Aktion Sicheres Windows
- Detlef Grell
Aktion Sicheres Windows
Wenn nach viel, viel Vorlaufzeit die Macher von Windows höchstpersönlich eine Sicherheitslösung präsentieren, erwartet jeder Spektakuläres: Etwa ein von CD startendes Windows mit grafischer Oberfläche, sodass bei Verdacht auf Virenbefall stets eine garantiert unverseuchte Startumgebung zum Desinfizieren bereitsteht. Mit dem man vertraute Windows-Tools ohne Kommandozeilen-Kryptik starten und bedienen kann. Darin integriert ein achtbarer Virenscanner, der sich per Internet aktualisieren lässt, und ein Anti-Spyware-Tool ähnlichen Kalibers.
Doch Microsoft liefert etwas anderes: Die Antivirus-Software eTrust und das Anti-Spyware-Tool PestPatrol von Computer Associates sind nicht in die Boot-CD integriert. eTrust ist kein Glanzstück. Das Programm gehörte mit bescheidener Erkennungsleistung und späten Signatur-Updates stets zu den schwächsten Virenjägern in unseren Tests. Selbst die kostenlosen AV-Lösungen werden samt und sonders besser gepflegt. Dabei hat CA mit der Iris-Engine ein besseres Pferd im Stall - doch das bleibt zahlenden Firmenkunden vorbehalten. Als einziger Lichtblick darf PestPatrol durchgehen.
In der sauberen Umgebung der bootenden Rettungs-CD findet sich lediglich das Malware Removal Tool, das der automatische Windows-Update-Dienst aber eh jedem Windows-Anwender auf die Platte spült. Nach einem Lauf des MRT weiß man bestenfalls, dass man keinen der altbekannten Schädlinge mehr auf der Platte hat. Mit rund 20 Prozent der derzeit tatsächlich aktiven Schädlinge gibt sich das MRT gar nicht erst ab - und die mutieren manchmal fast im Stundentakt. Wenn Sie diese CD in den Händen halten, sind folglich bereits Dutzende neuer Schädlinge im Umlauf. Ein Update übers Netz? Fehlanzeige! Man kann gerade mal eine vorher separat heruntergeladene Version von einem USB-Stick starten.
Mit Microsofts 80-Prozent-Klepper stehen die Chancen im Rennen gegen trojanische Pferde schlecht - auch von einem geschenkten Gaul darf man mehr erwarten. Deshalb haben wir unser Bart-PE-Projekt in einer aktualisierten Fassung erneut auf CD gepackt. Daraus können Sie mit wenigen Mausklicks eine bootende Windows-CD bauen, die den Namen Rettungs-CD auch verdient. Wir hätten sie Ihnen gern schon als bootfähige Scheibe ins Heft geklebt, doch das erlauben Microsofts Lizenzregeln nicht. Akute Not kann aber das von unserer CD direkt bootbare Linux-Pendant Knoppicillin lindern. Wie unsere Windows-Rettungs-CD enthält es einen Online-Zugang und hochwertige Antivirus-Software mit mindestens einem Jahr kostenloser Signatur-Updates.
Warum wir die Microsoft-Tools beilegen, obwohl sie doch nur trügerische Sicherheit bieten? Damit Sie den direkten Vergleich haben - selbst wir mochten zunächst nicht glauben, dass Microsoft es sich so einfach macht. Mehr dazu ab Seite 110, c't 23/05. (gr)