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- Herbert Braun
Bayerische Scholle
“Bodeninformationssystem (BIS)“ klingt wie eine staubtrockene akademische Institution - aber was das Bayerische Geologische Landesamt auf die Beine gestellt hat, lädt zu einer virtuellen Rundreise durch das flächengrößte Bundesland ein und begeistert in technischer Hinsicht.
Allein die topografische Karte des über 70 000 km2 messenden Landes in sechs Maßstäben - der kleinste davon mit 1:15 000 beinahe in Stadtplangröße - ist beachtlich. Auch die Satelliten- beziehungsweise Luftaufnahmen lassen sich bis zu diesem Maßstab vergrößern. Vielleicht am spektakulärsten sind die 3D-Karten, die der Server aus einem Kartenausschnitt generiert. Nach Wunsch lassen sich Kamerawinkel und -abstand sowie Überhöhung einstellen. Damit steht einer virtuellen Alpenbesteigung nichts mehr im Weg. Als Suchhilfe kann der Besucher einzelne Orte, Berge, Landschaften oder Gewässer auswählen, auf die die Karte fokussiert.
Wissenschaftlich Interessierte können verschiedene thematische Karten über die Topografie legen. Die Themen decken den gesamten Bereich der Geowissenschaften ab: Bodenkundliche und geologische Daten lassen sich ebenso anzeigen wie Informationen zu Hydrogeologie, Umweltschutz, Lagerstätten oder Politik. (heb)
Falsche Freunde
www.twenzel.de
www.englisch-hilfen.de/words/false_friends.htm
german.about.com/library/blconfuse.htm
„On Christmas I become a new handy!“, freut sich der Pimpf, und die Englischlehrerin stöhnt. Spätestens, wenn man Texte ins Englische übersetzen muss, stellt man fest, dass die Weltsprache einfacher zu lesen als zu schreiben ist. Aus dem Blickwinkel des Technikers, der eine englischsprachige Dokumentation schreiben muss, hat der Berliner Tilo Wenzel einige der gängigsten Fehler als Frequently Made Mistakes zusammengetragen. Dort finden sich kleine Sammlungen berüchtigter „falscher Freunde“ - also ähnlich klingender Wörter mit verschiedenen Bedeutungen - und fehlerhafter Schreibweisen wie „web-browser“. Auch bei Problemen mit der Zeichensetzung oder bei der Großschreibung von Überschriften bietet die Seite Hilfe. Die Formulierungstipps warten mit Ratschlägen auf, Füllwörter wie „konkret“ oder „schon“ in der Übersetzung wegzulassen - was übrigens auch im Deutschen nicht schadet.
Noch mehr falsche Freunde findet man bei Englisch-Hilfen.de. Die Site wendet sich eher an Schüler, aber auch mancher Erwachsene im Geschäftsleben wird schon „Tablett“ als „tablet“ (Tablette) oder - peinlich, peinlich - „Prokurist“ als „procurer“, also Zuhälter, übersetzt haben. german.about.com ist aus der umgekehrten Perspektive geschrieben, also für englischsprachige Deutschlernende, doch profitiert auch der Deutsch-Muttersprachler davon. Zur Entspannung sei „Confusing Words and Expressions“ empfohlen - eine Sammlung von Wörtern (der/die/das Band), die Deutschlernenden das Leben zur Hölle machen. (heb)
Rundum 3D
360-Grad-Bilder gibt es schon eine ganze Weile, doch Memco Interactive Atmosphere - kurz Mia - verhält sich dazu wie ein 3D-Spiel zu einem Bildschirmhintergrund. Der Betrachter kann sich nicht nur um seine Längsachse drehen, sondern auch nach oben oder unten sehen und den Standpunkt verändern. Das Mia-Plug-in setzt während der Bewegung die Auflösung herunter und rendert anschließend das Bild neu, sodass die Pixelkanten zu fotorealistischer Qualität geglättet werden. Nutzer älterer Rechner können in den Fast-Preview-Modus wechseln, der während der Bewegungen die Texturen ausblendet.
Mia-Animationen sind nicht statisch. Bei manchen Beispielen kann der Betrachter Texturen austauschen oder Gegenstände entfernen; vom Designer gespeicherte Bewegungsabläufe lassen sich wie ein Film abspielen. Licht berechnet das Plug-in dynamisch - Richtung, Intensität, Farbe und Entfernung der Lichtquelle bleiben dem Anwender überlassen. Der kostenlose Mia-Player ist erstaunlicherweise nur gut 300 KByte groß, auch die Animationen sind von moderatem Umfang. Einziger Haken: Bisher bleibt Mia Internet-Explorer-Surfern unter Windows und Mac vorbehalten. (heb)
Meinung gesucht
Produktsuchmaschinen vergleichen die Angebote verschiedener Online-Händler - metaMeinungen.de tut das gleiche für Produktbesprechungen von Kunden und Testmagazinen. Der Dienst ist noch in der Beta-Phase, wertet aber schon einige der wichtigsten Portale aus. Außer mit einer Volltextsuche, die gelegentlich identische Treffer zweimal ausgibt, kann sich der Ratsuchende mit Hilfe von Kategorien durch das Angebot hangeln. metaMeinungen ermittelt die durchschnittliche Wertung der Testergebnisse und verlinkt die als Anreißer zitierten Besprechungen. Über „Preisvergleich“ und „eBay-Suche“ lässt sich das gewünschte Gerät schnell beschaffen. Allerdings sollte man den mehr oder minder anonymen Produktbesprechungen nicht blind vertrauen. (heb)
Ruinen-Räume
Eine lange Wanderung unternimmt der Besucher von 99rooms.com. Es geht durch die verwinkelten Räume einer Fabrikruine, unterlegt von einer düsteren Geräuschkulisse. Rätselhafte Bilder sind zwischen den bröckelnden Putz und die morschen Ziegel an die Wände gemalt, manche davon bewegt - als ob der Filmemacher Tarkowskij die Kulissen für Half-Life entworfen hätte. Gelegentlich muss der Besucher einen verborgenen Schalter umlegen, ein Wandbild zum Leben erwecken oder einfach nur einen Augenblick innehalten, um in den nächsten Raum zu kommen. Wer die ganze Flash-Installation nicht auf einmal besichtigen kann, klappt mit der Shift-Taste eine Liste der 99 Räume auf, um den Rundgang fortzusetzen. Zart besaitete Gemüter sollten sich jedoch besser nicht der morbiden Atmosphäre des Berliner Kunstprojekts verirren. (heb)
Die Websites aus c't 7/2005