3D-Chip-Schwemme

Zum direkten Showdown wie im letzten Jahr, als ATI und Nvidia Wand an Wand ihre 3D-Chips präsentierten, kommt es auf der CeBIT 2003 zwar nicht. Doch die beiden Platzhirsche im Grafikchip-Geschäft zeigen sich zum Fernduell aus den Hallen 6 und 23 gut gerüstet.

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Lesezeit: 8 Min.
Von
  • Manfred Bertuch
  • Laurenz Weiner
Inhaltsverzeichnis

Nvidias Partner setzen alles daran, wenigstens ein Exemplar des 500 MHz schnellen, aber raren GeForce FX 5800 Ultra zu zeigen, mit dem Nvidia erst kürzlich ATIs Radeon 9700 Pro konterte (siehe c't 4/03, S. 50). Die für die Masse interessantere Standard-Version (ohne Ultra) wird man dagegen länger suchen müssen. Lediglich Asus, Gainward und Terratec sind zuversichtlich, auch die mit 400 MHz Chip- und Speichertakt etwas langsamere Variante auf der CeBIT zeigen zu können. Weitere Chips aus Nvidias erster DirectX-9-Serie wird es voraussichtlich schon bei Asus, Gainward, MSI und Sparkle zu sehen geben. Der NV31 ist für Grafikkarten von 250 bis 400 Euro ausgelegt und soll die jetzige GeForce4-Ti-Linie ersetzen. Als Taktraten nennt Nvidia 300 MHz für den Chip und 275 MHz für den Speicher. Bei Bestückung mit opulenten 256 MByte sollen 350/250 MHz möglich sein.

Beim NV31 besteht der Hauptunterschied zum GeForce FX 5800 (NV30) in der von acht auf vier verringerten Anzahl der Pixel Shader. Da Nvidia bei seinem Spitzenchip keine acht vollwertigen Pixel-Pipelines implementiert hat, lassen sich die GeForce-FX-Varianten besser durch die Zahl der Shader charakterisieren. Nvidia argumentiert damit, dass Spiele nicht mehr Füllraten-, sondern immer stärker Shader-limitiert seien und es deshalb nicht mehr vorrangig auf möglichst viele unabhängige Pipelines ankomme. Der NV30 kann pro Takt nur vier Pixelwerte mit jeweils zwei Texturen berechnen. Er kann aber acht Z-/Stencil-Werte parallel bestimmen, was für Schattenberechnungen wie in Doom III wichtig ist.

Das Einstiegssegment von 150 bis 200 Euro will Nvidia mit dem NV34-Chip bedienen, der ebenfalls mit vier Pixel Shadern DirectX-9-Funktionen unterstützt. Er ist allerdings wieder in 0,15 µm gefertigt, erlaubt kein Video-In und soll auch nur eingeschränktes Antialiasing bieten. Die preiswerteste Variante arbeitet mit 250/200 MHz.

Mit ihrer zusätzlichen DVI-I-Buchse taugen alle GeForce-FX-Varianten für Zweischirmbetrieb und zum Anschluss von digitalen Flachbildschirmen. Weitere Abkömmlinge des GeForce FX (NV33, NV31M, NV34M) folgen in den nächsten Wochen und sollen Tablet-PCs, Notebooks und Laptops für DirectX 9 fit machen.

ATI kündigt bereits die zweite Riege seiner DirectX-9-Chips an und will noch im März den Radeon 9800 (Chip-Code R350, acht Pipelines, 256-Bit-Speicherinterface) ausliefern. Das neue Flaggschiff ist in der Pro-Version mit 380/340 MHz für Chip und Speicher getaktet und in einigen Details verbessert. Die Vertex Shader verarbeiten jetzt wie Nvidias GeForce FX Shader-Programme aus bis zu 65 280 Befehlen, die allerdings wegen der langen Programmlaufzeiten in Spielen kaum zum Einsatz kommen dürften. Nützlicher ist dagegen die Einbeziehung des Stencil-Buffers in die Hyper-Z-Kompression, was Shadow Volumes wie in Doom III zugute kommen soll. Ein erster Test des Chips findet sich auf Seite 48.

Zudem plant ATI eine Standard- (128 MByte) und eine Pro-Version für 256 MByte Speicher, deren Taktraten noch nicht feststehen. Die 256-MByte-Version bestückt ATI mit DDR-II-Speicher, wofür aber nicht der höhere Takt, sondern eher die niedrigere Stromaufnahme ausschlaggebend sein dürfte.

Mit dem Radeon 9600 (RV350) bietet ATI einen kostenoptimierten DirectX-9-Chip für den Preisbereich von 170 bis 210 Euro. Mit vier Pipelines und einem 128-Bit-Speicherinterface entspricht er dem Radeon 9500, muss aber mit nur zwei anstelle von vier Vertex Shadern auskommen. Da er in 0,13-µm-Technik gefertigt wird, kommt er ohne zusätzlichen Stromstecker aus. Auch hier plant ATI eine Standard- Version mit Taktraten von 325/200 MHz und eine Pro-Version, die es auf beachtliche 400/300 MHz bringen soll. Die preiswerteste Ausführung für rund 150 Euro soll sich zudem mit passiver Kühlung begnügen.

Diesmal schickt ATI übrigens die Standard-Chips zuerst ins Rennen, und zwar noch im März. Die Pro-Ausführungen sollen im April folgen. Auf der CeBIT wird man außer bei ATI selbst allenfalls bei HIS/Enmic und Sapphire einen Blick auf die neuen Radeon-Chips werfen können. HIS/Enmic wollen zudem ein leises Kühlsystem für ATI-Grafikkarten präsentieren.

Die Radeon- 9500/9700-Serie läuft nach Einführung der neuen Chips aus. Unterhalb von 150 Euro wird man vorerst keine DirectX-9-Fähigkeit bekommen. In diesem Preissegment bietet ATI zukünftig mit dem AGP8X-tauglichen Radeon 9200 (RV280) DirectX-8.1-Funktionen zu Einstiegspreisen ab 90 Euro an. Auch hier gibt es eine höher getaktete Pro-Ausführung, die mit 128 MByte Speicher bei rund 160 Euro liegen wird.

Lediglich auf einer ebenfalls zur CeBIT vorgestellten All-in-Wonder-Karte (AIW) von Sapphire und eventuell einigen anderen ATI-Partnern soll der Radeon 9700 Pro weiter zum Einsatz kommen. Anders als noch bei der All-in-Wonder Radeon 8500 DV läuft der 3D-Chip mit den vollen Taktraten (324/310 MHz). Das Multimedia-Monster trägt zusätzlich einen TV-Tuner und macht damit eine TV-Karte im System überflüssig. Die TV- und MPEG-Recorder-Software lässt sich mit einer Funk-Fernsteuerung auch ohne Blickkontakt zum Rechner steuern und bietet unter anderem komfortables Timeshift. Wer auch noch eine ATI-TV-Karte im Rechner hat, kann ein Programm aufzeichnen, während ein anderes über den Schirm flackert. Zudem lässt sich für die Wiedergabe von DVDs ein digitales Soundsystem direkt an die Karte anschließen. Die AIW Radeon 9000 Pro bleibt im Programm, und zusätzlich will ATI eine All-in-Wonder-VE mit dem betagten Radeon 7500 zum Einbau in einen PCI-Slot anbieten, um seine Multimedia-Palette zu vervollständigen.

Die Neue Elsa hat sich für das CeBIT-Wochenende ein nettes Unterhaltungsprogramm ausgedacht und lässt bekannte Spiele-Clans am Stand gegeneinander antreten. Um die Spannung zu steigern, müssen dabei durchschnittlich trainierte Spieler mit Hochleistungs-Grafikkarten und Spitzenspieler mit Standard-Grafikkarten auskommen.

Beim mitgelieferten Spielebundle will Neue Elsa weiterhin klotzen: Zu Battlefield 1942, Giants, Sacrifice und Dronez soll noch die Battlefield-Expansion Road to Rome hinzukommen. Auch Terratec hat für seine Mystify 5800 ein attraktives Spielepaket geplant, zu dem auch Unreal Tournament 2003 gehören sollte. Da der Shooter inzwischen auf dem Index für jugendgefährdende Spiele steht, packt man jetzt Splinter Cell, Warcraft III und Gun Metal dazu. MSI will The Elder Scrolls III - Morrowind, Duke Nukem - Manhattan Project, Tom Glancy’s Ghost Recon sowie sieben Demos mitliefern.

Andere Hersteller wie Sapphire spendieren allenfalls ein Spiel und setzen dafür auf einen günstigen Preis. Gainward konzentriert sich weiterhin auf ‘Golden Samples’, die mit höheren Takten arbeiten. So will man den NV34, den Nvidia eigentlich für preiswerte Grafikkarten mit 4-Layer-Platinen vorgesehen hat, auf eine 8-Layer-Platine setzen und Chip-/Speichertakte bis 350 MHz erreichen. (law)

ATI und Partner
ATI, Halle 6, Stand C40
Club 3D, Halle 23, Stand B20
C.P. Technology, Halle 22, Stand A14
Gigabyte, Halle 22, Stand B30
HIS/Enmic, Halle 23, Stand B50/13
Neue Elsa, Halle 16, Stand D06
Sapphire, Halle 23, Stand B50/8

Nvidia und Partner
Nvidia, Halle 23, Stand B26
Asus, Halle 2, Stand A48
Creative, Halle 23, Stand A36
Gainward, Halle 23, Stand B25
MSI, Halle 22, Stand B06
PNY, Halle 6, Stand E02
Prolink, Halle 23, Stand A26
Terratec, Halle 23, Stand A42
Sparkle, Halle 23, Stand A23

andere
Matrox, Halle 6, B12
SiS, Halle 23, Stand B16 (ole)