Prozessorgeflüster
Noch vor der Computex-Großveranstaltung in Taiwan reisten die Chip- und Board-Hersteller nach Monaco zum Gipfeltreffen der System Builder. Auch Intel war hier vertreten, spielte im Unterschied zu AMD aber nur eine Nebenrolle - schließlich führte Intel ja kurz darauf im bavarischen Monaco-Ableger einen eigenen europäischen Gipfel namens IDF-EMEA durch.
- Andreas Stiller
Ein bisschen unheimlich war mir schon, als ich - eingeklemmt zwischen den beiden Briten Mike Magee (bekannter Szene-Spötter) und Richard Brown (VIA Marketing-Chef) - im Helikopter von Nizza nach Monte Carlo flog; hatte ich doch noch die Bilder von meinem Freund Christian im Kopf, der letzten Herbst am Grand Canyon mit einem Hubschrauber abstürzte und dabei kühlen Kopfes den Crash mit seinem (Crusoe-bestückten) Sony Vaio mitfilmte ... Zum Glück wurden die Insassen dabei nur leicht verletzt. Apropos Christian: Auf seiner x86-Insider-Site konnte man im Forum jetzt auch von weiteren undokumentierten Befehlen des AMD-Hammer-Prozessors lesen, von Befehlen namens CLX und STX. Zuvor gab es hier auch Infos über geheime Bits in den Maschinenstatusregistern der Hammer-Prozessoren.
OpteronT
AMDs Hammer schwebte auch über dem vom Marktforschungsinstitut Gartner veranstalteten System Builder Summit in Monaco. Hier waren als Gipfelteilnehmer die üblichen ‘Verdächtigen’ versammelt, darunter neben den Chip-, Board-, Festplatten- und Systemherstellern auch Microsoft.
AMD präsentierte erstmals in Europa den Opteron (Sledgehammer). Das Dual-System mit AMD-Melody-Board - das zuvor als Bonbon auf der Hauptaktionärsversammlung und davor wenigen Auserwählten am Rande des IDF präsentiert worden war - lief mit einer Laborversion von Windows.Net Enterprise Server (Build 3620, Lab01_N020331-2000). Dieses Build stammt also offenbar vom 31. März 2002, die Endung 2000 deutet aber darauf hin, dass Microsoft schon geraume Zeit an dem x86-64-Windows bastelt. Eine öffentliche Vorführung der Hammer-Prozessoren ist laut ‘Flurfunk’ auf der Anfang Juni in Taipeh stattfindenden Computex geplant, wo auch VIA, ALI und SiS ihre Hammer-Chipsätze vorstellen wollen. Die Grafikchip-Hersteller ATI und SiS waren ebenfalls zugegen, zusammen mit 3Dlabs und Matrox optierten sie anschließend auf der Spielemesse E3 für den ‘OpteronT’ (französisch: ils opteront = sie werden optieren). Das angehängte T ist allerdings kein neuer Markenname, sondern nur das in den Mail-Kopfzeilen zum T mutierte Trademark-Zeichen.
Chipsätze des Grafikplatzhirsches Nvidia arbeiten bereits jetzt mit dem von AMD entwickelten HyperTransport-I/O-Standard. Gabriele Sartori, Vorsitzender des HyperTransport-Konsortiums, erläuterte auf dem Summit die geplante Erweiterung des Protokolls für Netzwerke (besseres Fehler-Management, Message-Passing, optional 64-Bit-Adressen) und gab Ausblicke auf die in der Entwicklung befindliche Hypertransport-Version 2. Diese soll im Vollausbau mit mindestens der doppelten Geschwindigkeit, also mit über 25 GByte/s, aufwarten und zwar netto, wie Satori besonders betonte. Der von Intel als Gegenstück ins Feld geführte, zukünftige PCI-Express fügt demgegenüber nach acht Datenbits zwei Taktbits ein (8b/10b-Coding), sodass die effektive Datenrate bei gleichem Grundtakt 20 Prozent niedriger ist. Eine vom Datenmuster abhängige Pegelsteuerung könne die Übertragungsrate noch weiter erhöhen, erklärte Sartori gegenüber c't. Im Labor hätte AMD damit schon über fünf Gigabit/s pro Leitungspaar erzielt.
Feld-Aufschwung
Summit-Veranstalter Gartner präsentierte die Ergebnisse neuer Marktanalysen und Vorhersagen für den PC-Markt der nächsten Jahre. Danach sieht es in Europa so schlecht nicht aus, Deutschland stellt allerdings mit etwa sechs Prozent Steigerung zusammen mit Großbritannien (fünf Prozent) das Schlusslicht dar. Das erste Quartal 2002 war hierzulande zwar noch rückläufig, doch sowohl Gartner wie Vorhersagemitbewerber IDC sehen Anzeichen für eine Erholung, vorangetrieben vor allem durch erheblich verstärkte Notebook-Verkäufe.
In den USA zeigen sich die Umschwungzeichen schon deutlicher, der Halbleitermarkt zieht an und das US-Wirtschaftsministerium konnte im Computersektor im April 2,5 Prozent mehr Umsatz melden als im Vormonat. In einer IDC-Umfrage haben schließlich auch europäische Unternehmen verstärkte Investitionen angekündigt. Und so konnte ich auf dem Rückflug von Monaco endlich mal wieder zarte Silberstreifen am (PC-) Horizont ausmachen. (as) (as)