Taktwechsel

Stereo-Anwendungen auf Bluetooth-Grundlage sind hierzulande bisher rar. Das ändert sich langsam, Ende Juni wurde zum Beispiel das erste schnurlose Kopfhörer-Sender-Set für Apples Musik-Player iPod angekündigt. Eine spannende Entwicklung versprechen neue Module, die zu leichteren Headsets mit besserer Klangqualität und längeren Laufzeiten führen sollen.

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Besonders PC-Nutzer dürfte das steigende Angebot an Bluetooth-Erweiterungen mit Stereo-Funktionen freuen, denn neben wenig verbreiteten Bluetooth-Stacks von IVT oder Toshiba eignet sich nun auch der von AVM für den USB-Adapter BlueFritz! entwickelte Stack für die Stereo-Wiedergabe. So kann man nun sämtliche System-Soundausgaben auf den BlueFritz!-Adapter umlenken und etwa MP3-Songs drahtlos und in Stereoqualität über das Advanced Audio Distribution Profile an Funkkopfhörer senden (A2DP).

Das klingt zunächst nur für Multimedia-Enthusiasten interessant; sie können schnurlosen Musikgenuss ohne lästiges analo-ges Funkrauschen traditioneller Funkkopfhörer erwarten. Doch wenn man als Gegenstelle ein Headset einsetzt, also einen Kopfhörer mit integriertem Mikrofon, dürften prinzipiell auch VoIP-Telefonate mit hoher Klangqualität möglich sein - weil man bei VoIP-Verbindungen nicht nur die auf der Festnetztradition gründenden Codecs mit 3,1 kHz Bandbreite benutzen kann, sondern eben auch höherwertige wie den G.722 mit 16 kHz Abtastrate. Ob und mit welchen Headsets das gelingt, müssen Tests noch zeigen.

Die bisher überwiegend für schnurlose VoIP-Telefonate eingesetzten Headsets sind ursprünglich für Handy-Verbindungen konzipiert und gründen auf dem Headset Profile. Mit Monosignalen sowie 8 kHz Abtastrate und 3,1 kHz Bandbreite können sie die Vorteile von breitbandigeren Codecs bei VoIP-Verbindungen nicht ausschöpfen.

Adäquate Voraussetzungen bringt erst das eigentlich für HiFi-Übertragungen konzipierte A2DP mit. Sowohl Mono- als auch Stereo-Signale werden damit als SBC-komprimierte Päckchen ge-streamt (48 kHz Abtastrate und bis zu 237 KBit/s bei Mono- respektive 345 KBit/s bei Stereo-Signalen); optional dürfen die Entwickler auch MP3 und andere Audio-Kompressoren einsetzen. Wenn sie A2DP-konform gebaut sind, können sich Sender (Source, Quelle) und Empfänger (Sink, Senke) auch dann verständigen, wenn sie von verschiedenen Herstellern stammen.

Seine A2DP-Implementation hat AVM bereits anlässlich der CeBIT 2005 als Update für die BlueFritz!-Modelle 1.0 und 2.0 angekündigt. Im rund 4,6 MByte großen Archiv (siehe Soft-Link) steckt nun nicht nur der komplette Bluetooth-Stack für den USB-Stecker, sondern auch ein AVM Bluetooth Stereo Driver, über den beliebige Audio-Anwendungen ihre Daten zur Gegenstelle senden können.

AVM hat zunächst nur die Source-Rolle implementiert; der Soundempfang über A2DP fehlt (die Sink-Rolle). Als Musik-Gegenstellen kommen für BlueFritz! somit keine Sender in Frage (etwa angekündigte MP3-Player mit A2DP), sondern nur Wiedergabegeräte wie Adapter für Analogeingänge von HiFi-Verstärkern oder auch Stereo-Headsets.

In einem Test ließ sich ein BlueFritz! 2.0 mit dem Headset iPhono BT420 von BlueTake koppeln. Damit gelang die Soundwiedergabe von MP3-Songs wie auch von Windows-Systemklängen.

Ob BlueFritz! auch mit anderen Bluetooth-Geräten Musik macht, muss sich in Tests noch erweisen. Ein interessanter Kandidat ist der ebenfalls Ende Juni angekündigte icombi AH10 vom koreanischen Unternehmen AirLogic. Er bildet mit der Sendeeinheit AP11 eine Audio-Funkbrücke, ein für den Analogausgang des Musik-Players Apple iPod entwickeltes Set. AirLogic gibt die Reichweite mit rund zehn Metern an. Interessant ist es vor allem, weil sich der iPod über Tasten am Kopfhörer fernsteuern lässt; die Kommandos wie Titelwahl oder Lautstärke werden über das Audio Video Remote Control Profile zum AP11 übertragen, der sie an den iPod weiterleitet. Das icombi-Set eignet sich für iPods der dritten und vierten Generation sowie für die Modelle mini, Photo und U2 Special Edition. Es ist bei Plawa oder auch bei Expansys ab rund 150 Euro erhältlich.

Bemerkenswert an diesem Set ist, dass es nicht wie die erste Generation noch mit Bluetooth 1.1 funkt, sondern mit Bluetooth 1.2 - obwohl es bereits Chips mit der jüngsten Spezifikation 2.0+EDR gibt. Näher besehen genügt jedoch schon Bluetooth 1.2 für die HiFi-Übertragung, denn das wichtige Adaptive Frequency Hopping ist bereits damit möglich. Mit AFH erkennen Bluetooth-Geräte bereits belegte Funkbereiche und meiden diese. Das senkt die Wahrscheinlichkeit für Interferenzstörungen, etwa mit benachbarten WLANs.

Vor allem Hersteller aus Südostasien haben Kopfhörer und Headsets mit dieser Spezifikation entwickelt, etwa Cellink (BTST-9000), i.Tech (Clip S) und Creative (Digital Wireless Headphone CB2530), aber auch die US-Firma Motorola (HT820).

Zunehmend setzt man auch auf optimierte Module mit spezialisierten DSPs. Die besseren sollen im Sendebetrieb weniger als 50 mW aufnehmen und so mit 500 mAh Akkukapazität maximal elf Betriebsstunden bescheren. Module der ersten Generation musste man noch mit RISC-Controllern ausstatten und erhielt so kaum fünf Betriebsstunden.

Trotz dieser Fortschritte wünschen sich manche Anwender lieber Audio-Produkte mit Bluetooth-Spezifikation 2.0+EDR. Mit Durchsatzraten bis zu 2,2 MBit/s, so die Überlegung, stünde damit endlich genug Kapazität für die Übertragung unkomprimierter Stereo-Signale bereit. Diese belegen bei 16 Bit und 44,1 kHz Abtastrate rund 1,1 MBit/s, während Bluetooth 1.0b, 1.1 und auch 1.2 nur maximal 723,2 kBit/s befördern. Gerade wegen dieser Beschränkung setzt A2DP eine Datenkompression voraus. Prinzipiell ist sie für Bluetooth 2.0+EDR nicht erforderlich - doch aus dem höheren Durchsatz resultiert kein direkter Vorteil, denn A2DP sieht bisher keine Übertragung ohne Kompression vor.

Dennoch haben Chip-Hersteller Audio-Module mit dem Bluetooth-Turbo in Arbeit. Ende Juni hat die US-Firma Broadcom mit dem BCM2037 das erste Stereo-Audio-Modul mit 2.0+EDR für das dritte Quartal 2005 angekündigt. Die Vorteile leuchten erst bei genauem Hinsehen ein: Weil sie dieselbe Datenmenge bis zu dreimal schneller übertragen als Vorgänger, sind sie schneller fertig - und benötigen daher weniger Energie. Zusätzlich erwartet man gegenüber den Bluetooth-Vorversionen weniger Aussetzer, denn die Fehlerkorrektur läuft schneller ab und so sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass Gerätepuffer leerlaufen und im Moment der Wiedergabe gerade kein Päckchen da ist.

http://ct.de/0515030 (dz)