Tragbare Vielfalt
Entsprechend ihren rasant gewachsenen Anteil am PC-Markt führt an den Mobilen auf dem Messerundgang kein Weg vorbei. Doch nicht nur die üblichen Verdächtigen bringen Notebooks mit, auch weniger bekannte Firmen lohnen einen Besuch.
- Dr. JĂĽrgen Rink
Das Modellkarussell dreht sich schnell im Notebook-Markt. Kaum ist ein Gerät zu haben, folgt schon das Update oder die Nachfolgeserie steht bereits an. Exklusiven Messeneuigkeiten begegnet man deshalb selten, viele der ausgestellten Notebooks stehen bereits in den Läden. Die Messe gibt daher eher Gelegenheit, sich einen aktuellen und umfassenden Marktüberblick zu verschaffen.
Die Notebooks haben an Vielfalt und Leistungsfähigkeit gewonnen: Die Rechenleistung von Subnotebooks und Tablet PCs schließt zu normalgroßen Notebooks auf, weil die Hersteller mit dem Pentium M endlich wieder einen zeitgemäßen Prozessor einbauen können. Durch seine geringere Verlustleistung ermöglicht er schmalere und flachere Notebooks mit entsprechendem Gewichts- und Platzvorteil. Dazu kommen neue Display-Formate: Die 15,4-Zoll-Panels im breiten 16:10-Format stellen zwei DIN-A4-Seiten nebeneinander dar, und trotz des notwendigerweise breiteren Gehäuses wiegen solche Geräte kaum mehr als viele 4:3-Notebooks. Die Wohnzimmer-Brummer mit Desktop-PC-Technik haben sogar 17-Zoll-Panels im Deckel, bringen aber dementsprechend einige Kilogramm mehr auf die Waage.
Intels Pentium M sorgte wie ein Katalysator für die neue Modellvielfalt. Die Dankbarkeit der Markenhersteller hält sich aber in Grenzen, seit Intel zum wiederholten Male die Markteinführung des Pentium-M-Nachfolgers Dothan verschob. Avisierte Modelle mit neuen Chipsätzen müssen nun doch mit dem alten Prozessor ausgeliefert werden.
Marke contra Noname
Es kommt noch dicker für die Markenhersteller. Intel hat vor wenigen Wochen zusammen mit den größten taiwanischen Notebook-Firmen das Programm Mobile Value Added Distributor (MVAD) ins Leben gerufen. Die beteiligten Produzenten wollen zunehmend eigene Notebooks weltweit an Distributoren liefern, anstatt den Großteil für Apple, IBM, Dell und Co. zu bauen. Intel hilft tatkräftig beim Marketing mit, weil der Chiphersteller sich von der Initiative mehr verkaufte Notebooks verspricht und an Mobilprozessoren gut verdient.
Die beteiligten taiwanischen Hersteller beherrschen jetzt schon den Notebook-Markt: Quanta, Compal, Asustek, Wistron und FIC fertigen für fast alle Markenfirmen. Allein Quanta und Compal werden dieses Jahr wohl mehr als 40 Prozent der prognostizierten 50 Millionen Notebooks liefern. Auch wenn Compal und Quanta nicht selbst mit einem Messestand in Erscheinung treten, lohnt ein Besuch bei den taiwanischen Gemeinschaftsständen, denn dort könnte der Besucher entdecken, was Marken-Notebooks demnächst unter dem Deckel haben. Auf dem Notebook-Menü für den Herbst stehen unter anderem Serial ATA und PCI-Express - und hoffentlich endlich Dothan.
Wenn ein Notebook den Desktop-PC ersetzen soll, steht weniger das Gewicht im Vordergrund, sondern eher die pure Leistung. Als Prozessor kommen AMDs Mobile Athlon 64 und Intels neuer Prescott-Kern zum Einsatz, als Grafikchip auch schon der neue ATI Mobility Radeon 9700. Dells Inspiron 9100 mit dieser Grafik und dem Pentium 4 kann man wegen Dells Abwesenheit nicht besichtigen, die Highend-Grafik trifft man aber auch bei Elitegroup im Notebook G556. Gericom zeigt ebenfalls ein neues Modell mit Radeon 9700. Das Gericom 007 mit Pentium M soll mit DVD-Brenner circa 1200 Euro kosten und etwa 2,4 kg wiegen.
Den Athlon 64 findet man beispielsweise in Acers Aspire 1500. Ansonsten versucht Acer, übliche Updates bestehender Serien als kompletten Relaunch zu vermarkten. Etwas Messegetöse muss wohl sein.
Toshiba zeigt neben Updates der Satellite-Serien M30 und P10 (beide mit 15,4-Widescreen-Display) die neue Business-Serie Tecra M2. Die Geräte wiegen lediglich 2,3 kg, haben allerdings nur ein 14-Zoll-Display mit XGA-Auflösung. Mit Pentium M, GeForceFX 5200Go und DVD/CD-RW kosten sie zwischen 2600 und 3200 Euro - ein stolzer Preis, den Toshiba auch damit rechtfertigt, die Modelle deutlich länger anzubieten als die paar Monate, die bei anderen Herstellern manchmal üblich sind.
Leichte Notebooks hat sich auch Samsung auf die Fahnen geschrieben, insbesondere das X30 lohnt einen genaueren Blick, denn das Notebook wiegt trotz breitem 15,4"-Display nur 2,5 kg. Fujitsu-Siemens stellt zum ersten Mal ein neues Modell der Subnotebook-Serie Lifebook S vor, das wie die Vorgänger nur 1,8 kg wiegt, nun aber ein 14-Zoll-Display hat.
Acer, Fujitsu-Siemens, Panasonic und Toshiba stellen auf ihren Ständen Tablet PCs aus. Aber auch ein Besuch bei Microsoft lohnt, um diese Geräteklasse kennen zu lernen. Dort findet man zum Beispiel das M1300 von Motion Computing. Zum ersten Mal will Motion das als View Anywhere bezeichnete Display mitbringen, das sowohl drinnen als auch unter Sonne ein gutes Bild zeigen soll. Welche Technik dahinter steckt, vielleicht ein transflektives oder reflektives Panel, verrät der Hersteller noch nicht. Das Display gibts für einen Aufpreis von 315 Euro für die Pentium-M-Modelle der M1300-Serie. Einen besonders robusten Tablet PC hat Panasonic dabei und Toshiba zeigt den M200, das erste Mobilgerät mit 12-Zoll-Display in hoher Auflösung. (jr)
Acer, Halle 25, Stand D40
Asustek, Halle 13, Stand 47/1
ECS, Halle 22, Stand A16
FIC, Halle 2, Stand B09
FSC, Halle 1, Stand 5e2
FSC, Halle 11, Stand D45
Gericom, Halle 2, Stand C23
Motion Computing, Halle 1, Stand 7i2
Samsung, Halle 21, Stand B44
Taiwan/Gemeinschaftsstand, Halle 13, Stand D90
Toshiba, Halle 1, Stand 6h2
Wistron, Halle 13, Stand D37
(jr)