Doppel-Hype

Intels Hyper-Threading läutete als Pseudo-Dual-Prozessortechnik für jedermann den Trend ein, Zweikanal-RAM und Festplatten-RAID sind längst etabliert, nun kommen die „echten“ Zwillinge: Zwei Grafikkarten im SLI-Team sind schon zu haben, Doppelkern-Prozessoren stehen vor der Tür.

vorlesen Druckansicht
Lesezeit: 12 Min.
Inhaltsverzeichnis

Die Hardware-Branche im Tandem-Rausch: Schon im Vorfeld der CeBIT und des Intel Developer Forums (IDF) überboten sich Intel und AMD gegenseitig mit Ankündigungen von Mehrkern-Prozessoren. Außer Prototypen und PowerPoint-Präsentationen ist zwar noch nichts zu sehen, doch die beiden Kontrahenten und mit ihnen die Mainboard- und Chipsatzhersteller schwärmen für das Thema: Allerorten ist von Dualcore-vorbereiteten Produkten die Rede, die problemlos mit den im Sommer und Herbst erwarteten Zwillingsprozessoren kooperieren sollen.

Wie wichtig das Thema für Intel ist, mag die ungewohnte Mitteilungsfreude des Marktführers belegen: Während man auf den vergangenen beiden CeBIT-Messen noch Mainboard-Aussteller anmeckerte, weil auf deren Exponaten schon die endgültigen Typenbezeichnungen der jeweils noch nicht offiziell vorgestellten Chipsätze i865/i875 und i915/i925 zu finden waren, hat Intel nun schon im Januar die erst zur Jahresmitte eingeplanten Modelle i955X Express (Glenwood) und i945P/G (Lakeport) angekündigt. Folglich dürften erste Mainboard-Muster mit diesen Chipsätzen für den Doppelkern-Pentium-4 „Smithfield“ (wohl Pentium D) bereits an den Ständen der taiwanischen Board-Spezialisten zu sehen sein.

Wie in den letzten beiden Jahren konzentrieren sich die Hauptplatinen-Hersteller in den Hallen 22 und 23, wo die Grafikchip- und Chipsatz-Konkurrenten ATI und Nvidia ebenfalls ihre Lager aufschlagen. Intel wählte wieder die Halle 2, und dort sind etwa auch Asus, Sony, Medion und FIC zu finden - also solche Firmen, die auch komplette (Mobil-)Rechner verkaufen. AMD will sich wie im Vorjahr keinen eigenen Stand leisten, sondern tritt als Partner bei Sun und im Linux-Park in Erscheinung - Server sind für AMD ja nun das Hauptthema. Das liegt vor allem daran, dass sich die spezifischen Vorteile der AMD64-Prozessoren erst mit 64-Bit-Software so richtig ausreizen lassen, und passende Programme gibt es für Server bereits - ganz besonders dann, wenn diese unter Linux, Solaris oder einem BSD-System laufen.

Dual-Opteron-Mainboards mit dem Nvidia-Chipsatz Nforce Professional erlauben den Einsatz von zwei PEG-Grafikkarten mit voller Transferrate.

Mittlerweile ist Intel ebenfalls mit EM64T im Rennen und deshalb dürfte 64-Bit-Tauglichkeit ein großes Hardware-Thema auf der CeBIT sein. Auch unter diesem Aspekt sind Intels neue Desktop-PC-Chipsätze interessant, die mehr als 4 GByte RAM adressieren können (die Xeon-Chipsätze können das schon länger). Wer wirklich so viel Speicher braucht, kann sich bei den auf der CeBIT vertrete-nen Speichermodul-Spezialisten wie Corsair, Kingmax, MDT, Memory Solution oder Micron über 2-GByte-DIMMs informieren.

Shuttle XPC-MCE 01: Wohnzimmer-PC mit sparsamem Pentium M und Windows XP Media Center Edition.

Mehr und mehr steigt nicht nur bei PC-Bastlern die Beliebtheit von Barebone-Systemen, die Gehäuse, Netzteil und Mainboard in oft recht ansprechender Form unter einen Hut bringen. Interessante Geräte sind in den Hardware-Hallen allgegenwärtig, Platzhirsch Shuttle hat mittlerweile eine riesige Produkt- und Zubehörpalette aufgebaut. Vielleicht lässt sich bei Iwill endlich der lange angekündigte Dual-Opteron-Quader ZMAXdp bewundern.

Bei den Mainboards selbst sind vor allem die neuesten Chipsätze spannend, sicherlich lassen sich schon die ersten Prototypen mit den von ATI (Codename RS400) und Nvidia geplanten Pentium-4-Chipsätzen erspähen. Der ATI RS400 hat einen integrierten 3D-Grafikbeschleuniger, der womöglich schneller ist als Intels i915G. SiS und VIA haben PCI-Express-Chipsätze für AMD- und Intel-Prozessoren längst angekündigt, auf der CeBIT sollten deshalb zahlreiche preiswertere Mainboards mit SiS649, SiS656, SiS756, VIA PT880/890 (Pro) oder K8T890 zu sehen sein.

Im Brot-und-Butter-Mittelfeld tummeln sich Chipsätze wie der Nforce3 von Nvidia, der VIA K8T880 und Intels i915P. Die Luxus-Platinen mit fetter Ausstattung sind eher mit Intels i925X/XE oder dem Nforce4 SLI bestückt, dessen in der Praxis sicherlich eher seltener angewendete Doppel-Grafikkarten-Funktion Nvidia viel Aufmerksamkeit beschert hat.

Auf Workstation-Mainboards für zwei Opterons oder Xeons ist der Einsatz von zwei PCI-Express-Grafikkarten schon länger möglich, nämlich seit Intel im Juni 2004 den E7525 (Tumwater) eingeführt hat. Seine Northbridge besitzt 24 PCI-Express-Lanes, von denen aber meistens mindestens vier mit einem Bridge-Chip zur Anbindung von PCI-X-Bussen belegt sind. Nur der Nvidia Nforce Professional 2200/2050 erlaubt zurzeit den Betrieb zweier PEG-Grafikkarten mit der vollen Maximaltransferrate über jeweils 16 PCIe-Lanes - mit der Einschränkung, dass dazu auch tatsächlich zwei Opterons in den Sockeln des Mainboards stecken müssen. Solche Platinen haben Asus, Tyan und Iwill im Angebot - HP brachte kürzlich eine Nforce-Professional-Workstation heraus, ist aber auf der CeBIT nicht mit einem Stand vertreten. Die Opteron-Workstations von Fujitsu-Siemens, IBM und Sun arbeiten noch mit dem AMD-8000 (AGP).

Neue Prozessoren für Workstations und Server haben AMD und Intel gerade erst vorgestellt: Opterons mit 90-nm-Innenleben und bis zu 2,6 GHz Taktfrequenz sowie Xeons mit auf 2 MByte verdoppeltem L2-Cache. Große (IBM, Fujitsu-Siemens, Sun) und kleinere Anbieter (wie ICO, Pyramid, Tatung oder Transtec) haben mit den neuen Prozessoren bestückte Server im Angebot.

Bis zu 192 Prozessoren lassen sich mit Blade-Servern wie dem BX600 von Fujitsu-Siemens in einem Standard-Rack unterbringen.

Die aktuellen Trend-Maschinen im Server-Bereich sind die Blades: Von diesen flachen Hochkant-Einschubgehäusen fasst ein in Rechenzentren üblicher Standard-Schrank bis zu 96 Stück, wodurch sich 192 Xeon- oder Opteron-Prozessoren auf einem dreiviertel Quadratmeter Stellfläche unterbringen lassen. Der Energie- und Kühlluftbedarf erreicht allerdings bei so dichter Server-Packung ebenfalls enorme Größenordnungen - 15 Kilowatt pro Schrank kommen leicht zusammen, also fast so viel, wie ein komplettes Einfamilienhaus maximal aus dem Stromnetz saugen kann.

Mit bloßer Luft sind derartige Leistungsdichten kaum noch kühlbar. Schaltschrank-Spezialisten wie Knürr oder Rittal haben Wasserkühlsysteme bereits fertig, Ähnliches zeigt Fujitsu-Siemens mit dem Primecenter-LC-Rack. Pyramid hat wassergekühlte Racks mittlerweile ins Standardprogramm aufgenommen und ist damit gut vorbereitet für die Opteron-HyperBlades von Appro. Dank InfiniBand-Kopplung (über PCI-Express-Hostadapter) sollen sich diese Blade-Systeme auch besonders gut für (Linux-)Cluster zum High-Performance-Computing (HPC) eignen.

Den Markt der Standard-Server dominiert derweil Intels Xeon, entsprechend vielfältig ist das Geräteangebot. Ganz neu bei IBM ist der eServer xSeries 366, ein Drei-Höheneinheiten-(HE-)Einschub mit vier MP-Xeons. Darin kommt erstmals der Enterprise-X-Architecture-Chipsatz X3 (Hurricane) von IBM zum Einsatz. Vielleicht lässt sich am IBM-Stand ja auch ein Blick auf skalierbare Quad-Xeon-Server erhaschen, die sich zu partitionierbaren Maschinen mit bis zu 32 Prozessoren zusammenschalten lassen sollen. Darin dürften demnächst die „dicken“ MP-Xeons mit jeweils 8 MByte L3-Cache zum Einsatz kommen.

Auf dem IDF kündigte Intel Anfang März an, dass man binnen Jahresfrist (im ersten Quartal 2006) die Dualcore-Xeon-Plattform Bensley vorstellen will. Schon lange vorher sollen Hardware-Hersteller Zugriff auf Produkt-Entwicklungs-Kits bekommen, die den Chipsatz Blackford für Fully-Buffered-DIMMs tragen. Diese Speichermodule sollen viel größeren Hauptspeicherausbau bei hohen Signalfrequenzen ermöglichen. Spätestens seit Intels Bekenntnis zur x64-Technik ist der Zugriff auf mehr als 32 GByte RAM pro Xeon-Server ja kein Problem mehr - jedenfalls unter Linux, bis Microsoft endlich die x64-Version von Windows Server 2003 aus der Tür bekommt.

Winzige Thin Clients wie das Wyse S50 sparen Platz, Energie und Lüfterlärm in Unternehmen.

(Bild: Wyse)

Nach wie vor interessieren sich überraschend wenige PC-Käufer für besonders leise und energiesparende Desktop-Rechner, weshalb solche Geräte noch teuer sind. Vielleicht bringt ja Apples Mac mini hier den Stein ins Rollen - auf der CeBIT ist Apple aber leider nicht direkt vertreten. Doch Spar-Plattformen mit x86-Prozessoren gibt es an vielen Ständen zu sehen, etwa auch bei den Herstellern von Industrierechnern (wie Bona, Digital-Logic, Ibase oder Ipox). AOpen und DFI haben bereits Mainboards für Pentium M und Celeron M im Angebot, kompakte Mini-ITX-Platinen mit den preiswerten C3-Prozessoren sind vor allem bei VIA zu sehen. Dort steht bald die Einführung des C7 „Esther“ vor der Tür.

Auch einige Barebone-Hersteller haben sich die Lärm-Minderung auf die Fahnen geschrieben, wobei allerdings nicht alle als besonders leise angepriesene Systeme auch tatsächlich den Ansprüchen empfindsamer Naturen genügen. Erfahrungsgemäß ist die CeBIT nicht gerade der richtige Ort, um leisen Geräuschen nachzuspüren, doch ein Besuch an den Ständen von Shuttle oder AOpen lohnt sich wahrscheinlich, falls man ein leise laufendes Barebone sucht. Nach AOpen will jetzt auch Shuttle ein Pentium-M-Barebone auf den Mark bringen, das dank seines kompakten Gehäuses im HiFi-Baustein-Format gut ins Wohnzimmer passt.

Mit noch weniger Strom und ganz ohne Lüfter kommen die Thin Clients für den Firmeneinsatz aus, die beim European Thin Client Forum (ETCF) zu finden sind.

Nachdem Nvidia mit dem Nforce4 den ersten Chipsatz auf den Markt gebracht hat, der Serial ATA II unterstützt, tauchen nun passende Festplatten auf, die außer Native Command Queuing (NCQ) auch den schnelleren 3-GBit/s-Transfermodus beherrschen sollen. Vorreiter sind Excelstor und Hitachi, die bereits Muster der 3,5-Zoll-Laufwerke J880S Jupiter und Deskstar 7K80 (HDS728080PLA380, 80 GByte) ins c't-Labor schickten. Im Auslieferungszustand liefen beide Platten zunächst im 1,5-GBit/s-Modus, und nur bei der von Hitachi war es mit dem Feature Tool möglich, die beschleunigte Übertragung freizuschalten.

Aus dem Festplatten-Cache (wiederholtes sequenzielles Lesen) rasen die Daten bei der Deskstar 7K80 mit über 200 MByte/s durch den SATA-Draht, beim Schreiben unter gleichen Bedingungen sind etwa 185 MByte/s drin. Es zeigte sich, dass der NCQ-Modus beim Nforce4-Chipsatz diese Maximal-Transferraten bremst, nämlich um jeweils rund 15 MByte/s. Der NCQ-Betrieb lässt sich beim Nforce4 bequem über den Geräte-Manager von Windows aktivieren (auf der Eigenschaften-Seite des Nvidia CK804 ADMA Controller).

Die der Deskstar 7K80 ähnliche Excelstor-Platte brachte es im 1,5-GBit/s-Modus maximal auf 125 und 107 MByte/s (Lesen/Schreiben), mit NCQ waren es jeweils etwa 7 MByte/s weniger. Bei Messungen der Dauertransferraten zeigen weder NCQ noch SATA II Auswirkungen: Beide Festplatten brachten es wie andere aktuelle Laufwerke mit 1,5-GBit/s-Interface auf maximal 60 MByte/s (lesend und schreibend).

Auf der CeBIT will auch Samsung erste SATA-II-Festplatten präsentieren. Die Laufwerke tragen die Familienbezeichnung Spinpoint P120 und kommen mit 120, 200 und 250 GByte Speicherplatz.

  • Abit, Halle 23, Stand A50
  • AOpen, Halle 23, Stand D37
  • Asus, Halle 2, Stand A10
  • ATI, Halle 23, Stand C04
  • Bona, Halle 2, Stand 43
  • Corsair, Halle 22, Stand B16
  • DFI, Halle 22, Stand B03
  • Digital-Logic, Halle 2, Stand A31
  • ETCF, Halle 3, Stand A07
  • Excelstor, Halle 25, Stand D40
  • Fujitsu-Siemens, Halle 1, Stand 5e2
  • Gigabyte, Halle 23, Stand A22
  • Hitachi, Halle 1, Stand 4f4
  • Ibase, Halle 15, Stand C48-1
  • IBM, Halle 1, Stand 4g2
  • Ico, Halle 22, Stand C26
  • Intel, Halle 2, Stand A46
  • Ipox, Halle 16, Stand E20
  • Iwill, Halle 22, Stände A17 und C41-2 (Taiwan)
  • Kingmax, Halle 22, Stand C37
  • Knürr, Halle 14, Stand E12
  • Linux Park, Halle 6
  • MDT, Halle 22, Stand B27
  • Memory Solution, Halle 22, Stand B12
  • Micron, Halle 2, Stand B03
  • MSI, Halle 22, Stand B06
  • Nvidia, Halle 23, Stand B43
  • Pyramid, Halle 7, Stand E58
  • Rittal, Halle 15, Stand D14
  • Samsung, Halle 21, Stand D44
  • Shuttle, Halle 25, Stand C08
  • Sony, Halle 2, Stand C02
  • Sun, Halle 1, Stand 8a2
  • Supermicro, Halle 22, Stand B16 (USA)
  • Tatung, Halle 2, Stand B32
  • Transtec, Halle 2, Stand C01
  • Tyan, Halle 22, Stand B16 (USA)
  • VIA Technology, Halle 23, Stand D21
  • Wyse, Halle 6, Stand G18

(ciw)