Der Wohnzimmer-Mac

Mit der zweiten Neuauflage des iMac G5 versucht Apple, dem weißen All-in-one-Rechner einen Stammplatz im Wohnzimmer zu verschaffen. Auf dem Sofa sitzt man bekanntlich in der ersten Reihe, was liegt da näher, als dort auch Musik, Bilder, Kino-Trailer und Videos vom Rechner zu genießen - bequem ferngesteuert.

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Von
  • Andreas Beier
Inhaltsverzeichnis

Aktiviert man Apples Media-Center-Software „Front Row“ über die Tastenkombination Apfel-Esc oder die Menütaste der mitgelieferten Fernbedienung, gleitet der aktuelle Bildschirminhalt sanft in den Hintergrund und das Auswahlmenü von Front Row dreht sich schwungvoll ins Bild. Es besteht aus den bekannten Symbolen für iTunes, iPhoto, iMovie und einer DVD-Scheibe, perspektivisch perfekt mit Spiegelungen in Szene gesetzt und im Kreis angeordnet. Beim Wechsel zwischen den Symbolen drehen sie sich wie auf einer Drehscheibe. Front Row liegt jedem neuen iMac bei.

Gesteuert wird das nur 5,3 MByte große Front Row entweder über die dem iMac beiliegende Infrarot-Fernbedienung mit sechs Knöpfen (der IR-Empfänger sitzt unsichtbar hinter dem Apple-Logo unterhalb des Display) oder die Tastatur. Die Bedienung per Maus ist nicht vorgesehen. Das Konzept hat Apple von seinem portablen Musikplayer iPod entlehnt: Wählt man ein Symbol aus, erscheint ein Menü, dessen Einträge man mit der Play/Pause-Taste selektiert. Das nächste Menü schiebt sich dann von recht ins Bild. Über die Menü-Taste gelangt man zur nächsthöheren Hierarchieebene zurück. Die großen Schriften sind auch von mehreren Metern Entfernung noch problemlos lesbar.

Über das Symbol von iTunes erhält man Zugriff auf die Stücke in dessen Musikbibliothek, einschließlich aller Wiedergabelisten. Analog führt das iPhoto-Symbol zu den Bildern. DVD-Videos steuert man über das Abbild der DVD-Scheibe. Über den digitalen Audioausgang des iMac ließen sich im Test Dolby-Digital- und DTS-Kulissen problemlos an einem AV-Receiver ausgeben. Das iMovie-Symbol offeriert den Online-Zugriff auf die Kino-Trailer der Apple-Website, über iTunes gekaufte Musikvideos und TV-Shows sowie eigene Filme und Video-Podcasts. Einen eventuell vorhandenen TV-Empfänger erkennt Front Row allerdings nicht; ein solcher ließ sich in unseren Versuchen auch nicht in die Apple-Software integrieren.

Zum Abspielen von Musik, Bildern und DVD-Videos greift Front Row auf die iLife-Applikationen zurück, bleibt dabei aber im Vordergrund. Ist die jeweils zuständige iLife-Applikation noch nicht gestartet, dauert es je nach Rechnertyp einige Sekunden, ehe die Anzeige erscheint. Das geschieht im Hintergrund, der Anwender sieht davon nichts. Videos zeigt Front Row ohne externe Programmhilfe an, es nutzt die QuickTime-Bibliothek direkt. Über den Soft-Link finden Sie eine kleine Zusammenstellung nützlicher Quicktime-Plug-ins, etwa für die Wiedergabe von DivX-Filmen.

Die Fernbedienung ist schnuckelig geraten, ihre sechs Knöpfe genügen meistens. In manchen Situationen fehlen jedoch eine Taste zum Stummschalten des Tons oder zum direkten Anspringen eines anderen Front-Row-Bereichs. Das Zurückhangeln in der Menühierarchie ist manchmal etwas umständlich. Zur Titel- oder Interpretenauswahl beispielsweise in Musiksammlungen fehlt ferner eine Texteingabemöglichkeit. Stattdessen ist langwieriges Rollen durch alphabetisch aufsteigend sortierte Listen angesagt.

Ist Front Row nicht aktiv, kann die Fernbedienung auch die grundlegenden Funktionen der „iApps“ steuern, etwa die Lautstärke regeln, eine Diashow oder ein Musikstück starten oder den Rechner in den Ruhezustand schicken und ihn wieder wecken. Das Starten oder Wechseln von Programmen hat Apple nicht vorgesehen, wie übrigens auch Microsoft nicht für die Media-Center-Edition von Windows XP.

Benötigt man die Fernbedienung nicht, kann man sie am rechten unteren Rand des iMac-Gehäuses parken. Dort haben die Entwickler einen Haltemagneten integriert.

Äußerlich unterscheidet sich die neue iMac-G5-Generation erst auf den zweiten Blick von der alten. Das weiße Gehäuse mit dem hinter dem Display integrierten Rechner ist ein wenig flacher geworden. Auf der Rückseite befindet sich der Netzschalter nun links unten, die diversen Anschlüsse sind nun praktischerweise rechts unten waagerecht angeordnet. Trotz Gewichtsreduktion steht der iMac nach wie vor stabil und sicher auf seinem Gehäusefuß.

Mittig über dem Display sitzt die integrierte Kamera, intern angebunden wie der Empfänger für die Fernbedienung über USB 2.0. Durch ihre Position knapp über dem oberen Display-Rand gewinnen Videokonferenzteilnehmer mehr als bei externen Kameras den Eindruck, dass ihnen ihr Gesprächspartner direkt in die Augen schaut.

Apple nennt die iMac-Kamera zwar iSight [1], wie seine seit über zwei Jahren erhältliche FireWire-Kamera, die Hardware unterscheidet sich jedoch von dieser. Unter schwierigen Lichtverhältnissen liefert die Kamera im iMac deutlich dunklere Bilder. In der Tonqualität unterscheiden sich die beiden subjektiv nicht. Das Zusammenspiel mit Apples Chat- und Videokonferenzprogramm iChat ist perfekt, ebenso wie das mit dem Spaß-Programm „Photo Booth“, eine Art virtueller Passbildautomat, der das Kamerabild in Echtzeit mit diversen Effekten versehen und etwa per E-Mail verschicken kann.

Die Farben des 20-Zoll-Displays sind kaum blickwinkelabhängig, beim 17-Zoll-Monitor nur leicht in der Vertikalen. Das kleine Display ist ein wenig ungleichmäßiger ausgeleuchtet. Seine maximale Helligkeit nimmt zu den Rändern hin um bis zu 27 Prozent ab. Der Kontrast ist bei beiden Bildschirmen gut.

Das Innenleben der neuen iMac-Generation hat Apple kräftig erneuert: Beide iMac-Modelle benutzen nun DDR2-Speicher (533 MHz, PC2-4200) und einen über PCI Express angebundenen Grafikchip Radeon X600 von ATI. Im 17-Zoll-iMac steckt er in der Pro-Variante (400 MHz GPU Takt, 300 MHz Speichertakt), der 20-Zoll-iMac arbeitet mit der XT-Variante bei 500 MHz Chip- und 350 MHz Speichertakt. Besonders in den grafikintensiven Benchmarks erzielten die iMacs durchweg bessere Ergebnisse als es der gegenüber den Vorgängern um 100 MHz höhere Prozessortakt erwarten ließ (siehe Tabelle „Benchmarks“). Mit unserem iMacG5ScreenEnhancer (Download siehe Soft-Link) erweitert ein zweiter Monitor auf Wunsch den Desktop.

Daten zur internen SATA-Festplatte übertrugen die iMacs mit mehr als 60 MByte/s (lesend und schreibend). Wer externe Massenspeicher einsetzen möchte, sollte wenn möglich die FireWire-Schnittstelle benutzen. Sie transferierte Daten zu externen Testplatten zügig (27,5 MByte/s lesend, 34,1 MByte/s schreibend) zügig, während über USB 2.0 lesend wie schreibend nur maximal 10,3 MByte/s über die Leitung gingen.

Da der iMac G5 die bisher optionalen Komponenten WLAN und Bluetooth eingebaut hat, wiegt es nicht weiter schwer, dass sein Gehäuse nicht mehr so servicefreundlich wie das seiner Vorgänger ausgelegt ist [2]. Den Speicher dürfen Anwender nach wie vor bequem über eine kleine Klappe am unteren Rechnerrand erweitern, das restliche Innenleben bleibt jedoch so gut wie unerreichbar. Der Austausch der Festplatte gerät zu einer Computer-Autopsie; weniger geübte Schrauber sollten es der Werkstatt überlassen.

Die neuen iMacs G5 sind mit ihrer Ausstattung und Geschwindigkeit attraktiver denn je. Privatanwender dürften nur selten mehr Rechenleistung benötigen. Wäre Apple noch einen Schritt weiter gegangen und hätte eine TV-Unterstützung integriert, hätte der iMac G5 durchaus das Zeug dazu, die Wohnzimmer zu erobern. Apple sollte dies schleunigst nachrüsten, dann wäre der iMac G5 auch eine durchaus ernst zu nehmende Konkurrenz für Microsofts Media-Center-Windows.

[1] Auf Sicht gehen, c't 16/03, S. 57

[2] Johannes Schuster, Flach gehalten, iMac G5 mit 1,8 GHz und 20-Zoll-Display, c't 21/04, S. 34

http://ct.de/0524060

iMacs G5 im Ăśberblick
iMac G5 1900 17" iMac G5 2100 20"
Prozessor und L2-Cache PowerPC 970FX, 1,9 GHz, 512 KByte On-Chip-Cache PowerPC 970FX, 2,1 GHz, 512 KByte On-Chip-Cache
Frontsidebus 633 MHz 700 MHz
RAM 512 MByte Onboard (DDR2, 533 MHz, PC2-4200), 1 Slot frei, max. 2,5 GByte 512 MByte Onboard (DDR2, 533 MHz, PC2-4200), 1 Slot frei, max. 2,5 GByte
Festplatte 160 GByte SATA, 7200 U/min 250 GByte SATA, 7200 U/min
optisches Laufwerk SuperDrive (Brennen: DVD+R DL 2,4X, DVD±R 8X, DVD±RW 4X, CD-R 24X, CD-RW 8X; Lesen: DVD 8X, CD 24X) SuperDrive (Brennen: DVD+R DL 2,4X, DVD±R 8X, DVD±RW 4X, CD-R 24X, CD-RW 8X; Lesen: DVD 8X, CD 24X)
Display LCD 1440 x 990 Pixel, 17" LCD 1680 x 1050 Pixel, 20"
Grafikprozessor und Video-RAM ATI Radeon X600 Pro mit 128 MByte DDR-Video-RAM ATI Radeon X600 XT mit 128 MByte DDR-Video-RAM
Schnittstellen 3 x USB 2.0, 2 x FireWire 400, Audio In und Out, Digital Audio Out (Toslink), 1000BaseT-Ethernet, VGA (Mirroring) und S-Video mit optionalem Adapter 3 x USB 2.0, 2 x FireWire 400, Audio In und Out, Digital Audio Out (Toslink), 1000BaseT-Ethernet, VGA (Mirroring) und S-Video mit optionalem Adapter
sonstige Ausstattung Stereo-Lautsprecher, internes Mikrofon, integrierte Kamera, Fernbedienung, Bluetooth 2.0+EDR, AirPort Extreme(WLAN 802.11g), Tastatur, Mighty Mouse Stereo-Lautsprecher, internes Mikrofon, integrierte Kamera, Fernbedienung, Bluetooth 2.0+EDR, AirPort Extreme(WLAN 802.11g), Tastatur, Mighty Mouse
Abmessungen (H x B x T, in cm) 43,0 x 42,6 x 17,3 47,2 x 49,3 x 18,9
Preis 1349 € 1749 €

(adb)