PCI-Express-Alternativen

Nach SiS kündigt nun auch VIA Konkurrenzprodukte zu Intels PCIe-Chipsätzen an.

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Mit dem PT880 Pro, dem PT894 und dem PT894 Pro kündigt VIA gleich drei neue Chipsätze für Intels Pentium-4- oder Celeron-Prozessoren an. Allen gemeinsam ist jeweils ein PCI-Express-x16-Port für Grafikkarten (PCI Express for Graphics, PEG), was sie vom Vorgänger PT880 (mit AGP) unterscheidet. Außerdem unterstützen sie auf ihren beiden Speicherkanälen außer DDR-Speicher alternativ auch DDR2-RAM, und zwar Module mit bis zu 333 MHz Taktfrequenz (PC2-5300 aus DDR2-667-Chips).

VIA konkurriert mit diesen Chipsätzen vor allem mit Intels i915- und i925-Typen und will nicht nur mit günstigeren Preisen, sondern auch mit Zusatzfunktionen und besonders flexiblen Konfigurationsmöglichkeiten punkten. Die Pro-Versionen des PT880 und des PT894 sollen jeweils zwei Grafikkarten unterstützen: Der PT880 Pro bietet außer dem PEG-Port auch einen AGP, der PT894 Pro unterstützt einen zweiten PCIe-x16-Konnektor mit immerhin noch vier PCIe-Lanes, arbeitet also ganz ähnlich wie der Nvidia nForce4 SLI für Athlon-64-Prozessoren. Anders als bei diesem lässt sich bisher zwar die Grafikleistung von zwei Grafikchips nicht bündeln, aber es werden preiswerte Multi-Monitor-Konfigurationen möglich. 3D-Beschleunigung für Spiele leistet dann normalerweise nur derjenige Grafikchip, den Windows als primären Display-Adapter nutzt.

Nvidias intensiv beworbene SLI-Technik hat einen regelrechten Boom von Zwei-Grafikkarten-Mainboards ausgelöst, obwohl diese Konfiguration in der Praxis selten zum Einsatz kommen dürfte. Lösungen wie der per PCI-Bus angebundene AGP auf dem Elitegroup 915P-A bieten dabei nur einen Bruchteil der AGP-8X-Transferleistung. Mittlerweile hat aber Gigabyte ein Mainboard mit Intel-i915P-Chipsatz angekündigt, das ebenfalls zwei Steckplätze für PCIe-x16-Grafikkarten bietet (GA-8I915P Dual Graphic). Der VIA PT880 Pro ist aber der zurzeit einzige Chipsatz, der den parallelen Betrieb von AGP- und PCIe-Grafikkarten mit hoher Performance ermöglicht.

Außer dem PEG-Port sind beim PT880 Pro keine weiteren PCIe-Anschlüsse vorgesehen, als Southbridge kommt die seit nunmehr rund 18 Monaten ausgelieferte VT8237 mit zwei Serial-ATA-Ports und mit RAID-Funktionen zum Einsatz. Erst die beiden PT894-Varianten kooperieren mit der „in wenigen Wochen“ lieferbaren VT8251, die nicht nur zwei zusätzliche PCIe-x1-Ports, sondern auch zwei weitere SATA-Ports und erweiterte RAID-Funktionen bringen soll, darunter RAID 5. Alle vier SATA-Ports sind laut VIA AHCI- und SATA-II-kompatibel, laufen also mit bis zu 3 GBit/s und unterstützen Hot Plugging, Native Command Queuing (NCQ) und die eher für Workstations und Server wichtige Port-Multiplier-Funktion für noch mehr Laufwerke.

VIA erwartet, dass die meisten Mainboards mit den neuen Chipsätzen einen LGA775-Sockel für die pinlosen Pentium-4- und Celeron-Gehäusetypen tragen werden, die mit FSB533, FSB800 oder FSB1066 (Extreme Edition) laufen. Die LGA775-Platinen mit VIA-Chipsätzen sollen das momentan etwas vernachlässigte Preissegment um 100 Euro füllen, also preislich zwischen den Boards mit Intels alten (i865/i875) und neuen (i915/i9265) Chipsätzen liegen.

FĂĽr einen Kurztest in der c't-Redaktion stellte VIA zwei Mainboard-Prototypen zur VerfĂĽgung, wobei aber dasjenige mit PT880 Pro noch einige Treiberprobleme hatte und das andere gar nicht erst starten wollte. Immerhin zeigten die funktionierenden Standard-Benchmarks keinen wesentlichen Abstand zu Intels Produkten. Allerdings akzeptierte das PT880-Pro-Muster keine unserer PCI-Express-Grafikkarten, sodass sich ausgerechnet die spezielle AGP-PCIe-Kombi-Funktion nicht ausprobieren lieĂź.

Laut VIA soll ein erstes PT880-Pro-Mainboard schon bald bei Gigabyte zu haben sein, PT894-Versionen mit VT8251 dürften aber erst zur CeBIT im März verfügbar sein. In letzter Zeit hat VIA offenbar Terminschwierigkeiten, denn bisher sind Boards wie das Abit AX8 mit dem bereits im September 2004 angekündigten PCI-Express-Chipsatz K8T890 für Athlon-64-Prozessoren in Deutschland noch nicht zu bekommen. Deshalb macht Nvidia das Geschäft mit PCIe-Chipsätzen für den Athlon 64 zurzeit alleine. Nun rücken bereits die ersten Boards mit dem ATI Radeon Xpress 200 heran und es ist zu erwarten, dass außer SiS sowohl ATI (RS400) als auch Nvidia (Nforce5) noch PCI-Express-Chipsätze für den Pentium 4 herausbringen werden.

Pentium-4-Chipsätze mit PCI-Express-Ports
Typ FSB RAM PCIe- Lanes NB1 PCIe- Lanes SB2 AGP PATA SATA RAID
Intel i925XE 533 /800 /1066 DDR2-400 /DDR2-533 16 ICH6: 4 - 1 Kanal 4, ICH6R: AHCI ICH6R: SATA 0, 13
Intel i925X 533 /800 DDR2-400 /DDR2-533 16 ICH6: 4 - 1 Kanal 4, ICH6R: AHCI ICH6R: SATA 0, 13
Intel i915P 533 /800 DDR2-400 /DDR2-533, DDR333 /DDR400 16 ICH6: 4 - 1 Kanal 4, ICH6R: AHCI ICH6R: SATA 0, 13
Intel i915G 533 /800 DDR2-400 /DDR2-533, DDR333 /DDR400 16 ICH6: 4 - 1 Kanal 4, ICH6R: AHCI ICH6R: SATA 0, 13
VIA PT894 Pro 533 /800 /1066 DDR2-400 /DDR2-533 /DDR2-667, DDR333 /DDR400 16+44 VT8237: 0, VT8251: 2 - 2 Kanäle VT8237: 2, VT8251: 4 AHCI VT8237: SATA 0, 1, VT8251: SATA 0, 1, 10, 5
VIA PT894 533 /800 /1066 DDR2-400 /DDR2-533 /DDR2-667, DDR333 /DDR400 16+2 VT8237: 0, VT8251: 2 - 2 Kanäle VT8237: 2, VT8251: 4 AHCI VT8237: SATA 0, 1, VT8251: SATA 0, 1, 10, 5
VIA PT880 Pro 533 /800 /1066 DDR2-400 /DDR2-533 /DDR2-667, DDR333 /DDR400 165 VT8237: 0 8X5 2 Kanäle VT8237: 2 VT8237: SATA 0, 1
SiS656 533 /800 DDR2-400 /DDR2-533 /DDR2-667, DDR333 /DDR400 16 SiS965: 2 - 2 Kanäle SiS965: 4 SiS965: SATA 0, 1, 10
SiS649 533 /800 DDR2-400 /DDR2-533, DDR333 /DDR400 16 SiS965: 2 - 2 Kanäle SiS965: 4 SiS965: SATA 0, 1, 10
1 NB = Northbridge
2 SB = Southbridge
3 mit Matrix RAID zwei RAID Volumes auf zwei Disks möglich
4 VIA DualGFX Express
5 VIA Universal Graphics Interface

(ciw)