Eckig oder rund

Videokassetten sind out. DVD und immer häufiger auch Festplatten halten Einzug in Camcorder und Schnitt-Recorder. Als Medium für die Video-Nachbearbeitung per PC spielt die DVD eine tragende Rolle.

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Von
  • Reinhard Otter
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Bereits in den letzten Wochen rauschten die ersten Geräte-News wie etwa die Vorstellung neuer Einsteiger-Camcorder im Mini-Format von Sony und Panasonic durch den Blätterwald. Der Stapellauf der neuen High-Tech-Filmwerkzeuge von Sony (DCR-TRV 60 und 80), Panasonic (NV-GX 70, s. c't 5/03, S. 23) sowie eines Megapixel-Modells mit umfangreichen Multimediafunktionen namens GR-DV 4000 von JVC erfolgte zumindest in Text und Bild bereits schon vor der Messe.

Ein echtes Highlight hat JVC zu bieten: Die VHS-Erfinder öffnen Konsumenten die Tür zu eigenen Aufnahmen im hochauflösenden HDTV-Format. Der GR-HD 1 filmt im 16:9-Seitenverhältnis mit 1280 x 720 Pixeln und speichert die so aufgenommenen Edelbilder im MPEG-2-Format auf DV-Kassetten.

Auch die DVD-Camcorder sollen auf der CeBIT einen neuen Schub erfahren. Panasonic bietet ab Sommer 03 den VDR-M 30 an. Sony will im Herbst mit zwei Modellen nachziehen; auf der CeBIT sollen zumindest Design-Muster zu sehen sein. DVD-Pionier Hitachi stellt seine dritte Generation DVD-Camcorder vor.

Mit Sony kontra Panasonic wird es auch wieder einen Formatstreit geben: Panasonic konzipierte seinen DVD-Camcorder wie Hitachi für die DVD-RAM und die einmal beschreibbare DVD-R. Sony dagegen setzt auf DVD-RW und -R. Dahinter stecken unterschiedliche Strategien für die Nachbearbeitung: Per DVD-RAM aufgezeichnete Erinnerungen sollen am PC geschnitten und dann auf den Camcorder zurückgespielt werden - diesmal auf DVD-R, die in jedem Player läuft. Das klappt zwar auch mit DVD-RW, Sony setzt aber eher auf die einfache Nachbearbeitung der Videos per Playlist im so genannten ‘Video Recording Mode’, mit dem immer mehr DVD-Player von Pioneer, Sony und auch Panasonic zurecht kommen.

Weniger konkret in puncto Markteinführung, dafür aber spannend im Konzept ist ein Produkt vom koreanischen Elektronikmulti Samsung: Die Itcam 7 zeichnet in MPEG-4 auf eine 1,5-Gigabyte-Festplatte auf und speichert damit je nach Aufnahmequalität 30 bis 60 Minuten Video in VGA-Auflösung und mit bis zu 30 Frames pro Sekunde. Wann das Gerät erhältlich sein soll, ist noch nicht zu erfahren; Samsung wird das kompakte Juwel aber sicher auf der CeBIT vorführen.

Ruckeliger, aber marktreif funktioniert die zweite Generation des SD-Card-Camcorders von Panasonic. Der SV-AV 20 für rund 400 Euro fotografiert in voller und filmt in halber VGA-Auflösung (320 x 240 Pixel) und mit 15 Frames pro Sekunde auf SD-Speicherkarten. Wie das Festplatten-Pendant von Samsung nutzt der Panasonic das MPEG-4-Format. Nebenbei dient der Multimedia-Taschenspieler auch als mobiler MP-3-Spieler und als Diktiergerät.

Speicherkarten und Mini-Festplatten werden auch für Videoanwendungen immer interessanter - vorausgesetzt, dass ihre Kapazitäten wachsen. Das gestaltet sich mitunter schwierig: Der blaue Memory Stick von Sony nimmt nicht mehr als 128 Megabyte auf. Er wird durch den Memory Stick Pro ergänzt, der auf bis zu 32 Gigabyte ausbaufähig sein soll. Ältere Digitalkameras, Camcorder oder Musikabspielgeräte können mit dem neuen Stick aber nichts anfangen. Sony kommt mit dem Memory Stick Pro auf Speichervolumen von vorerst 256 und 512 Megabyte; Panasonic will auf der CeBIT die erste SD-Card mit mehr als einem Gigabyte vorstellen - noch zu wenig für abendfüllende Videos in DVD-Qualität.

Während in DVD-Camcordern der Formatstreit um den richtigen Scheibentyp erst ansteht, klären sich langsam die Fronten im Bereich der stationären Videorecorder und der Computerlaufwerke. Hier eint der sonst eher eigenwillige Marktführer Sony die Formate: Bereits vor ein paar Monaten präsentierten die Japaner zeitgleich mit NEC die ersten Kombi-DVD-Brenner für alle Plus- und Minus-R- und RW-Formate. Auf der CeBIT feiert auch der erste DVD-Videorecorder für fast alle Formate seine Deutschland-Premiere: Der Sony RDR-GX 7 (1500 Euro) nimmt Filme auf DVD+RW und -RW sowie auf DVD-R auf; nur das einmal beschreibbare Plus-Format erkennt er nicht.

Neue DVD-Recorder zeigen auch Philips und Panasonic; letztere präsentierten erst kürzlich in Japan sechs neue Modelle, von denen aber nur zwei nach Europa kommen sollen.

Den Schlusspunkt der Entwicklung von der CD zur DVD markiert die diesjährige CeBIT: Alle Brennprogramme verstehen sich inzwischen auf die DVD-Produktion. Schnittsoftware gibt die Videos zumindest in DVD-fähigem MPEG-2 aus; die meisten Tools bringen obendrein eine Brennfunktion mit.

Wichtiger als technologische Innovationen dürfte im Moment die Konzentration im Markt sein: Pinnacle beispielsweise, ursprünglich ein Anbieter von Videoschnitt-Programmen, hat seinen Produktkatalog mit Zukäufen - etwa des Audiospezialisten Steinberg und des Anbieters von Brenn-Programmen VOB - deutlich verbreitert und will künftig integrierte Multimedia-Pakete anbieten. Der Brenner-Experte Roxio übernahm mit MGI einen Videoschnitt-Anbieter und hat durch den Kauf der Napster-Reste einen Fuß in die Tür zum Online-MP3-Handel gestellt.

Wie integrierte Multimedia-Anwendungen auszusehen haben, zeigt indes Apple: Alle neuen Macs werden seit kurzem mit der Multimedia-Suite ‘iLife’ ausgeliefert. Sie bearbeitet und verwaltet Videos, Fotos sowie Musik und produziert DVDs (siehe c't 6/2003 S. 154). Vielleicht hat Microsoft ja zur CeBIT eine Antwort auf ein derart komplett ausgestattetes Betriebssystem. (uh)

Hitachi, Halle 1, Stand 7f 12
JVC, Halle 2, Stand C36
NEC, Halle 2, Stand B20
Panasonic, Halle 1, Stand 6c 2, 7f 1
Samsung, Halle 21, Stand B 44
Sony, Halle 2, Stand C 02 (uh)