Digitaler Bildertransport

Das im PC-Bereich schon lange etablierte Digital Visual Interface (DVI) soll mit bestmöglicher Videoübertragung nun auch das Heimkino erobern. Damit nicht genug, verspricht das darauf aufbauende High Definition Multimedia Interface (HDMI) sogar die Erfüllung eines Heimcineasten-Traums: Über eine einzige Leitung laufen hier auch digitaler Mehrkanalton und Steuerkommandos.

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Dass analoge Verbindungen à la VGA nicht der Weisheit letzter Schluss sind, wenn es um die Übermittlung von Videosignalen zu LC-Displays oder Digitalprojektoren geht, hat man im PC-Bereich schon vor langer Zeit erkannt: Im Unterschied zu Röhrenmonitoren müssen Digital-Displays die Signale aus dem Digital-Analog-Konverter der Grafikkarte nämlich wieder in digitale Daten zurückverwandeln. Das ist nicht nur überflüssig, sondert provoziert Einbußen bei der Bildqualität. Ein digitales Interface war hier geradezu zwingend. Heute ist das Ende 1996 eingeführte Digital Visual Interface (DVI) selbst an Grafikkarten für 29 Euro zu finden.

Doch warum soll die Logik der verlustfreien digitalen Signalübertragung nicht auch fürs Heimkino gelten? Immerhin gehen auch hier überwiegend digitale Videodaten (beispielsweise DVD-Video und Digital-TV) immer häufiger an Digitalprojektoren, LCD-TVs und Plasma-Bildschirme.

Über die verlustfreie Übertragung der Videodaten hinaus hat die digitale Verbindung im Heimkinobereich noch einen weiteren Vorteil: Ein Kabel ersetzt die drei Cinchstrippen einer hochwertigen Videokomponenten-Verbindung, wie sie für die analoge Übermittlung progressiver Videos mit Voll- statt Halbbildern oder hochauflösenden Materials (Stichwort HDTV) stets nötig ist. Auch alle kommenden HDTV-tauglichen Satellitenreceiver sollen daher einen digitalen Videoausgang besitzen.

Der nachfolgende Artikel ab Seite 134 beschäftigt sich mit dem Heimkino-Einsatz des „Digital Visual Interface“ (DVI), das mittlerweile auch an den ersten DVD-Standalone-Playern zu finden ist, sowie dem „High Definition Multimedia Interface“ als seinem designierten Thronerben im Heimkino. HDMI bietet neben der Videoübertragung weitere, speziell auf dieses Einsatzgebiet abgestimmte Features wie die parallele Übertragung von Audiodaten und Steuerkommandos. Wie der Name schon sagt, will HDMI damit den Sprung zur Multimedia-Schnittstelle schaffen - immer öfter ist vom „digitalen Scart“ die Rede. Tatsächlich kündigte Onkyo bereits einen AV-Receiver mit HDMI-Unterstützung an.

DVI ist zwar nicht steckerkompatibel zu HDMI, aber signalkompatibel (Audiosignale führt DVI nicht mit, obwohl dies technisch ebenso möglich wäre). Für die Bildausgabe kann man daher DVI und HDMI miteinander über einfache Adapter verbinden, die lediglich die unterschiedliche Steckerbauform berücksichtigen. Der HDMI-Stecker ist wesentlich kleiner als der DVI-Stecker und erinnert eher an IEEE1394-Verbinder (auch bekannt unter den Markennamen iLink und FireWire), der in amerikanischen Heimkinos übrigens nicht nur - wie bei uns - Audiodaten, sondern parallel auch hochauflösendes Video transportiert.

Hersteller von Settop-Boxen für Digital-TV kritisieren an FireWire jedoch, dass er mit der derzeitigen maximalen Datenrate von 800 MBit pro Sekunde nur komprimierte Videodatenströme weiterleitet: Für die üblichen Einblendungen ins laufende Videobild (On Screen Display) muss der komprimierte Datenstrom aus dem Fernsehsender deshalb erst dekodiert und nach der Bearbeitung wieder kodiert werden, bevor er letztlich zum Display gesendet werden kann. Neben den Mehrkosten für den Encoder (den Decoder benötigen die Boxen bei DVI/HDMI ebenfalls) steigt hier auch die Gefahr von Bildverschlechterungen durch die nochmalige Kodierung.

Den Display-Herstellern missfällt an der Übertragung komprimierter Videos via FireWire, dass jedes Gerät selbst über einen Decoder verfügen müsste. Sollen jedoch Encoder in Zuspielern und Decoder in den Displays entfallen, bleibt nur der digitale Transport der dekodierten Videodaten, deren Transferrate aber bei HDTV-Formaten auf weit über 5 GBit pro Sekunde ansteigt. LCDs, Plasmas und Digitalprojektoren übernehmen dabei nur noch die Wiedergabe der angelieferten (unkomprimierten) Daten.

Projektoren mit FireWire-Anschluss werden daher wohl Außenseiter bleiben, während man bei Beamern mit DVI-Anschluss bereits eine beachtliche Auswahl hat. Und auch erste Modelle mit HDMI-Eingang sind schon auf dem deutschen Markt erschienen. Ab Seite 140 nehmen wir aktuelle Modelle aus verschiedenen Preis- und Leistungsklassen unter die Lupe - und gehen dabei natürlich der Frage nach, ob sich die auf dem Papier existierende Überlegenheit der digitalen gegenüber der analogen Verbindung in der Praxis tatsächlich bei der Bildqualität bemerkbar macht.

Vorreiter für DVI im Heimkino waren Datenprojektoren, zu denen Anwender zunächst Standbilder und später auch DVD-Videos von PCs schickten. Die Kombination aus so genanntem „Heimkino-PC“ und Video-Beamer hat sich bis heute nicht nur gehalten, sondern bekommt derzeit neuen Schwung mit HDTV-fähigen Projektoren und Hochleistungs-PCs, die das hochauflösende Material anliefern. Wir zeigen daher ab Seite 148, wie man einen PC als DVD- oder HDTV-Zuspieler im „volldigitalen“ Heimkino am besten einsetzt. (nij)

Weitere Artikel zum Thema finden Sie in der c't 7/2004:
Die Zukunft der Videoverbindungen S. 132
DVI und HDMI im Heimkino-Einsatz S. 134
Projektoren mit Digitaleingang S. 140
PC als Zuspieler im volldigitalen Heimkino S. 148

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