Alle Registries ziehen

Jeder zweite Windows-Tipp beginnt mit ‘Starten Sie regedit.exe, tragen Sie unter ...’ und endet mit der obligatorischen Belehrung ĂŒber die Gefahren solcher Eingriffe. Doch den viel beschworenen Editor braucht man gar nicht, denn es geht einfacher, sicherer, universeller und schneller. Wir zeigen, wie.

vorlesen Druckansicht 105 Kommentare lesen
Lesezeit: 8 Min.

Nahezu jeder Windows-Benutzer hat schon hier oder da Tipps aufgeschnappt, mit denen er Verhalten oder Aussehen des Betriebssystems seinen WĂŒnschen ein StĂŒck nĂ€her gebracht hat. Sei es das Abschalten der Liste der zuletzt geöffneten Dokumente, das Löschen der Paging-Datei beim Herunterfahren, die Anzeige eines Hintergrundbildes oder die Breite der Knöpfe auf der Taskleiste. Der Fundus der Möglichkeiten scheint schier unerschöpflich - selbst als erfahrener Windows-Nutzer stĂ¶ĂŸt man dabei immer wieder auf neue, nette Kleinigkeiten.

Die Krux an all diesem Feintuning ist, dass Microsoft viele der Optionen weit verstreut und tief verborgen in irgendwelchen Dialogen versteckt hat. Wer den alten Stand etwa nach einer Windows-Neuinstallation wiederherstellen will, muss eine Klick- und Tipporgie in Kauf nehmen. Das Gleiche gilt, wenn man einen Satz Einstellungen auf eine andere Windows-Installation oder einen anderen PC ĂŒbertragen möchte. Wir liefern nicht nur eine Art digitalen Zettelkasten, in den Sie jeden erdenklichen Tipp eintragen können, sondern haben den Kasten mit Erscheinen dieser Ausgabe schon fleißig gefĂŒllt.

Die hier vorgestellten Arbeitstechniken können aber noch mehr: Wer - wie mit heutigen Windows-Versionen ohne weiteres möglich - unterschiedliche Benutzer eines PC mit verschiedenen Rechten und Einstellungen ausstaffieren will, kommt mit den hier vorgestellten Methoden bei allen Windows-Versionen zu Rande. Der individuell maßgeschneiderte Desktop, der den Kindern die Systemsteuerung vorenthĂ€lt, ist damit keine graue Theorie, sondern mit wenigen Mausklicks in die Tat umgesetzt.

Hinter all dem steckt zwar die Registrierung (Registry), die seit Windows 95 als zentrale Datenbank fĂŒr alle Konfigurationseinstellungen dient, doch mit den hier vorgestellten Techniken lĂ€sst sich das so weit verschleiern, dass man sich daran direkt so gut wie gar nicht mehr zu schaffen machen muss. Microsoft hat diese Datenbank ohnehin nicht geschaffen, um auch Benutzern eine einfache Konfigurationshilfe zu geben. Die EintrĂ€ge sind kryptisch. Nicht grundlos wird vor unbedachten Eingriffen oder allzu neugierigem Probieren gewarnt. Der zugehörige Editor ‘Regedit’ arbeitet direkt auf der BinĂ€rstruktur, sodass Änderungen sofort ‘durchschlagen’.

Schon seit Windows 95 stellt Microsoft ein alternatives Werkzeug bereit, mit dem sich Eingriffe in die Konfigurationsdatenbank weitaus komfortabler vornehmen lassen - zudem besteht dabei nicht die Gefahr, dass man versehentlich falsche EintrĂ€ge manipuliert. Indes verkauft Microsoft dieses Werkzeug, als könne es nur Leuten dienen, die ein Netzwerk zu verwalten haben. Zu Unrecht, wie wir meinen: Der Systemrichtlinien- oder Policy-Editor (Poledit) taugt sehr wohl selbst fĂŒr EinzelkĂ€mpfer, die sich nicht direkt mit der Registry herumschlagen wollen oder mehr als nur einfache KonfigurationsĂ€nderungen brauchen.

Über einfache Bearbeitungsfunktionen hinaus verspricht Poledit viele weitere Vorteile: Über ihn getĂ€tigte Eingriffe wirken auf Wunsch benutzerspezifisch - praktisch fĂŒr Vielprobierer oder fĂŒr angehende Heimnetzwerkverwalter mit Familienanschluss oder mit anderen ĂŒbermĂŒtigen Mitbenutzern. DarĂŒber hinaus kann der Editor auch spezielle Dateien erstellen, in denen er Einstellungen konserviert. Mit einer solchen Datei lassen sich alle darin verewigten Einstellungen mit wenigen Handgriffen auf ein frisch installiertes Windows anwenden - es genĂŒgt also, einmal eine Poledit-Datei mit den Tipps zu pflegen, die man normalerweise auf sein Windows anwendet.

Allein ist der Editor allerdings wertlos: Man muss ihn mit speziellen Vorlagedateien (.ADM-Dateien) fĂŒttern, in denen die einzelnen Eingriffe an der Registrierung zusammengefasst sind. Microsoft liefert solche Dateien zwar mit, aber die sind in der Tat weniger fĂŒr den Hausgebrauch als vielmehr fĂŒr Netzverwalter gedacht. Es gibt sie aber nicht nur fĂŒr Windows selbst, sondern auch fĂŒr Office, Internet Explorer und andere Windows-Beigaben wie den Media Player. Vorlagen aus anderen Quellen sind eher selten und, wenn man darauf stĂ¶ĂŸt, meist nur sinnvoll in Netzwerken einzusetzen.

Um den Komfort bei der Windows-Konfiguration zu steigern, hat c't eine eigene Vorlage fĂŒr Poledit erstellt, mit der sich die gĂ€ngigen Einstellungen bequem und mit geringem Risiko vornehmen lassen (vor grundsĂ€tzlich gefĂ€hrlichen Einstellungen warnt unsere Vorlage). Diesen ‘Zettelkasten’ mit den c't-Windows-Tipps finden Sie auf heise online zum Download (siehe Softlink). Anders als bei einem Zettelkasten ĂŒblich haben wir die einzelnen Tipps kategorisiert. Über eine Volltextsuche können Sie nach einzelnen Tipps fahnden, die Ihnen im Lauf der Zeit wieder abhanden gekommen sind.

Angesichts der Vielfalt der Windows-Konfigurationsoptionen kann eine solche Datenbank freilich nie vollstĂ€ndig sein - selbst wenn wir peu Ă  peu in c't gegebene Hinweise dort einpflegen werden. Wir wĂŒrden uns deshalb freuen, wenn Sie als Leser mithelfen, den Zettelkasten fĂŒr die ganze Windows-Gemeinde zu fĂŒllen. Neue Tipps können Sie ĂŒber unsere Webseiten in die Datenbank einfĂŒgen. Wir ĂŒberprĂŒfen und ĂŒberarbeiten die Hinweise und stellen sie dann allen Lesern zum Download zur VerfĂŒgung. Unsere Vorlage fĂŒr Poledit werden wir regelmĂ€ĂŸig aus dieser Datenbank aktualisieren.

‘Windows’ steht hier mit voller Absicht fĂŒr alle derzeit gĂ€ngigen Windows-Versionen: Poledit harmoniert mit allen Varianten seit Windows 95 bis hin zu Windows XP. Allerdings gehört das Programm bei modernen Versionen nicht mehr zum Lieferumfang. Ab Windows ME und 2000 muss man es separat beschaffen. Entsprechende Soft-Links inklusive ErlĂ€uterungen finden Sie in den folgenden Artikeln.

Bei Windows 2000 und XP spielt Poledit eine Sonderrolle: Mit diesen Versionen hat Microsoft angefangen, den Editor durch ein neues Konfigurationskonzept abzulösen (durch die EinfĂŒhrung so genannter Gruppenrichtlinien und eine vorgefertigte Managment Console namens gpedit.msc). Das hat aber einen entscheidenden Nachteil: Damit vorgenommene Einstellungen gelten systemweit, das heißt fĂŒr alle Benutzer. Es ist zum Beispiel nicht möglich, die Systemsteuerung auszublenden oder andere ‘gefĂ€hrliche’ Optionen vor unerfahrenen Benutzern zu verbergen, ohne sie auch gleich fĂŒr den Verwalter (Administrator) abzuschalten.

Setzt man stattdessen Poledit auf Windows 2000 oder XP ein, so kann man Einstellungen auch fĂŒr einzelne Benutzer vornehmen, ohne sich als Administrator dabei gleich auszusperren. Hinzu kommt, dass Microsoft die Home Edition von XP abgespeckt hat: Dort fehlt das Konfigurationswerkzeug fĂŒr Gruppenrichtlinien generell (und wohl auch die Module zur Verarbeitung derselben). Das heißt, durch das NachrĂŒsten des guten alten Poledit erhĂ€lt man bei dieser Variante ĂŒberhaupt erst komfortable Konfigurationsoptionen, wie sie Microsoft der Professional-Ausgabe schon ab Werk mitgibt.

Der Einwand, dass man fĂŒr all derlei Treiben auch eines der frei erhĂ€ltlichen Tweak-Utilities, etwa Microsofts TweakUI oder Xteqs X-Setup hernehmen könnte, ist berechtigt. Allerdings bieten solche Programme zwei Dinge nicht: Erstens können sie meist nur die Optionen Ă€ndern, die den derzeit angemeldeten Benutzer betreffen, und zweitens lassen sie sich in der Regel nicht erweitern. Das heißt, die neuesten Tipps lassen sich dort nicht verewigen - man fĂ€ngt wieder mit der Zettelwirtschaft an.

Im Folgenden vermitteln wir die wichtigsten Poledit-Grundlagen: Eine EinfĂŒhrung in den Umgang mit dem Editor und seine SpezialitĂ€ten liefert der folgende Artikel. Den Grundstock fĂŒr das Programmieren eigener Vorlagen liefert ein Artikel ĂŒber die Registrierung - wer selbst Konfigurationstipps in Poledit einbauen will, kommt ohne nicht aus. FĂŒr extensive Experimente mit Poledit empfehlen sich zudem die dort gegebenen Hinweise zum Sichern der Registrierung. Wer schließlich eigene Tipps generieren will, findet ab Seite 116 einen Crash-Kurs fĂŒr das Erstellen eigener Vorlagen - wir freuen uns auf Ihre bei heise online der Allgemeinheit bereitgestellten Tipps, womöglich inklusive ADM-Vorlage.

Windows im Griff mit Poledit 106
Registry entschlĂŒsselt 112
Vorlagen fĂŒr Poledit selbst gemacht 116

www.ct.de/0208104

Obwohl Poledit nicht zum Lieferumfang von modernen Windows-Versionen gehört, vereinfacht er auch deren Konfiguration.

Poledit im Lieferumfang Gruppenrichtlinien(-Editor)
Windows 9x + -
Windows ME - -
Windows NT 4 + -
Windows 2000 - +
Windows XP Home Edition - -
Windows XP Professional - +


(ps)