Übergangslösung
Verfrüht dürfte es sein, das Ende der Videoaufzeichnung auf Band heraufzubeschwören. Doch inzwischen steht eine kleine Anzahl an Camcordern bereit, die statt der unschlagbar billigen DV-Kassette die noch recht teure DVD-RAM verwenden.
Als Vorreiter in Sachen DVD-Camcorder gilt die Firma Hitachi, die auf der IFA die dritte Generation ihrer Scheiben-Schreiber zeigt. Gegenüber den voluminösen Vorgängern zeigt der elegante DZ-MV 350E eine schmale Silhouette. Er verwendet Single-DVD-R- und DVD-RW-Medien. Mit seinen technischen Daten - 10fach-Zoom optisch, CCD mit 800 000 Pixeln, USB-2.0-Schnittstelle, Fotospeicherung auf SD-Card - ist der 350E auf der Höhe der Zeit. Einziges Manko dürfte die im Vergleich zur DV-Kassette geringe Aufzeichnungsdauer von 36 Minuten (in bester Qualität, 60 Minuten in Standardqualität) auf einem einseitigen DVD-RW-Medium sein. Der MV 350E ist für rund 1300 Euro erhältlich; ein etwas besser ausgestattetes Modell mit 1,1-Megapixel-Chip und höherer Fotoauflösung (max. 1280 x 960 Pixel) kostet rund 1500 Euro.
Der DVD-Camcorder VDR-M30 von Panasonic ist bis auf wenige optische Details baugleich mit dem Hitachi MV 350E und ebenfalls für rund 1300 Euro zu haben.
Dass die DVD als Medium für Camcorder schon vom Start weg bessere Chancen hat als das im Alleingang von Sony propagierte MicroMV, beweist spätestens das Engagement des Marktführers Sony in diesem Marktbereich. Schon auf der CeBIT waren Muster von DVD-Camcordern zu sehen, deren Markteinführung für den Herbst angekündigt wurde. Auf der IFA stellt Sony jetzt ein gut ausgestattetes Modell vor, das auf 8-cm-DVD-R- und -RW-Medien aufzeichnet. Der DCR-DVD 200 bietet einen 1-Megapixel-Chip, 16:9-Aufnahmemöglichkeit, einen 10fach optischen Zoom und einen Bildstabilisator. Zur Übertragung der DVD-kompatiblen MPEG-2-Videodaten wird die USB-2.0-Schnittstelle genutzt; außerdem steht ein analoger Video-Ein- und Ausgang bereit. Sony will den DVD-Camcorder ab November 2003 für rund 1350 Euro in den Handel bringen.
Standardware
Mehrere Neuheiten aus dem DV-Lager belegen, dass der Spielraum für Weiterentwicklungen dieser Geräte nicht ausgeschöpft ist. Bestes Beispiel dafür dürfte die HighRes-Kamera GR-HD 1 von JVC sein, die auf der CeBIT als Prototyp für HD-NTSC-Video zu sehen war. JVC zeigt jetzt eine abgespeckte PAL-Variante dieses Camcorders für den europäischen Markt. Der GR-PD 1 speichert neben dem PAL-DV-Format einen MPEG-2-Datenstrom auf DV-Bändern, um hochwertige 16:9-Aufnahmen anzufertigen. Der Camcorder arbeitet mit 25 Vollbildern pro Sekunde (25 progressive) oder mit 50 Vollbildern pro Sekunde (50p). Er soll ab September für rund 4000 Euro in den Handel kommen. Die NTSC-HD-Version GR-HD 1 wird in USA und Japan angeboten; sie zeichnet zusätzlich auch in HDTV-Auflösung (720p) in MPEG-2 auf.
Canon stellt im Jubiläumsjahr „30 Jahre Canon Deutschland“ außerhalb des Messegeländes unter einem Designer-Zeltdach auf dem Potsdamer Platz aus. Im eleganten Design der Foto-Kamerareihe Ixus will der Canon-Camcorder MVX 10i mit guter Ausstattung überzeugen - dank 2-Megapixel-Wandler, 10fachem optischem Zoom, Bildprozessor, eingebautem Blitz und verbessertem 16:9-Modus: Das Breitwand-Format litt bislang unter einer Beschneidung des Bildes, was die neue Technik jetzt umgehen soll. Canon will den MVX 10i ab September für rund 1500 Euro in den Handel bringen.
Für rund 200 Euro mehr bietet der Canon MVX 3i einen 2,2-Megapixel-Wandler, ein 3,5 Zoll großes Display und eine reichhaltige Ausstattungspalette. Die aufwendige Optik kommt zum Teil auch beim Semiprofi-Modell XM 2 zum Einsatz. Ein optischer Bildstabilisator soll für verwacklungsfreie Aufnahmen sorgen. Auch der MVX 3i zeichnet laut Herstellerangaben im 16:9-Modus ohne schwarze Balken als Bildbegrenzung auf. Die Tonaussteuerung erfolgt auf Wunsch manuell - sinnvoll etwa für Konzertmitschnitte. Der Canon-Camcorder soll direkt nach der IFA erhältlich sein.
Nachdem die DV-Camcorder eine fast uneinholbare Marktvormacht erzielt haben und der Nachfolger DVD bereits erhältlich ist, liegt die Frage nach der Existenzberechtigung von MicroMV nahe. Dieses Bandformat - 2001 von Sony vorgestellt - zeichnet Video in einem MPEG-2-Datenformat (I-frames only, 12 MBit/s) auf, das allerdings nicht zur DVD kompatibel ist.
Sonderlinge
Immerhin ermöglicht die relativ winzige Bandkassette erstaunlich schlanke, kleine Geräte. Einen Video-Winzling in Zigarettenschachtel-Größe zeigt Sony auf der IFA; der DCR-IP 1 kombiniert einen optischen Zoom (10fach) mit einem 1-Megapixel-Wandler und einem Carl-Zeiss-Objektiv. Auf dem MemoryStick Duo speichert er Fotos mit 1152 x 864 Pixeln. Mit einem Drucker, der den PictBridge-Standard unterstützt, lassen sich Bilder ohne PC-Beteiligung ausgeben. Preis: rund 1700 Euro.
Samsung stellt eine Kreuzung aus Camcorder und JPEG-Digitalfotokamera vor. Die VPD 5000i oder DuoCam ist eine Kopplung aus Video- und Fotoaufnahmetechnik; der schwenkbare Optik-Block arbeitet mit der einen Seite des Gehäuses als Video-Camcorder, nach dem Drehen um die eigene Achse erscheint die Digitalkamera. Die Videoabteilung schreibt MPEG-4-Daten auf eine Mini-DV-Kassette, bietet einen 800 000-Pixel-Wandler in 1/6-Zoll-Größe, einen 10fachen optischen Zoom und eine Lichtempfindlichkeit von 3 Lux. Als Digitalfotokamera nutzt die VPD 5000i einen 1,8 Zoll großen CCD-Chip mit 4,13 Megapixeln sowie 3fach optischem und 6fach digitalem Zoom. Der Bildstabilisator und ein Slot für MemorySticks runden das Ganze ab. Preis: rund 1500 Euro. (uh)
| Canon | Potsdamer Platz |
| Hitachi | Halle 03.2, Stand 103 |
| JVC | Halle 07.1c, Stand 101 |
| Panasonic | Halle 05.2, Stand 103 |
| Samsung | Halle 20, Stand 101 |
| Sony | Halle 18, Stand 101 |
(uh)