Handliche Pixelsammler
DVD-Scheibe, eingebaute Festplatte, steckbares Microdrive - nachdem schon bei der Aufzeichnung das Format MPEG-2 gegenüber DV zulegen konnte, bekommt auch das DV-Band bei den Camcordern zunehmend Konkurrenz. Unter den Digicams setzen edle Kompakt-kameras auf der einen sowie extreme Zoom-Bereiche und wieder einmal gestiegene Auflösungen auf der anderen Seite die Trends zur IFA 2005.
- Ulrich Hilgefort
- Carsten Meyer
Schien bis vor kurzem bei sieben Megapixeln eine (vernünftige) Auflösungsstagnation bei den Consumer-Kameras erreicht, so löst die zur IFA anstehende Digicam-Generation acht bis neun Millionen Bildpunkte auf, oft kombiniert mit atemberaubenden Zoom-Faktoren und hilfreichen Bildstabilisatoren. Erstaunlicherweise preschten einige No-Name-Hersteller mit 8-Megapixel-Modellen vor, noch ehe Fuji sein 9-Megapixel-Auflösungswunder präsentieren konnte. Fuji veranstaltet zur Messezeit zwar eine Roadshow durch das ganze Bundesgebiet, auf der IFA ist man als sehr fotoorientierter Hersteller aber nicht zugegen.
Anzutreffen sind dafür die unzähligen „Namenlosen“ aus Fernost, die den Endkunden mangels deutscher Distribution aber eher weniger interessieren. Von den Großen der Digitalfoto-Branche sind immerhin (wieder) Canon, Casio, Kodak, Nikon, Samsung und Sony vertreten, sodass der Besuch auch für denjenigen lohnt, der nicht auf die (abwechselnd mit der IFA stattfindende) photokina 2006 warten will.
Die wichtigste Neuheit von Canon passt allerdings nicht ganz auf eine typische Konsumenten-Messe: Die Profi-Spiegelreflex-Kamera EOS 5D verwendet einen Sensor mit 12,8 Megapixeln, der wie bei der 1Ds-Reihe das volle Kleinbildformat von rund 36 mm x 24 mm ausnutzt. Damit fällt die leidige Bildwinkelverkleinerung (auch als Brennweitenverlängerung bekannt) und die damit einhergehende Erhöhung der Schärfentiefe bei gleichem Bildwinkel weg. Das Gehäuse ist etwas größer als das der 20D und ebenfalls aus einer Magnesium-Legierung. Gegenüber der 1D-Reihe fehlen der eingebaute Hochformatgriff und ein Staub- und Spritzwasserschutz; dafür wartet endlich auch Canon bei der 5D mit einem großen, hochauflösenden 2,5"-LC-Display (230 000 Pixel) auf. Die sonstigen Eigenschaften ähneln denen der 20D: 9-Punkt-Autofokus, 1/8000s minimale Belichtungszeit, E-TTL-II-Blitzsteuerung, USB 2.0, ISO-Einstellungen von 100 bis 1600. Die Kamera nimmt bei drei Bildern pro Sekunde maximal 60 JPEG- oder 17 Raw-Bilder am Stück auf. Über Preis und Lieferbarkeit der äußerlich an die analoge EOS 3 angelehnten 5D herrscht noch Unklarheit, zumal Canon die Kamera wohl erst am 23. August offiziell vorstellen wird. Amtlich ist dagegen, dass Canon die populäre Ixus-Reihe um die Digital Ixus 50 erweitert hat, eine edle Subkompakt-Kamera mit 5 Megapixeln.
Bei den besonders kompakten Kameras liegt auch Casio recht gut im Rennen, die Exilim-Reihe wurde nach oben um das 7-Megapixel-Modell EX-Z120 ergänzt. In der Mittelklasse stellt das Unternehmen die EX-Z500 vor, bei der ein spezieller DSP-Algorithmus Bewegungsunschärfen herausrechnen soll. Der Akku ermöglicht laut Casio 500 Aufnahmen, bevor das Gerät wieder ans Ladegerät muss.
Kodak präsentiert das Easyshare-Modell P880, eine All-in-one-Kamera mit 8 Megapixeln und Weitwinkel-Zoom (24 bis 140 mm entspr. KB) in einem spiegelreflexähnlichen Gehäuse. Einen weiteren Trend greift die 5-Megapixel-Kamera P850 auf, die mit einem 12fach-Zoom und einem bei langen Brennweiten sehr wertvollen optischen Bildstabilisator ausgerüstet ist. Panasonic bringt in der mit klassischen Objektivringen manuell bedienbaren DMC-FZ30 gar einen 8-Megapixel-Sensor hinter dem 12fach-Zoom von Leica unter, ebenfalls mit optischer Bildstabilisierung. Durch das frei schwenkbare LC-Display mit 235 000 Pixeln sind auch Schüsse aus ungewöhnlichen Kamerapositionen problemlos machbar. Im 5-Megapixel-Aufnahmemodus erweitert sich ihr Zoombereich nach oben auf effektive 535 mm (15,3fach).
Noch mehr „echten“ Brennweitenbereich bietet derzeit nur die Samsung Digimax Pro815: Ihr 15fach-Zoom reicht (umgerechnet) von 28 bis 420 mm, der 2/3" große 8-Megapixel-Sensor muss aber ohne Bildstabilisierung auskommen. Ein auffälliges Alleinstellungsmerkmal ist der mit 3,5" Diagonale riesige LC-Monitor auf der Rückseite, der durch einen weiteren 1,4"-Farbmonitor auf der Oberseite ergänzt wird. Der dicke Akku soll 500 Aufnahmen ohne Nachladen ermöglichen, bei einem Gewicht von über 900 Gramm erreicht das knapp 800 Euro teure Gerät aber auch schon Spiegelreflex-Dimensionen. Eher taschenfreundlich ist die Digimax L55W, die erste Kamera mit einem Panorama-Display im 16:9-Format und 4,8fach-Zoom (28-135 mm entspr. KB).
Sony schlieĂźlich zeigt in der komplett in Beschlag genommenen Halle 18 dagegen eher Lifestyle-Neuheiten: Die T5 etwa, eine 349 Euro teure 5-Megapixel-Kamera im eleganten Outfit.
Weg vom Band
Die Camcorder-Hersteller halten sich beim Stichwort HDV - zumindest vor der Messe - bedeckt. DafĂĽr schreitet nun auch bei den Medien der Ăśbergang vom DV-Band auf Alternativen voran, nachdem schon bei der Aufzeichnung das Format MPEG-2 gegenĂĽber DV mehr und mehr an Boden gewinnt.
Drei Jahre nach der Vorstellung des ersten DVD-Camcorders auf der Photokina 2002 kündigt Canon - nach Hitachi, Panasonic, Sony - jetzt ebenfalls einen Scheiben-Camcorder für den Herbst an. Knapp fünf Zentimeter schmal, schreiben die beiden Modelle DC 10 und DC 20 Videos und Fotos direkt auf die DVD. Die Ausstattung der beiden Geräte lässt die Fotofunktion weiter in den Vordergrund rücken - ein Trend, dem auch andere Hersteller folgen: „Urlaubs-Fotoknipse“ und „Strand-Camcorder“ verschmelzen zu einer Kamera. Die Auflösung der in die Video-Camcorder eingebauten Wandler-Chips nimmt weiter zu, obwohl für die Bewegtbildaufzeichnung einschließlich Puffer für den Bildstabilisator ein Megapixel völlig ausreicht. Für Fotozwecke kommt einem jedes zusätzliche Megapixel gerade recht, zumal das Medium DVD eine unkomplizierte Speicherung auch hochauflösender Fotos erlaubt.
Wie Canon gehen viele Hersteller davon aus, dass anspruchsvolle Video-Amateure, die ihre Aufnahmen bearbeiten und schneiden, auch weiterhin auf DV setzen werden - ein Standard, der selbst in der Profi-Szene einen guten Namen hat. Wer dagegen das soeben Gedrehte ohne Kabelgewirr und Einstellungsdurcheinander mit dem DVD-Player anschauen möchte, wird den DVD-Camcorder bevorzugen, auch wenn die Medien dafür noch deutlich teurer sind als DV-Kassetten und die Aufzeichnungsdauer nur halb so hoch ist.
JVC dagegen setzt auf den Festplattenspeicher, der die Konstruktion von kleinen und eleganten Camcordern erlaubt. Zu den schon erhältlichen Modellen aus der Everio-Reihe, die das aufgezeichnete Video als MPEG-2-Strom auf steckbaren Minifestplatten speichern, bietet JVC jetzt Camcorder an, die auf 30 GByte im Fine-Modus rund zehn Stunden aufnehmen können. Je nach Datenrate und Komprimierungsfaktor variiert die Aufzeichnungsdauer einer 30-GByte-Platte zwischen sieben (Ultra-Qualität, feste Datenrate 9 MBit/s) und 37 Stunden (Eco-Modus, variabe Bitrate 1,7 MBit/s).
Die eingebaute Festplatte ist nach Herstellerangaben gegen Stürze geschützt; ein Gravitationssensor reagiert, sobald der Camcorder herunterfällt und schaltet die Festplatte schnell in Parkposition. Im Vergleich zum Magnetband hat man auf die aufgezeichneten Szenen deutlich komfortableren Zugriff. Die Festplatte erspart den Kauf der DVD-Medien - aber ihre Kapazität lässt sich nicht nachträglich erweitern. Die Übernahme der Daten von der Festplatte erfolgt via USB 2.0 auf den zur Bearbeitung genutzten PC. Damit ist die IEEE 1394 genannte Schnittstelle - auch FireWire oder iLink genannt - bei diesen Geräten verzichtbar geworden.
Sony dagegen setzt weiterhin auf DVD und DV. Das Highlight am IFA-Stand dürfte der HDR-HC 1 sein, der laut Sony derzeit kleinste und leichteste HDV-Camcorder der Welt. Der knapp 3 Millionen Pixel auflösende CMOS-Wandler liefert die Bildinformationen für normale DV- wie für hochauflösende Aufnahmen im HDV-Format 1080i. Für knapp 2000 Euro gibt Sony damit dem Video-Amateur ein bezahlbares Werkzeug für den Einstieg in selbst gedrehte Breitwand-Videos mit hohem Detailreichtum an die Hand. Dabei dürfte dieses Gerät erst der Anfang einer Serie von Camcordern sein, welche dem Video-Kreativen die hohe Auflösung aktueller TV-Displays, Projektoren und Computermonitore nutzbar macht.
| Canon Deutschland GmbH | Freigelände/Stand 2401 |
| Casio Europe GmbH | Halle 1.2/Stand 228 |
| JVC Deutschland GmbH | Halle 7.1c/Stand 101 |
| Kodak GmbH | Halle 1.2/Stand 201 |
| Nikon GmbH | Halle 1.2/Stand 222 |
| Panasonic Marketing GmbH | Halle 5.2/Stand 103 Europe |
| Samsung Electronics GmbH | Halle 1.1/Stand 102 |
| Sony Deutschland GmbH | Halle 18/Stand 101 |
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