Marktplatz und Hightech-Fabrik
Im Rahmen der Hannover Messe Industrie findet nun zum zweiten Mal die Digital Factory, eine Fachausstellung für integrierte Prozesse und IT-Lösungen, statt. Das CAD-Programm des Mittelständlers findet hier ebenso sein Forum wie das Product Lifecycle Management für den Großbetrieb.
- Harald Vogel
Die Digital Factory steht im Zeichen des PLM, des Product Lifecycle Management. Nachdem in diesem Jahr auch Autodesk, IBM PLM Solutions, PTC, SolidWorks und UGS mitzogen, ist nun die gesamte Software-Palette des Maschinenbaus vertreten - vom elektronischen Zeichenbrett bis zur integrierten Kundenbetreuung. Die Sonderschau Marktplatz in Halle 16 bietet zudem eine Anlaufstelle für kleine und mittelständische Unternehmen. Auf den vier Themeninseln besteht die Möglichkeit, sich von Angehörigen des Verbandes deutscher Maschinen- und Anlagenbau VDMA (Planung), der Universität Magdeburg (Konstruktion), des Fraunhofer-Instituts IPA (Produktion) und der Ruhruniversität Bochum (Service) herstellerneutral beraten zu lassen und erste Bekanntschaft mit den Inhalten dreistelliger Akronyme wie CAD, CAQ, ERP oder CRM zu schließen.
Während designierte PLM-Anbieter komplette End-to-End-Lösungen vorstellen, widmen sich viele kleinere Software-Hersteller nur einem Teilgebiet des Produktlebenszyklus und warten teilweise mit sehr spezialisierten Lösungen auf. Der Marktplatz bietet somit einen Überblick über die vielfältigen PLM-Lösungen, um etwa eine eigene, genau passende Software-Palette zusammenzustellen (www.hannovermesse.de/7771).
CAD und MCAD
Im Hinblick auf kleine und mittelständische Maschinenbaufirmen stellt Autodesk die neue Mechanical-Variante von AutoCAD 2006 vor (siehe auch c't 7/05, S. 48). In dieser 2D-Detaillierungssoftware kann man nicht nur externe AutoCAD-Zeichnungen, sondern auch 3D-Baugruppen aus Inventor verknüpfen. Einen Schritt weiter geht der ebenfalls neue Inventor Series 10, eine Kombination aus Mechanical 2006 und dem parametrischen 3D-Kon-struktionssystem Inventor. Das ausgereifte Mechanical ermöglicht dabei DIN-gerechte 2D-Zeichnungsableitung, dient aber auch zur Erzeugung von 3D-Modellen aus 2D-Altdaten. Inventor Professional enthält statt Mechanical die Hydraulik- und Elektrokonstruktion und unterstützt einfache Berechnungen mit finiten Elementen (FEA). Inventor wird mit dem Verwaltungsprogramm Vault ausgeliefert. Durch Sperren von Dateien, die sich in Bearbeitung befinden, wird ein gegenseitiges Überschreiben im Team verhindert. Mit der Versionsverwaltung kann man zudem zu allen früheren Projektstufen zurückkehren.
Mechatronik binär
Die Mechatronik ist selbst für eine Ingenieurwissenschaft ein weites Feld. In SimulationX 1.2 von ITI analysiert man ein Gesamtsystem zugleich nach den Gesetzen der Dynamik, der Hydraulik und der Elektrotechnik. Mit Hilfe aktiver Symbole und einer objektorientierten Programmiersprache baut man etwa nach dem Vorbild der Bewegungsanalyse den Antriebsstrang eines Automobils auf und geht den Schwingungen der Zahnräder im Getriebe auf den Grund, berücksichtigt dabei noch Drehzahl und -moment des Motors, die Eigenschaften der Kupplung, den Luftwiderstand der Karosserie, die Rollreibung der Reifen und die Masse des Fahrzeugs. Alle Komponenten lassen sich mit mathematisch-physikalischen Funktionen, selbst mit Differentialgleichungen steuern, sodass man aus der Simulation Getriebegeräusche und zu erwartenden Kraftstoffverbrauch ermitteln kann. Die Funktionsbibliotheken umfassen 1D-Mechanik, Mehrkörpersysteme, Hydraulik, Pneumatik, Thermodynamik, Elektrik, Magnetik sowie analoge und digitale Regelungstechnik. Außerdem stehen Module für Designoptimierung, Fluid-Technik und 3D-Ansicht zur Verfügung. Für Studenten wird kostenlos eine ab-gespeckte Version angeboten, Nachweise der Hochschule sind jedoch erforderlich.
Material-Buchhaltung
Für die Produktionsplanung und -Steuerung (PPS), einen betriebswirtschaftlichen Aspekt des PLM, stellt die deutsche Firma Sage Version 3.3 ihrer Office Line Produktion vor. Die Suite für kleine und mittelständische Unternehmen bis 250 Mitarbeiter ist stark an die OfficeXP-Programme von Microsoft angelehnt und umfasst die Gebiete Verkauf, Lager, Vertreterabrechnung, Projektverwaltung, Anlagenbuchhaltung, Kostenrechnung und Zahlungsverkehr. Das Paket kann mit Funktionen für Chargenverwaltung, Auslandszahlungsverkehr, Rechnungslegung und Filialbuchhaltung erweitert werden. Austauschformate sind das EDI (Electronic Data Interchange) und das CAD-Datenformat VDA.
Autodesk, Halle 16, Stand E06
IBM, Halle 15, Stand D35
ITI, Halle 16, Stand B22
PTC, Halle 16, Stand F09
Sage, Halle 16, Stand A22
SolidWorks, Halle 15, Stand C06
UGS, Halle 15, Stand A06
CAD-Notizen
Auf der Hannover Messe wird auch das deutschsprachige Anwenderforum fĂĽr Konstruktionssoftware CAD.DE vertreten sein. Der Meeting Point befindet sich in Halle 15, Stand 22.
Ein Vortrag zum Thema PLM findet am 12. April um 13 Uhr auf der Hannover Messe im Convention Center (CC), Saal Frankfurt statt. Referent ist Thomas Ohnemus von PLM-Erfinder SAP Deutschland (Halle 16, Stand A06). (pen)