TV-Bericht ĂĽber "Rinderstudie" heizt Elektrosmog-Debatte an

Das bayerische Umweltministerium hat den Bericht eines Fernsehmagazins zurĂĽckgewiesen, der die Debatte um die Gefahren des Elektrosmogs neu angeheizt hat.

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  • Richard Sietmann

Das bayerische Umweltministerium hat den Bericht eines Fernsehmagazins zurückgewiesen, der die Debatte um die Gefahren des Elektrosmogs neu angeheizt hat. Unter Berufung auf eine vom Umweltministerium in Auftrag gegebene Studie meldete das Politmagazin Report Mainz des Südwestrundfunks (SWR) am gestrigen Montag Abend "neue Erkenntnisse über die Wirkung von Mobilfunkstrahlung". Danach hätten Wissenschaftler an Tieren auf Höfen in der Nähe von Mobilfunkanlagen ein signifikant verändertes Weide-, Futter- und Liegeverhalten gegenüber Tieren auf Bauernhöfen ohne Strahlungseinfluss festgestellt.

Die Autoren der Studie, hieß es in dem Bericht, wiesen auf "Zusammenhänge zwischen Strahlenexposition und Verhalten" hin und vermuteten, "dass die Strahlenwirkung einer chronischen Stressbelastung ähnelt". Darüber hinaus will Report Mainz auch erfahren haben, dass die Zahl der Missbildungen in der Nähe von Mobilfunkstationen erheblich höher sein soll als in den Rinderbeständen auf Höfen ohne Mobilfunkstrahlung.

Das bayerische Staatsministerium für Landesentwicklung und Umweltfragen hatte im Juli 1998 Arbeitsgruppe von Wissenschaftlern der Universitäten Gießen und München sowie der Firma IGU mit der so genannten Rinderstudie beauftragt. Dabei wird in 38 Rinderhaltungen in Bayern und Hessen der Einfluss elektromagnetischer Felder von Mobilfunkanlagen auf Gesundheit, Leistung und Verhalten von Rindern untersucht.

Das bayerische Umweltministerium weist nach dem Bericht von Report Mainz nun darauf hin, dass die Rinderstudie bislang noch gar nicht fertig gestellt sei. Die Untersuchung soll im Oktober abgeschlossen werden. Bisher lägen weder einzelne Teilauswertungen noch der Endbericht vor. "Schon heute mit Untersuchungsergebnissen aufzuwarten, ist deshalb unseriös", heißt es in einer Mitteilung des Ministeriums vom heutigen Dienstag. Um eine Stellungnahme zum Stand und Inhalt der Studie hätten sich die Redakteure weder beim Projektleiter noch beim Umweltministerium bemüht.

Kommentar: Mehr als die Gefährdungen durch Mobilfunkstrahlung verdeutlicht der Bericht von Report Mainz denn auch die Gefahren, die an der Schnittstelle von Wissenschaft und Öffentlichkeit lauern. Bekanntlich sind epidemiologische Untersuchungen zum Elektrosmog das methodisch schwächste Glied der Nachweiskette gesundheitlicher Beeinträchtigungen, solange keine direkten zellbiologischen Wirkungsmechanismen schwacher elektromagnetischer Felder nachgewiesen sind. Dies zumal, wenn die Beeinträchtigung in "einer chronischen Stressbelastung" besteht, die bei der modernen Tierhaltung viele Ursachen haben kann. Daher mutet der SWR den Adressaten seiner Information einiges an Unmündigkeit zu: Sie sollen nicht nur unbesehen darauf vertrauen, dass die an der Rinderstudie beteiligten Wissenschaftler validierte Ergebnisse erarbeitet haben, sondern auch noch glauben, dass Report Mainz bislang unveröffentlichte "Teilergebnisse dieser Studie" korrekt referierte. Ob das nicht ein bisschen viel verlangt ist... Better no news than such news. (Richard Sietmann) (jk)