Cineasten-Zauber

Mit niedrigeren Einstiegspreisen, verbesserter Formatunterstützung und neuen Features kämpfen Billighersteller und Big Player bei der digitalen Aufzeichnung analoger TV-Programme um den DVD-Recording-Markt.

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Auf der IFA 2001 feierte die Unterhaltungselektronik-Industrie die ersten Videorecorder, die analoge TV-Programme auf DVD aufzeichnen konnten. Anfangs ließen sich die Hersteller dafür gut bezahlen - und auch heute, zwei Jahre später, sind Listenpreise unter 500 Euro eher die Ausnahme. DVD-Videorecorder gehörten eben bisher zu den wenigen Gerätegattungen der Unterhaltungselektronik, die man nur von Markenherstellern bekommen konnte. Pünktlich zur diesjährigen IFA soll sich das nun ändern: So kündigte zunächst die MAS Elektronik AG unter der Marke Xoro für Oktober einen DVD-Recorder für unter 400 Euro an, kurz darauf folgten von Humax, LiteOn, Mustek und Umax ähnlich lautende Mitteilungen. LiteOn nannte dabei mit 349 Euro sogar bereits einen konkreten Preis.

D as Xoro-Gerät namens HSD R505 nimmt TV-Sendungen und Videosignale anderer analoger Quellen (über S-Video und FBAS) auf DVD+R(W) in vier unterschiedlichen Qualitäten (Best, High, Medium und Base) auf. Über ein integriertes „Disc Management“ sollen sich die Aufnahmen gleich am Gerät problemlos editieren lassen. Abspielen kann der Recorder neben DVD+R(W) und Video-DVDs auch die Formate DVD-R(W), CD-R(W), (S)VCD, Audio- und MP3-CD sowie Kodak Picture CD. Ein Dolby-Digital-Decoder ist integriert. Humax’ DRP-560V und Umax’ unter dem Markennamen Yamada vertriebener DVD-Recorder DVR-8000 können ebenfalls auf DVD+R und DVD+RW aufnehmen und Filme in allen gängigen Disc-Formaten abspielen. Funktionen zum Schneiden und Löschen von Filmsequenzen sollen den DRP-560V laut Humax sogar zu einem „wahren Mini-Filmstudio“ machen.

Die Markenhersteller reagieren auf den Angriff der Billigheimer mit eigenen, preiswerteren Einstiegsgeräten und einer neuen Gerätegeneration, die multiple Formate unterstützt und/oder brandheiße Features bietet. So lässt Panasonic seinem ersten Festplatten/DVD-Recorder DMR-HS2 nun mit dem DMR-E100H ein Modell mit größerer Festplatte (80 statt 40 GByte) und schnellen und vielseitigen Überspielmöglichkeiten folgen. Nach Angaben von Panasonic lassen sich aufgezeichnete Lieblingsfilme auf der Festplatte von der Werbung befreien und dann in bis zu 24-facher Geschwindigkeit auf DVD-R oder in bis zu 12-facher Geschwindigkeit auf DVD-RAM kopieren. Videos oder Fotos, die unterwegs im MPEG4-oder JPEG-Format auf einer SD-Card aufgenommen wurden, können direkt auf die Festplatte oder eine DVD-RAM überspielt werden. Umgekehrt bietet der DMR-E100H die Möglichkeit einer simultanen Aufnahme in MPEG-2 und MPEG-4. So lassen sich Aufnahmen von der Festplatte oder einer DVD-RAM auf einer SD Card im MPEG4-Format speichern, um sie unterwegs beispielsweise über Panasonics All-in-One-AV-Geräte AV-20 („D-Snap“), GS50/70 (Camcorder) oder DVD-LX9 (portabler DVD-Player) anzuschauen.

Die Festplatte zeichnet mit ihrer Kapazität von 80 GByte bis zu 106 Stunden auf, beim Ton wird neben Dolby Digital 2.0 wie schon beim Vorgänger LPCM 2.0 im XP-Aufzeichnungsmodus unterstützt. Das Bild lässt sich wahlweise über Scart (auch in RGB), S-Video oder Composite (Cinch) ausgeben, den Ton dazu gibt es analog über Line-Out und digital über einen optischen SPDIF-Ausgang. Über einen DV-Eingang lassen sich zudem Videos direkt einlesen. Wie alle Panasonic-DVD-Recorder ermöglicht der DMR-E100H dank der DVD-RAM-Technologie und seiner Festplatte die Timeshift, also zeitversetztes Fernsehen. Auf der Wiedergabeseite unterstützt der DMR-E100H, der mit der IFA zum Preis von 1500 Euro in den Handel kommen soll, neben DVD-Video auch DVD-Audio, MP3-, Audio- und Video-CD.

Auch Pioneer wird auf der IFA neben einem Recorder-Modell zum direkten Aufzeichnen von TV-Sendungen auf DVD auch eine DVD/Festplatten-Kombination präsentieren. Dieses Modell soll neben dem gleichzeitigem Aufzeichnen auf DVD und Festplatte das Kopieren zwischen beiden Laufwerken in Hochgeschwindigkeit erlauben - so ist es nach Unternehmensangaben dann möglich, eine Zwei-Stunden-Aufnahme in knapp vier Minuten auf DVD zu sichern.

Bei JVC setzt man auf die Kombination von Multiformat-Aufnahme und PAL-Progressive-Wiedergabe: Der DR-M1, der ab September zum Preis von 699 Euro erhältlich sein soll, zeichnet auf DVD-RAM, DVD-R oder DVD-RW auf und gibt auf Wunsch über seinen Komponentenausgang Vollbilder in PAL wieder. Bei der Wiedergabe unterstützt er auch die Formate Audio-CD, CD-R/-RW sowie MP3- und JPEG-CD. Des Weiteren kann der DR-M1 auf DVD-RAM TV-Sendungen aufnehmen und gleichzeitig eine andere, bereits aufgenommene Szene von der Disc wiedergeben. Eben dieses Time-Shifting, das bislang nur bei DVD-RAM oder mit Hilfe einer Festplatte zu realisieren war, will Thomson mit seinem neuen Modell DTH-8000 nun auch auf DVD+RW und DVD-RW bewerkstelligen. Daneben will das Unternehmen mit dem DTH-7500 eine Kombination aus DVD-Player und Festplatten-Recorder mit 80 GByte Kapazität auf der IFA präsentieren. Das 800 Euro teure Gerät tritt die Nachfolge des DTH-7000 (Test in c't 25/02) an, dessen Festplatte zum gleichen Preis lediglich die Hälfte an Daten fasste.

Bereits seit einiger Zeit will Sony Schluss mit dem Formate-Wirrwarr bei der Aufzeichnung machen. Ihr in c't 11/03 getestetes Modell RDR-GX7 arbeitet daher bei den wiederbeschreibbaren DVD-Formaten sowohl mit der Plus- als auch mit der Minus-Variante zusammen. Bei DVD-RAM muss er jedoch passen. Ebenso liest der Recorder zwar (finalisierte) DVD+Rs, kann sie aber nicht selbst beschreiben. Zur IFA bringt Sony nun das gegenüber dem RDR-GX7 abgespeckte Modell RDR-GX3 für 800 Euro heraus. Leider gab Sony zu den Fähigkeiten des neuen Einsteigermodells lediglich bekannt, es habe „alle Funktionen eines herkömmlichen Videorecorders, allerdings die bessere Bild- und Ton-Qualität der DVD.“

Philips bringt im Modelljahr 2003/2004 gleich vier neue DVD-Videorecorder-Modelle, von denen der DVD-R70 sowie der DVD-R75 (Test siehe c't 18/03 Seite 56) bereits erhältlich ist. Beim neuen Topmodell DVD-R80 zum Listenpreis von 900 Euro versprechen die Holländer höchsten Bedienkomfort dank integriertem elektronischen Programmführer (EPG) namens „Guide Plus+“. Der von Thomson und Gemstar entwickelte, kostenlose Service erhält seine Daten über die Austastlücke und zeigt das Fernsehprogramm bis zu sieben Tage im Voraus auf dem Bildschirm an. Außerdem lässt sich das Angebot nach Kategorien wie Spielfilme oder Sportarten sortieren, Favoritenlisten führen und eine Kindersicherung aktivieren. Um den Timer zu programmieren, markiert man einfach mit Hilfe der Navigationstasten auf der Fernbedienung die entsprechende Sendung und drückt dann die Aufnahmetaste.

Ohne EPG muss der DVD-R77 auskommen, besitzt dafür aber eine PCMCIA-Schnittstelle namens „MediaSlot“ - ebenso wie Philips’ DVD-Player DVD760 DVD-Video und der DVD-Receiver des Heimkinosystems MX5700D. Unter Zuhilfenahme von Adaptern lassen sich über diesen Bilder von Digitalkameras einlesen, die der Player anschließend auf dem TV-Bildschirm wiedergibt. Hierbei stehen bei DVD-R77 und DVD760 einfache Bearbeitungsmöglichkeiten wie Drehen und Spiegeln zur Verfügung. Die Ergebnisse lassen sich schließlich zurück auf die Speicherkarte schreiben oder - vom DVD-R77 - auf DVD+RW speichern.

Philips konnte sich bislang jedoch nicht dazu durchringen, eine Festplatte in einen seiner DVD-Videorecorder einzubauen - stattdessen bietet das Unternehmen für rund 3000 Euro mit „FlexTV“ (32PW9768) einen Fernseher mit 82 cm Bildschirmdiagonale, in dem eine 40-GByte-Festplatte für rund 32 Stunden Aufnahmezeit integriert ist und die für Festplatten-Recorder typischen Time-Shift-Funktionen bietet. In dem Gerät ist ein Pro-Logic-Decoder sowie sechs Lautsprecher für 3D-Sound eingebaut.

Ein ähnliches Modell will auch Metz auf der IFA präsentieren. Details nannte das Unternehmen bis Redaktionsschluss noch nicht, versprach aber eine Aufnahmekapazität von bis zu 200 Stunden und komfortable Time-Shift-Funktionen. Die neue Metz-TV-Generation soll sich sogar über den PC programmieren lassen.

Ein weiterer Trend ist schließlich die Verschmelzung von Heimkino-Systemen und DVD-Recordern: Bei JVC stellt man dabei dem oben genannten DVD-Recorder DR-M1 den AV-Receiver RX-ES1, das Surround-Lautsprecher-System SX-XD33 und den Subwoofer SX-DW303 zur Seite. Die Besonderheit liegt dabei im Detail - nämlich der Lautsprecher-Konfiguration: Heimcineasten brauchen nach Unternehmensangaben lediglich in die Hände zu klatschen, damit sich das Surround-System auf den jeweiligen Hörraum einstellt. Wie ein Mikrofon nehmen die Lautsprecher während des Klatschens den Schall auf, der Receiver soll in Sekundenschnelle die unterschiedlichen Laufzeiten berechnen und so für korrekte Surround-Einstellung sorgen. Das Set mit der Bezeichnung QP-ES9AL soll ab September für 2299 Euro erhältlich sein.

Philips ergänzt seine DVD-Recorder-Riege sogar durch einen „DVD-Recorder-Receiver“, eine Kombination aus Audio/Video-Receiver und DVD-Videorecorder. Das Gerät mit der Bezeichnung LX9000R ist mit einem Digital-Surround-Decoder ausgestattet, der die Formate Dolby Digital, DTS, Dolby Pro Logic und (das völlig bedeutungslos gewordene) MPEG Multichannel unterstützt. Den Receiver wollen die Holländer für 1300 Euro im Set mit einem passend designten 5.1-Boxenset anbieten, dessen Surroundboxen die Audiosignale drahtlos per Funkverbindung erhalten.

Schließlich dürfte auch das Thema „High Definition“ durch die (nach der CeBIT wohl teils wiederholte) Präsentation von Blu-ray-Recordern und hochauflösenden Displays auf der IFA weiter mitschwingen. Passend dazu präsentiert Samsung den ersten „High Definition DVD Player“ namens DVD-HD935, der Bilder von jeder PAL-DVD oder NTSC-DVD wahlweise auf die HD-Formate 720p (1280 x 720 Bildpunkte, Vollbilder) oder 1080i (1920 x 1080 Bildpunkte, Halbbilder) hochskaliert. Der Player gibt die HD-Bilder über DVI an Digital-Displays weiter, über den ebenfalls vorhandenen analogen Komponentenausgang kann er hingegen lediglich progressive NTSC-Bilder zur Verfügung stellen. Dafür verfügt der DVD-HD935 über „Digital Correlation Deinterlacing“ aus dem Hause Faroudja, der das DVD-Bild sowohl für analoge als auch digitale TV-Geräte optimieren soll. Nach Angaben des Unternehmens fand sich diese mit dem Emmy ausgezeichnete Technologie bislang ausschließlich in Geräten für über 15 000 Euro. Samsung verlangt für den DVD-HD935, der im September in den Handel kommen soll, lediglich 500 Euro.

Bei den DVD-Videorecordern wiederholt sich die Geschichte, die wir schon bei DVD-Playern erleben durften: Nach einer (recht kurzen) Hochpreis-Phase, in denen der Kunde lediglich zwischen einigen wenigen, recht spartanisch ausgestatteten Modellen wählen konnte, sorgen Billiganbieter nun für Bewegung. Mit der Unterstützung diverser Disc-Formate und neuen, nützlichen Features geht man nun verstärkt auf Kundenwünsche ein.

TV-Geräte mit eingebauter Festplatte könnten wiederum mit der Pause-Taste auf der Fernbedienung für ein neues Fernsehgefühl sorgen, ohne dass sich der Nutzer wirklich bewusst macht (oder machen müsste), welche Technik dahinter letztlich zum Einsatz kommt. Der Pioneer DMR-E100H mit seiner MPEG4-Speicherfunktion lässt schließlich hoffen, dass das Format endlich auch auf der Aufnahmeseite seinen Durchbruch schafft, nachdem es ja bereits von mehr als einem Dutzend DivX/MPEG-4-tauglicher DVD-Player und AV-Portis wiedergegeben werden kann. (nij)

Humax Halle 2.1, Stand 213
JVC Halle 07.1c, Stand 101
LiteOn Halle 01.2, Stand 207
MAS Elektronik AG Halle 25, Stand 170
Metz Halle 21, Stand 102
Mustek Halle 03.2a, Stand 102
Philips Halle 22, Stand 101
Panasonic Halle 05.2, Stand 103
Samsung Halle 01.2, Stand 203/231
Sony Halle 18, Stand 101
Thomson Halle 01.2, Stand 203

(nij)