Kraftzwerge
Bis vor kurzem war es noch wichtig, dass ein PDA klein, leicht und funktional war. Auf der diesjährigen CeBIT zeigen die Hersteller wieder mehr Schwergewichte mit multimedialer Funktionsvielfalt.
- Daniel LĂĽders
Das neue PDA-Flaggschiff von Sony, der Palm-OS-5-Handheld Clié PEG-NZ90, ist eines der besten Beispiele hierfür. Er ist zwar fast so groß wie ein kleines Taschenbuch und mit 300 Gramm ein für PDA-Verhältnisse echtes Schwergewicht, leistet dafür aber auch weitaus mehr als ein Terminkalender. So hat er bereits eine Autofokus-Digitalkamera mit Blitz und zwei Megapixel Auflösung eingebaut, spielt MP3-Dateien ab, zeichnet Sprache auf und funkt mit Bluetooth. Er wechselt hierzulande für 850 Euro seinen Besitzer.
Sharp zeigt den Linuxer SL-C700. Er ist ein Tastatur-PDA, dessen 640 x 480-Punkte-Screen sich wie bei einem Tablet PC drehen und umklappen lässt. Der Touchscreen ist trotz der hohen Auflösung kaum größer als der anderer Handhelds. Der SL-C700 wiegt knapp 230 Gramm und hat einen Intel-XScale-Prozessor mit 400 MHz, der auf 32 MByte RAM und 64 MByte Flash-ROM zugreift. Als Linux-Distribution kommt das schon vom Sharp Zaurus SL-5500 bekannte Embedix mit Kernel 2.4.18 zum Einsatz. In Japan wird der innovative Handheld schon seit Dezember verkauft; ob er überhaupt den Weg in die deutschen Läden findet und zu welchem Preis, steht noch nicht fest.
PDA-Pionier Palm präsentiert in diesem Jahr den GSM-Handheld Tungsten W. Er steht in verschiedenen europäischen Staaten schon in den Verkaufsregalen und soll nun auch nach Deutschland kommen. Außer der GSM/GPRS-Funktion hat der Tungsten W allerdings wenig Neues zu bieten: Er läuft unter dem älteren Palm OS 4.1 und hat einen Reflektiv-Touchscreen mit 320 x 320 Pixel und 16 Bit Farbtiefe. Im Innern findet man eine Dragonball-CPU mit 33 MHz und 16 MByte RAM Speicher. Ohne Handy-Vertrag soll der Tungsten W etwa 600 Euro kosten.
Im Pocket-PC-Lager bleibt vorerst alles beim Alten: die Software-Features, die Prozessoren und das Betriebssystem. Die Hersteller konzentrieren sich darauf, leichtere, billigere oder flexiblere Pocket PCs zu produzieren. Dell versucht, mit seiner günstigen Axim-PDA-Serie in den Consumer-Markt vorzustoßen, während HP WLAN, Bluetooth und biometrische Erkennung in kleine, aber teure Geräte verpackt. Andere Hersteller wie Casio warten ab und stellen erst mal keine neuen PDAs mit Microsoft-Betriebssystem vor. Erst mit dem kommenden Pocket PC 2003 darf man wieder einen Schub in der Pocket-PC-Evolution erwarten. Ob Microsoft schon auf dieser CeBIT erste Details zum neuen Betriebssystem preisgibt, steht allerdings noch in den Sternen. (dal)
Sony, Halle 2, Stand C02
Palm, Halle 2, Stand B36
Sharp, Halle 1, Stand 7a2
Dell, Halle 20, Stand C11
HP, Halle 1, Stand 7i2
Casio, Halle 1, Stand 7e12
Microsoft, Halle 4, Stand A25
(ole)