Auf den zweiten Blitz

Einen Anschluss für externe Blitzgeräte bieten nur Digitalkameras der gehobenen Preis- und Leistungsklasse - dabei würden gerade die kleinen Modelle von zusätzlicher Lichtleistung profitieren. Unsere Schaltung erweitert ein beliebiges Automatik-Blitzgerät um eine kabellose Auslösung mit Vorblitz-Erkennung.

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Lesezeit: 5 Min.
Von
  • Carsten Meyer
Inhaltsverzeichnis

Ein zusätzlicher Blitz erweitert die kreativen Möglichkeiten einer Digitalkamera enorm, etwa um den Hintergrund aufzuhellen oder das Motiv schmeichelhaft indirekt von der Seite zu beleuchten. Auf (Online-)Flohmärkten findet sich schnell das eine oder andere ausgemusterte Blitzgerät, dessen Leistung die des kameraeigenen Winzlichts oft um ein Mehrfaches übersteigt. Bei Digitalkameras ohne eigenen Blitzanschluss - das sind praktisch alle Ultrakompakt- und Einsteiger-Modelle - hat man dann aber das Problem, den Zweitblitz synchron mit dem Kamera-Blitz zu zünden.

So genannte Servoblitzauslöser sollen das leisten: Sie bemühen eine Fotodiode, die den steilen Lichtimpuls des Kamerablitzes registriert und über eine kleine Zündschaltung den Zusatzblitz auslöst. Das passiert innerhalb weniger Mikrosekunden, sodass für die Kamera der Eindruck eines einzigen Blitzes entsteht. Bereits in [1] hatten wir uns der Thematik angenommen und eine Schaltung zum Auslösen eines Tochterblitzes vorgestellt, die für den Bruchteil des Preises käuflicher Geräte nachgebaut werden konnte.

Nachteil dieser Schaltung und auch der meisten im Zubehörhandel erhältlichen Servoblitzauslöser ist ihre Unfähigkeit, zwischen Vor- und Hauptblitz der Kamera zu unterscheiden. Um beim Blitzeinsatz die richtige Lichtmenge bemessen zu können, senden die meisten aktuellen Digitalkameras einen Vorblitz aus, dem innerhalb kurzer Zeit der Hauptblitz folgt. Die Zeit zwischen Vor- und Hauptblitz kann abhängig vom Modell so kurz sein, dass es für den Betrachter wie ein einziger Blitz erscheint. Trotzdem reagieren übliche Tochterblitz-Auslöser (wie auch unsere Schaltung in [1]) bereits auf den Vorblitz; für den Hauptblitz ist dann die Blitzenergie verbraucht. Schlimmer noch: Das Motiv wird nun unterbelichtet, weil der mit dem Vorblitz gezündete Zweitblitz in die Belichtungsberechnung mit einbezogen und der Kamera-Hauptblitz dementsprechend zurückgeregelt wurde.

Es gibt leider nur noch wenige Digitalkameras, bei denen man den Vorblitz abschalten kann oder die ohnehin nur einen Blitz aussenden; das ermunterte uns zu einem Update der alten Servoblitz-Schaltung. Sie wurde mit einem Flipflop erweitert, das bis zwei zählt und erst dann den Blitzkontakt ansteuert. Eine trickreiche Reset-Schaltung sorgt schließlich dafür, dass das Flipflop nach einer halben „blitzlosen“ Sekunde wieder zurückgesetzt wird - etwa wenn der Hauptblitz aus irgendwelchen Gründen „übersehen“ wurde oder von einer fremden Kamera stammte.

Damit die Schaltung möglichst universell eingesetzt werden kann, haben wir einen Umschalter vorgesehen, mit dem man den Zusatzblitz auf den ersten oder zweiten Kamera-Blitz zünden kann. Eine Leuchtdiode zeigt den Vorblitzbetrieb an, sparsame Zeitgenossen können sie auch weglassen, das minimiert außerdem den Batterieverbrauch. Apropos: Selbstverständlich kann auch die neue Schaltung aus den Batterien des Blitzgeräts mitversorgt werden; will man es nicht öffnen, kann man alternativ drei Mignonzellen dazu heranziehen (die Schaltung arbeitet mit Betriebsspannungen zwischen rund 3 und 6 V). Das Öffnen eines Blitzgeräts empfiehlt sich allerdings nur mutigen Bastlern, denn die Blitzröhre bezieht ihre Energie aus einem auf mehrere hundert Volt aufgeladenen Hochspannungskondensator. Der hält seine lebensbedrohliche Ladung ausgesprochen lange vor und „beißt“ auch noch Stunden nach dem Ausschalten.

Für die Schaltung haben wir ein Platinenlayout erarbeitet, das Sie sich von unserer c't-Projektseite herunterladen und zum Belichten einer Platine auf Transparentpapier ausdrucken können. Für Einzelstücke ist aber sicher der Aufbau mit Fädeldraht auf einer kleinen Lochrasterplatine sinnvoller. Die Schaltung ist in der abgebildeten Form für Blitzgeräte neuerer Bauart geeignet, die sich dadurch auszeichnen, dass an ihrer Kontaktschuh-Mitte beziehungsweise der X-Buchse eine Spannung von maximal 6 V anliegt. Sollten an Ihrem historischen Blitz hier 150 V und mehr stehen (im Zweifel nachmessen!), arbeitet das Gerät noch mit einem Hochspannungs-Zündkreis und die vorgenannte Schaltung muss um den im Schaltplan angegebe-nen Triac-Optokoppler erweitert werden.

Zentrale Bedeutung kommt der Fotodiode BPW34 zu, die bei einem Lichtblitz einen kurzen Spannungsimpuls von einigen hundert Millivolt liefert. Ein Kondensator als Differenzierglied sorgt dafür, dass kein Dauerlicht, sondern nur ein Lichtimpuls den Blitz auslöst. Der verstärkende Transistor wird dadurch nach Masse leitend und triggert das D-Flipflop 74HCT74. Beim zweiten Aufblitzen wird schließlich sein Ausgang /Q2 aktiv und löst einen Zündimpuls aus.

Das Kabel für die X-Buchse am Blitz kauft man fertig konfektioniert und schneidet es zum Anschluss an die Schaltung in der Mitte durch (Seele=X); es reicht dann sogar für zwei „Blitzhilfen“. Alternativ kann man die Schaltung natürlich auch am Mittenkontakt anschließen. Beim praktischen Einsatz ist zu beachten, dass die Kamera vom Zusatzblitz nichts weiß; gegebenenfalls ist eine Belichtungskorrektur vorzunehmen, wenn der Zusatzblitz das Motiv direkt beleuchtet. Bei der Einstellung des Zusatz-Blitzgerätes (so vorhanden, etwa bei Automatik-Blitzen) kommt man empirisch am schnellsten zu brauchbaren Ergebnissen; die lassen sich ja auf dem Kamera-LCD direkt begutachten.

[1] Carsten Meyer, Blitzhilfe, Zweitblitzauslöser für Digitalkameras ohne Blitzanschluss

http://ct.de/0509218 (cm)