Tux auf Reisen

Ein Abenteuer ist die Linux-Installation auf einem Notebook zwar nicht mehr, aber trotzdem lauern mehr Fallen als bei einem normalen PC. Vor dem Kauf des Traum-Notebooks sollte man dessen Innenleben auf Linux-Kompatibilität checken - oder gleich einen Live-Test machen.

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Nachdem Linux auf Intel-Servern zur Selbstverständlichkeit geworden ist, sich in der Desktop-Welt zur ernsthaften Konkurrenz gemausert hat und auch auf Plattformen jenseits der PC-Welt eine immer wichtigere Rolle spielt, verbleiben als große Herausforderung die mobilen Computer.

Notebooks mit ihrer häufig sehr speziellen Hardware verlangen dem Pinguin-Freund immer noch Kompromisse ab. Zwar lässt sich Linux heutzutage ohne größere Hindernisse auf fast jedem Notebook installieren. Aktuell sollte die Linux-Distribution aber schon sein: Hinsichtlich Treibern und ACPI-Unterstützung ist der neueste 2.6er-Kernel gerade gut genug. Und auch dann kann es noch vorkommen, dass man selbst Hand anlegen und einen Treiber nachrüsten muss. Vor allem WLAN-Chips und Softmodems bereiten manchmal Ungemach, aber auch an unerwarteten Stellen kann es zwicken. Wie der Test ab Seite 90 zeigt, gibt es immer noch Notebooks, die unter Linux einfach nicht rund laufen wollen, obwohl eigentlich alle Komponenten darin unterstützt werden.

Bei den PDAs stellt sich die Situation noch schwieriger dar, sind diese Geräte doch noch enger mit der darauf vorinstallierten Software verbandelt als Notebooks. PDAs mit Linux sind auf dem deutschen Markt kaum zu finden; nicht umsonst gilt der iPAQ, den Hewlett-Packard mit Compaq übernommen hat, dank relativ einfacher Umrüstbarkeit derzeit als der beste Linux-PDA. Details zu Linux auf PDAs finden Sie im Artikel ab S. 102, c't 17/04.

Wie sieht das perfekte Notebook für Linux aus? Viele Komponenten wollten bedacht sein, soll später das ganze Gerät im Linux-Betrieb Spaß machen. Das fängt mit so unverzichtbaren Dingen wie Prozessor, Chipsatz und Grafik an; auch der Soundchip ist kaum zu ersetzen, soll das Notebook nicht komplett stumm bleiben. USB-Schnittstellen und PC-Card-Controller sind wichtig, will man das Gerät erweitern oder nicht funktioniererende Onboard-Komponenten ersetzen. Vor allem bei Ethernet-, Modem- und WLAN-Chips sollte man genau hinsehen, was im Notebook steckt, will man später keine böse Überraschung erleben. Und auch beim Thema Powermanagement ist mit Linux mehr möglich, als man denkt: Speedstep und PowerNow lassen sich nutzen, mit ein bisschen Tricksen sind Suspend to Disk, manchmal sogar Suspend to RAM möglich. Im Zweifelsfalle macht man vor dem Kauf einen Linux-Live-Test -- mehr dazu später.

Als Prozessor kommt derzeit eigentlich nur ein Pentium M in Frage, da er der x86-Konkurrenz beim Stromsparen um Längen voraus ist. SpeedStep funktioniert unter Linux einwandfrei, der neue Prozessorkern Dothan benötigt dazu allerdings den aktuellen Kernel 2.6.7. Auch der im normalen Betrieb stromsparende „Mikroschlaf“-Prozessor-Zustand C3 funktioniert fast immer. Einzig ernsthafte Konkurrenz ist der PowerPC G4, den Apple in seinen aktuellen iBooks verbaut.

Auch wenn sich der Pentium M in allen Notebook-Klassen der x86-Welt weitgehend durchgesetzt hat, findet man immer noch Modelle mit anderen Prozessoren. Desktop-CPUs wie P4 oder Celeron beherrschen weder SpeedStep noch C3 und verbrauchen daher unnötig Strom, werden sehr heiß und erfordern viel Kühlung: Der Akku leert sich schnell, der Lüfter läuft häufig an. Letzteres nervt auch im stationären Betrieb, schließlich steht das Notebook nicht auf Distanz unter dem Schreibtisch. Der Athlon 64 bietet in Notebooks wenig Vorteile, hat aber den Nachteil, dass proprietäre Herstellertreiber, ohne die es nicht immer geht, kaum in 64-Bit-Versionen zu kriegen sind. Cool’n’Quiet funktioniert unter Linux zwar ebenso wie PowerNow beim 32-Bit-Athlon, aber beide CPUs verbraten auch in ihren Mobile-Versionen deutlich mehr Energie als der Pentium M.

Ein weiteres Argument für den Pentium M sind die Chipsätze: Sowohl Intels Centrino-Chipsatz 852/855 in seinen diversen Spielarten als auch die Pentium-M-Chipsätze von ATI bereiten aktuellen Linux-Versionen keine Probleme. Die Chipsätze von SiS fallen hingegen immer wieder unangenehm durch Probleme beim IRQ-Routing auf, was sich in obskuren Problemen bei Onboard-Komponenten zeigen kann - Ethernet-Chips beispielsweise, die sich zwar konfigurieren lassen, aber keine Verbindungen zustande bringen. Man muss die Chipsätze daher häufig mit den Kernelparametern noapic und/oder pci=noacpi am Bootprompt zur Mitarbeit überreden. Zudem bietet die integrierte Grafik der aktuellen Versionen unter Linux keine hardwarebeschleunigte 3D-Grafik.

Die integrierte Grafik ist auch die größte Schwachstelle der aktuellen VIA-Chipsätze. VIA stellt 3D-beschleunigte Treiber nur in binärer Form für nicht mehr aktuelle Linux-Distributionen bereit, und der freie Unichrome-Treiber [1] erfordert derzeit das eigenhändige Kompilieren des kompletten X Window System. Der savage-Treiber im aktuellen XFree86 bietet keine 3D-Beschleunigung.

Ansonsten sind Grafik-Probleme selten geworden, seit sich die integrierte Grafik im Centrino-Chipsatz auch mit 1400 x 1050 Pixeln ohne Trauerrand verwenden lässt [2]. Schon der Standardtreiber aus XFree86 nutzt die 3D-Beschleunigung des Chips, aber der Treiber von Intel [3] bringt noch einen kräftigen Schub bis in die Geschwindigkeitsregionen eines Radeon 9000. Obwohl es laut Dokumentation möglich sein sollte, ist es uns nicht geglückt, ein brauchbares Bild auf dem TV-Ausgang auszugeben oder einen erweiterten Desktop auf einem externen Monitor anzuzeigen (Xinerama) - Details dazu im nachfolgenden Test. Den Clone-Modus, in dem Notebook-Display und externer Monitor das gleiche Bild in gleicher Auflösung darstellen, beherrscht auch der XFree86-Treiber. Videos spielen beide Treiber ruckelfrei ab.

Auf aktuellen Kernel-Versionen kompiliert der Intel-Treiber nicht. Man sollte daher statt der angebotenen rpm-Dateien (deren Installation schlägt fehl, ohne dass der Anwender eingreifen kann) das tgz-Archiv herunterladen und auspacken [3]. Dort muss man in der Datei dripkg/drm/Makefile.linux alle Dateinamen *.o in *.ko ändern. In dripkg/drm/drm_vm.h ist der erste Aufruf von DRM_DEBUG auszukommentieren. Unter Suse Linux ist zudem der Link /usr/lib/modules/Version/build auf /usr/src/linux-version umzusetzen. Anschließend läuft das Skript dripkg/install.sh durch, übersetzt und installiert den Treiber.

Die deutlich schnelleren aktuellen ATI-Chips kommen unter Linux nur mit den (elend umständlich zu installierenden und schlecht dokumentierten) Treibern von ATI in Schwung, der XFree86-Treiber beherrscht hardwarebeschleunigte 3D-Grafik lediglich bis zum Radeon 9200. Beide Treiber steuern einen externen Monitor wahlweise im Clone- oder Xinerama-Modus an, allerdings verwendet der XFree86-Treiber im Clone-Betrieb für den externen Monitor und das Display dieselbe Auflösung. Das kann bei den hochauflösenden Displays edlerer Notebooks einen Beamer oder externen Monitor überfordern. Ein TV-Ausgang lässt sich nur mit dem ATI-Treiber und dort auch nur parallel zu einem externen Monitor nutzen.

Die 3D-Beschleunigung von nVidia-Chips, die allerdings derzeit auf dem Notebook-Markt kaum eine Rolle spielen, lässt sich nur mit den Treibern vom Hersteller nutzen. Der Treiber von nVidia beherrscht beide Dual-Head-Modi (Clone, Xinerama) und betreibt auch einen TV-Ausgang ohne Probleme oder Einschränkungen.

Ob man Display und externen Monitor über die dafür vorgesehenen Funktionstasten unabhängig voneinander an- und abschalten kann, ist Glückssache. Für die integrierte Grafik in Intel-Chips existiert ein Programm names i810switch [4], das Display und externen Monitor nach Belieben an- und abschaltet.

Audio bereitet dank der Integration von ALSA [5] in den 2.6er-Kernel kaum noch Probleme, allerdings sollte man sich hinsichtlich der Funktionstasten zur Lautstärkeregelung nicht allzu viele Hoffnungen machen - ein Drehrädchen mag nicht so hip sein, funktioniert aber unabhängig vom Betriebssystem. Die Display-Helligkeit lässt sich hingegen meist über die Funktionstasten einstellen. Auch Touchpads und Maustasten funktionieren normalerweise ohne weiteres Zutun. Häufig sind Synaptics-Touchpads verbaut, für die ein spezieller XFree86-Treiber existiert [6]. Damit lassen sich Mausklicks durch Antippen des Touchpads simulieren. Suse Linux 9.1 bringt den Synaptics-Treiber bereits mit, der Anwender muss ihn allerdings explizit im X11-Konfigurationstool Sax2 auswählen. (odi)

[1] S3-Grafik in VIA-Chipsätzen

[2] Auflösung einstellen bei Centrino-Grafik

[3] Treiber fĂĽr Centrino-Grafik

[4] i810switch

[5] ALSA-Projekt

[6] Treiber fĂĽr Synaptics-Touchpad

"Linux tragbar"
Weitere Artikel zum Thema Linux auf Notebooks finden Sie in der c't 17/2004:
Der Weg zum idealen Linux-Notebook S. 84
Linux auf 14 aktuellen Notebooks S. 90
PDAs mit Linux S. 102

(odi)