Heiteres Gebührenraten
- Tim Gerber
Heiteres Gebührenraten
Mein Freund Erwin ist ein rechter Spaßverderber. Neulich rief ich ihn nur so zum Spaß aus dem Urlaub an. Und wie reagiert er: Ob ich denn nicht wisse, wie sündhaft teuer der Anruf aus Mallorca sei? Mein Mobilfunk-Betreiber sollte mir endlich mal eine Gebührenanzeige auf dem Display spendieren. Dabei müsste Erwin mich besser kennen: Die Telefonrechnung ist doch viel spannender, wenn man vorher nicht weiß, was am Ende kassiert wird. Und jetzt gibt es die Rechnungsüberraschung sogar bunt im Internet.
Letzte Woche hat Erwin nun den Vogel an Humorlosigkeit abgeschossen: Er wolle mir nur kurz mitteilen, dass er den Handy-Provider gewechselt habe. Ich könne ihn jetzt nicht mehr so billig anrufen wie früher, als wir noch beide unsere Handys bei den Blubberblasen hatten. Auf meinem Display stand dieselbe Nummer wie vordem. Ja, die Handy-Nummer kann man jetzt behalten, aber man weiß eben nicht mehr, in welches Netz man telefoniert. Die Netzbetreiber müssten jetzt endlich eine Gebührenanzeige auf dem Display anbieten, meint Erwin. Und weil sie das noch immer nicht hinkriegen, ruft Erwin bei jedem Provider-Wechsel alle seine Bekannten an, damit sie ihre Gebühren ausrechnen können.
Also ehrlich, Erwin! Da denken sich unsere völlig kundenorientierten Multimedia-Funker ein tolles neues Gebühren-Blindekuh-Spiel für ihre unterhaltungssüchtige Kundschaft aus und du funkst uns büroklammermäßig dazwischen mit deiner langweiligen Einheitenzählerei. Wir wollen Spaß haben und nicht wissen, was der kostet. Wir wollen Steffis Mann auf dem hochauflösenden Farbdisplay sehen und sofort erfahren, wenn am Finnischen Meerbusen ein Blitz einschlägt. Aber wir wollen doch nicht unsere Handy-Gebühren in Echtzeit angezeigt bekommen. Das ist doch völlig uncool. Für Miesmacher wie Erwin gibt es schließlich einen wunderbaren Service: Er kann vor jedem Anruf per Kurzwahlnummer ganz kostenlos abfragen, ob ich inzwischen den Provider gewechselt habe.
Erwin meint, die Echtzeit-Abrechnung auf dem Multimedia-Display müsse ja nicht so eintönig daherkommen wie bei der Bundespost selig. Es könnte doch in UMTS-Zeiten eine bunte Laufschrift sein: "Dieser Anruf bei Ihrem Freund Erwin kostet nur 99 Cent in der Sekunde". Oder ein buntes Bild von Steffis Mann mit Sprechblase. Wäre jedenfalls ein Verkaufsargument für die neuen Breitband-Handys. Wenn schon Weihnachten ist, müsste der Tennis-Profi natürlich gegen Kaiser Franzens Gebühren-Check ausgewechselt werden. Oder zweihundert Gebührenzähler-Layouts zum kostenlosen Download. So viel Fantasie werdet ihr doch noch haben, liebe Breitband-Protagonisten von Blubberblau bis Tiefviolett. Sicher: Millionen Mobilspaßenthusiasten können es kaum erwarten, euch viele Euros unbesehen in den UMTS-Rachen zu werfen - aber denkt doch auch mal an so vereinzelte Buchhalternaturen, die vorher wissen wollen, was sie berappen müssen. Mein Freund Erwin wirds Euch jedenfalls danken. Und ein, zwei andere vielleicht auch.
Tim Gerber ()