Notebooks für die Massen
Der Teuro hat bei Notebooks keine Chance, denn die Preise für die billigsten Modelle fielen seit der Euro-Einführung um ein Drittel. Schon für weniger als 1000 Euro bekommt man Serienmodelle, die ihre Aufgaben souverän erledigen. Wer noch ein bisschen drauflegt, kann sogar einen flüsterleisen Pentium-M-Langläufer oder einen kraftvollen Desktop-Ersatz mit nach Hause nehmen.
- Dr. Jürgen Rink
- Jörg Wester
Notebooks sind beliebt wie noch nie. Im Mai verbuchten die US-Händler zum ersten Mal mehr Umsatz mit Notebooks als mit PCs. In Deutschland sind wir davon noch weit entfernt, aber auch hier machen die Mobilgeräte mit zweistelligen Zuwachsraten Boden gut, während der PC-Absatz nahezu stagniert.
Die Hinwendung zum Notebook und die Abkehr vom stationären Schreibtisch-PC liegt zum einen daran, dass Firmen ihre Mitarbeiter häufiger mit mobilen Geräten ausstatten, zum anderen sehen immer mehr Nutzer im Haushalt die Vorteile der Mobilgeräte: Beim Surfen steht das Notebook auf dem Schreibtisch, für den DVD-Genuss stöpselt man es im Wohnzimmer an den Fernseher und bei schönem Wetter tippt man im Garten, solange es der Akku erlaubt. Gerade bei Privatkunden deutet vieles darauf hin, dass sich der Run aufs Notebook nicht nur fortsetzt, sondern verstärken wird - vor allem seit die Preise purzeln.
Lange Jahre blieben die Verkaufspreise von Einsteigergeräten stabil auf hohem Niveau. Die Hersteller passten lediglich die eingebauten Komponenten dem marktüblichen Angebot an. Wer im vergangenen Jahr ein billiges Notebook kaufte, musste da-für 1400 Euro ausgeben (mit Extremwerten von 1200 bis 1600 Euro). Diesen Sommer dagegen verkaufen nicht nur Billigheimer, sondern auch Markenhersteller ihre günstigsten Modelle für weniger als 1000 Euro.
Innerhalb eines Jahres fielen die Preise also um ein Drittel. Der ehemalige Preisbrecher Gericom jammert schon in einer Gewinnwarnung von sinkenden Einnahmen. Das Unternehmen, das maßgeblich den Boom der günstigen Notebooks für den Privatanwender losgetreten hat, wird die Geister, die es rief, jetzt wohl nicht mehr los. Einige Markenhersteller, die Gericom hinterherhecheln, müssen ebenfalls bluten. Der Preisrutsch hat vielschichtige Ursachen, die wir im nachfolgenden Artikel näher beleuchten.
Nicht nur die Billigsten werden günstiger, auch für die Mittelklasse muss der Kunde weit weniger zahlen als noch letztes Jahr. Den enormem Preissturz der Billigen machte die Mittelklasse zwar nicht in gleichem Maße mit, aber immerhin spart der Käufer knapp ein Viertel im Vergleich zum vorigen Jahr: Heute kann man schon für 1300 Euro einen flüsterleisen Langläufer mit der neuen Centrino-Technik erstehen. Gerade die Preise für Centrino-/Pentium-M-Notebooks verfallen rapide: Solche Geräte kosteten im Frühsommer kurz nach ihrer Markteinführung zunächst rund 2500 Euro.
Keinen Euro zu viel
Weil die Notebooks so günstig sind wie nie zuvor, werden viele Interessenten noch in diesem Jahr zum ersten Mal zugreifen. Doch gerade bei den Billigsten unter den Mobilrechnern ist Augenmaß vonnöten. Nur mit der kleinsten Festplatte, einem günstigen Prozessor, meist zu wenig Hauptspeicher und oft nur mit DVD-Laufwerk ohne Brenner gelingt es einigen, die 1000-Euro-Grenze zu unterbieten. Sinnvoll sind solche Ausstattungen für viele Anwender nicht, deshalb sollte man sich beim Kauf bereits um einen Ausbau des Hauptspeichers auf mindestens 256 MByte kümmern, besser noch 512 MByte, und sich für ein DVD/CD-RW-Laufwerk entscheiden - dann muss man sich später nicht ärgern, wenn die erste Datensicherung ansteht oder Filme und Musik den Festplattenplatz übersteigen.
Die 1000-Euro-Notebooks kalkulieren die Händler messerscharf, die Margen sind klein, deshalb lohnt auch ein genauer Blick auf scheinbar Selbstverständliches: Einige Geräte kommen ohne Betriebssystem. Was Linuxer freut, ärgert Windows-Anwender, nämlich wenn das vermeintliche Schnäppchen 229 Euro teurer wird, weil man die Windows XP Home Edition erstehen muss. Jahrelang beschwerten sich Anwender darüber, dass sie zum Notebook ein Windows-Betriebssystem kaufen müssen. Jetzt sind sie, wenn auch nur in der Billigklasse, von diesem Zwang befreit. Deshalb wollten wir natürlich auch wissen, ob Linux die Testkandidaten im Griff hat.
Top oder Flop
Um zu entscheiden, welche Konfiguration brauchbar ist, haben wir bei manchen Testkandidaten nicht zur billigsten Ausstattung gegriffen, sondern einige Euro für bessere Komponenten draufgelegt. In der Tabelle und in den Testberichten listen wir aber neben der getesteten Konfiguration auch diejenige mit dem günstigsten Preis auf.
Wir haben Seriengeräte versammelt, nicht aber Sonderangebote und Abverkäufe, weil die oft nur einige Tage in den Regalen stehen und ein Test in der c't deshalb wenig Sinn machen würde. Das heißt nun nicht, dass wir vom Kauf eines Supersonderangebots abraten. Zugreifen sollte jedoch nur, wer die Ausstattung aktueller Notebooks kennt und weiß, was er braucht.
Deshalb an dieser Stelle das Wichtigste in Kürze: Rechenleistung satt in einem flüsterleisen Notebook gibts nur mit Pentium M/Centrino, die Billiggeräte laufen mit Pentium 4, Celeron oder Mobile Athlon. Die Displays unterscheiden sich in der unteren Preisklasse nicht wesentlich, aber mehr als XGA (1024 x 768) Bildpunkte bringen sie meist nicht mit. Der Hauptspeicher sollte mindestens 256 MByte betragen und ein DVD-Laufwerk mit Brenner muss es sein. Anspruchsvolle Gamer brauchen 3D-Grafik [1], ansonsten reicht die gebotene Bildbeschleunigung. Aber auch Aldi und Co. haben ab und zu Mobilgeräte mit High-End-Grafik im Programm, nur kosten diese dann weit mehr als 1000 Euro.
Mit dem Kauf eines Mobile-Pentium-4-M-Notebooks (2,2 GHz) mit 512 MByte Speicher und 15,4-WXGA-Display für 1300 Euro, wie es Dell im August für wenige Tage anbot, kann man beispielsweise kaum was falsch machen. Ob man auch bei einem Billiganbieter Marke No-name zugreifen darf, untersucht dieser Artikel, ferner, wie sich Marken-Notebooks von No-name-Geräte unterscheiden beziehungsweise, wie sie sich nicht mehr von ihnen unterscheiden (siehe auch nachfolgenden Artikel).
Ein anderes Beispiel: Die Lidl-Kette verkaufte Ende August für 1279 Euro ein Notebook mit DVD-Brenner, 60-GByte-Platte, 3D-Grafik und WLAN. Von der Ausstattung her zweifellos ein Schnäppchen, aber ob das Notebook bezüglich Display-Qualität, Lärmentwicklung und Akkulaufzeit den Erwartungen entspricht, weiß man vor dem Kauf leider nicht. Wohl dem, der auf ein Rückgaberecht geachtet hat, denn im Falle eines Fehlkaufs kann er sein Geld zurückverlangen. Die meisten großen Fachhandelsketten gewähren ein solches Recht, und wer per Telefon, Mail, Fax oder sonstwie fernmündlich bestellt hat, dem gesteht das Gesetz ein Rückgaberecht von vierzehn Tagen zu. Letzten Endes lohnt auch ein Blick auf die Service- und Support-Leistungen: Das hundert Euro teurere Notebook kann unterm Strich doch das günstigere sein, weil der Verkäufer Vor-Ort-Service oder eine mehrjährige Garantie gewährt.
Parade
Wir wollten wissen, ob der Preisverfall mit Qualitätseinbußen einhergeht und holten deshalb 14 Geräte ins c't-Labor. Die Hälfte des Testfelds besteht aus Markengeräten. Das Apple iBook (ab 1159 Euro) konkurriert mit dem Subnotebook Averatec 3156X (ab 949 Euro) in der 2-kg-Klasse. Elitegroup betätigt sich als Preisbrecher und verkauft seinen Exoten Desknote A530 mit Transmeta-CPU für knapp 800 Euro, in einer anderen Version sogar für nur 530 Euro. Das Dell Inspiron 500m (ab 1399 Euro) und HP Pavilion ze5426EA (1600 Euro, aber mit DVD-Brenner) kosten mehr als die anderen Testkandidaten, bescheren dem Anwender jedoch zusätzlich WLAN und bei Dell auch Bluetooth-Funk und eine Pentium-M-CPU.
Das Issam Smartbook I-8640S, Vobis Power 2000+ XD, Bullman A-Klasse und Xeron Sonic Pro 800AX kommen unschwer erkennbar aus der gleichen Werkstatt Mitac und kosten ab 900 Euro. Sony lieferte ein gut ausgestattetes Vaio FR215H mit DVD-Brenner für rund 1500 Euro, das es in der Minimalkonfiguration für 1300 Euro gibt. Acer lockt mit dem angenehm flachen TravelMate 244LM inklusive DVD-Brenner für 1299 Euro. IBM zeigt mit dem ThinkPad R40e ab etwa 1000 Euro, dass edel aussehende Notebooks nicht teuer sein müssen, und zu guter Letzt haben wir mit dem voluminösen Gerät namens V-Klasse (ab 1050 Euro) ein weiteres Bullman-Notebook auf den Prüfstand geholt. Fujitsu-Siemens bescherte mit dem lange versprochenen, aber zu spät geschickten Amilo EL 6800 (1000 Euro) einigen c't-Mitarbeitern Sonderschichten, um es in diesen Test mit aufzunehmen.
Das bunte Teilnehmerfeld hat trotz aller Unterschiede auch Gemeinsamkeiten. Meist blickten wir auf ein 14- oder 15-Zoll-Display mit XGA-Auflösung. Der Grafik-Chip zwackt sich in der Billigklasse seinen Speicherbedarf vom Hauptspeicher ab (zu Lasten der Rechenleistung) und oft treibt ein Mobile Athlon die Hardware an, aber auch Pentium 4 und Celeron sind darunter. Je nach Prozessor und Chipsatz fällt die Geschwindigkeit der Speicheranbindung und damit die Rechenleistung unterschiedlich aus, von FSB100 bis FSB533 reicht die Spanne.
Das optische Laufwerk (DVD- oder DVD/CD-RW; DVD-RW nur bei teureren Geräten) ist meist fest statt als Wechselmodul eingebaut. Bei der Festplatte speisen einen die Anbieter mit 20 bis 30 GByte ab, was nicht nur DivX-Fans nervt. Der knappe Notebook-Festplattenplatz weitet sich zum generellen Ärgernis aus, denn schon bei 80 GByte ist Schluss, gerade noch erschwinglich sind 60 GByte. Eine an USB 2.0 oder FireWire angebundene 3,5-Zoll-Platte mit 100 bis 200 GByte lindert den Mangel etwas, kostet aber zwischen 150 und 300 Euro extra.
Gute Sicht
Die Displays der 15 Testkandidaten enttäuschten uns nicht, sie strahlen allesamt hell und kontrastreich. Man muss sie aber klar gegenüber den LCD-Monitoren auf dem Schreibtisch abgrenzen: Es handelt es sich um typische Notebook-Kost, die Farbverfälschungen und schnell blasser werdende Bilder schon bei leicht schräger Sicht auf das LCD zeigt. Das gilt nicht nur für die Preisbrecher, sondern für fast alle Notebook-Panel. Desktop-Qualität, wie sie in Notebooks mit großen Displays ab 15,4" Bilddiagonalen [2] und in den 17"-Notebooks [3] stecken, findet man in der Einstiegsklasse nicht. Für wenige Stunden Bildschirmarbeit pro Tag genügen die Panels der Testkandidaten, aber für Marathonsitzungen sollte man wegen des kleinen Blickbereichs, der eine verkrampfte Körperhaltung fördert, einen externen Bildschirm bemühen.
Bis auf das Panel im Dell Inspiron beträgt die Auflösung 1024 x 768 Bildpunkte (XGA). Wer bereits mit einer höheren Auflösung arbeitet, dem wird das nicht genügen, obwohl XGA vollauf für Anwendungen ausreicht. Bei vielen gleichzeitig geöffneten Fenstern oder Anwendungen liegt man mit den 1400 x 1050 Bildpunkten des Inspiron 500m besser. Ob es eine 14- oder 15-Zoll-Diagonale sein soll, ist bei XGA-Auflösung Geschmackssache. An Notebooks gewöhnte Nutzer könnten die 15-Zoll-Displays mit XGA-Auflösung als zu grob gerastert empfinden.
Die enorme Helligkeit des Dell Inspiron m500, Sony Vaio FR215 und Vobis Power 2000+ XD überraschte uns, denn mit den gemessenen 150 cd/m2 und mehr sind sie sogar sonnentagtauglich. Selbst die 130 bis 140 cd/m2 der meisten anderen Geräte reichen für Frischluftliebhaber aus. Nur das HP Pavilion ze5426EA, IBM ThinkPad R40e und Apple iBook hinken hinterher, aber deren Helligkeit mit über 100 cd/m2 genügt voll und ganz, wenn man sich vorwiegend drinnen aufhält.
Besonders bei hellen Displays stellt sich das Problem, die Leuchtstärke genügend reduzieren zu können, damit das Display bei wenig Umgebungslicht (nachts etwa in Flugzeug oder Bahn) nicht blendet. Möglichst bis hinab zu 50 cd/m2 sollte sich das Panel dimmen lassen. Das Issam Smartbook jedoch, Elitegroups DeskNote, die beiden Bullmans und das Vobis Power 2000+ lassen nicht weniger als rund 80 cd/m2 zu, das Xeron Sonic Pro immerhin 70 cd/m2. Nur das Sony Vaio, Acer TravelMate, Amilo, HP Pavilion, Averatec, IBM ThinkPad und Dell Inspiron erfüllen unsere Forderung nach einem genügend großen Stellbereich der Helligkeit, das iBook erlaubt gar stufenloses Einstellen, bis die Beleuchtung erlischt, auch wenn das übertrieben scheint.
Ein großer Blickbereich schließlich ermüdet den Betrachter weniger und gewährt mehreren Nutzern gleichzeitig den Blick aufs Display. Hier liegen herkömmliche Notebook-Panels wie in unseren Testexemplaren generell auf niedrigem Niveau. Mit ihrem Blickbereich gefielen uns das HP Pavilion, das Amilo und das Dell Inspiron am besten. Satte, leuchtende Farben bieten vor allem das Elitegroup DeskNote A530 und das IBM ThinkPad. Bei den Geräten von Vobis, Issam und Dell bemängeln wir hingegen einen Grünstich.
(jr)