Generationswechsel

Im Januar hatte Intel den Notebook-Chipsatz Mobile 915 für den Pentium M vorgestellt. Als interessanteste Neuerung bindet er Grafikchips per PCI Express an und bietet eine verbesserte integrierte Grafik. Mittlerweile sind diverse Notebooks mit der neuen Centrino-Generation lieferbar, doch schöpfen sie das Potenzial des Mobile 915 noch nicht rundum aus.

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Inhaltsverzeichnis

Der Mobile 915 tritt die Nachfolge des erfolgreichen 855 an, des ersten Chipsatzes im Centrino-Paket. Intel will mit ihm vor allem den Geschwindigkeitsrückstand der Notebooks auf die Desktop-PCs verringern. Außer modernere Grafikkerne unterstützt der 915 schnellere Speichermodule und Erweiterungskarten, beschleunigt die Verbindung zum Prozessor und renoviert die Schnittstelle zur Festplatte.

Obwohl die Fortschritte hauptsächlich im Inneren der Geräte verborgen sind, ähneln nur wenige der neuen Notebooks ihren Vorgängern. Denn viele Hersteller haben den 915 zum Anlass für einen größeren Modellwechsel genommen. Der vollzieht sich schnell: Viele der 855-Modelle sind inzwischen nur noch als Restposten oder gar nicht mehr zu bekommen. Weil Intel keinen neuen Namen wie Centrino II vergibt, preisen einige Hersteller ihre neuen Modelle mit den Stichwörtern Alviso oder Sonoma an - erstes ist der Codename für den Chipsatz 915, zweites der für das Centrino-Paket aus 915, passendem Pentium M und Intels WLAN-Modul für IEEE 802.11a/b/g oder b/g.

Am schnellsten wuchs das Angebot an 915-Notebooks mit 15-Zoll-Display im herkömmlichen Seitenformat von 4:3 und mit 15,4-Zoll-Panel im Breitformat 16:10. Neun dieser um drei Kilogramm wiegenden Universalisten nahmen am Test teil: Acer Travelmate 8100, Asus V6000V, Bullman CK9-CEN, Dell Inspiron 6000, Gericom 1st Supersonic PCI E, Samsung X20, Sony VGN-FS115M, Toshiba Satellite A80 und Wortmann Terra Aura MWS 8300. Die Linux-Kompatibilität untersuchen wir ausführlich im nächsten Artikel ab Seite 106.

Das Bullman CK9 kommt vom taiwanischen Fertiger Clevo. Der Barebone M400A ist beispielsweise auch als Amadeus C40, Faet VX.3, Tronic 5 C40E oder Xeron Sonic Pro 400TMX erhältlich. Das Wortmann Aura 8300 entstammt der Z-Serie von Asus, die ausschließlich in den ODM-Markt gelangt. Das Z7100 verkauft beispielsweise auch Xeron als Sonic Pro XN15G.

Die größte Freiheit bei der Komposition des Wunschgeräts findet der Käufer bei Bullman, Dell und Wortmann. Die anderen Hersteller bieten hingegen nur wenige Konfigurationen an.

Sechs der getesteten Notebooks nutzen die Chipsatzversion 915PM, zu der ein separater Grafikchip gehört: Der ATI Radeon Mobility X700 kommt im Acer Travelmate 8100 und Bullman CK9-CEN zum Einsatz, der X600 im Asus V6000V. Nvidias GeForce Go 6600 steckt im Gericom Supersonic PCI E und Wortmann Aura 8300. Das Sony VGN-FS115M ist mit Nvidias Go 6200 ausgestattet.

Im Dell Inspiron 6000, Samsung X20 und Toshiba Satellite A80 findet die Chipsatzversion 915GM mit integrierter Grafikeinheit GMA900 Verwendung.

Der Pentium M ist bei allen Kandidaten über einen mit 133 MHz getakteten Bus (FSB533) an den Chipsatz angebunden, viele Geräte nutzen zudem DDR2-Speicher. Doch wie sich schon anhand der ersten Prototypen abzeichnete, kommen die anderen Neuerungen lange nicht bei jedem Notebooks zum Einsatz. Ein Einschub für ExpressCards ist lediglich bei der Dockingstation von Acer vorhanden, was man aber wegen der wenigen und kaum verfügbaren Karten leicht verschmerzt [1].

Der FSB533 überträgt theoretisch 4,3 GByte/s, die restliche Notebook-Peripherie bleibt unter 1 GByte/s (großzügig gerechnet maximal je 50 MByte/s von Festplatte, USB 2 und FireWire sowie je 250 MByte/s von ExpressCard und Gigabit-LAN). Separate Grafikchips benötigen zusätzliche Bandbreite, falls sie mit ihrem lokalen Speicher nicht auskommen, doch das tritt nur bei wenigen Spielen oder 3D-Anwendungen und dann meist nur kurzzeitig auf.

Im Test erzielten die vier Notebooks mit DDR2-Speicher und separatem Grafikchip (Acer, Asus, Gericom, Wortmann) eine maximale Übertragungsrate von etwa 3,2 GByte/s. Das schafften sie mit einem PC2-4200- oder zwei PC2-3200-Modulen; die testweise Bestückung mit einem PC2-3200-Modul ließ die Datenrate leicht zurückgehen. Der Verzicht auf DDR2 führt beim zweikanalfähigen Sony FS115M zu einer Datenrate von 2,8 GByte/s. Das nur einkanalig arbeitende Bullman CK9 kommt auf 2,5 GByte/s - kaum mehr als die 2,3 GByte/s des 855-Chipsatzes.

Der Grafikkern des 915GM greift kontinuierlich auf den Hauptspeicher zu, weil er für jedes Einzelbild den gesamten Bildspeicher ausliest. Das benötigt beim höchstauflösenden Notebook-Display ständig etwa 0,5 GByte/s (1920 x 1200 Punkte x 32 Bit Farbtiefe x 60 Hz) und bei einem gleichzeitig betriebenen Monitor mit erweitertem Desktop zusätzlich 0,6 GByte/s (1600 x 1200 x 32 Bit x 85 Hz).

Das Speicher-Interface sollte in der Lage sein, diese Bandbreite zusätzlich zu den gemessenen 3,2 GByte/s des Prozessors zur Verfügung zu stellen, doch die Prozessortransferrate sank bei den drei Notebooks mit 915GM: Das Dell Inspiron 6000 kam auf 2,7, das Samsung X20 auf 2,8 GByte/s. Mit PC2-4200- statt den ausgelieferten PC2-3200-Modulen legten Dell um 100 und Samsung um 200 MByte/s zu. Addiert man die vom Grafikkern benötigte Bandbreite dazu (400 MByte/s beim Dell, 180 beim Samsung), landet man bei 3,2 GByte/s - mehr schafft der Mobile 915 offensichtlich nicht. Den schlechtesten Speicherdurchsatz von nur 2,3 GByte/s zeigte das Toshiba Satellite A80, weil es nur ein Einkanal-DDR-Interface implementiert. In der Praxis sind diese Unterschiede allerdings nur bei wenigen Anwendungen messbar; spürbar langsamer als die 915PM-Notebooks laufen die drei 915GM-Vertreter nicht.

Auf viele Anwendungen haben Festplattengeschwindigkeit und Prozessortakt einen größeren Einfluss, wie der Anwendungs-Benchmark SYSMark 2002 zeigt. Hier standen das Asus V6000V und Acer Travelmate 8100 an der Spitze, beide mit hochgetakteten Prozessoren und flinken Festplatten. Vergleichsweise schnell lief auch das Dell Inspiron 6000 dank seiner rasanten Festplatte. Das Samsung X20, das Sony FS115M und das Toshiba A80 wurden von ihren langsamen Festplatten ausgebremst.

Im Dell steckte eine mit 7200 U/min drehende Festplatte, die 37 MByte/s überträgt - für Notebooks ein Spitzenwert. Bei Zugriffen rattert sie mit erträglichen, aber vernehmbaren 0,9 Sone. Praktisch unhörbar und mit etwa 33 MByte/s auch kaum langsamer arbeiten die mit 5400 U/min rotierenden Platten bei Asus, Bullman und Wortmann. Die Seagate-Platte im Acer Travelmate lief schnell, mit 0,7 Sone aber ziemlich laut.

Im Wortmann Aura 8300 steckte eine Serial-ATA-Festplatte, andere Notebooks sind darauf vorbereitet. Doch beschleunigende Features wie NCQ (Native Command Queueing) funktionieren erst im AHCI-Modus, den kein Notebook aktivierte.

Die 3D-Leistung der integrierten Grafik beim Samsung X20 und Dell Inspiron 6000 ist rund doppelt so hoch wie beim Vorgänger 855GM. Sie erreicht damit etwa 70 bis 90 Prozent der Geschwindigkeit von älteren 3D-Chips wie dem Radeon Mobility 9000/9200 - OpenGL-Spiele wie Quake III laufen auf der Intel-Hardware allerdings nur halb so schnell. Das Toshiba Satellite A80 erreicht aufgrund des langsamen Speichers nur etwa 85 Prozent dieser Geschwindigkeit, doch selbst das reicht für das ruckelfreie Abspielen von HDTV-Videos im 720p-Format. Mit Intels Chipsatz-Grafik GMA900 brauchen noch weniger Anwender als bisher externe Grafikchips von Nvidia und ATI.

Der Nvidia GeForce Go 6200 im Sony FS115M lief zwar doppelt so schnell, blieb aber weit hinter der Spitzenklasse der mobilen 3D-Chips zurück. Der Radeon X600 hat den gleichen Kern wie der Radeon 9700, im Asus V6000V läuft er mit 405 MHz und wird daher von älteren Notebooks mit bis zu 450 MHz schnellem Radeon 9700 überholt.

Erst die neuen PCI-Express-Chips Radeon X700 und GeForce Go 6600 im Acer Travelmate 8100, Bullman CK9 und Gericom Supersonic PCI E beschleunigen 3D-Spiele deutlich. Schneller sind dann nur noch die schwer zu kühlenden Notebook-Chips Radeon 9800, X800 oder GeForce Go 6800. Verglichen mit Desktop-Grafikchip liegen der Mobile X700 und Go 6600 etwa in der Mittelklasse; die Oberklasse erzielt etwa die doppelte Geschwindigkeit.

Die hohe Geschwindigkeit mancher Notebooks hat eine Kehrseite: Ihre Leistungsaufnahme steigt im Vergleich zur Vorläufergeneration wieder an. Während viele 855-Notebooks mit 3D-Grafikchip bei Büroanwendungen mit etwa 15 Watt auskommen, schluckten die 915-Geräte 21 bis 26 Watt. Das liegt nicht am Prozessor, denn die FSB533-Varianten dürften kaum mehr Leistung aufnehmen als die FSB400-Vorgänger. Intel hat zwar die Thermal Design Power - die maximal abzuführende Abwärme - von 21 auf 27 Watt angehoben, lässt damit aber eher Luft für zukünftige Modelle.

Als Stromloch erweist sich stattdessen die Grafikchipanbindung. Laut Intel schluckt das PCI-Express-Interface im 915 ein paar Watt zusätzlich, ebenso vermutlich das in den Grafikchips. So ergibt auch ATIs angekündigte Stromspartechnik per Abschalten von PCI-Express-Lanes einen Sinn - allein, sie funktionierte bei den Testkandidaten nicht. Ob sie beim X600 und X700 schlichtweg fehlt oder ob Treiber oder Chipsatz-Revision noch Probleme bereiten, war bis zum Redaktionsschluss nicht aufzuklären.

Die 915GM-Notebooks von Samsung und Toshiba kommen im Büro mit 14 Watt aus, doch wegen knapp bemessener Akkus laufen sie nur maximal vier Stunden. Das Dell Inspiron 6000 schluckt noch akzeptable 17 Watt und hält mit dem seit kurzem alternativ lieferbaren 80-Wh-Akku fast fünf Stunden durch.

Die Displays in den meisten Modellen leuchten mittlerweile hell genug für Außeneinsätze bei strahlender Sonne. Nur Acer, Samsung, Toshiba und Wortmann könnten noch etwas kräftigere Hintergrundbeleuchtungen vertragen.

Allerdings hatten nur wenige Notebooks sehenswerte Displays eingebaut. Hier hatten wir angesichts der Preise von teilweise über 1700 Euro mehr erwartet. Das im Sony FS115M zeigt brillante Farben und leuchtet viel heller als die weitaus meisten Notebook-Displays. Allerdings spiegelt es, was besonders bei Sonnenlicht oder Deckenbeleuchtung deutlich auffällt. Gericom hat ein noch stärker spiegelndes Display eingebaut, das aber die Brillanz und Helligkeit vom Sony-Panel nicht erreicht. Wer mit diesen Spiegeldisplays liebäugelt, sollte sie sich vorher ansehen: Je nach Geschmack empfindet man die Reflexionen als unerträglich oder die Brillanz als unverzichtbar.

Von den gut entspiegelten Displays überzeugte das im Dell Inspiron mit hohem Kontrast, recht breitem Ablesewinkel und heller Hintergrundbeleuchtung. Ähnlich gut, aber etwas dunkler, war das im Acer Travelmate 8100.

Beim Anschluss externer Monitore glänzt das Acer Travelmate 8100 mit seinem DVI-Ausgang, der auch hohe Auflösungen in einwandfreier Qualität ausgibt. Bei der Analogqualität lieferte nur das Samsung X20 ein gutes Signal, alle anderen Notebooks steuern gerade mal ein XGA-Display bei 85 Hz noch einwandfrei an. Asus, Bullman und Wortmann erzeugten zu hohe Schwarzpegel, sodass Monitore statt Schwarz ein flaues Grau anzeigen.

Die größte Vielfalt an Displaymodi inklusive der HDTV-Modi 1920 x 1080 und 1280 x 720 bot das Samsung X20. Sehr flexibel: Die Nvidia-Treiber bei Gericom, Sony und Wortmann erlauben, in weitem Rahmen eigene Auflösungen zu definieren.

Intels neue Audioschnittstelle HDA kommt bei einigen Notebooks zum Einsatz, verbessert aber nicht zwangsläufig die Audioqualität. Die HDA-Codecs liefern in einigen Notebooks zwar hervorragende Audiowerte (Gericom, Sony, Wortmann), aber in anderen nur Mittelmaß (Acer, Bullman). Die automatische Erkennung der angeschlossenen Geräte - was beispielsweise den Anschluss von zwei Kopfhörern erlauben würde - beherrscht kein Notebook.

[1] Jörg Wirtgen, Fit für die Zukunft, Intel modernisiert die Notebook-Plattform Centrino, c't 3/05, S. 102

[2] Jürgen Rink, Jörg Wester, Schnäppchenreigen, Notebooks von 600 bis 1000 Euro, c't 6/05, S. 172

[3] Harald Bögeholz, Bärendienst, Wie ATA-Sicherheitsfunktionen Ihre Daten gefährden

"Die neue Generation"
Weitere Artikel zum Thema Centrino-Notebooks finden Sie in der c't 9/2005:
Neun Centrino-Notebooks im Test S. 96
Centrino-Notebooks unter Linux S. 106

Wie in der vorigen c't berichtet, implementieren viele Notebooks und Desktop-PCs den in den ATA-Spezifikationen beschriebenen Passwortschutzmechanismus unvollständig [3]. Wenn das BIOS ihn nicht mit dem Kommando Security Freeze Lock verriegelt, könnten böswillige Programme die Festplatte mit einem beliebigen Passwort sperren.

Ohne Kenntnis des Passworts lässt sich der Rechner nicht mehr starten. Selbst für Bastler und PC-Werkstätten existiert kein Weg, dieses Passwort zu löschen - auch der Tausch der Plattenelektronik hilft nicht. Einige Datenrettungsunternehmen bieten an, die Platte wieder lesbar zu machen, verlangen dafür aber mehr Geld als eine neue Festplatte kostet.

Von den getesteten Notebooks patzte nur das Asus V6000V und ließ die Platte ungeschützt. Wenn man im BIOS-Setup ein Festplattenpasswort vergibt, friert es die Sicherheitseinstellungen korrekt ein. Das BIOS-Setup des Wortmann MWS 8300 hat eine eigene Option für das Freeze-Kommando.

Eine gefährliche Hintertür bleibt allerdings offen: Im Suspend-Modus schalten die Notebooks die Festplatte ab. Nach dem Aufwachen vergessen die meisten Geräte auch bei aktiviertem Festplattenpasswort, das Freeze-Kommando abzusetzen. Lediglich beim Dell Inspiron 6000 war die Platte ohne Eingriff des Anwenders nach dem Aufwachen geschützt. Beim Asus V6000V war sie das immerhin bei aktiviertem Passwort, beim Wortmann Aura 8300 ebenfalls, wenn dies im BIOS-Setup eingeschaltet war.

Die in [3] vorgestellten Abhilfen wie das Booten von CD oder das Installieren eines Dienstes, der beim Einschalten und beim Aufwachen aus dem Suspend das Freeze-Bit setzt, sind mit genügend destruktiver Fantasie umgehbar - erst ein fehlerfrei programmiertes Notebook-BIOS schafft Sicherheit. (jow)