Universalmaschine

Die Notebooks holen auf: Brillante Displays, mehr Rechenleistung, Festnetzanschluss und WLAN bereits eingebaut - das schicke Mobilgerät hat das Zeug, die unförmige PC-Kiste ganz vom Schreibtisch zu verdrängen. Der PC-Besitzer verweist stolz auf sein günstiges Schnäppchen, der Notebook-Nutzer begründet seine Mehrausgabe mit der kompakten Bauweise und dem vom Stromnetz unabhängigen Betrieb. Wann lohnt der Umstieg vom PC?

vorlesen Druckansicht 41 Kommentare lesen
Lesezeit: 14 Min.
Von
  • Dr. Jürgen Rink
Inhaltsverzeichnis

Jedes aktuelle Notebook bringt die nötige Rechenleistung für Office, Internet und Multimedia (DVD, Video, Audio) mit. Wenn das Mobilgerät aber den PC komplett ersetzen soll, gehört dazu mehr als nur genügend Power: Das Notebook-Display muss sich mit einem LCD-Monitor messen, die Tastatur mit einem externen Keyboard. Erweiterbarkeit, Anschlussfreudigkeit und Ersatzteilkosten sind weitere kritische Punkte.

Die Diskussion um das Für und Wider des Notebooks als alleinigen Rechner ist wahrlich nicht neu, doch sowohl beim PC als auch beim Notebook hat sich seit unserer letzten Bestandsaufnahme im Spätherbst (c't 23/01, S. 108) so viel getan, dass uns eine Neubewertung notwendig scheint: Die nächste Display-Generation in Notebooks schließt zum brillanten LCD-Monitor auf und der Intel Mobile Pentium 4 schickt sich im Verein mit 3D-Grafikchips an, den Leistungsvorsprung der PCs einzuholen. Mit LAN, WLAN, Modem, Bluetooth, FireWire und IrDA bringen einige Notebooks wesentlich mehr Ausrüstung mit als die Desktop-Kollegen. Auch der interne Brenner im Mobilrechner inklusive zweitem optischen Laufwerk ist mittlerweile Wirklichkeit geworden. Wer braucht da noch einen PC?

Trotzdem können wir nicht pauschal eine Lanze fürs Notebook brechen, denn die Anforderungsprofile und auch das Angebot an PCs und Notebooks sind zu unterschiedlich. Wer von Schreibtisch zu Schreibtisch zieht, braucht ein robustes Gerät, wer stundenlang arbeitet, ein ergonomisches und wer viel zu Fuß unterwegs ist, etwa auf Messen, der achtet aufs Gewicht. Grafik- und Spielebegeisterte wiederum schielen eben doch auf das letzte bisschen an Rechenleistung und freuen sich über die aktuelle Generation von mobiler 3D-Grafik.

Letzten Endes geht es um die Überlegung, ob ein einziger PC die eigenen Anforderungen erfüllt, ob das Notebook als Zweitrechner zusätzlich zum PC alle Wünsche abdeckt oder ob der mobile Rechner als vielseitiges digitales Schweizer Taschenmesser alle an ihn gestellten Aufgaben erledigen kann. Um die persönlich richtige Entscheidung zu treffen, zeigen wir neben den verschiedenen Anforderungen die Möglichkeiten und neu gesteckten Grenzen der Notebooks auf und vergleichen sie mit dem PC.

Nicht nur unsere Erfahrungen und Recherchen erläutern wir hier, auch die Nutzer haben das Wort. Anfang April startete heise online die Umfrage ‘Notebooks als Desktop-Ersatz’, in der wir wissen wollten, welche Anforderungen unsere Leser an ein Notebook stellen, wenn es den PC ersetzen soll. In sieben Tagen füllten über 7700 Leser den Fragebogen im Web vollständig aus und stellten damit einen Umfragerekord auf - das Thema Notebook oder PC beschäftigt offenbar nicht nur uns ...

Wer einen kompletten Arbeitstag vor einem Notebook ohne schmerzende Handgelenke und tränende Augen übersteht, ist entweder robuster gebaut als die Mitmenschen oder hat eines der wenigen ergonomischen Modelle ergattert, das acht Stunden Arbeit nonstop erlaubt.

Der Schwachpunkt für Monstersitzungen war lange Zeit das Display. Fast alle Notebooks haben Bildschirme mit 12 bis 15 Zoll Bilddiagonale im Deckel, die im Vergleich zu LCD-Monitoren zweitklassig sind. Wegen der kritischen Größe Stromverbrauch stecken in den Notebook-Panels vergleichsweise schwache Hintergrundlampen. Die Licht schluckenden Kompensationsfolien, die in LCD-Monitoren die Farbverfälschung bei unterschiedlichem Blickwinkel reduzieren und den Blickbereich vergrößern, konnten deswegen in Notebook-Panels bislang nicht eingesetzt werden.

Ohne Folien nehmen Helligkeit und Kontrast schon bei kleinen Winkeln weg von der senkrechten Draufsicht drastisch ab. Zudem verändern sich die Farben. Die Folge: Besonders bei großen Displays ist der Winkel, den das Auge vom linken zum rechten Display-Rand aufspannt, so groß, dass Helligkeits- und Kontrastverluste auch bei Draufsicht am Rand bereits deutlich zu Tage treten. Verkrampfte Sitzhaltungen sind die Folge, weil sich der Kopf wegen des eingeschränkten Blickbereichs kaum bewegen darf.

Viele LCD-Monitore setzen neben Folien auf Flüssigkristalltechniken wie In Plane Switching (IPS) oder Vertical Alignment (c't 7/02, S. 166), mit denen das Thema Farbänderung und enger Blickbereich für Monitore endgültig vom Tisch ist. Auch hier galt bisher: Wegen des enormen Strombedarfs können diese LCD-Panels nicht in Notebooks verbaut werden.

Diese unbefriedigende Situation gehört seit wenigen Wochen der Vergangenheit an, denn in Notebooks wie dem IBM ThinkPad A31p, Sony Vaio GRX316MP und Dell Inspiron 8200 (alle drei im nachfolgenden Test) stecken Panels der neuen Generation. Im ThinkPad blickt man auf einen IPS-Bildschirm, das Sony-Exemplar nutzt eine Kompensationsfolie. Den Stromverbrauch haben die Panel-Hersteller jetzt endlich in den Griff bekommen, und damit beginnt eine neue Ära von Notebook-Bildschirmen.

Dazu kommt die Größe, denn das Panel im Vaio GRX316MP misst bis dato unerreichte 16 Zoll in der Diagonalen und leuchtet mit 160 cd/m2 - das sind Werte, wie man sie von LCD-Monitoren kennt, nicht aber von Notebook-Displays. Mit solchen Exemplaren fühlen sich die Augen noch nach Stunden frisch. Nicht alle neuen Displays werden die von LCD-Monitoren gewohnte Helligkeit haben - doch das wird sich aller Voraussicht nach in Kürze bessern.

Wie kann man aber feststellen, in welchem Notebook die Wunder-Displays stecken? Die Herstellerwerbung hilft da selten weiter. Beim Notebook-Kauf im Laden kann man das Display aber leicht mit einem x-beliebigen LCD-Monitor vergleichen: Die Bilder gewöhnlicher Notebook-Panels fallen schon bei 10° bis 20° von der senkrechten Draufsicht deutlich ab, vor allem in der Senkrechten, wenn man das Display vor- und zurückklappt. Wenn sich Mischfarben wie Orange oder Rosa nicht ändern, darf man zugreifen. Wer per Fax, E-Mail oder Telefon bestellt hat und sich sein Notebook nicht vorher anschauen konnte, hat das Fernabsatzgesetz auf seiner Seite. Ihm bleibt ein Rückgaberecht von 14 Tagen und damit genügend Zeit, das Panel mit anderen Bildschirmen zu vergleichen.

Ob mit der alten oder neuen Generation, die Auflösung der Notebook-Displays reicht von 1024 x 768 (XGA) bis 1600 x 1200 (UXGA). LCD-Monitore mit Bildschirmdiagonalen um 15 Zoll haben dagegen nur 1024 x 768 Bildpunkte. Zwar passt auf ein UXGA-Panel schön viel drauf, aber schon bei normalem Arbeitsabstand sind die Symbole zu winzig, erst recht, wenn eine externe Tastatur vorm Notebook liegt und sich deswegen der Abstand zum Bildschirm verdoppelt. Bei einem Röhrenmonitor kauft man sich eine hohe Auflösung als Option, kann damit aber auch mit einer geringeren arbeiten. Das geht bei LC-Displays nicht, denn diese können nur mit ihrer ‘natürlichen’ Auflösung betrieben werden.

Sind dann die Schriften zu klein, schaffen die Grafikeinstellungen der Windows-Betriebssysteme mit Auswahlmenüs für größere Schriften und Symbole Linderung. Filigranere Einstellungsarbeit, die auch nach Anwendungen unterscheidet, beschreibt der Artikel in c't 17/01, S. 204. Eine Sonderstellung nehmen die PowerBooks von Apple wegen ihrer querformatigen Displays ein. Zwar entspricht die Qualität nur der bisher bei Notebooks üblichen, aber die Breitwandanzeige ist oft praktischer als die 4:3-formatigen Panels der Windows-Welt.

Wer stundenlang am Notebook sitzt, aber (noch) keines der neuen Displays hat, sollte sich einen Monitor auf den Schreibtisch stellen - die Augen werden es ihm danken. Jedes Notebook hat einen VGA-Ausgang, aber den digitalen DVI-Ausgang, wie sie LCD-Monitore häufig verlangen, findet man an kaum einer Steckerleiste (Ausnahmen: Die Celsius-Serie von Fujitsu-Siemens, Apple Titanium PowerBook). Jeder LCD-Monitor stellt aber auch Analogsignale dar, entweder über einen VGA-Port oder über ein VGA-Adapterkabel, das an den DVI-Port am Monitor passt.

Die Qualität der VGA-Signale lässt bei einigen Notebooks immer noch sehr zu wünschen übrig, deshalb sollte man einen externen Monitor unbedingt daran testen. Oft ist das Bild verschwommen, vor allem bei hohen Auflösungen von 1600 x 1200. Die Auflösung der Grafikkarte sagt eben nichts darüber aus, in welcher Qualität das Bildsignal den VGA-Port am Notebook verlässt. Mit den aktuellen 3D-Grafikchips hat sich die Situation ein wenig gebessert, wie der Test ab Seite 102 zeigt.

Neben dem helleren und vom Blickwinkel unabhängigen Bild ist ein weiterer Vorteil der externen Anzeigen die Dual-View-Option, die viele Grafikchips beherrschen (siehe Kasten ‘Mobile Grafik’): Der Monitor vergrößert damit gewissermaßen das Notebook-Display und munter können die geöffneten Fenster von einem Bildschirm zum anderen verschoben werden: Den Mail-Client und -Browser legt man auf Monitor 1, die Office-Dokumente bearbeitet man auf Monitor 2. Monitor und Notebook-Display sollten dabei die gleiche oder zumindest eine ähnliche Auflösung haben.

Das Display als wichtigste Schnittstelle zum Menschen haben wir ausführlich diskutiert. Tastatur und Mausersatz gehören jedoch mit zur Ergonomie. Zu unterschiedlich sind die Notebook-Tastaturen, um über sie pauschal urteilen zu können - wie bei den Displays kann man auch hier die Qualität nicht am Gerätepreis festmachen. Die Tastengröße entspricht in normalgroßen Notebooks der von PC-Keyboards, aber Druckpunkt und Hub sind lascher. Manche Sondertasten - beliebt ist die #-Taste - packt der Notebook-Designer woanders hin. Auch hier heißt die Devise: ausprobieren.

Einige Teilnehmer unserer Umfrage klagten beim Tippen über Schulterschmerzen. Immerhin wollen sich über 30 Prozent der Befragten wegen ergonomischer Unzulänglichkeiten kein Notebook kaufen. Das Dilemma: Bei einem fürs Auge angenehmen Arbeitsabstand zum Display von 50 cm ist die eingebaute Tastatur so weit weg, dass man unbewusst den Oberkörper nach vorne beugt, damit die Finger auf der Tastatur liegen. Wer Tage am Notebook verbringt, entscheidet sich wegen dieser ungesunden Haltung besser für eine externe Tastatur, die man per USB an jedes Notebook anschließen kann. Viele Mobilrechner haben noch einen PS/2-Port für Tastatur und Maus eingebaut. Das Highend-Modell Celsius Mobile H von Fujitsu-Siemens bringt sogar eine abnehmbare Tastatur mit (siehe Test) - ein Handgriff und die Funktastatur liegt vor dem Mobilrechner.

Im Streit zwischen den Anhängern des Touchpad vor der Tastatur und dem Trackpoint-Knopf zwischen den Tasten punkten die Touchpad-Verfechter. Immer mehr Hersteller schwenken um oder bauen zumindest neben dem Trackpoint zusätzlich ein Touchpad ein. Sogar IBM, dessen roter Knubbel in der schwarzen Tastatur ein Markenzeichen mit hohem Wiedererkennungswert ist, setzt zumindest im ThinkPad T30 auch aufs Touchpad. Einige Langzeitnutzer von Trackpoints klagen über ein Ziehen im Finger, und obwohl die Umgewöhnung von der Maus zum Trackpoint leichter fällt als zum Touchpad, sollte man Letzteres vorziehen. Unsere Leser sehen das genauso: 43 Prozent bevorzugen das Touchpad, nur 16 Prozent wollen unbedingt einen Trackpoint. Der Rest will die Maus.

Wer sowieso mit Monitor-, Tastatur- und Maus-Peripherie arbeitet, ist freier in der Wahl des Notebooks, weil er die ergonomisch wichtigen Komponenten aus dem Mobilrechner ausgelagert hat. Er kann sich überlegen, ob er ein schlankes, leichtes Notebook kauft, vielleicht sogar ein Subnotebook. Dann hat er unterwegs weniger Gewicht zu schleppen und auf dem Schreibtisch zusammen mit der Peripherie trotzdem einen vollständigen Computer-Arbeitsplatz. Wer keine Highend-Rechenleistung braucht, kann getrost zugreifen, zahlt aber wegen der Minibauweise für die gleichen Innereien um die tausend Euro mehr als für normal große Notebooks.

Noch immer hält sich die Mär von der Platzersparnis, wenn das Notebook auf dem Schreibtisch liegt. Realistisch betrachtet stimmt das nicht: Der angeschlossene Brenner, der Port Replicator, Drucker, eventuell TV-Tuner, Maus und Tastatur müllen den Schreibtisch voll. Die Kabel können nicht wie beim PC unterm Tisch verschwinden, weil die Anschlüsse eben am Notebook sind. Seinen Platzvorteil kann das Notebook nur dann ausspielen, wenn man es ohne Peripherie benutzt oder wenn damit der bisher genutzte fette CRT-Monitor vom Schreibtisch verschwindet. Der Platzvorteil des Notebooks gegenüber dem Desktop liegt für viele höchstens darin, dass sie den Schreibtisch schneller rechnerfrei bekommen.

Desktop-Hardware im Platz sparenden und ansehnlichen Design tut es vielleicht ebenso, wenn es nur darum geht, den Schreibtisch für mehr als nur Hardware freizuhalten: Ein neuer iMac im Lampendesign lässt auf dem Schreibtisch mehr Platz als ein Notebook, kostet aber leider auch so viel wie eines und ist nicht mobil. Geht es nur darum, seinen Rechner einzupacken und an einem anderen Schreibtisch wieder auszupacken, dann muss es nicht unbedingt ein Notebook sein. Einige Kompakt-PCs sind mittlerweile kleiner und leichter als Notebooks. Der Exot EZgo (auch Espresso genannt) ist ein Zwitter aus PC und Mobilgerät. Er wiegt knapp ein Kilogramm und damit weniger als ein Subnotebook, nimmt jedoch nicht mehr Platz weg als ein CD-Laufwerkseinschub (c't 8/01, S. 82). Darin steckt ein vollwertiger Rechner ohne Akku, der am Arbeitsplatz nur noch Monitor, Tastatur und Maus braucht. Damit ersetzt der Kleine einen PC, nicht aber das Notebook. Firmen wie IBM und das Startup-Unternehmen OQO (c't 10/02, S. 18) haben ähnliche, noch kompaktere Mobilrechner in Planung, die je nach angedockter Hardware Desktop, Notebook oder sogar PDA sind. Hier wird sich in den nächsten Jahren viel bewegen.

Elitegroup Computer Systems verkauft mit dem DeskNote ein ‘Notebook’ ohne Akku und mit großem Display. Das DeskNote nutzt Desktop-Technik, und da ohne Akku der Stromverbrauch nur die zweite Geige spielt (mal von der erzeugten Wärme im Gehäuse abgesehen), hätte Elitegroup eigentlich einen schönen Desktop-Ersatz mit erstklassigem Display bauen können. Leider steckt ein gewöhnlicher, wenn auch heller Notebook-Bildschirm im Deckel und damit hat die Firma ihre Chance nicht genutzt (siehe Test). (jr)

(jr)