Bandbreite satt
Die neue DSL-Generation macht einen großen Leistungssprung: Bis zu 25 Megabit pro Sekunde werden mit ADSL2+ schon bald durch die Leitungen von Privatkunden rauschen. Die Anbieter haben bereits Pläne, was man mit den Turbo-Zugängen anfangen könnte, denn fürs schnöde Surfen oder Downloaden sind sie fast zu schade.
Auf rund das Zwanzigfache hat die Geschwindigkeit von DSL-Anschlüssen seit dem Marktstart vor sechs Jahren zugelegt. Vor zwei Jahren war der 1500-MBit/s-Anschluss das schnellste Angebot am Markt. Inzwischen gilt der 1-MBit/s-Anschluss vielen bereits als zu langsam, viele Provider führen den 2-MBit/s-Anschluss als Basisangebot, und die 3-MBit/s-Anschlüsse sollen demnächst auf 6 MBit/s umgestellt werden. Wem das nicht genügt, kann schon bald auf ADSL2+ umsatteln - das erlaubt zunächst 16 MBit/s und kann mittelfristig auf bis zu 25 MBit/s aufgebohrt werden.
Die tägliche E-Mail-Abfrage, das Surfen und gelegentliche Downloads benötigen keine solchen Bandbreiten. Ein Musiktitel mit rund drei Megabyte lässt sich mit 1-MBit/s-DSL in 25 Sekunden abrufen - bei 25 MBit/s dauert es theoretisch gerade noch eine Sekunde. Selbst ein ISO-File für eine einlagige DVD ist mit ADSL2+ bei voller Ausnutzung der Bandbreite in einer knappen Dreiviertelstunde heruntergeladen. Die Übertragungsrate ist so hoch, dass man oft Tricks und Kniffe einsetzen muss, um den eigenen Downstream auszureizen, denn viele Server stellen keine Bandbreiten jenseits einiger Megabit pro Sekunde zur Verfügung (siehe S. 128).
DSL statt TV-Kabel
Auf der Suche nach Konzepten, die den Kunden schnelle DSL-Zugänge schmackhaft machen, wurden die Provider bei der Konkurrenz fündig - bei den Kabelnetzbetreibern. Die hatten sich nämlich bereits vor drei Jahren das „Triple Play“ ausgedacht: Digital-TV spült Geld in die Kassen, um den Ausbau der Kabelnetze zu Breitband-Internet-Zugängen zu finanzieren. In der dritten Stufe sollte dann noch die Kabeltelefonie hinzukommen. Die DSL-Provider drehen den Spieß jetzt um: Nachdem Telefonieren via Voice over IP ins Rollen gekommen ist, werden die Breitbandzugänge weiter ausgebaut, um noch Multimedia-Anwendungen wie Video on Demand anbieten zu können.
Eine ADSL2+-Leitung kann beim Einsatz geeigneter Codecs je nach verfügbarer Bandbreite ein oder zwei HDTV-Datenströme mit jeweils 6 bis 8 MBit/s transportieren und - ein funktionierendes QoS-Management vorausgesetzt - gleichzeitig VoIP-Telefonate und Zugang zum Internet ermöglichen. Fernsehen in normaler Auflösung benötigt gerade einmal 2 bis 3 MBit/s bei höchster Qualität und wäre bereits heute möglich.
Ein Streaming-Dienst per ADSL, der die Programme der großen Sender, Pay-TV-Angebote und Zugriff auf eine Online-Videothek per Set-Top-Box auf dem Fernseher ermöglicht, könnte den Kabelanschluss überflüssig machen. Zudem würde er zusätzliche Dienstleistungen wie Video on Demand bereitstellen, ohne dass dies mit einer Komforteinbuße erkauft würde. Allerdings stehen vor dem Einstieg in die bunte Multimedia-Welt noch hohe Hürden. Als „Media Receiver“ bezeichnete Set-Top-Boxen für TV over IP (TVoIP) beispielsweise von Samsung, Fujitsu-Siemens und Zenega gibt es zwar bereits; die relativ neuen Produkte leiden aber noch unter zahlreichen Kinderkrankheiten. Noch viel mehr fällt ins Gewicht, dass attraktive Inhalte, ob Live-Events oder Film-Konserven, nur für viel Geld zu bekommen sind, während die Deutschen beim Pay-TV geizig sind.
Die Rechteinhaber für Kinofilme begnügen sich nicht mit einem Anteil am Online-Verleihgeschäft, was diesen neuen Vertriebsweg kräftig ankurbeln könnte, sondern verlangen hohe Summen für den Markteintritt. Sie haben keinen Anlass, den DSL-Betreibern einen Gefallen zu tun, indem sie ihnen die Rechte zu günstigen Konditionen überlassen, um einen neuen Vertriebsweg zu eröffnen, denn ihr Geschäft läuft ja mit Kinos, Videotheken, Kaufvideos, Pay-TV- und Free-TV-Sendern bereits rund.
Das dünnt das Angebot deutlich aus: Die Online-Videothek von Arcor beispielsweise ist mager bestückt. T-Online bietet neuere Filme, jedoch zeitlich deutlich nach den Videotheken. Wer einen bestimmten Film entleihen will, hat nur geringe Chancen, diesen online zu finden. Die Blockbuster, die in der Videothek um die Ecke gerade verliehen sind, sucht man auch im Online-Verleih vergebens. Allerdings will Arcor an der Qualität drehen: Ab 8. August sollen die Filme mit einer Datenrate von 6 MBit/s bereitstehen.
Eine Alternative wäre es, Live-Programme einzuspeisen. Allerdings geht das nur mit dem Einverständnis der Sender. Und diese wollen Geld sehen und nicht für den Traffic bezahlen, denn durch das Streaming per Internet werden sie keine zusätzlichen Zuschauer erreichen, die DSL-Anbieter hingegen können damit neue Kunden werben.
Strategisch günstig aufgestellt dafür ist der Branchenriese AOL durch die im Jahre 2000 erfolgte Fusion mit dem Medienkonzern Time Warner. AOL hat in Bremen und München bereits die ersten ADSL2+-Leitungen geschaltet, über die sich Angebote der Mediensparte des Konzerns prächtig zum Kunden transportieren ließen. Bislang lässt sich AOL aber noch nicht in die Karten schauen, wie ein solches Angebot aussehen könnte.
T-Online ist bereits einen Schritt weiter. Bereits zur diesjährigen CeBIT demonstrierte der Provider die Übertragung von HDTV-Filmen per 6-MBit/s-DSL. An Selbstbewusstsein mangelt es der Telekom-Tochter nicht: „Wir sehen uns als logischen Partner für die Fernsehsender“, erklärt Pressesprecher Martin Frommhold. T-Online sieht sich als attraktiven Partner für interaktive Angebote. „Wir sprechen mit allen, die für uns interessanten Content haben“, verrät Frommhold. Allerdings wird es auch bei T-Online noch eine Weile dauern, bis die Möglichkeiten, die die neuen Turbo-Zugänge bieten, in fertige Angebote umgesetzt sind.
Dabei kann T-Online auf die Erfahrungen der französischen Tochter Club Internet zurückgreifen, die bereits über 20 verschiedene TV-Programme per ADSL anbietet. Die Konkurrenz in Frankreich ist indes schon weiter: Der Provider Free (www.free.fr) bietet seinen ADSL2+-Kunden per Set-Top-Box bereits über 100 TV-Kanäle an.
TV-Kabel statt DSL
Den Kabelgesellschaften ist mit DVB-T ein ernst zu nehmender Konkurrent entstanden. Bisher hatten die Kunden die Wahl zwischen drei bis sechs analogen Programmen gratis über die Hausantenne einerseits und über 30 Kabel-Programme für 10 bis 15 Euro pro Monat andererseits. Nun springen Kunden in DVB-T-versorgten Gebieten ab, weil sie 20 bis 30 Programme terrestrisch empfangen können und sich die Gebühren für den Kabelanschluss sparen wollen. Kein Wunder, dass die Kabelnetzbetreiber nach neuen Märkten schielen. Als Zugpferd haben sie den Internet-Zugang für sich entdeckt.
Bislang teilen die DSL-Anbieter, allen voran die Telekom, gefolgt von Arcor, Hansenet, Versatel und diversen Stadtnetzbetreibern, den Markt für Breitbandzugänge fast exklusiv unter sich auf. Das TV-Kabel war lange Zeit nur punktuell auch für den Internet-Zugang verfügbar, vorwiegend in den neuen Bundesländern. Bis 2003 verhinderte die Telekom den Ausbau des Fernsehkabels zum Breitbandzugang, um sich nicht selber Konkurrenz zu schaffen und setzte ausschließlich auf DSL. Erst vor zwei Jahren trennte sich der Ex-Monopolist von seinen letzten Kabel-Töchtern.
Die bereits länger unabhängig tätigen Kabelgesellschaften wie beispielsweise „ish“ in Nordrhein-Westfalen, die bereits im Juli 2000 als Kabel NRW firmierte, haben die Nase in puncto Internet-Zugang vorn. Internet-Zugänge per TV-Kabel gibt es zumindest regional bei Kabel BW im Südwesten, ish in Nordrhein-Westfalen und iesy in Hessen. Daneben bietet inzwischen auch Kabel Deutschland Internet-Zugänge in mehreren Städten an. Auf der Liste mit bereits oder demnächst versorgten Städten finden sich neben Hamburg, Berlin, Dresden, Hannover, Leipzig, München und Saarbrücken auch einige kleinere Städte in Thüringen und Bayern wie Gera oder Bayreuth.
Zwar entfällt beim Internet-Zugang per TV-Kabel das Zwangs-Bundling mit einem Telefonanschluss, dafür muss der Kunde aber für die Fernsehprogramme per TV-Kabel zahlen. Wer zwar Kabel-TV nutzt, aber beim Telefonieren lieber aufs Handy oder VoIP ausweicht, um Grundgebühren zu sparen, fährt mit dem Kabelanschluss günstiger als mit DSL.
Die Kabelbetreiber kämpfen allerdings mit technischen Unzulänglichkeiten des Kabelnetzes. Dieses war ursprünglich nur als Verteilersystem für Fernsehsendungen konzipiert. Die Verstärkereinrichtungen arbeiteten daher nur in eine Richtung, nämlich in der zum Kunden.
Bevor ein Kabelnetzbetreiber einen Internet-Zugang oder einen Telefonanschluss anbieten kann, muss er alle Verstärkerkomponenten zwischen der Kopfstation und dem jeweiligen Kundenanschluss aufrüsten oder austauschen. Dazu kommt noch, dass die Kabelgesellschaft nicht der Betreiber aller betroffenen Systeme ist. Die Hausverteilersysteme, auch als Netzebene 4 bezeichnet, werden in der Regel von Hauseigentümern, Wohnungsbau- oder Servicegesellschaften betrieben. Kabel BW beispielsweise macht diese über separate Systeme rückkanalfähig, um den Internet-Zugang anbieten zu können, was aber bei größeren Wohneinheiten erhebliche Investitionen erfordert. Bei einem Einfamilienhaus liegen die Kosten hingegen in einem überschaubaren Rahmen: Ein rückkanalfähiger Verteilverstärker ist im Fachhandel ab rund 70 Euro erhältlich.
Derzeit sind bei den Kabelgesellschaften Breitbandzugänge mit bis zu 10 MBit/s im Angebot. Und das ist technisch noch nicht das Ende der Fahnenstange: Während ADSL2+ den Frequenzbereich bis 2,2 MHz und VDSL (Very High Data Rate DSL) bis zu 30 MHz nutzen kann, stehen den Kabelbetreibern insgesamt stolze 450 bis 860 MHz je nach Ausbaustufe des Netzes zur Verfügung, der Bereich oberhalb von 450 MHz ist in den meisten Kabelnetzen nicht oder nur zum kleinsten Teil belegt. Je nach verwendeter Übertragungstechnik lassen sich 3 bis über 10 Bit/s pro Hertz verfügbarer Bandbreite übertragen. Anders als bei DSL teilen sich im TV-Kabel aber zahlreiche Haushalte einen Zugang. Außerdem belegen die vorhandenen Dienste - analoge und digitale TV- und Radioübertragungen - den größten Teil des verfügbaren Spektrums. Beim Ausbau der Rückkanalfähigkeit ist es nahe liegend, auch die Obergrenze des Übertragungsbereichs von 450 oder 600 MHz auf 860 MHz zu erweitern.
Alle diese Probleme halten die Kabelgesellschaften nicht davon ab, massiv mit ihren Internet-Zugängen und VoIP-Anschlüssen zu werben, auch wenn sie den einen oder anderen Kunden aus technischen Gründen enttäuschen müssen. Nicht jede Hausverwaltung zeigt sich nämlich kooperativ, wenn es darum geht, vorhandene Anlagen rückkanalfähig zu machen, insbesondere dann, wenn sie an Breitbandzugängen über die eigenen Telefonleitungen im Wohnblock selber verdienen möchte.
Digitale Kluft
Während die Städter umworben werden und immer mehr und schnellere Angebote erhalten, sieht es in ländlichen Gebieten immer noch düster aus. Rund zehn Prozent aller Haushalte sind von Breitbanddiensten komplett abgeschnitten. In dünn besiedelten Gebieten lohnt sich der Ausbau nicht, in manchen Gemeinden haben die Telefonkabel nicht die erforderliche Qualität. In einigen Städten liegt Glasfaser, die sich zwar technisch hervorragend für hohe Bandbreiten eignet, aber auch die Kosten für den Breitband-Ausbau in die Höhe treibt. Während die Kunden in den mit Kupferkabel per DSL versorgten Ballungszentren überlegen, ob sie 1, 2, 6 oder 15 MBit/s brauchen, welcher Anbieter es sein darf und ob sich die Flatrate für fünf oder zehn Euro wirklich lohnt, müssen die Landbewohner und die unfreiwilligen Glasfasernutzer weiterhin mit maximal 0,064 MBit/s ins Internet und zahlen dafür meist rund 60 Cent pro Stunde.
In diesen Fällen verspricht zwar der Breitband-Zugang per Funk Abhilfe (siehe S. 132), der aber bislang in der Praxis nur vereinzelt zum Einsatz kommt - es wird noch lange dauern, bis auch der letzte Einsiedlerhof und die letzte Hallig mit einem Breitband-Zugang versorgt sind.
Satellitenzugänge sind zwar bereits flächendeckend verfügbar, aber nur ein unzureichender Ersatz. Ein Satelliten-Kanal hat eine Netto-Übertragungsrate von 34 MBit/s, die durch eine optimierte Datenkompression nochmals deutlich erhöht wird. Dafür teilen sich aber alle Kunden, die den gleichen Kanal nutzen, diese Kapazität. Ökonomisch betrachtet muss der Provider sehr viele Kunden versorgen, um die hohen Kosten für den Einzelnen auf ein erträgliches Maß zu senken - das führt jedoch zwangsläufig zu Engpässen, insbesondere in den Abendstunden.
Eine Einwegverbindung über den Satelliten erfordert obendrein einen separaten Rückkanal übers Telefonnetz, der wiederum für zeitabhängige Kosten sorgt. Der Satelliten-Anbieter Strato nutzt alle technischen Tricks, um die Kosten für die Telefonleitung zu dämpfen: Die Verbindung wird immer nur kurz aufgebaut, die angeforderten Daten werden dann übermittelt, wenn der Rückkanal schon längst abgebaut ist. Allerdings kämpft auch Strato mit den zu geringen Kapazitäten. Wer einen schnellen Download haben will, muss sich bei diesem Geschäftsmodell eine höhere Priorität für seinen Datenstrom erkaufen und dafür bis zu 9,9 Cent pro Megabyte bezahlen - während DSL-Kunden den 2-MBit/s-Anschluss für maximal 20 Euro erhalten und die Flatrate obendrauf für fünf bis zehn Euro. Obendrein sichert Strato keine bestimmte Bandbreite zu - die bemisst sich ausschließlich nach der momentanen Auslastung des Satellitenkanals.
Tempo ĂĽber Glasfaser
Hoffnung besteht aber wenigstens für die Glasfaser-Geschädigten. Die Telekom will peu à peu so genannte Outdoor-DSLAMs installieren, die an der Schnittstelle zwischen der Glasfaserinfrastruktur und der Kupferverkabelung zwischen Straßen- oder Hausverteiler und Endanschluss eine breitbandige Anbindung der Kunden ermöglichen. Anders als in konventionell verkabelten Gebieten gibt es viele solcher Übergangspunkte, was die Kosten pro Installation in die Höhe treibt. Statt in einer zentralen Vermittlungsstelle einen großen und damit kostengünstig zu installierenden und zu wartenden DSLAM zu nutzen, müssen für einzelne Wohnblöcke oder Straßenzüge jeweils kleine Einheiten eingesetzt werden.
Da die Kupferkabel in Glasfasergebieten üblicherweise sehr kurz sind, kann dort VDSL zum Einsatz kommen, das nochmals wesentlich höhere Bandbreiten als ADSL2+ erlaubt. Ein kürzlich vorgestellter VDSL2-Chipsatz von Infineon erlaubt bereits bis zu 100 MBit/s im Up- und Downstream. Allerdings geht der Ausbau, auch aufgrund der höheren Kosten für Glasfaser-Baugruppen, momentan äußerst schleppend voran. Kunden, die das Pech haben, per Glasfaser angebunden zu sein und obendrein in einem ländlichen Gebiet zu sitzen, müssen sich auf eine lange Wartezeit einstellen, bis auch sie einen schnellen Anschluss erhalten können. Dort zahlt sich die Investition für die Telefongesellschaften nur dann aus, wenn viele Kunden auch tatsächlich DSL haben möchten.
Funk statt Kabel
Kurz- und mittelfristig hat die Funktechnik alle Voraussetzungen, um den kabelgebundenen Internet-Anschlüssen ernsthafte Konkurrenz zu machen. Der Unterhalt der Kabelnetze, ob fürs Telefon oder das TV-Kabel, verschlingt eine Menge Geld. „Wer gräbt, verliert“, heißt die Binsenweisheit in der Kommunikationsbranche. Daher vermeiden die DSL-Anbieter, Bagger anrücken zu lassen, und greifen nach Möglichkeit auf vorhandene Kabel zurück. Wenn beispielsweise ein Telekom-Konkurrent ein Telefonkabel anmietet, muss er dafür der Telekom monatlich rund 10,65 Euro bezahlen - und das Geld dafür bei seinen Kunden über Anschluss-, Internet- und Gesprächsgebühren wieder eintreiben.
Unternehmen, die statt der Kabel eine Funkstrecke einsetzen, sparen sich diese Kosten. Eine geschickt platzierte Wimax-Basisstation kann jeden beliebigen Kunden in Reichweite versorgen - ganz ohne monatliche Fixkosten. Der Zugang könnte also vergleichsweise billig ausfallen. Funkkunden haben noch einen weiteren Vorteil: Sie sind nicht zwangsläufig an ihre Wohnung gebunden, sondern können den Zugang im gesamten Versorgungsgebiet des jeweiligen Anbieters nutzen, selbst unterwegs in einer anderen Stadt oder bei ausreichend dichter Abdeckung mobil im Auto.
Den Vorteilen steht aber auch ein gewaltiger Nachteil gegenüber: Beim Zugang per Funk handelt es sich um ein „Shared Media“; die unter den Benutzern aufgeteilte verfügbare Bandbreite ist also variabel und fällt auch im Optimalfall deutlich geringer aus als in den kabelgebundenen Netzen. Für ihr Wimax-Pilotprojekt kündigte die Telekom eine nutzbare Bandbreite von gerade einmal 1 MBit/s an. Je nach vorhandener Kapazität und Nachfrage kann der Durchsatz deutlich unter die vorgegebene Marke sinken. Insbesondere Echtzeitanwendungen wie VoIP oder Online-Spiele leiden darunter spürbar. Für den geringeren Preis erhält der Kunde also auch eine geringere Qualität. Für Gelegenheitsnutzer dürfte das Preis/Leistungsverhältnis in aller Regel aber deutlich besser sein als bei den jetzigen Breitband-Paketlösungen, die pro Monat mindestens 30 Euro kosten. Im Vorteil dürften wieder einmal Kunden in Ballungsräumen sein, wo sich die Investitionen aufgrund der höheren Dichte potenzieller Kunden schneller auszahlen als auf dem flachen Land.
Fazit
Die schnelleren Internet-Zugänge sind derzeit vor allem für Anwender interessant, die in kurzer Zeit große Datenmengen bewegen wollen. Für viele DSL-Anwender sind die heute verfügbaren 3 MBit/s jedoch bereits mehr als genug. Um die Vorteile der neuen Technik voll auszuspielen, müssen die Anbieter Mehrwert verkaufen, der den Kunden die schnelle Leitung schmackhaft macht. Jenseits der 3-MBit/s-Marke bleibt HDTV-Streaming als einzige sinnvolle Anwendung übrig, denn Fernsehen in herkömmlicher Auflösung lässt sich bereits mit 2 MBit/s übertragen. Da neue Dienste auch neue Umsätze bedeuten, werden die Angebote nicht lange auf sich warten lassen.
Ein offener Schlagabtausch zwischen TV-Kabel- und DSL-Betreibern ist vorerst nicht zu erwarten, auch wenn die Teilnehmer der beiden Gruppen begehrliche Blicke auf die Fleischtöpfe der jeweils anderen werfen. Beim Griff in Nachbars Schüssel haben die TV-Kabelbetreiber die Nase sogar ein wenig weiter vorne, solange die DSL-Anbieter mangels Multimedia-Inhalten nicht massiv ins Unterhaltungsgeschäft einsteigen.
Auf der Strecke bleiben aber weiterhin die Bewohner ländlicher Gebiete, die auch weiterhin mit ISDN vorlieb nehmen müssen. Insbesondere in den neuen Bundesländern sind ganze Landstriche noch immer DSL-freie Zonen. Daran wird auch der ADSL2+-Ausbau nichts ändern, denn der erhöht zwar die Datenrate, nicht jedoch die Reichweite auf dem Kabel, und die neue Technik macht den Ausbau kleiner Vermittlungsstellen für DSL auch nicht billiger.
Die Funktechnik bietet dafür zwar eine Lösung, kann aber mit den Bandbreiten von ADSL und TV-Kabel nicht konkurrieren. Bis auf dem Lande passable Bandbreiten verfügbar sind, reichen diese womöglich nicht mehr für neue Dienste, die in den Städten bereits en vogue sind. Die Landbewohner dürfen dann weiterjammern, aber wenigstens auf höherem Niveau.
Nur die Glasfasergeschädigten haben Grund zur Freude: Auf mittlere und lange Sicht sind sie am Ende wohl schneller unterwegs als die Kunden mit normaler Telefonleitung. Das Paradoxon, dass sich die mit modernster Technik versehenen Vermittlungsstellen als ultimative Daten-Bremse erweisen, könnte dann als vorübergehende Fehlentwicklung abgehakt werden.
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(uma)