ProzessorgeflĂĽster
Die Branche feiert: sich selbst und die aktuellen guten Bilanzen, der Opteron seinen Geburtstag, die sächsischen Bauarbeiter der AMD-Fab in Dresden Richtfest, die Intelianer ein buntes, lautes multimediales europäisches IDF (/ct/04/10/018/"S. 18), IBM und Hewlett-Packard den Stapellauf neuer Serversysteme - und c't feiert natürlich überall mit.
- Andreas Stiller
Aufatmen in der Branche, der PC-Markt entwickelt sich prächtig. Intel und IBM machen wie gewohnt dicke Milliardengewinne, Motorola widerfährt nach langer Durststrecke wieder Erbauliches und AMD kann die Erfolge des Weihnachtsquartals ohne saisonale Einbuße aufs erste Quartal 2004 weiterschreiben. 45 Millionen Dollar Gewinn (bei 1,236 Milliarden Dollar Umsatz) sind zwar nur Peanuts verglichen mit solchen, die Intel (1,7 Milliarden), IBM (1,6 Milliarden) oder HP (936 Millionen) erzielen, AMDs Erdnüsse sind aber garniert mit ermutigenden Zuwachsraten beim Prozessorverkauf. Neue Innovationszentren für „Automated Precision Manufacturing“ (APM) für die 300-mm-Produktion wurden in Dresden und Austin/Texas gegründet und das Prozessorhaus steigt auch in die Open Source Development Labs ein, mit einem Entwicklungslabor im indischen Bangalore. Die vor vier Jahren von Intel, IBM, Hewlett-Packard und NEC gegründete OSDL, bei der auch Linus Torvalds und Andrew Morton mitarbeiten, hat sich zum Ziel gesetzt, Linux für den Unternehmens- und Telekombereich attraktiver zu machen.
Voran gehts auch mit dem im Bau befindlichen Chipwerk Fab 36 in Dresden-Wilschdorf, das am 17. Mai in Anwesenheit des Bundeskanzlers, des sächsischen Ministerpräsidenten und des AMD-Chefs Richtfest feiern wird. Und gerade erst hat der Opteron seinen ersten Jahrestag gefeiert. Zur Party kamen die Taufpaten IBM und Fujitsu Siemens, die neuen Freunde Sun und HP sowie 1000 weitere Gratulanten aus allen Bereichen der PC-Branche.
Und weil wir gerade am Feiern sind: Das c't-Bandspeicherverfahren für „jeden“ Computer namens SuperTape hatte im April 20-jähriges Jubiläum. Die Lösung für den PC via Soundkarte habe ich erst jetzt, leicht verspätet, nachgeliefert - und nur, weil ich den Inhalt meiner alten ZX81-Kassetten retten wollte, die meine Tochter zur Aufnahme der Osterhitparade „Das Gelbe vom Ei“ benötigte. Retro-Computerfans können die Windows-Software samt Delphi-Source via Soft-Link downloaden.
Auf vielen Wegen
Die Auguren der Marktforschungsinstitute Gartner und IDC feiern ihre guten Vorhersagen und bessern voller Optimismus die ohnehin recht positiven Prognosen fĂĽr das laufende Jahr noch ein bisschen auf. Europa hat im PC-Markt (zusammen mit dem Nahen Osten und Afrika zu EMEA zusammengerĂĽhrt) mit einem Plus von 21,7 Prozent gegenĂĽber dem Vorjahr sogar die Nase vorn, mit Zuwachs auf allen Gebieten seien es Desktop-PCs (+ 12,2 %), Notebooks (+ 46,4 %) oder Server (+ 22,8 %). FĂĽrs laufende Jahr sehen IDC und Gartner insgesamt einen Zuwachs von rund 14 Prozent. Spitzenreiter in Europa (samt EMEA-Anhang) ist weiterhin Hewlett-Packard, WeltmarktfĂĽhrer Dell holt zwar auf, aber nicht mehr ganz so schnell. Shooting Star in Europa ist jedoch Acer, dank eines enormen Zuwachses von 120 Prozent bei den Notebooks.
Bei den Servern sind es vornehmlich die kleineren Zwei- und Vier-Wege-Systeme, die für Aufschwung sorgen. Zwar wurden im letzten Jahr laut IDC nur etwa 228 000 Vier-Wege-Server verkauft, aber die Margen sind gut, der kleine Markt lohnt sich daher trotzdem. Opterons sind inzwischen auf Dual-Boards sehr beliebt, die besonders in größeren Cluster-Verbänden zum Einsatz kommen. Bei den Vierfach-Systemen waren sie hingegen bislang nur in homöopathischen Dosen zu finden, IDC-Analyst Melenovsky spricht von nur 800 Systemen. Das wird sich jetzt wohl ändern, nachdem ausgerechnet Itanium-Mitentwickler Hewlett-Packard lautstark die nächste Runde eingeläutet hat. Anders als der von der kanadischen Firma Celestica hergestellte und von HP durchverkaufte kleine Zweifach-Server DL 145 soll HPs Vier-Wege-Maschine Proliant DL585 eine Eigenentwicklung sein, was die Ernsthaftigkeit des Großkonzerns unterstreicht, hier längerfristig mit einem preiswerten Opteron-System Fuß fassen zu wollen. Zudem bringt HP interessante Innovationen ein , wie das praktische, via Hypertransport angekoppelte Prozessor-Speicher-Modul.
IBM will im Juni mit einem Vier-Wege-Opteron-System xSeries 350 (mit Newisys-Board) auf den gleichen Markt, bestĂĽckt schon mit dem schnelleren Opteron 850 (2,4 GHz). Zur gleichen Zeit erwartet man auch Suns Opteron-Quartett. Das passende neue Solaris 9 hat Sun jetzt bereits auf den Markt gebracht.
HPs Opteron-Erstling setzte mit 712 SD-Usern bei 1,95 s Antwortzeit im wichtigen SAP-SD-Benchmark gleich die richtige Duftmarke, er liegt damit etwa gleichauf mit dem erheblich teureren Itanium-2-Vierfach-System rx4640 aus gleichem Hause. IBM zeigte allerdings nur einen Tag später mit dem xServer 365, dass auch der Xeon-Prozessor in der gleichen Liga spielen kann, wenn man ihm ordentlich L3-Cache spendiert, nämlich 3 MByte. Mit 720 SD-Usern/ 1,93 s konnte IBMs xServer sogar ganz knapp die Spitze vor den beiden HP-Systemen in der Vier-Wege-Konkurrenz übernehmen.
Viele FLOPs
Der Itanium 2 kommt allen Unkenrufen zum Trotz auch langsam in Schwung. Seine herausragende Gleitkommaleistung macht ihn vor allem für wissenschaftliche Aufgaben sehr attraktiv. So hat sich das Science Supercomputing Center (SSC) an der Universität Karlsruhe entschlossen, in den nächsten zwei Jahren einen Supercomputer von Hewlett-Packard mit insgesamt 1200 Itanium-2-Kernen aufzubauen, die zum Teil ab nächstem Jahr in dem Doppelprozessor Montecito mit 24 MByte L3-Cache logieren werden. HP konnte dabei IBM ausbooten, die zuvor der Supercomputer-Partner des SSC mit 256 RS/6000-Rechnern waren.
Mit preiswerten Itanium-Versionen will Intel nun verstärkt den Markt der Zwei- und Vier-Wege-Server adressieren. Die Version mit 1,4 GHz/3 MByte Cache kostet nur 1172 US-Dollar (in 1000er-Stückzahlen). Im Mai soll sich eine etwas schnellere 1,6-GHz-Version zu etwa dem doppelten Preis hinzugesellen.
Besonders erfolgreich waren die gesponserten Itanium-2-Rechner bei Toyota indes noch nicht: Deren Formel-1-Renner konnten bislang noch keinen einzigen Punkt verbuchen. Die von AMD unterstützten Ferraris scheinen hierbei nicht zu bremsen zu sein. Immerhin kamen die Toyotas „Made in Germany“ weitaus häufiger im Ziel an als die hocheingeschätzte sternverzierte Konkurrenz - mit Siemens als Technology Sponsor. (as)
(as)