Höhere PC-Preise in Aussicht

Rechner werden teurer, weil die Komponentenpreise steigen. Manche Händler sparen auch an der Konfiguration. Wer sich jetzt einen PC kauft, sollte also genau hinschauen.

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Apple hat es mit Preiserhöhungen für den neuen LCD-iMac vorgemacht, nun scheinen die PC-Hersteller nachzuziehen: Wegen gestiegener Komponentenpreise wollen einige Firmen die Preise für ihre Rechner um 10 bis 20 Prozent heraufsetzen. Asiatische Medien berichteten, dass NEC Computers, Fujitsu und IBM Japan ihre PC-Preise bereits im April erhöhen wollen.

Die höheren Preise werden vor Europa nicht Halt machen. Das bestätigten Vertreter von IBM Deutschland, Dell Europe und Fujitsu-Siemens gegenüber c't. ‘Die Preiserhöhung bei Speicherchips sind anders nicht aufzufangen’, so der Siemens-Mann. ‘Eine mögliche Preiserhöhung wird aber nicht außerhalb gewöhnlicher Schwankungen liegen. Also handelt es sich nicht um einen grundsätzlichen Trend’, sagte der IBM-Sprecher beschwichtigend.

Fred Seibl, Marketing Director von Dell Central Europe, geht hingegen davon aus, dass zumindest der Trend zum starken Preisverfall bei Computern gestoppt ist. ‘Im gesamten letzten Jahr waren die PC-Absätze rückläufig. Und die Absatzzahlen sind viel schneller verfallen, als alle Marktteilnehmer dachten. Als Konsequenz hatten die PC-Zulieferer überschüssige Lagerbestände in gewaltiger Höhe und konnten ihre Fabriken nicht auslasten. Aus diesem Überangebot resultierten die gewaltigen Komponentenpreissenkungen im letzten Jahr’, so Seibl.

Die Zulieferer reagierten in den vergangenen Monaten auf das Überangebot und haben Fertigungskapazitäten abgebaut, Personal entlassen sowie Fabriken geschlossen. Darüber hinaus hat sich in letzter Zeit der PC-Absatz erfreulicher gestaltet als viele Marktbeobachter befürchtet hatten. Das bedeutet nun sogar eine Angebotsverknappung in manchen Bereichen wie bei SDRAM-Speichermodulen, die wiederum zu Preiserhöhungen geführt hat.

Im Vergleich zum vergangenen Herbst kosten manche Speichermodule heute das Doppelte. Zwar ging der Preisanstieg für Speicherchips von einem extrem niedrigen Niveau aus, mittlerweile sind die Modulpreise von vor einem Jahr ungefähr wieder erreicht. Ende März schien eine gewisse Beruhigung beim Preisanstieg einzutreten.

‘Historisch betrachtet sind in den letzten zehn Jahren die Komponentenpreise pro Quartal um fünf bis sieben Prozent gesunken. Die 10 bis 15 Prozent Preisverfall des vergangenen Jahres waren völlig untypisch. Wir rechnen damit, dass wir uns nach einer kurzen Periode der Preiserhöhungen wieder auf die Normalwerte einpendeln werden’, sagte Dell-Manager Seibl.

Infineon-Chef U. Schumacher freut sich für die Aktionäre über hohe Chip-Preise.

Für die Kunden ist der Preisanstieg ärgerlich, Chip-Hersteller wie Infineon freuen sich allerdings darüber. Breit grinsend verkündete Infineon-Chef Ulrich Schumacher Anfang März, dass die Preise für Speicherchips weiter steigen werden. Zurzeit zahlen Einkäufer auf den Spotmärkten für 128-MBit-SDRAMs sowohl mit Single- als auch mit Double-Data-Rate-Schnittstelle bis zu 5,25 US-Dollar. Anfang November letzten Jahres waren solche Bausteine zeitweise für unter einem US-Dollar zu haben, was zu immensen Verlusten bei einigen Halbleiterfirmen führte.

Die PC-Hersteller kaufen ihre Speicherriegel in riesigen Mengen und über längerfristige Kaufverträge. Deshalb zahlen sie wesentlich günstigere Preise, als sie der Einzelhandel verlangt. Dennoch drücken die gestiegenen Kosten auf den Profit, sodass die PC-Anbieter entweder ihre Komplettsysteme teurer verkaufen oder ganz klammheimlich bei der Ausstattung abspecken. So finden sich in den Händler-Regalen wieder häufiger Angebote mit lediglich 128 MByte RAM. Bei Media Markt ist aber sogar ein Pentium-4-PC mit gleich einem Gigabyte SDRAM für 1277 Euro zu haben (Microstar Professional 1860 XL). Weil sich die Kunden an größere Hauptspeicher gewöhnt haben und beim Kauf darauf achten, setzen die Hersteller ihre Kreativität ein und sparen dort, wo die meisten Käufer nicht so genau hinschauen. In dem Media-Markt-PC kommt beispielsweise statt dem schnelleren Double-Data-Rate-Speicher nur PC133-Speicher zum Einsatz.

Jeder Komplett-PC hat noch weiteres Sparpotenzial: Statt der 60-GByte-Platte setzt mancher Hersteller ein 40- oder gar nur 20-GByte-Modell ein. Dessen Plattenstapel rotiert mit 5400 statt mit 7200 Umdrehungen pro Minute. Oder die Grafikkarte: Sie kann mit einem preiswerteren Grafikchip bestückt sein. Auch beim Support lässt sich knapsen: Bring-In- statt Vor-Ort-Service ist günstiger, eine kostenpflichtige Telefon-Hotline bringt sogar noch Geld. Wer jetzt einen PC-Kauf plant, muss also genau hinschauen und Angebote bis ins letzte Detail vergleichen.

Doch nicht nur die Speicherchip-Preise steigen - auch die flachen LCD-Monitore werden teurer. ‘Wer darüber nachdenkt einen LCD-Monitor zu kaufen, sollte diese Entscheidung schnell treffen’, sagte Jeff Volpes, Manager beim US-Monitor-Hersteller View Sonic. Seit Oktober seien die Preise für die dünnen Displays wieder um 15 Prozent gestiegen, nachdem sie in der letzten Zeit auch für Endanwender zu erschwinglichen Preisen verkauft wurden. Dieser Anstieg wirkt sich nicht nur auf den Kaufpreis des iMac mit seinem flachen LCD-Display aus - somit dürften die Preise für Notebooks bald ebenfalls anziehen. (ciw/tol) (ole)