste bereits im Februar Insolvenz anmelden. Das Ende eines Providers kann auch den Kunden hart treffen, zum Beispiel, wenn er sich für den Zugang Hardware kaufen musste und diese nicht weiterverwenden kann.

In der Tabelle nehmen sich die Gebühren der T-DSL-Wiederverkäufer im Vergleich zu denen der anderen Anbieter klein aus. Allerdings addieren sich hierauf noch die Kosten für den T-DSL-Anschluss der Telekom. Nach der Gebührenerhöhung kostet T-DSL für Kunden, die T-ISDN 300 oder T-ISDN xxl nutzen, 9,98 Euro, für Kunden mit T-ISDN-Standard- oder -Komfort-Anschluss 12,99 und für Kunden mit analogem Telefonanschluss 19,99 Euro extra.

Die Telekom erklärt sich nur für die Technik bis zum Splitter zuständig. Für das Modem ist seit Anfang des Jahres der Kunde selbst verantwortlich. Dafür, dass die Verbindung zum Internet zu Stande kommt, sorgt der Provider. Diese Dreiteilung der Verantwortlichkeit kann sich insbesondere dann fatal auswirken, wenn der Anschluss klemmt: Provider und Telekom können sich gegenseitig oder dem Modem die Schuld in die Schuhe schieben. 1&1 hat bereits auf das Problem reagiert und bietet Pakete an, die eine Modem-Karte umfassen, andere Provider haben ähnliche Bundles angekündigt.

Damit Probleme möglichst gar nicht erst auftreten, hat die Telekom eine neue Schnittstelle namens U-R2 entwickelt, über die Modems an jedem T-DSL-Zugang problemlos funktionieren sollen. Neukunden sollten beim Erwerb eines Modems darauf achten, dass es dem U-R2-Standard entspricht [4]. Bislang gibt es aber nur wenig Erfahrung mit der neuen Schnittstelle. Zur CeBIT sind eine Reihe neuer U-R2-fähiger Modems auf den Markt gekommen - man darf gespannt sein. Ab 2003 schauen auch Bestandskunden in die Röhre, falls ihr Modem streikt, denn dann beendet der rosa Riese den Support für die alten Modems.

Dass mehrere Provider die T-DSL-Infrastruktur nutzen, hat aber auch eine Reihe von Vorteilen für den Kunden. So gestaltet sich für ihn der Provider-Wechsel in der Regel sehr einfach. Er benötigt nur die neuen Zugangsdaten und kann sofort ohne Hard- oder Softwareinstallationen umsteigen; einzig AOL setzt eine spezielle Zugangssoftware voraus, die zudem rund 20 Sekunden für die Einwahl benötigt. Mit anderen Providern ist man in rund drei Sekunden drin.

Die identische Infrastruktur ermöglicht es sogar, Zugänge bei mehreren Providern gleichzeitig zu nutzen. Auf diese Weise kann der Benutzer beispielsweise mit dem 500-MByte-Tarif von Tiscali permanent online sein, um beispielsweise immer E-Mails empfangen zu können. Für größere Download-Sitzungen nutzt er hingegen den 50-Stunden-Tarif von Sontheimer Datentechnik. Dabei spart er insgesamt noch knapp fünf Euro pro Monat im Vergleich zur günstigsten Flatrate.

Im Unterschied zu den T-DSL-Angeboten stellen die anderen ADSL-Provider in der Regel die gesamte Technik. Stadtnetzbetreiber koppeln das Highspeed-Internet mit einem Telefonanschluss. Während T-DSL bisher nur mit 768 kBit/s Down- und 128 kBit/s Upstream verfügbar ist, bieten die übrigen DSL-Provider auch andere Up- und Downstream-Raten an. Der bundesweit agierende Provider QSC ermöglicht seinen Kunden beispielsweise Downstreams von 1024 kBit/s und Upstreams von immerhin 256 kBit/s.

Der Internet-Zugang aus dem Himmel ist durch die Ankündigung von ‘T-DSL via Satellit’ der Telekom, das ab Mai an den Start gehen soll, ins allgemeine Interesse gerückt. Das Angebot ist freilich nur eine Notlösung, mit der die Telekom die Surfer erreichen will, die vom ‘richtigen’ T-DSL abgeschnitten sind. Technisch hat der Satelliten-Zugang übrigens nichts mit DSL zu tun; der Name dürfte aus der Marketing-Abteilung der Telekom stammen.

Im Vergleich zu anderen Techniken bringen Satelliten-Zugänge hohen Installationsaufwand und mitunter auch hohe Einstiegskosten mit sich (siehe folgender Artikel). Das gilt besonders für Systeme, bei denen auch der Upstream über den Satelliten läuft. So betragen bei dem neuen Tiscali-Angebot die Kosten für Hardware und Einrichtung 1519 Euro.

Auch die laufenden Kosten sind höher als bei den anderen Techniken. So wird der Flatrate-Tarif für das Satelliten-Angebot der Telekom 39,90 Euro im Monat betragen - zusätzlich zu einem herkömmlichen Zugang. Allerdings behält sich die Telekom dabei vor, nach einem halben GByte Übertragungsvolumen die Priorität der Übertragung zu verringern. Wie sich das in der Praxis auswirkt, bleibt abzuwarten.

Ansonsten liegt die Downstream-Geschwindigkeit des Telekom-Angebots wie beim normalen T-DSL bei bis zu 768 kBit/s - deutlich geringer als bei der Konkurrenz: Strato bietet Satelliten-Downstream von bis zu 4000 kBit/s bei einem Preis von 54,90 Euro pro Monat. Neben der Flatrate-Version bietet die Telekom ihren Satelliten-Zugang auch noch in einer volumenbeschränkten Variante an. Diese kostet 19,90 Euro pro Monat. Dabei sind ebenfalls 500 MByte Transfervolumen enthalten, jedes weitere MByte kostet fünf Cent.

Der Satelliten-Zugang von Tiscali bietet nur bescheidene Geschwindigkeiten: Während der Upstream mit 130 kBit/s noch auf T-DSL-Niveau liegt, fällt der Downstream mit 400 kBit/s deutlich langsamer aus. Angesichts dieser Leistung ist die Flatrate von 92 Euro im Monat teuer.

Die hohen Anfangsinvestitionen und laufenden Kosten für den Benutzer, die aufwendige Technik, die langsamen Reaktionszeiten und die nicht plattformübergreifende Verfügbarkeit machen Satelliten-Zugänge zur schlechtesten Wahl unter den Highspeed-Zugangstechniken. Interessant sind sie nur, wo kein anderer Breitbandzugang angeboten wird. Denn Satelliten-Internet ist immer noch billiger als ISDN-Kanalbündelung zu bekommen.

Die meisten TV-Kabelnetze werden immer noch unter dem Dach der Kabel Deutschland betrieben. Kabel Deutschland - die Farbwahl Magenta verrät die Verwandtschaftsverhältnisse zur Konzernmutter Telekom - hatte über Jahre nicht das geringste Interesse, das Kabel auszubauen. Kein Wunder, denn der Siegeszug von T-DSL wäre nicht so glorreich ausgefallen, wenn sich die Telekom per TV-Kabel selbst Konkurrenz gemacht hätte (siehe Kasten).

Die Angebote im Kabelnetz sind häufig in puncto Preis und Leistung mit Angeboten der DSL-Konkurrenz vergleichbar oder gar besser. So bietet wilhelm.tel in Norderstedt einen Flatrate-Zugang für 46,40 Euro an - bei einer Bandbreite von 2048 kBit/s sowohl für den Down- als auch für den Upstream. Andere Anbieter hingegen bitten ihre Kunden heftig zur Kasse, wenn diese in einem Monat einige GByte übertragen. Die Rosenheimer Firma Komro knöpft ihren Kunden für jedes Megabyte über dem Grundvolumen von einem Gigabyte fünf Cent ab. Hardware-Investitionen fallen beim Surfen via Kabel in der Regel nicht an; die Betreiber stellen oder vermieten ihren Kunden das Kabelmodem.

Energieversorger propagieren schnelle Internet-Anschlüsse über die Stromsteckdose. Dort, wo Powerline verfügbar ist, stellt es auch eine durchaus attraktive Alternative zu DSL dar. So haben sich beim Mannheimer Provider Manet Ende letzten Jahres von 30 000 Powerline-fähigen Haushalten rund 1500 für einen Anschluss entschieden - bei einer Flatrate für 24,90 Euro wundert das nicht. Dafür erhalten die Kunden einen Zugang mit maximal 2048 kBit/s. Auch bei Powerline fallen in der Regel keine Startinvestitionen an; der Kunde erhält seine Zugangshardware vom Betreiber.

Allerdings: Powerline ist bisher fast nirgendwo verfügbar. Ende 2001 gelangten bundesweit gerade einmal ein paar tausend Surfer über die Steckdose ins Internet. Das Problem ist, dass die Anbieter von Powerline-Technik wie Power Plus Communications rund 900 regionalen Stromnetzbetreibern gegenübersehen. Langfristig sollen rund 100 Städte mit mindestens 50 000 Einwohnern versorgt werden. In naher Zukunft stehen jedoch nur Mannheim, Hameln und Linz auf der Liste des Unternehmens.

Eine pauschale Empfehlung für den idealen Highspeed-Zugang lässt sich nicht geben, auch nicht, wenn man das Angebot auf bestimmte Surf-Profile hin durchsucht. Zu sehr unterscheiden sich die verfügbaren Tarife von Ort zu Ort. Wer das Glück hat, in Städten oder Ballungszentren zu wohnen, in denen Powerline oder Internet-Zugänge per Kabel verfügbar sind, sollte alle verfügbaren Tarife sorgfältig prüfen. Unter den DSL-Alternativen finden sich für alle Surfer-Typen wie den ‘Sauger’ oder den ‘Gamer’ attraktive Angebote - und zwar hinsichtlich sowohl der angebotenen Bandbreite als auch der Preise. Satelliten-Internet eignet sich dagegen nur für Anwender, die von allen anderen Techniken abgeschnitten sind.

[1] Axel Vahldiek, Highspeed für alle, Alternativen zu T-DSL, c't 13/01, S. 110

[2] Axel Vahldiek, Surfkontrolle , c't 18/01, S. 68

[3] Holger Dambeck, Ausgesaugt, Die Crux der DSL-Flatrates, c't 1/02, S. 76

[4] Johannes Endres, Neue Modemitäten, Die T-DSL-Freiheit und ihr Preis, c't 1/02, S. 70

Man kann es drehen und wenden, wie man will - wer in Deutschland flott surfen will, kommt an der Telekom nur schwer vorbei. Der Ex-Monopolist verteidigt seine Markt-Pfründe mit Zähnen und Klauen. Er taktiert, verzögert, schlägt bei Bedarf auch mal eben die Konkurrenz mit Dumping-Preisen aus dem Feld und erreicht damit vor allem eines: In Deutschland sind die Begriffe Breitband und T-DSL nahezu Synonyme. Und wo der Markt keine Wahl bietet, sinken die Preise nicht. Der Kunde hat das Nachsehen.

Derzeit kommt für breitbandige Internet-Zugänge für Privatkunden in großen Teilen Deutschlands nur DSL in Frage. DSL läuft über das Kupferkabel. Fast alle Kupferleitungen von den Vermittlungsstellen zu den Endkunden, die so genannten ‘letzten Meilen’, gehören der Telekom.

Zwar gibt es mittlerweile DSL-Angebote von diversen Firmen, doch meist verdient die Telekom an irgendeiner Stelle mit. T-DSL-Reseller wie T-Online, AOL oder 1&1, die die Telekom-Infrastruktur komplett nutzen, zahlen für den verursachten Traffic. Wegen dieses nahezu unkalkulierbaren Faktors sind schon einige Flatrate-Angebote zugrunde gegangen.

Firmen wie QSC beißen daher lieber in den sauren Apfel und mieten für ihre Endkunden gleich den kompletten Anschluss von der Telekom. In der Vermittlungsstelle leiten sie den Datenverkehr in angemietete alternative Backbones um und müssen daher nicht den sündhaft teuren Backbone der Telekom nutzen.

Dabei ist die Telekom schon vor einem Jahr von der Europäischen Union dazu verpflichtet worden, die letzte Meile zu entbündeln. Dieses ‘Line Sharing’ soll Anbietern ermöglichen, den Hochfrequenzbereich im Telekom-Kupferkabel getrennt anmieten und damit DSL auch ohne Sprachtelefonie offerieren zu können. Einen entsprechenden Vertrag hat QSC mit dem Bonner Konzern längst geschlossen. Doch die Telekom-Verzögerer verlangten absurderweise von QSC monatlich mehr Geld fürs Line Sharing als die Miete der kompletten letzten Meile kosten würde, angeblich wegen des Investitionsaufwands - wieder mal ein Fall für die RegTP. Die Regulierungsbehörde setzte am 18. März den Line-Sharing-Tarif auf 4,77 Euro fest - rund ein Drittel dessen, was die Telekom bisher verlangt hat. Diese Entscheidung (siehe Seite 40) ermöglicht den Telekom-Mitbewerbern, DSL günstiger anzubieten.

Auch alternative Netzbetreiber können ein Lied von der Verzögerungstaktik der Telekom singen. Wenn etwa Arcor ein eigenes Kupferkabel vom Endkunden zur Vermittlungsstelle legt, ist das Telekommunikationsunternehmen auf die Kooperation mit der Telekom angewiesen, denn die alternativen Anbieter müssen ihre Vermittlungsstellen in so genannten Kolokationsräumen in den Telekom-Vermittlungsstellen unterbringen. Immer wieder beschweren sie sich darüber, dass Telekom-Techniker sie nicht in die Räume lassen. Die dadurch entstehenden Verzögerungen bis zur Bereitstellung des Anschlusses frustrieren die Kunden und treiben sie mitunter direkt in die Arme der Telekom zurück.

Schon zur Einführung von T-DSL wetterte die Konkurrenz über viel zu niedrige Endkundenpreise der Telekom. Die Strategie lag auf der Hand: Dumping-Angebote, gebunden an lange Vertragslaufzeiten, sollen möglichst viele Kunden langfristig an T-DSL binden. Ist die Konkurrenz erst einmal ausgedumpt, kann man die Preise diktieren. Parallel dazu verschleppten die Bonner Strategen den Verkauf ihrer TV-Kabelnetze und verhinderten so erfolgreich Alternativ-Produkte von anderen Kabelnetz-Betreibern auf der Basis von rückkanalfähigen Kabelmodems. Jetzt, da T-DSL etabliert ist, kam die Telekom seelenruhig der RegTP-Forderung nach, die T-DSL-Preise zu erhöhen.

Die Preissteigerung tut zwar den Kunden weh, genügt aber gerade nicht, um der Konkurrenz Luft zu verschaffen. Um mit der Telekom mitzuhalten, muss sie weiterhin nahezu ohne Gewinnmargen anbieten. Gerade für kleinere Anbieter bedeutet das einen wahren Existenzkampf. Und wieder haben die Kunden das Nachsehen: Sie können sich nicht sicher sein, ob ihr Zugangsanbieter das laufende Geschäftsjahr überhaupt überlebt - da geht man doch lieber gleich zur Telekom ... (jo)