Wer verdient wie viel?
Viele Faktoren beeinflussen das Einkommen der Fach-kräfte in IT-Berufen, natürlich die Branche, der Beruf und der erworbene formale Abschluss. Aber auch Fertigkeiten oder Zertifikate schlagen zu Buche - insbesondere bei dem, der keinen formalen Abschluss vorweisen kann.
- Daniel Apfelbaum
- Dr. Claus Becher
Vor einem Jahr mehrten sich die Anzeichen für eine Besserung auf dem Arbeitsmarkt für IT-Fachkräfte. So zeigte der Stellenindex des Personaldienstleisters Adecco bei der Nachfrage von Stellen die Talsohle 2003 als erreicht an [1]. Der Branchenverband Bitkom rechnete in seiner Frühjahrsprognose vom letzten März für 2004 mit einer Steigerung des Marktvolumens um 1,5 Prozent auf 65,7 Milliarden Euro. Im Herbst erwartete die Organisation sogar einen Jahresanstieg um 1,9 Prozent beziehungsweise auf 66,2 Milliarden Euro [2, 3].
Ob sich die veränderte Nachfrage auf die Gehälter von ITlern ausgewirkt hat, sollte daher die diesjährige c't-Gehaltsumfrage erforschen. Dabei haben wir den Blick nicht nur auf die Kernbereiche der IT-Branche gerichtet. Stattdessen wollten wir wieder generell einen Gehaltsspiegel für Beschäftigte in IT-Berufen erstellen, schließlich arbeiten IT-Fachkräfte branchenunabhängig in allen Unternehmen [4, 5].
Wer sich einen Foren-Account bei www.heise.de eingerichtet hatte, konnte teilnehmen. Die Angaben wurden selbstverständlich anonym gespeichert und ausgewertet. Knapp 4500 Deutsche haben mitgemacht, aber leider füllten nur wenige Österreicher und Schweizer die Fragebogen aus (148 beziehungsweise 165). Darum sind die Ergebnisse für diese Länder wenig aussagekräftig und wir haben hier lediglich das durchschnittliche Jahresbruttoeinkommen ausgewertet. Alle anderen Zahlen beziehen sich nur auf die deutschen Teilnehmer. Auch hier sind die Ergebnisse streng genommen nicht repräsentativ, geben aber aufgrund der hohen Anzahl der Teilnehmer einen aussagekräftigen Eindruck, mit welchem Einkommen man in den jeweiligen Berufsfeldern als Angestellter rechnen kann - oder muss.
Für IT-Fachkräfte aus Deutschland errechnet sich insgesamt ein durchschnittliches Jahreseinkommen von 46 700 Euro einschließlich gewährter Sonderleistungen von gut 2500 Euro. Dieses Ergebnis liegt zwischen den für 2003 ermittelten 46 900 Euro und 46 600 Euro für 2002, aber noch deutlich unter den 48 400 Euro aus dem Jahr 2001. Nach diesem Boomjahr stagnieren die Löhne damit auf niedrigerem Niveau.
Mit 44 200 Euro einschlieĂźlich gut 2700 Euro Sonderleistungen liegt das mittlere Einkommen der Teilnehmer aus Ă–sterreich deutlich niedriger. Hingegen verdienten die Schweizer mit umgerechnet knapp 62 800 Euro sogar gut ein Drittel mehr. Darin sind knapp 3300 Euro Sonderleistungen enthalten.
Bundesländer
Fünfzehn Jahre nach der Wiedervereinigung bestehen zwischen Ost und West noch große Gehaltsunterschiede. Während das Jahresbruttoeinkommen der ITler in den ostdeutschen Ländern im Schnitt knapp 36 100 Euro betrug, erhielten westdeutsche Teilnehmer durchschnittlich gut 46 000 Euro. Die Spannweiten liegen dabei im Osten der Bundesrepublik zwischen 32 700 Euro in Sachsen-Anhalt und 41 500 Euro in Brandenburg, im Westen zwischen 41 800 Euro in Rheinland-Pfalz und 51 200 Euro in Hessen.
Es scheint, dass die Brandenburger Anschluss an ihre westdeutschen Kollegen gefunden haben. Nachdem ihr Durchschnittseinkommen im Vorjahr noch gut 39 000 Euro betrug, liegt es nun fast gleichauf mit dem Einkommen aus Rheinland-Pfalz, dem Schlusslicht der westdeutschen Bundesländer. Gleich hinter Brandenburg behauptet sich Sachsen in der Gehaltsskala, liegt aber mit gut 36 500 Euro noch deutlich unter den Werten westdeutscher Bundesländer.
In der Rangfolge der Bundesländer bleiben die ersten fünf Plätze unverändert. Eine andere Aufteilung zeigt das Mittelfeld. Im Vergleich zum letzten Jahr konnten sich Bremen (von 9 auf 6) und Schleswig-Holstein (von 11 auf 8) jeweils um drei Plätze verbessern. Zurückgefallen sind das Saarland (von 7 auf 9) und Niedersachsen (von 8 auf 10) jeweils um zwei Plätze. Jeweils um einen Platz zurück fielen Berlin (von 6 auf 7) und Rheinland-Pfalz (von 10 auf 11). Die Schlusslichter Mecklenburg-Vorpommern (jetzt 15) und Sachsen-Anhalt (jetzt 16) tauschten die Plätze.
Spezifika
Betrachtet man den Zusammenhang zwischen Unternehmensgröße und Einkommen, so lässt sich wie in anderen Branchen auch feststellen, dass das durchschnittliche Einkommen bei den Kleinunternehmen am niedrigsten und bei den Großunternehmen am höchsten ist. Zwei Einflüsse können dies zum Teil erklären: Zum einen liegen Großunternehmen häufiger in Ballungsgebieten, in denen die Lebenshaltungskosten höher sind als in weniger dicht besiedelten Gebieten. Außerdem arbeiten in Großunternehmen verhältnismäßig mehr Personen mit Personalverantwortung oder in Leitungsfunktion, und dieser Personenkreis erhält in der Regel ein höheres Einkommen.
Branchen
Gut die Hälfte aller Teilnehmer hat sich in den Kernbereich IT-Branche eingeordnet, die anderen ITler bilden ein breit gefächertes Spektrum, aus dem mit gut 7 Prozent der industrielle Bereich herausragt. Bei den durchschnittlichen Einkommen liegen die Teilnehmer aus Banken und Versicherungen mit 53 800 Euro und aus Telekommunikationsunternehmen mit 53 600 Euro Durchschnittsverdienst an der Spitze. Deutlich niedriger, aber immer noch über dem Gesamtdurchschnitt, finden sich Kollegen aus der Automobilbranche (49 700 Euro) und der Industrie (48 600 Euro) wieder. Das Einkommen von Beschäftigten in genuinen IT-Unternehmen entspricht mit 46 600 Euro fast genau dem Durchschnitt, knapp über denen aus Medienunternehmen und Verlagen mit 46 100 Euro. Handel (41 600 Euro), Gesundheitswesen und Öffentlicher Dienst liegen mit 39 600 beziehungsweise 38 100 Euro fast am Ende der Rangfolge. Mit dem niedrigsten Einkommen von 36 600 Euro mussten sich die in der Aus- und Weiterbildung Beschäftigten zufrieden geben. Insgesamt schwankten die Durchschnittseinkommen also deutlich um etwa 17 000 Euro.
Berufsfelder
Auch in diesem Jahr waren die Teilnehmer vor allem in der Softwareentwicklung (33,3 Prozent), der Administration (28 Prozent), der Beratung und Consulting (11,7 Prozent) sowie dem Service und Support (8,6 Prozent) beschäftigt - ähnlich wie im letzten Jahr.
Wie bei den Branchen lassen sich beim Einkommen in den einzelnen Berufsfeldern zum Teil große Unterschiede festmachen. Die Gehaltshierarchie wird von Mitgliedern der Geschäftsführung angeführt. Ihr Einkommen reduzierte sich um 2300 Euro gegenüber dem Vorjahr. Dennoch erhielten sie im Schnitt 84 200 Euro und damit gut 80 Prozent mehr, als durchschnittlich über alle anderen Branchen hinweg bezahlt wurde. Dieses hohe Einkommen relativiert sich etwas, wenn man den Arbeitsaufwand mit in die Betrachtung einbezieht: Die ITler der Geschäftsführungsebene arbeiten mit durchschnittlich 53 Wochenstunden am längsten.
Lässt man einmal die Geschäftsführungsebene außer Acht, liegt das höchste durchschnittliche Einkommen im Berufsfeld Beratung bei 59 600 Euro für im Schnitt 46 Stunden Wochenarbeitszeit. Knapp dahinter liegen die Fachleute für Marketing, Vertrieb und Verkauf, die für 47 Wochenstunden 59 200 Euro erhielten - das sind über 5000 Euro mehr als im Vorjahr.
Auf dem dritten Platz liegt die Hardwareentwicklung mit 49 100 Euro bereits weit abgeschlagen, dafür beträgt die Arbeitszeit 42 Stunden. Fast gleichauf rangiert das diesmal separat abgefragte Berufsfeld Test und Qualitätssicherung mit 48 900 Euro bei 43 Wochenstunden. Die Gruppe unterhalb des durchschnittlichen Einkommens wird angeführt von der Software- und Datenbankentwicklung und Programmierung (45 900 Euro bei 43 Wochenstunden). Nah beieinander liegen Forschung, Lehre, Training (42 500 Euro bei 45 Wochenstunden) sowie Administration und IT-Sicherheit (42 200 Euro bei 44 Wochenstunden). Service und Support folgt mit 40 100 Euro und 43 Wochenstunden. Am Schluss der Rangfolge findet man Redaktion, Content-Management und Dokumentation mit 37 200 Euro bei 42 Wochenstunden und die ebenfalls separat abgefragte Gruppe Webentwicklung, Webprogrammierung und Multimediadesign mit 36 600 Euro bei 44 Wochenstunden.
Der erste Eindruck, dass höhere Arbeitszeit auch zwangsläufig ein höheres Einkommen bedeutet, bestätigt sich bei einer differenzierteren Betrachtung nicht. Deutlich wird dies, wenn man zum Beispiel die Webentwicklung mit der Qualitätssicherung vergleicht. So arbeiteten die Webentwickler zwar eine Stunde länger als die Teilnehmer aus der Qualitätssicherung, diese verdienten aber gut ein Drittel mehr. Die Berater konnten, obwohl sie nur eine Stunde mehr als ihre Kollegen aus der Forschung investierten, durchschnittlich ein um 40 Prozent höheres Einkommen realisieren.
Qualifikation
Die Untersuchung bestätigt, dass für Festangestellte die Qualifikation einen wesentlichen Einfluss auf das Einkommen hat. Dabei setzt sich das Qualifikationsniveau des ITlers im Wesentlichen aus der formalen Ausbildung und der Berufserfahrung zusammen. Betrachtet man die Einkommensverteilung nach beiden Faktoren differenziert, so wird der Zusammenhang deutlich: Je höher die Wertigkeit der formalen Ausbildung und je höher die Berufserfahrung sind, desto höher fällt auch das Einkommen aus. IHK-Absolventen mit weniger als zwei Jahren Berufserfahrung liegen am Schluss, Teilnehmer mit Universitätsabschluss und mehr als zehn Jahren Berufserfahrung an der Spitze der Gehaltsskala. In der Rubrik „ohne Abschluss“ sind auf Seite 106 zum Vergleich gut 800 Teilnehmer zusammengefasst, die ihr Studium nicht abgeschlossen haben oder die ausschließlich mit ihrem Schulabschluss in den Beruf gegangen sind.
Zertifikate als Ersatz für einen formalen Berufsabschluss wirken nur insoweit, als dass mit ihrer Hilfe Einkommen unter 30 000 Euro eher vermieden werden können. In der Gruppe ohne formalen Abschluss und ohne Zertifikate besteht immerhin ein Risiko von 18 Prozent, zu dieser Niedriglohngruppe zu gehören. Besitzt ein Beschäftigter ein oder mehrere Zertifikate, senkt sich dieses Risiko deutlich auf 11,3 Prozent. Sonst unterscheidet sich das Einkommen bei Teilnehmern ohne formalen Berufsabschluss kaum, gleich ob ein Zertifikat vorliegt oder nicht.
Keinen Abschluss zu haben heißt in den Berufsfeldern der IT nicht unbedingt, sich mit dem geringsten Gehalt zufrieden geben zu müssen. Berücksichtigt man die Berufserfahrung, so fällt auf, dass die Teilnehmer ohne Abschluss im Durchschnitt mehr verdienen als Teilnehmer mit IHK-Abschluss. In der Gruppe mit über zehn Jahren Berufserfahrung überflügeln sie auch noch ihre Kollegen von der Berufsakademie und der Fachschule: Steigende Berufserfahrung macht fehlende formale Qualifikation wett. Erfolgreiche Quereinsteiger ohne Abschluss konnten sich auch in dieser Umfrage behaupten. Dennoch zahlt sich formale Bildung aus: Die Absolventen von Fachhochschulen oder Universitäten verdienen über alle Berufserfahrungsstadien hinweg mehr als ihre Kollegen ohne Hochschulabschluss.
Im Zuge der Auswertung haben wir das Einkommen in den jeweiligen Studienrichtungen über formale Qualifikationsgrenzen hinweg zusammengefasst dargestellt. Das höchste mittlere Einkommen erzielen demnach die Wirtschaftswissenschaftler (gut 56 600 Euro), dicht gefolgt von den Naturwissenschaftlern und Medizinern (knapp 55 800 Euro). Die Teilnehmer aus den verschiedenen Studienrichtungen der Informatik konnten sich nur im Mittelfeld positionieren (zwischen 49 600 und 45 800 Euro).
Um die wissenschaftlichen Qualifikationen der Studienrichtungen separat zu bewerten, haben wir auf Seite 108 wiederum die Studienrichtungen nach Universität und Fachhochschule differenziert dargestellt. Im letzten Jahr erzielten FH-Absolventen in den Richtungen Wirtschaftsinformatik sowie Technische Informatik und Informationstechnik noch ein höheres Einkommen als Uni-Absolventen. Dieses Jahr hingegen scheint sich das Bild gedreht zu haben: Nur noch in der Technischen Informatik liegen die FH-Absolventen mit 52 400 Euro gegenüber den Uni-Absolventen mit 51 500 vorn. In den anderen Fächern verdienen Teilnehmer mit Universitätsabschluss etwa 10 Prozent mehr als ihre Kollegen mit FH-Abschluss.
Betriebliche Ausbildung
Bei den Ausbildungsberufen gaben die Informationselektroniker mit gut 47 000 Euro das höchste durchschnittliche Einkommen an. Allerdings kennzeichnet diese Berufsbezeichnung sowohl einen neuen, 1999 eingeführten Handwerksberuf als auch eine frühere betriebliche Ausbildung. Teilnehmer mit fünf bis unter zehn Jahren Berufserfahrung gaben im Schnitt knapp 46 000 Euro Einkommen an, mit mehr als zehn Jahren sogar fast 51 700 Euro. Fast vier Fünftel der Teilnehmer mit dieser Ausbildung hatten mehr als fünf Jahre Berufserfahrung vorzuweisen. Diese dürften sämtlich den früher eingeführten der beiden Berufe ausüben, sodass deren Berufserfahrung für das hohe Durchschnittseinkommen bei den Informationselektronikern verantwortlich ist.
Alle anderen separat abgefragten Ausbildungsberufe lagen unter dem durchschnittlichen Einkommen. So erhielten Informatikkaufleute gut 37 500 Euro. Darauf folgen die beiden Gruppen der Fachinformatiker fĂĽr Anwendungsentwicklung mit gut 35 100 Euro und Systemintegration mit knapp 34 200 Euro. IT-Systemkaufleute erhielten knapp 33 200 Euro. Den letzten Platz belegten die IT-Systemelektroniker mit gut 31 800 Euro.
Fertigkeiten
Wir haben uns erneut darauf beschränkt, in jeder Kategorie jeweils die drei meistgenannten Fertigkeiten und diejenige mit dem höchsten Durchschnittseinkommen zu nennen. Neben marginalen Veränderungen ist bei vier Kategorien das höchste Durchschnittseinkommen gestiegen: Hardware-Service, Netzwerke, Softwareentwicklung und mit dem stärksten Anstieg von fast 4300 Euro das Arbeitsfeld Unternehmenssoftware, wo sich vor allem das Beherrschen von Peoplesoft ausgezahlt hat. Unter dem Wert des Vorjahres lag das höchste Durchschnittseinkommen bei den übrigen fünf Kategorien: Anwendungen, Betriebssysteme, Bibliotheken, Datenbanken und Web-Commerce. Am meisten verloren haben Datenbanken (2200 Euro) und Web-Commerce (2000 Euro). In den beiden letztgenannten Kategorien konnten sich die Spitzenreiter DB2 und Web Services aber behaupten.
Unsere Umfrage erreicht wie in den Vorjahren nicht den vom Statistischen Bundesamt im Mikrozensus 2003 ausgewiesenen Frauenanteil von 15 Prozent in der IT-Branche. Die Frauen sind in der Umfrage mit 2,2 Prozent also unterrepräsentiert. Genau 100 Teilnehmerinnen verdienten im Schnitt zirka 40 000 Euro. Ihr Einkommen ist 6800 Euro niedriger als bei ihren männlichen Kollegen. Dementsprechend waren auch die Einkommenskategorien deutlich ungünstiger für die Frauen verteilt. Während gut 60 Prozent der Männer 40 000 Euro oder mehr für ihre Arbeit erhielten, gelang dies nur 41 Prozent ihrer Kolleginnen.
Sonderleistungen
In diesem Jahr erhielten die Teilnehmer Sonderleistungen von im Schnitt knapp 2500 Euro, allerdings zeigen sich gravierende Unterschiede, wenn man die Gratifikationen nach Berufsfeldern differenziert. An der Spitze liegen nach der Geschäftsführung (9500 Euro) die betriebswirtschaftlichen Kernfelder, also Marketing, Vertrieb und Verkauf (6900 Euro) sowie Beratung und Consulting (4900 Euro). An vierter Stelle folgt weit abgeschlagen Test und Qualitätssicherung (2200 Euro). Den geringsten Gegenwert an Sonderleistungen erhielten Teilnehmer aus dem Bereich Redaktion, Content-Management und Dokumentation (800 Euro). Mehr als 70 Prozent der Teilnehmer bekamen Sonderleistungen, beispielsweise auch eine Jahresprämie, Hardware oder einen Firmenwagen.
Arbeitszeit
Ein Blick auf die Arbeitszeit zeigt, dass von einer 38,5-Stundenwoche nicht die Rede sein kann. Unverändert zum letzten Jahr arbeiteten die Teilnehmer im Schnitt 44 Stunden pro Woche. Weniger als 40 Stunden Arbeitszeit haben nur 11 Prozent angegeben. Mit knapp 49 Prozent finden sich die meisten im Bereich zwischen 40 bis unter 45 Stunden wieder, während gut 23 Prozent 45 bis unter 50 Stunden arbeiten und immerhin 17 Prozent 50 Stunden und mehr.
Auf den ersten Blick gesehen hat die Wochenarbeitszeit einen Einfluss auf das Einkommen. Von den Teilnehmern, die weniger als 35 Stunden arbeiten, konnte nur ein Drittel ein Einkommen von 40 000 Euro und mehr realisieren. Werden 35 bis unter 45 Stunden im Schnitt gearbeitet, so erzielen immerhin mehr als die Hälfte (55 Prozent) mindestens diese 40 000 Euro. Und der Trend setzt sich fort: Von denen, die mindestens 45 Stunden gearbeitet haben, sind es fast 66 Prozent, die mehr als 40 000 Euro verdienen.
In Kleinunternehmen ist die Wochenarbeitszeit am höchsten. Fast 53 Prozent arbeiten hier 45 Stunden oder mehr. Bei den Großunternehmen sind dies nur knapp 36 Prozent.
Keine Ausnahme, sondern die Regel sind Überstunden, denn lediglich rund 6 Prozent der Teilnehmer gaben an, 2004 keine Überstunden gemacht zu haben. Alle anderen haben länger gearbeitet als vertraglich vorgesehen war. Angefallene Überstunden konnten immerhin 38 Prozent der Umfrageteilnehmer über einen Zeitausgleich „abfeiern“. Gut 14 Prozent erhielten für zusätzliche Arbeitszeit sowohl einen zeitlichen als auch einen finanziellen Ausgleich. Ausschließlich finanziell wurden Überstunden bei knapp 5 Prozent vergütet. Jedoch müssen ITler wohl aufpassen, dass die „Arbeitszeitflexibilisierung“ nicht zu einer permanenten Verlängerung ohne Ausgleich wird: 36 Prozent gaben an, dass angefallene Überstunden nicht vergütet wurden.
Beim Urlaub zeigte sich ein recht einheitliches Bild: Mit fast 58 Prozent hatte die Mehrheit der Teilnehmer Anspruch auf genau 30 Tage Urlaub. Mindestens 25 bis unter 30 Tage lang konnten sich - theoretisch - knapp 28 Prozent erholen. Mit weniger als 25 Tagen mussten sich gut 8 Prozent zufrieden geben, und mehr als 30 Tage stand lediglich 6 Prozent zu. Weniger als die Hälfte der Befragten hat den Urlaub allerdings voll ausgeschöpft, ein Viertel nutzte nicht einmal 80 Prozent des Anspruchs.
Perspektiven
Wiederum fragten wir nach der Einschätzung der persönlichen Einkommenssituation. Die Teilnehmer bewerteten diese gegenüber dem Vorjahr unverändert mit der Note 3, gut die Hälfte hielt die Verdienstmöglichkeiten für ebenso gut wie in anderen Berufen und 41 Prozent sogar für besser.
82 Prozent erwägen nicht, sich selbstständig zu machen. Beim Blick in die Zukunft sind die Teilnehmer relativ optimistisch und vergeben die Note 2,6. Dabei hat ein niedrigeres Einkommen offenbar keinen Einfluss auf eine optimistische Haltung: Von denen, die aus Branchen mit relativ niedrigem Einkommen wie dem Gesundheitswesen, dem Handel und dem Öffentlichen Dienst kommen, sehen weniger als 20 Prozent ihre persönliche Zukunft schlechter als zufriedenstellend. Nur die Aus- und Weiterbildungsbranche drückt das Bild ein wenig: Hier vergaben gut 21 Prozent eine nicht mehr zufriedenstellende Note.
Fazit
Beschäftigte im IT-Markt gehören nicht zu den Schlechtverdienern. Wer einmal eine Stelle erhalten hat, kann sich gute Chancen auf ein im Vergleich zu anderen Branchen höheres Einkommen ausrechnen. Er muss jedoch die wesentlichen Entwicklungen verfolgt haben und sich im richtigen Markt bewegen. Durch die Aneignung gesuchter Fertigkeiten lässt sich das Salär deutlich erhöhen.
Diplom-Volkswirt Claus Becher und Daniel Apfelbaum sind Mitarbeiter im „Projekt Elektronische Arbeitsmärkte“ am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main.
Literatur
[1] Adecco: 17 274 untersuchte Angebote fĂĽr IT-Spezialisten
[2] Bitkom FrĂĽhjahrsprognose 2004
[3] Bitkom Herbstprognose 2004
[4] Angela Meyer, Wer verdient wie viel?, c't 6/04, S. 106
[5] Claus Becher, Dr. Thomas BĂĽrkle, Schwieriges Terrain, c't 24/04, S. 102
Die Auswertung
Gut 5500 Teilnehmer füllten diesmal den Online-Fragebogen vollständig aus, 4800 davon gingen in die Auswertung ein. Wie in den Vorjahren nahmen wir offensichtlich von den Vorgaben abweichende Datensätze wie Einträge von Freiberuflern und Auszubildenden ebenso heraus wie eindeutig unsachliche Angaben.
Auch diesmal haben wir die Untersuchung auf Teilnehmer mit mindestens 30 Stunden Wochenarbeitszeit beschränkt. Jeweils 2,5 Prozent der höchsten und der niedrigsten Einkommen jedes Berufsfeldes haben wir vernachlässigt - sie hätten als Ausreißer das Ergebnis zu sehr verfälscht.
Um die Stapeldiagramme zu interpretieren, sollte man zunächst innerhalb eines Balkens danach schauen, welches Feld am größten ist - diese Einkommensklasse wurde in der zugehörigen Kategorie am häufigsten angegeben. Um zwischen verschiedenen Balken zu vergleichen, kann man sich gut an der 50-Prozent-Linie orientieren - sie entspricht dem Median - und schauen, in welcher Einkommensklasse sie sich jeweils befindet. Je höher diese ist, desto höher ist auch das Durchschnittseinkommen in der jeweiligen Kategorie. Wer sich lieber an handfeste Werte hält, findet diese in der Tabelle auf Seite 105.
Es ließ sich nicht überprüfen, inwieweit die Teilnehmer die tatsächliche Verteilung der IT-Fachkräfte widerspiegeln, sodass insbesondere tiefer ins Detail gehende Auswertungen nicht zwingend aussagekräftig für die tatsächliche Situation sind. Insbesondere die Einkommenswerte für die größten Gruppen Softwareentwicklung, Administration, Beratung sowie Service und Support vermitteln zumindest einen Eindruck von der Gehaltsstruktur in den jeweiligen Branchen.
(fm)