Am Platzhirsch vorbei
Es muss nicht immer T-DSL sein. Viele Wettbewerber haben attraktive und leistungsfähigere DSL-Angebote. Oft lohnt sich der Wechsel. Außerdem geben wir Tipps, mit denen Power Surfer auch bei einem T-DSL-Anschluss Geld sparen können.
Der in der Werbung allgegenwärtige Robert T. Online bestimmt das Bild: T-DSL ist mit 768 kBit/s beim Empfang aus dem Internet (Downstream) und 128 kBit/s beim Senden (Upstream) ‘rasend schnell’ und bietet ‘tolle Möglichkeiten’, suggerieren die Spots mit dem großen Blonden. Aber andere Anbieter ziehen da locker vorbei: In Köln beispielsweise bietet Netcologne 1 MBit/s schnelle Anschlüsse, Hansenet sogar 2 MBit/s. Auch die Telekom selbst hat mittlerweile mit T-DSL 1500 eine schnellere Alternative in petto.
Wer einen schnellen Internet-Zugang will, muss sich entscheiden: Zur Wahl stehen T-DSL über den Telekom-Anschluss, der Wechsel zu einer anderen Telefongesellschaft wie Arcor oder ein zusätzlicher DSL-Anschluss über eine getrennte Telefonleitung, wie ihn beispielsweise QSC anbietet.
Aber alleine mit dem DSL-Anschluss kann niemand surfen. Neben dem Anschluss benötigt der Kunde ein Modem zur Herstellung der Verbindung und einen Internet Service Provider, der ihm den Zugang zum Internet bereitstellt. Diese drei Komponenten sind bei allen Internet-Zugängen erforderlich.
Wer für den DSL-Anschluss das Angebot einer anderen Telefongesellschaft wählt, muss den Anschluss komplett wechseln und aus den Tarifen des jeweiligen Betreibers wählen. Meist hat dieser nur eine Flatrate mit Einheitspreis im Programm. Die bisher verwendeten Telefonnummern kann man in aller Regel mitnehmen, aber mit dem neuen Anschluss funktioniert Call-by-Call nicht mehr. Das führt zu einer absurden Situation: Viele Kunden scheuen den kompletten Wechsel zu einem bestimmten Telekom-Konkurrenten, um weiterhin billige Telefonate über frei wählbare Telekom-Konkurrenten führen zu können. Dabei bieten die alternativen Anschlussbetreiber auch für Telefonate durchweg günstige Tarife.
Anders liegt der Fall, wenn man sich die Leitung bei einem DSL-Anbieter ohne Telefon-Infrastruktur schalten lässt. Dort läuft DSL über eine separate Leitung, den bisherigen Telefonanschluss kann man also beibehalten und damit auch das günstige Call-by-Call weiter nutzen. Diese Angebote liegen vom Preisniveau höher als die Bündelangebote von Telefongesellschaften wie etwa Arcor, sind aber in der Regel leistungsfähiger als die Basisprodukte der Telefongesellschaften.
Alternativen zu T-DSL sind meist nur in den Ballungszentren verfügbar. Viele Netzbetreiber scheuen die hohen Investitionen in Vermittlungsstellen auf dem Lande, wo sie nur mit wenigen Interessenten rechnen können. Selbst die Speckgürtel der Großstädte sind von den Telekom-Konkurrenten bislang kaum erschlossen. Eine der wenigen Ausnahmen ist EWE-Tel, die im nördlichen Niedersachsen und in Teilen Brandenburgs auch Ortsnetze im ländlichen Raum versorgt. Allerdings ist der DSL-Ausbau im Versorgungsgebiet von EWE-Tel noch lange nicht flächendeckend.
Wer in ländlichen Gebieten keinen schnellen DSL-Zugang erhalten kann, hat bislang nur die Möglichkeit, auf Satelliten auszuweichen. Das bringt allerdings große Nachteile. Bei den meisten Angeboten dient die teure Satellitenverbindung nur zur Beschleunigung einer vorhandenen Modem- oder ISDN-Verbindung, für die auch weiterhin Kosten anfallen, zum anderen sind die Latenzzeiten enorm hoch, die Nutzung von Online-Spielen via Satellit ist daher technisch nicht möglich. Eine große Nutzerzahl bringt auch Probleme mit sich: Bei der Telekom ist die zur Verfügung stehende Satellitenkapazität offenbar bereits ausgelastet. Vom frühen Nachmittag bis zum späten Abend erreichte ‘T-DSL via Satellit’ im c't-Test bei weitem nicht die zugesagten Durchsatzraten [1].
Doch auch wer notgedrungen auf das Telekom-DSL zurückgreifen muss, ist nicht auf T-Online als Internet Service Provider angewiesen. Die freie Auswahl im heftig umkämpften Provider-Markt für T-DSL bietet ihm die Chance, mit einem maßgeschneiderten Tarif Kosten zu sparen. Die Preise von T-Online werden von vielen Konkurrenten deutlich unterboten.
Grundsätzlich lassen sich die Angebote für den T-DSL-Anschluss in Zeit- und Volumentarife sowie Flatrates unterteilen. Die Abrechnung nach Zeit ist von Vorteil für Kunden, die zwar nur begrenzte Zeit online sind, dabei aber große Datenvolumina übertragen. Die Volumentarife eignen sich für Nutzer, die häufig oder dauernd online sein, aber nur wenige Daten übertragen wollen. Flatrates sind die richtige Wahl für User, die auf lange Online-Zeiten kommen und viele Daten übertragen. Als Faustregel gilt: Wer sowohl 5 Gigabyte Übertragungsvolumen als auch 100 Stunden Online-Zeit im Monat regelmäßig überschreitet, ist mit einer Flatrate am besten bedient.
Literatur
[1] Urs Mansmann, Johannes Endres, Himmlisches Vergnügen, Internet per Satellit soll Downloads beschleunigen, c't 15/02, S. 106 (uma)