Pixel-Express
Mehr Bandbreite fĂĽr die Systemanbindung: Der Grafik-Steckplatz des kommenden Busstandards PCI Express soll Grafik- und Video-Daten mit doppelter AGP-8X-Geschwindigkeit ĂĽbertragen.
- Manfred Bertuch
Obwohl der AGP noch lange nicht ausgereizt ist, erklären ihn Nvidia und Intel bereits zum Auslaufmodell. Statt mit Hilfe des parallel übertragenden Spezialports soll die Systemanbindung der Grafik-Hardware in Kürze über die 16-Kanal-Variante des neuen PCI-Express-Busses geschehen. Brutto soll jeder der seriellen Datenkanäle 2,5 GBit/s transferieren können - und das anders als beim AGP auch bidirektional im Voll-Duplex-Betrieb. So ergibt sich für PCIe x16 bei der verwendeten 10-zu-8-Kodierung eine Netto-Transferrate von 4 GByte/s pro Richtung, womit der neue Standard die 2 GByte/s des AGP 8X deutlich übertrifft.
Insgesamt werden pro Datenkanal acht Kontakte auf dem Steckplatz benötigt. Inklusive Stromversorgung et cetera kommt ein PCIe-x16-Anschluss so auf 184 Pins. Damit fällt dieser sogar größer aus als ein AGP-Slot mit 132 zweireihig angeordneten Kontakten. Als Ersatz für die bisherigen PCI-Slots sind hingegen kürzere PCI-Express-Steckplätze mit zunächst einem, später vier oder - vor allem im Server-Bereich - auch acht Datenkanälen vorgesehen.
Während sich Grafikchip-Entwickler ATI mit konkreten Informationen zu den geplanten PCI-Express-Grafikkarten noch vornehm zurückhält, prescht Konkurrent Nvidia ungestüm nach vorn. Die Kalifornier haben eine PCI-Express-Bridge entwickelt, mit der sie jeden ihrer AGP-Chips an Intels neuen Busstandard anpassen können. Der HSI-Chip (High Speed Interconnect) soll alle Funktionen des PCI-Express-Standards unterstützen. Die Transfergeschwindigkeit ist dabei laut Nvidia nicht auf AGP 8X begrenzt, da der Datenverkehr zwischen HSI und Grafikchip doppelt so schnell erfolgen soll.
An die Spitze der PCI-Express-Modelle stellt Nvidia eine Highend-Karte mit dem GeForce-PCX-5950-Chipsatz, der aus dem HSI-Chip und dem bekannten GeForce FX 5950 besteht. Eine Klasse tiefer wird die GeForce PCX 5750 mit dem GeForce FX 5700 angesiedelt. Die untere Mittelklasse soll die GeForce PCX 5300 mit dem bei DirectX-9-Funktionen schwächlichen GeForce FX 5200 besetzen. Im Einstiegssegment wird die GeForce PCX 4300 mit dem uralten DirectX-7-Chip GeForce4 MX 440 antreten. Nvidia empfiehlt seinen Board-Partnern dieselben Taktfrequenzen wie bei den AGP-Versionen.
Den Herstellern steht es aber nach wie vor frei, bei den Taktraten fĂĽr die Standard- und Ultra-Varianten nach oben oder unten abzuweichen. Unter anderem AOpen, Asus, Gainward, MSI und Sparkle wollen erste Musterkarten mit PCI Express auf der CeBIT zeigen. Die kĂĽnftigen Preise sollen allenfalls minimal von denen der AGP-Varianten abweichen.
ATI möchte hingegen von Anfang an auf ein im Chip integriertes PCIe-Interface setzen. Die hohe Peak-Datenrate, die niedrige Latenz und die bessere Stabilität von PCI Express würden durch einen Bridge-Chip unterminiert, so ein ATI-Sprecher. Es ist also nicht ausgeschlossen, dass der Bridge-Chip lediglich Nvidias Board-Partnern dazu verhilft, das PCI-Express-Logo auf die Verpackungen zu drucken. Zum Einführungstermin eigener Modelle gab ATI lediglich an, dass man ab Tag eins nach Erhältlichkeit von PCI-Express-Mainboards mit PCIe-Produkten am Markt sein wird. Dies könnte bereits im Frühsommer der Fall sein.
Stromreserven verdreifacht
Zusammen mit der Einführung von PCI Express wurden auch neue Obergrenzen für die Leistungsaufnahme von Grafikkarten festgelegt. Ein PCI-Express-Steck platz kann bereits bis zu 75 Watt bereitstellen, und mit einem zusätzlichem Power-Kabel dürfen Grafikkarten sogar bis zu 150 Watt verbraten. Da sich diese überwiegend aus der 12-Volt-Leitung bedienen müssen und der einzige 12-Volt-Kontakt des ATX-Steckers dazu nicht mehr ausreicht, soll dieser um zusätzliche vier Kontakte erweitert werden. Als Power-Buchse auf der Grafikkarte soll ebenfalls eine neue sechspolige Spezialausführung zum Einsatz kommen.
Aktuelle 3D-Hochleistungskarten begnügen sich noch mit rund 55 Watt. Weil die nächste Generation von Highend-Chips (Nvidia: NV40, ATI: R420) aber bis zu 175 Millionen Transistoren enthalten werden und die Taktraten zwischen 500 und 600 MHz liegen sollen, wird sich die Leistungsaufnahme wohl recht zügig in Richtung 100 Watt bewegen. Schließlich gibt sich ein mit mindestens 600 MHz betriebener und 256 MByte großer GDDR3-Speicher auch nicht gerade zimperlich bei der Stromaufnahme. Auf die Lautstärke der Lüfter und die Ausreden der Hersteller - „Gamer spielen sowieso meist mit Kopfhörer“ - darf man schon einmal gespannt sein.
Bei einer Aufrüstung auf PCI-Express werden neben Mainboard und Grafikkarte also meist auch ein neues Netzteil und eventuell auch ein neues Gehäuse einzukalkulieren sein. So fallen bei einer solchen Aktion eine Menge Einzelkomponenten ab, die sich schlecht weiterverwerten lassen. Daher sollte man sein AGP-System besser komplett einer neuen Nutzung zuführen und sich einen vollständig neuen PCI-Express-PC zusammenstellen.
Andererseits braucht man den Umstieg nicht zu überstürzen, da es noch mindestens bis zum Jahresende dauern wird, bis PCI Express seine Vorteile in der Praxis ausspielen kann. Derzeit sind PCI-Express-Grafikkarten in Spielen noch nicht einmal messbar schneller als ihre jeweiligen AGP-Pendants. Die von Intel versprochenen kompakten und dadurch preiswerteren Mainboards kann man jedenfalls erst im Laufe des nächsten Jahres erwarten, wenn PCI Express die herkömmlichen PCI-Steckplätze vollständig verdrängen soll. Neben dem Grafik-Slot wird es dann nur noch einige kleinere PCI-Express-Anschlüsse mit ein oder vier Datenkanälen geben (PCIe x1, PCIe x4), in die man etwa Gigabit-Ethernetkarten, RAID-Controller, Modems oder Sound-Hardware stecken kann. Alle übrigen Funktionen sind heute ohnehin schon auf dem Mainboard integriert oder lassen sich etwa mit USB-2.0-Geräten nachrüsten. (mri)
AOpen, Halle 23, Stand D37
Asus, Halle 2, Stand A20
Gainward, Halle 23, Stand C47
MSI, Halle 22, Stand B06
Sparkle, Halle 23, Stand A25
(ole)