ProzessorgeflĂŒster
Transmeta, der teilweise schon abgeschriebene Randplayer in der x86-Szene, meldet sich mit erstmals positiven Bilanzzahlen.
- Andreas Stiller
Nach 14 verlustreichen Quartalen konnte das kleine Prozessorhaus Transmeta jetzt erstmals einen Gewinn ausweisen. Mit 6,8 Millionen Dollar ist er zwar nicht gerade riesig - aber immerhin. Angesichts der aufgelaufenen Verluste seit dem Börsengang von insgesamt rund 370 Millionen war es auch höchste Zeit, denn das damals eingenommene Kapital von 289 Millionen Dollar dĂŒrfte inzwischen vollstĂ€ndig aufgezehrt sein. Die im FrĂŒhjahr vollzogene Ănderung des GeschĂ€ftsmodells zeigt nun offenbar FrĂŒchte. Mittelfristig will Transmeta zu einer reinen IP-Schmiede (Intellectual Property) umfirmieren, die nicht selbst fertigt (beziehungsweise fertigen lĂ€sst), sondern nur Lizenzen vergibt und Dienstleistungen anbietet - Ă€hnlich wie es beispielsweise ARM recht erfolgreich vormacht.
Im Mai verkaufte Transmeta bereits die Rechte am alten Crusoe-Prozessor fĂŒr 15 Millionen Dollar an die Hongkong-chinesische Firma CultureCom. Dazu sollen sich auĂerdem noch LizenzgebĂŒhren durch VerkĂ€ufe von Crusoe- und Efficeon-Produkten gesellen. Der Deal ist aber noch nicht in trockenen TĂŒchern, die Exportlizenz des amerikanischen Handelsministeriums steht noch aus.
Insbesondere dĂŒrfte sich wohl Transmetas Stromspartechnologie LongRun 2 zu einer lukrativen Einnahmequelle entwickeln. Nach Fujitsu und NEC hat sich auch das Cell-Konsortium IBM, Toshiba und Sony in den Kreis der Lizenznehmer eingereiht. Und der neue GeschĂ€ftsbereich Dienstleistung entwickelt sich dank des treuen Partners Sony ebenfalls gut. Im Rahmen einer vieljĂ€hrigen strategischen Allianz arbeiten ĂŒber 100 Transmeta-Entwickler an Cell-Derivaten und anderen portablen Lösungen, an Software und Debuggern mit. Und auĂerdem erwartet man auch bald ein neues Subnotebook von Sony (Vaio C1) mit Efficeon-Prozessor.
FĂŒr Cell hat Toshiba ĂŒbrigens jetzt auch einen âSuper Companion Chipâ vorgestellt, der bis zu 48 MPEG-2-Ströme gleichzeitig bearbeiten kann. Im Unterschied zu Sonys PSP3 verwendet er aber nicht Rambus-XDR-Speicher, sondern DDR2.
Transmeta-Chef Swift verriet auĂerdem, dass gut dreiĂig Ingenieure an einem bislang geheimen Projekt fĂŒr Microsoft werkeln. Zwischen beiden Firmen gibt es ja schon seit lĂ€ngerem eine Partnerschaft. Nach dem Tablet-PC hatte Microsoft vor gut zwei Jahren Transmeta auch als Referenzdesign-Partner fĂŒr Smart Displays auserkoren. Doch was genau die Transmeta-Ingenieure jetzt fĂŒr Microsoft aushecken, ist noch unbekannt. Vielleicht passen sie ihr im Mai vorgestelltes lĂŒfterloses Media-Center an Microsoft-BedĂŒrfnisse (inklusive Digital Rights Management) an - manche munkeln auch von einer mobilen Xbox ...
Stromsparen und Energieeffizienz - das weiĂ auch Intel - sind die (Multi-)Kernaufgaben der Zukunft. Mit dem Motto des bevorstehenden Entwicklerforums âMulti-core platforms, accelerate your futureâ will Intel irgendwie die Zeit beschleunigen. Dennoch wird es noch bis zur zweiten JahreshĂ€lfte 2006 dauern, bis die neue energieeffiziente Prozessorgeneration als Nachfolger des hochgetakteten Stromschluckers Pentium 4 (der aktuelle Taktrekord, gekĂŒhlt mit flĂŒssigem Stickstoff, liegt bei 7,132 GHz) in Desktop-Systemen Einzug halten kann.
Warp 5
Intel-Chef Paul Otellini will die neue Architektur auf dem IDF gemeinsam mit weiteren Intel-FĂŒhrungskrĂ€ften vorstellen - vermutlich unter wohlwollenden Blicken des Ăberraschungsgastes Steve Jobs. Der eloquente Apple-Chef war ja von Intels neuer Prozessorgeneration so ĂŒberzeugt, dass er flugs von IBM zum ehemaligen Erzgegner Intel wechselte und so jetzt zu der Ehre der ersten IDF-Teilnahme kommen dĂŒrfte. Ein spezieller Track zum Thema Intel-Entwickler-Tools fĂŒr Mac OS X steht auch auf der IDF-Agenda.
Ăber die neue Prozessorarchitektur, die die NetBurst-Architektur des Pentium 4 ablösen soll, ist hier im GeflĂŒster ja schon vorab viel spekuliert worden. Intel hat bislang nur verlauten lassen, dass sie bei deutlich geringerem Takt mit mindestens dem gleichen Durchsatz arbeiten und so erheblich weniger Energie verbrauchen soll. Der Kern dĂŒrfte eher eine Weiterentwicklung des Pentium M als des Pentium 4 sein. Merom, so sein Codename, war zunĂ€chst nur als Nachfolger des Yonah-Prozessors fĂŒr Notebooks geplant, mit Dual-Core, 64 Bit (EM64T), SSE3, Virtualisierung (Vanderpool) und Sicherheitserweiterung (LaGrande). Intel hat dann aber die Pentium-4-Weiterentwicklung Tejas ĂŒber Bord geworfen und den Merom-Kern auch als Grundlage fĂŒr Desktop- und kleinere Server-Systeme erkoren. Man vermutet eine vier- oder fĂŒnffach skalare AusfĂŒhrung mit 12 bis 13 Pipeline-Stufen und Takten zwischen 2 und 3 GHz. FĂŒr Desktops ist eine AusfĂŒhrung namens Conroe vorgesehen. Workstations und Server mit ein oder zwei Dual-Core-Prozessoren laufen unter Woodcrest, wahrscheinlich mit 4 MByte L2-Cache und etwa 70 Watt TDP. Offenbar plant Intel auch unter dem Namen Cloverton ein Multichip-Modul mit zwei Woodcrest-Doppelprozessoren anzubieten.
Ein etwas anderes Chip-Design ist fĂŒr die Multiprozessor-Xeon-Linie vorgesehen. Der noch in 90 nm gefertigte Whitefield könnte bis zu vier x86-Kerne mit insgesamt 16 MByte L2-Cache sowie einen integrierten Speicher-Controller fĂŒr Fully Buffered DIMM auf einem Chip zusammenfassen. Nach auĂen kommuniziert er ĂŒber ein serielles Interface namens CSI (Common System Interface), welches Ă€hnlich wie Hypertransport bei AMD funktionieren dĂŒrfte. Definitiv bekannt gegeben hat Intel bislang aber nur, dass er plattform-kompatibel zu der geplanten Itanium-Multicore-Version (mit wahrscheinlich acht Kernen) namens Tukwila sein soll, wobei letzterer aber mit einem etwa doppelt so guten Preis/LeistungsverhĂ€ltnis triumphieren soll.
Allzu viele Details ĂŒber die ĂŒbernĂ€chste Prozessorgeneration wird Intel aber vermutlich nicht zum Besten geben, kommt doch zunĂ€chst noch in allen Marktsegmenten eine Generation davor: Paxville, Presler, Cedar Mill, Dempsey, Tulsa, Montecito, Montvale und vor allem Yonah wollen doch erst einmal zeigen, was in ihnen steckt - und das möglichst bald: Den noch auf zwei 90nm-Pentium-4-Kernen beruhenden Paxville fĂŒr die Xeon-DP- und -MP-Linien hat Intel jetzt zukunftsbeschleunigend auf Ende 2005 vorgezogen. (as)