Alle Registries ziehen

Jeder zweite Windows-Tipp beginnt mit ‘Starten Sie regedit.exe, tragen Sie unter ...’ und endet mit der obligatorischen Belehrung über die Gefahren solcher Eingriffe. Doch den viel beschworenen Editor braucht man gar nicht, denn es geht einfacher, sicherer, universeller und schneller. Wir zeigen, wie.

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Nahezu jeder Windows-Benutzer hat schon hier oder da Tipps aufgeschnappt, mit denen er Verhalten oder Aussehen des Betriebssystems seinen Wünschen ein Stück näher gebracht hat. Sei es das Abschalten der Liste der zuletzt geöffneten Dokumente, das Löschen der Paging-Datei beim Herunterfahren, die Anzeige eines Hintergrundbildes oder die Breite der Knöpfe auf der Taskleiste. Der Fundus der Möglichkeiten scheint schier unerschöpflich - selbst als erfahrener Windows-Nutzer stößt man dabei immer wieder auf neue, nette Kleinigkeiten.

Die Krux an all diesem Feintuning ist, dass Microsoft viele der Optionen weit verstreut und tief verborgen in irgendwelchen Dialogen versteckt hat. Wer den alten Stand etwa nach einer Windows-Neuinstallation wiederherstellen will, muss eine Klick- und Tipporgie in Kauf nehmen. Das Gleiche gilt, wenn man einen Satz Einstellungen auf eine andere Windows-Installation oder einen anderen PC übertragen möchte. Wir liefern nicht nur eine Art digitalen Zettelkasten, in den Sie jeden erdenklichen Tipp eintragen können, sondern haben den Kasten mit Erscheinen dieser Ausgabe schon fleißig gefüllt.

Die hier vorgestellten Arbeitstechniken können aber noch mehr: Wer - wie mit heutigen Windows-Versionen ohne weiteres möglich - unterschiedliche Benutzer eines PC mit verschiedenen Rechten und Einstellungen ausstaffieren will, kommt mit den hier vorgestellten Methoden bei allen Windows-Versionen zu Rande. Der individuell maßgeschneiderte Desktop, der den Kindern die Systemsteuerung vorenthält, ist damit keine graue Theorie, sondern mit wenigen Mausklicks in die Tat umgesetzt.

Hinter all dem steckt zwar die Registrierung (Registry), die seit Windows 95 als zentrale Datenbank für alle Konfigurationseinstellungen dient, doch mit den hier vorgestellten Techniken lässt sich das so weit verschleiern, dass man sich daran direkt so gut wie gar nicht mehr zu schaffen machen muss. Microsoft hat diese Datenbank ohnehin nicht geschaffen, um auch Benutzern eine einfache Konfigurationshilfe zu geben. Die Einträge sind kryptisch. Nicht grundlos wird vor unbedachten Eingriffen oder allzu neugierigem Probieren gewarnt. Der zugehörige Editor ‘Regedit’ arbeitet direkt auf der Binärstruktur, sodass Änderungen sofort ‘durchschlagen’.

Schon seit Windows 95 stellt Microsoft ein alternatives Werkzeug bereit, mit dem sich Eingriffe in die Konfigurationsdatenbank weitaus komfortabler vornehmen lassen - zudem besteht dabei nicht die Gefahr, dass man versehentlich falsche Einträge manipuliert. Indes verkauft Microsoft dieses Werkzeug, als könne es nur Leuten dienen, die ein Netzwerk zu verwalten haben. Zu Unrecht, wie wir meinen: Der Systemrichtlinien- oder Policy-Editor (Poledit) taugt sehr wohl selbst für Einzelkämpfer, die sich nicht direkt mit der Registry herumschlagen wollen oder mehr als nur einfache Konfigurationsänderungen brauchen.

Über einfache Bearbeitungsfunktionen hinaus verspricht Poledit viele weitere Vorteile: Über ihn getätigte Eingriffe wirken auf Wunsch benutzerspezifisch - praktisch für Vielprobierer oder für angehende Heimnetzwerkverwalter mit Familienanschluss oder mit anderen übermütigen Mitbenutzern. Darüber hinaus kann der Editor auch spezielle Dateien erstellen, in denen er Einstellungen konserviert. Mit einer solchen Datei lassen sich alle darin verewigten Einstellungen mit wenigen Handgriffen auf ein frisch installiertes Windows anwenden - es genügt also, einmal eine Poledit-Datei mit den Tipps zu pflegen, die man normalerweise auf sein Windows anwendet.

Allein ist der Editor allerdings wertlos: Man muss ihn mit speziellen Vorlagedateien (.ADM-Dateien) füttern, in denen die einzelnen Eingriffe an der Registrierung zusammengefasst sind. Microsoft liefert solche Dateien zwar mit, aber die sind in der Tat weniger für den Hausgebrauch als vielmehr für Netzverwalter gedacht. Es gibt sie aber nicht nur für Windows selbst, sondern auch für Office, Internet Explorer und andere Windows-Beigaben wie den Media Player. Vorlagen aus anderen Quellen sind eher selten und, wenn man darauf stößt, meist nur sinnvoll in Netzwerken einzusetzen.

Um den Komfort bei der Windows-Konfiguration zu steigern, hat c't eine eigene Vorlage für Poledit erstellt, mit der sich die gängigen Einstellungen bequem und mit geringem Risiko vornehmen lassen (vor grundsätzlich gefährlichen Einstellungen warnt unsere Vorlage). Diesen ‘Zettelkasten’ mit den c't-Windows-Tipps finden Sie auf heise online zum Download (siehe Softlink). Anders als bei einem Zettelkasten üblich haben wir die einzelnen Tipps kategorisiert. Über eine Volltextsuche können Sie nach einzelnen Tipps fahnden, die Ihnen im Lauf der Zeit wieder abhanden gekommen sind.

Angesichts der Vielfalt der Windows-Konfigurationsoptionen kann eine solche Datenbank freilich nie vollständig sein - selbst wenn wir peu à peu in c't gegebene Hinweise dort einpflegen werden. Wir würden uns deshalb freuen, wenn Sie als Leser mithelfen, den Zettelkasten für die ganze Windows-Gemeinde zu füllen. Neue Tipps können Sie über unsere Webseiten in die Datenbank einfügen. Wir überprüfen und überarbeiten die Hinweise und stellen sie dann allen Lesern zum Download zur Verfügung. Unsere Vorlage für Poledit werden wir regelmäßig aus dieser Datenbank aktualisieren.

‘Windows’ steht hier mit voller Absicht für alle derzeit gängigen Windows-Versionen: Poledit harmoniert mit allen Varianten seit Windows 95 bis hin zu Windows XP. Allerdings gehört das Programm bei modernen Versionen nicht mehr zum Lieferumfang. Ab Windows ME und 2000 muss man es separat beschaffen. Entsprechende Soft-Links inklusive Erläuterungen finden Sie in den folgenden Artikeln.

Bei Windows 2000 und XP spielt Poledit eine Sonderrolle: Mit diesen Versionen hat Microsoft angefangen, den Editor durch ein neues Konfigurationskonzept abzulösen (durch die Einführung so genannter Gruppenrichtlinien und eine vorgefertigte Managment Console namens gpedit.msc). Das hat aber einen entscheidenden Nachteil: Damit vorgenommene Einstellungen gelten systemweit, das heißt für alle Benutzer. Es ist zum Beispiel nicht möglich, die Systemsteuerung auszublenden oder andere ‘gefährliche’ Optionen vor unerfahrenen Benutzern zu verbergen, ohne sie auch gleich für den Verwalter (Administrator) abzuschalten.

Setzt man stattdessen Poledit auf Windows 2000 oder XP ein, so kann man Einstellungen auch für einzelne Benutzer vornehmen, ohne sich als Administrator dabei gleich auszusperren. Hinzu kommt, dass Microsoft die Home Edition von XP abgespeckt hat: Dort fehlt das Konfigurationswerkzeug für Gruppenrichtlinien generell (und wohl auch die Module zur Verarbeitung derselben). Das heißt, durch das Nachrüsten des guten alten Poledit erhält man bei dieser Variante überhaupt erst komfortable Konfigurationsoptionen, wie sie Microsoft der Professional-Ausgabe schon ab Werk mitgibt.

Der Einwand, dass man für all derlei Treiben auch eines der frei erhältlichen Tweak-Utilities, etwa Microsofts TweakUI oder Xteqs X-Setup hernehmen könnte, ist berechtigt. Allerdings bieten solche Programme zwei Dinge nicht: Erstens können sie meist nur die Optionen ändern, die den derzeit angemeldeten Benutzer betreffen, und zweitens lassen sie sich in der Regel nicht erweitern. Das heißt, die neuesten Tipps lassen sich dort nicht verewigen - man fängt wieder mit der Zettelwirtschaft an.

Im Folgenden vermitteln wir die wichtigsten Poledit-Grundlagen: Eine Einführung in den Umgang mit dem Editor und seine Spezialitäten liefert der folgende Artikel. Den Grundstock für das Programmieren eigener Vorlagen liefert ein Artikel über die Registrierung - wer selbst Konfigurationstipps in Poledit einbauen will, kommt ohne nicht aus. Für extensive Experimente mit Poledit empfehlen sich zudem die dort gegebenen Hinweise zum Sichern der Registrierung. Wer schließlich eigene Tipps generieren will, findet ab Seite 116 einen Crash-Kurs für das Erstellen eigener Vorlagen - wir freuen uns auf Ihre bei heise online der Allgemeinheit bereitgestellten Tipps, womöglich inklusive ADM-Vorlage.

Windows im Griff mit Poledit 106
Registry entschlüsselt 112
Vorlagen für Poledit selbst gemacht 116

www.ct.de/0208104

Obwohl Poledit nicht zum Lieferumfang von modernen Windows-Versionen gehört, vereinfacht er auch deren Konfiguration.

Poledit im Lieferumfang Gruppenrichtlinien(-Editor)
Windows 9x + -
Windows ME - -
Windows NT 4 + -
Windows 2000 - +
Windows XP Home Edition - -
Windows XP Professional - +


(ps)