Websites aktuell
- Herbert Braun
- Horst-Joachim Hoffmann
Lesezeichen-Netzwerk
Suchmaschinen mögen noch so gute Treffer liefern - die interessantesten, originellsten und hilfreichsten Webadressen erfährt man meist von Bekannten. Der Webdienst Furl („File URL“) stellt den Rahmen bereit, um mit einer großen Webgemeinde seine Lieblingsseiten auszutauschen. Nach kostenloser Registrierung zieht man sich am besten die Adresse des Furl-Eingabedialogs auf die persönliche Browser-Leiste. Ist man beim Surfen auf etwas Interessantes gestoßen, wird die Seite kategorisiert, bewertet und kommentiert. Wenn nicht als „privat“ markiert, ist das Lesezeichen auch für andere Furl-Nutzer zu sehen. Der Dienst speichert einen Schnappschuss der Seite.
In vielen Details wie dem Im- und Export von Lesezeichen macht der von Looksmart betriebene Dienst einen durchdachten Eindruck. Mitglieder, welche die gleichen Seiten ähnlich bewerten wie man selbst, gelten als „Furlmates“, deren Lieblingsseiten der Dienst als Empfehlungen auflistet. Die Fundstücke beliebiger Furler kann man abonnieren, auf Wunsch mit Mail-Benachrichtigung oder RSS-Feed. Je nach persönlicher Vorliebe lässt sich Furl als Lesezeichensammlung, als Webkatalog oder als Blog nutzen - denn schließlich ist eine kommentierte Lesezeichensammlung für den Vielsurfer eine Art Tagebuch. (heb)
Das Beben und die Bilder
unosat.web.cern.ch
earthquake.usgs.gov
Die Tsunami-Katastrophe in Südost-Asien hat erschütternde Bilder in die behaglichen Winterwohnstuben gebracht. Ein Gesamtbild vom Ausmaß der Zerstörung verschaffen Satellitenfotos. Unosat stellt 70 dieser Satellitenbilder zur Betrachtung frei, teils als Einzelfotos, teils als „Vorher-Nachher“-Aufnahmen. Die meisten Bilder gibt es zusätzlich hochaufgelöst in einer mehrere Megabyte großen Datei, für die Region um Banda Aceh (Indonesien) wurde sogar ein 59 MByte großer 3D-Film errechnet. Alle Bilder sind in englischer Sprache detailliert beschriftet und so auch für den Laien gut in das Gesamtgeschehen einzuordnen. Zum besseren Verständnis helfen erklärende Karten, etwa zur Bevölkerungsdichte. Auch andere Katastrophen dokumentiert Unosat, etwa das Zugunglück in Nord-Korea (April 2004) oder das Erdbeben in Bam/Iran vor einem Jahr.
Etwa 8000-mal im Jahr bebt die Erde, meist ohne dass wir es merken oder dass Schäden entstehen. Nur durchschnittlich 20 Beben im Jahr erreichen eine Stärke von mehr als 7,0 auf der Richterskala - wie das Seebeben vor Sumatra, für das eine Stärke von 9,0 gemessen wurde.
Auf den englischsprachigen Webseiten des Earthquake Hazards Program gibt es nicht nur eine aktuelle Liste von Beben, sondern auch wissenschaftliche Statistiken und Karten zum Anklicken. Der historische Teil verzeichnet alle großen Erderschütterungen seit Menschengedenken. Die FAQs enthüllen beispielsweise, dass das erste bekannte Seismoskop zur Entdeckung von Erdbeben im Jahr 132 in China gebaut wurde. Auch ein Blick in die sehr gut erläuternden Kinderseiten („Only for Kids“) lohnt sich: Sie bringen neueste wissenschaftliche Erkenntnisse nahe und laden zu kleinen Experimenten ein. Aufgeräumt wird mit Mythen um Erdbeben und ihre Vorhersage - etwa, dass das Verhalten von Tieren ein zuverlässiger Indikator sei. Und schließlich gibt es Ratschläge, was zu tun ist, wenn der Boden unter den Füßen wackelt. (Horst-Joachim Hoffmann/heb)
Flimmerkistchen
Frank Günthör sammelt Fernsehgeräte - aber keine gewöhnlichen: Nur Kleinstgeräte mit einer Bilddiagonalen bis etwa vier Zoll finden Eingang in sein Privatmuseum. Die rund 170 verschiedenen Geräte, die sich dort angehäuft haben, werden fast alle auf seiner Seite Franks Taschenfernseher vorgestellt. Techniknostalgiker kriegen feuchte Augen bei der kenntnisreichen Beschreibung der TV-Zwerge mit Röhren- oder LCD-Bildschirm, darunter auch die ebenso berühmte wie unbrauchbare TV-Watch von Seiko aus dem Jahr 1983. Blicke ins Innenleben und Hintergrundinformationen zur Technik runden die unterhaltsame Seite ab. (heb)
Tausche Buch gegen Gutschein
Seit knapp 3000 Jahren benutzen wir Geld - höchste Zeit, wieder zum Tauschhandel zurückzukehren, scheint die Idee von Boogg.de zu sein. Das Prinzip ist einfach: Statt die gelesenen Bücher und die bis zum Überdruss gesehenen DVDs im Wohnzimmer aufzutürmen oder bei einer Online-Auktion für ein paar Groschen zu verkaufen, tauscht man sie einfach mit anderen Leuten, die das gleiche Problem haben. Dazu „verschenkt“ man sie und erhält dafür einen Gutschein von Boogg.de, mit dem man sich selbst beschenken lassen kann. Auch kostenlose Ausleihe ist möglich, der direkte Tausch zwischen zwei Teilnehmern ist angekündigt. In Form von kleinen Homepages stellt Boogg.de Nutzern mit ähnlichen Interessen auch eine Plattform für Kontakte bereit. Zurzeit bieten 460 Nutzer 3000 Medien an. Außer Porto und Verpackung fallen keine Kosten an. (heb)
Kühles Portal
Webportale müssen nicht zwangsläufig mit Bannern, Busenfotos und Boulevardmeldungen zugekleistert sein, wie beste info zeigt. Das neue Tor zum WWW positioniert sich irgendwo zwischen dem schlanken toool:de und dem ortsbezogenen Ansatz von meinestadt.de. Die sachlich-kühl anmutende Seite teilt ihre Linksammlung in elf Hauptkategorien von „Bildung“ bis „Wirtschaft“ auf, jede davon hat ungefähr zehn Unterkategorien mit jeweils einer Handvoll gut ausgewählter Links. Stadtinformationen gibt es derzeit zu 14 Metropolen, die Aufnahme weiterer Städte ist angekündigt. Wichtige Adressen wie Notrufe, Nachrichten und Online-Shops finden sich ebenso wie die Hitliste der zehn meist genutzten Links auf den beiden Seitenleisten. Wem das an Webressourcen nicht reicht, kann immer noch auf die integrierte Google-Suche ausweichen. (heb)
Die Websites aus c't 3/2005