Gelungene Übergabe

Moderne Handys und Smartphones bringen inklusive kostenloser Synchronisations-Software alles mit, um Kalender, Adressen, Aufgaben und Notizen mit dem PC abzugleichen. Doch der Teufel steckt im Detail.

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Inhaltsverzeichnis

Persönliche Daten wie Adressen oder Termine lassen sich mit einem PIM-Programm (Personal Information Management) bequem am PC bearbeiten und pflegen. Auf den PDA, das Smartphone oder das Handy übertragen, hat man die kompletten Organizerdaten auch unterwegs parat. Mit der PC-Software als kostenfreie Dreingabe zum Handy gelingt die Synchronisation der PIM-Daten grundsätzlich, doch vermisst man den Komfort von PDAs: Mal sind Vor- und Nachnamen im Handy vertauscht, mal fehlen wichtige Telefonnummern. Wie sich viele der Klippen umschiffen lassen, zeigt dieser Artikel.

Wie gut die Synchronisation zwischen Handy und PC klappt, haben wir exemplarisch an einigen aktuellen und älteren Modellen getestet, die umfangreiche Organizer-Funktionen mitbringen: So kamen von Nokia das 6230i und das betagte 6310i sowie als Vertreter für die Smartphone-Fraktion das Symbian/Series-60-Gerät 6680 und der 9500 Communicator (Series 80) zum Einsatz. Weiterhin schauten wir uns das als Business-Handy beworbene SGH-D500 von Samsung, die Siemens-Modelle S45i und S65, die Sony-Ericsson-Handys T630, K750i und das Symbian/UIQ-Telefon P910i sowie das Palm-OS-Smartphone Treo 650 und das SDA von T-Mobile mit Windows Mobile an. Auch wer keines dieser Geräte in der Jackentasche hat, profitiert von den hier gegebenen Tipps, denn viele lassen sich auf andere Handy-Modelle übertragen.

Bis auf Palm, der dem Treo 650 auch eine - allerdings veraltete - Mac-OS-X-Software beilegt, liefern alle Hersteller ausschließlich Sync-Programme für Windows-Rechner mit. Üblicherweise gleichen diese mit dem umfangreichen PIM-Programm Outlook aus Microsofts Office-Paket oder mit dem zu Outlook Express gehörenden Windows-Adressbuch ab. Einige wenige wie die PC Suite von Nokia synchronisieren auch mit Lotus Organizer.

Wer am PC mit anderen PIM-Anwendungen wie dem Adressbuch eines weiteren E-Mail-Programms oder dem kostenlos erhältlichen Palm Desktop arbeitet, braucht dazu zusätzliche Software. Eine Übersicht über Synchronisier-Programme gibt der folgende Artikel ab Seite 164, c't 24/05.

Den Abgleich der Handy-Daten mit einem Linux-Rechner beschreibt der Artikel auf Seite 170, c't 24/05. Mac OS X bringt ein Tool namens iSync mit, das mit den meisten Smartphones, aber auch vielen Handy-Modellen kommuniziert. Doch sind je nach Mobilgerät Zusatz-Tools notwendig. Einen Test der wichtigsten davon reichen wir in einer der nächsten Ausgaben nach.

An Speicherplatz mangelt es den Handys kaum noch: Gute Mobiltelefone merken sich 500 bis 1000 Adress-Sätze mit mehreren Rufnummern, E-Mail-Adressen, mindestens einer Postanschrift und anderen Daten zur Person. Bei Smartphones ist die Anzahl nur durch den vorhandenen Speicher begrenzt.

Die zum Abgleich von PIM-Daten nötige PC-Software liefern die Handy-Hersteller meist mit, aktuelle Versionen lädt man kostenfrei von deren Service-Seiten im Internet (siehe Soft-Link). Meist gehört auch eine Backup-Lösung dazu, die alle im Mobiltelefon gespeicherten Daten auf Festplatte sichert, sowie ein Dateimanager für den Zugriff auf den Handy-Speicher, eine SMS-Anwendung oder sogar ein eigenes PC-PIM-Programm für Adressen. Bei Fotohandys kommen Bildbearbeitung und Mediaplayer hinzu.

Die Verbindung zum PC übernimmt bei einfachen Handys ein USB- oder RS-232-Datenkabel. Originalkabel der Handy-Hersteller kosten 30 bis 40 Euro, Nokia verlangt sogar 57 Euro. Oft sind USB-Kabel-Sets unabhängiger Zubehöranbieter günstiger, die zusätzlich Software für den Datenaustausch enthalten. Das Handy Big Pack von Data Becker kostet beispielsweise rund 35 Euro, ein Set aus USB-Kabel und der Software Handset Manager von der Firma Mobile Action nur etwa 25 Euro. Zum Teil verfügen die Nachbauten über Zusatzfunktionen: So gibt es beim Nokia-Kabel von Mobile Action eine abschaltbare Ladefunktion. Die volle Kompatibilität ist jedoch nicht immer gegeben: Für Sonderfunktionen mancher Handys braucht man das Original-Datenkabel. So lässt sich die im Nokia 6230i eingesetzte MMCard ohne zusätzlichen Treiber wie ein USB-Speicherstick lesen und beschreiben, was im Test mit den Nachbauten von Data Becker und Mobile Action nicht klappte.

Als kabellose und oft kostengünstigere Alternative haben viele Handys eine Infrarot-Schnittstelle, mit der sich nach dem Standard der Infrared Data Association (IrDA) Daten zwischen mobilen Geräten austauschen lassen. Der IrDA-Port ist bei Mobiltelefonen weit verbreitet und gehört bei 98 Prozent aller PDAs zur Grundausstattung [1]. Bei Notebooks kommt er allerdings schon wieder aus der Mode, und an PCs trifft man ihn nur selten an. Abhilfe schafft ein IrDA-USB-Adapter, den es für 20 bis 40 Euro im Handel gibt. Für die Kommunikation mit Handys reicht ein SIR-Adapter (Serial InfraRed) aus, der bis zu 115 kBit/s überträgt. Notebooks warten dagegen oft mit einer 4 MBit/s schnellen FIR-Schnittstelle (Fast InfraRed) auf. FIR ist zwar abwärtskompatibel zum SIR-Standard, doch kann es zu Problemen beim Aushandeln der Geschwindigkeit kommen. In solchen Fällen hilft es, in den BIOS-Einstellungen die IrDA-Schnittstelle auf SIR umzustellen oder die Geschwindigkeit des Infrarot-Ports im Gerätemanager (Eigenschaften, Erweitert, Geschwindigkeitsbegrenzung) auf 115,2 kBit/s einzuschränken.

Bequemer klappt es mit der Funkschnittstelle Bluetooth. Die Reichweite der üblicherweise in Handys eingesetzten Bluetooth-Komponenten beträgt etwa zehn Meter, sodass man das Mobiltelefon mit dem PC abgleichen kann, ohne es aus der Jackentasche zu nehmen. Welche Modelle mit Bluetooth bestückt sind und mit welchen Gegenstellen sie kommunizieren, verrät un-sere Bluetooth-Datenbank (www.bluetooth-db.de), zu der auch Anwender ihre Erfahrungen beisteuern können.

Um den Desktop-PC oder das Notebook nachzurüsten, braucht man einen Bluetooth-USB-Adapter, den es für 20 bis 30 Euro im Fachhandel gibt. Die den Adaptern beiliegende Software umfasst außer den USB-Treibern auch einen so genannten Bluetooth-Stack, der die notwendigen Kommunikationsprotokolle, bei Bluetooth Profile genannt, bereitstellt. Das einfachste Profil SPP gehört zu jedem Bluetooth-Stack und stellt eine Verbindung über eine virtuelle COM-Schnittstelle her. So lässt sich eine Funk-Verbindung zwischen Handy und der PC-Software herstellen, die die Synchronisierung mit PIM-Programmen wie Outlook übernimmt.

Besonders einfach ist der Abgleich über das Sync-Profil, das die Bluetooth-Stacks von Apple, BlueSoleil und Widcomm bereitstellen. Damit kann man PIM-Daten direkt mit Outlook oder dem Adressbuch von Outlook Express synchronisieren, was zusätzliche Abgleich-Software überflüssig macht. Bei der Bedienung spart das Sync-Profil Nerven, weil man sich nicht mit Erkennungsproblemen und virtuellen COM-Ports herumschlagen muss. Manchen Bluetooth-Telefonen wie den Nokia-Geräten fehlt jedoch das praktische Profil, sodass nur der Umweg über das serielle Profil und die Software des Handy-Herstellers bleibt. Die Frage, welches Handy welche Profile kennt, beantwortet ebenfalls unsere Bluetooth-Datenbank.

Der Einsatz der den Handys und Smartphones beiliegenden PC-Programme lohnt trotz Sync-Profil, wenn man Zusatzfunktionen wie Daten-Backups oder Klingelton-Editoren nutzen oder ein Nokia-Handy mit Lotus Organizer synchronisieren will. Vor Einrichten der Sync-Software sollte man jedoch unbedingt die Schnittstellen-Treiber und Bluetooth-Stacks installieren - so man den PC mit IrDA- oder Bluetooth-Hardware nachrüsten will -, da die meisten Tools nach der Installation hinzukommende Verbindungen nicht erkennen. Nokias PC Suite zum Beispiel weigert sich, über einen nachträglich installierten Bluetooth-Stack zu synchronisieren. Dann hilft nur De- und anschließende Neuinstallation.

Die PC-Software liegt üblicherweise in Form einer CD-ROM bei, doch auf den Service-Seiten der Hersteller findet man meist neuere Versionen. Allgemein gilt: Je akueller die Software, desto besser klappt die Synchronisation.

Für die Kontaktaufnahme zwischen der Software und den Schnittstellen des PC sorgt häufig ein Hintergrundprogramm, das sich im Infobereich des Windows-Desktops installiert. Es sucht nach dem Start von Windows die vorhandenen COM-Ports nach angeschlossenen Mobilgeräten ab und stellt die Verbindung zu den jeweiligen Anwendungen wie Dateimanager, SMS-Versand und Sync-Programm her. Bei aktuellen Software-Versionen braucht man nach der Installation nur einmalig anzugeben, ob man eine Verbindung via USB, Bluetooth oder IrDA wünscht, danach läuft die Verbindungsaufnahme automatisch.

Bei älteren Verbindungsmanagern wie dem für das Nokia 6310i lassen sich nur die COM-Ports auswählen. In der Standard-Einstellung im Konfigurationsmenü des Tools sind sie meist alle aktiviert, sodass das Programm sie bei jeder Verbindungsaufnahme absucht. Wer die Nummer des Ports kennt, kann alle nicht verwendeten Schnittstellen von der Suche ausschließen, was erheblich Zeit spart, da das Programm sonst alle selektierten Schnittstellen abfragt und jedes Mal auf Antwort wartet. Bei Bluetooth-Verbindungen findet sich die Nummer des COM-Ports in den Eigenschaften des seriellen Profils (Rechtsklick auf das entsprechende Icon der Bluetooth-Umgebung). Bei IrDA- oder USB-Verbindungen informiert man sich am besten in den Modemeinstellungen (zu finden in der Systemsteuerung) über den zugeordneten Port.

Die PIM-Programme für den PC verwenden etwa für Adressen einen deutlich umfangreicheren Satz von Feldern - wie einzelne Rufnummern, E-Mail-Adressen oder auch der Name des Ehepartners in den Kontakten - als die mobilen Begleiter. Die meisten Handys begrenzen außerdem die Feldlängen - anders als Smartphones - und verwerfen die überzähligen Zeichen. Ändert man den Eintrag im Handy und synchronisiert erneut, landen die abgeschnittenen Einträge auch im PIM-Programm des PC. So können Inhalte einzelner Felder verstümmelt oder sogar gelöscht werden.

Wer sich davor scheut, das genau nachzuprüfen und aus diesem Grund vorsichtig zu Werke gehen will, bearbeitet etwa Adresseinträge auf dem PC und gleicht danach nur in Richtung Handy ab. Die Richtung lässt sich in den Einstellungen der Sync-Tools vorgeben. Um doppelte Einträge zu vermeiden, sollte man verschiedene Geräte (Notebook, PDA, Handy) nicht mit demselben Datenbestand synchronisieren oder für die jeweiligen Daten zumindest einen separaten Unterordner anlegen.

Beim Abgleichvorgang mit einigen Sync-Tools nervt Outlook mit der Frage, ob ein Zugriff auf die gespeicherten PIM-Daten gestattet ist. Diese Frage sollte man schnell beantworten, da die Sync-Programme den Vorgang sonst mit einem Timeout abbrechen.

Bei den Synchronisationstests haben wir uns auf die PIM-Daten Adressen, Termine, Aufgaben und Notizen konzentriert. Artikel zum Thema mobile E-Mails finden Sie in der letzten c't [2].

[1] Datenübertragung über die Infrarot-Schnittstelle

[2] Urs Mansmann, Mail mobil, E-Mail per Handy und Smartphone

http://ct.de/0524156

"Handy-Synchronisation"
Weitere Artikel zum Thema "Handy-Synchronisation" finden Sie in der c't 24/2005:
Telefonbucheinträge und Termine abgleichen S. 156
Synchronisationssoftware für Windows S. 164
Handy und Organizer mit Linux synchronisieren S. 170

(rop)