ProzessorgeflĂĽster
AMD konkretisiert die Roadmap und „launcht“ hierfür zwei neue Webseiten, Sun präsentiert den UltraSPARC T1 und Intel lässt Prozessoren mit Vanderpool-Technologie sowie neue Yonah-Namen vom Stapel.
- Andreas Stiller
Zur Einweihung der Fab 36 in Dresden hielt er sich mit konkreten Daten noch zurück, doch auf einem Analystentreffen gab AMDs neuer Chief Technology Officer (CTO) Phil Hester nun etwas mehr Terminfutter bei die Fische. Danach ist für den Vierfach-Kern für Opterons und FBDIMM jetzt 2007 zum Ziel erklärt worden, ebenso wie DDR3-Speicher, ein gemeinsamer L3-Cache für Mehrkern-Prozessoren und eine Erweiterung des Instruktionssatzes. Zuvor soll im Verlauf von 2006 die Virtualisierungstechnik Pacifica sowie die Sicherheitserweiterung Presidio bei den Opteron- und Athlon-64-Prozessoren Einzug halten. Bei HyperTransport soll ab 2007 die Version 3.0 fertig sein, für 2008 ist dann eine Überarbeitung der Direct Connect Architecture DCA vorgesehen. Damit lassen sich dann Opterons auch zu Servern mit mehr als acht Prozessoren zusammenschalten.
So lange muss man aber vermutlich nicht warten: Mit dem am AMD-Stand der SC2005 in Seattle gezeigten ExtendiScale-Architektur (Horus-Chipsatz im 4300 Board) von Newisys sollen sich bald schon bis zu 32 Prozessoren direkt miteinander verknĂĽpfen lassen.
Was im Groben für die einzelnen Prozessorlinien geplant ist, kann man zwei neuen Webseiten www.amdcompare.com/prodoutlook (produktbezogen fürs nächste Jahr) und www.amdcompare.com/techoutlook (technologiebezogen für die nächsten drei Jahre) entnehmen. Feinheiten, etwa zu neuen Sockeln, sucht man hier jedoch vergebens, fündig wird man aber in den unendlichen Weiten des Internet, etwa bei der italienischen Website hwupgrade.it. Ist doch hier bereits der Sockel M2 für Athlon FX und Athlon 64 abgelichtet. Mit 940 Pins hat er zwar genauso viele Pins wie der derzeitige Opteron - sie sind aber völlig anders belegt. Bei den Holländern twiekers.net findet man ferner erste Bilder vom neuen Opteron-Sockel F, der auf der SC2005 (in einem MSI-Board) zu bewundern war. Die nächste Opteron-Generation besitzt demnach wie aktuelle P4-Prozessoren keine Pins mehr, sondern Pads (LGA: Land Grid Array), hier gleich 1207 an der Zahl. Was über diese Pads alles zusätzlich hinaus- oder hineingeführt wird, ist Gegenstand zahlreicher Spekulationen. Manche glauben, es seien integrierte PCI-Express-Links, andere sehen mehr Speicherkanäle (etwa DDR2 und FBDIMM parallel), noch andere verweisen auf AMDs Absicht, Split-Voltage einzuführen, also getrennte Spannungsversorgung für die Prozessorkerne.
Zunehmend soll es laut Hester weniger auf die reine Rechenleistung des einzelnen Kerns ankommen, sondern auf zusätzliche Funktionen. Deshalb wolle AMD die Technik der kohärenten HyperTransport-Links, mit denen die Opterons untereinander in Multiprozessor-Systemen kommunizieren, an ausgewählte Hersteller lizenzieren; diese könnten dann darüber spezialisierte Coprozessoren anbinden, etwa für Krypto- oder Java-Funktionen. Ein heißer Anwärter dürfte auch der Numbercruncher-Prozessor CX600 von ClearSpeed sein, der jetzt den schnellsten japanischen Supercomputer zusätzlich beschleunigen soll (siehe S. 22, c't 25/05).
Über 5000 Dual-Core-Opteron-Prozessoren werden in diesem aus Sun-Fire-Systemen zusammengestellten Cluster ackern. Und Sun hat noch weitere neue Multicore-Eisen im Prozessorfeuer, denn jetzt wurde der UltraSPARC T1 vorgestellt - besser bekannt unter seinem Codenamen Niagara. Vier, sechs oder acht Kerne, ein jeder mit eigenen L1-Caches und Vierfach-SMT, sind hier in einem Chip vereinigt, hinzu kommt ein gemeinsamer L2-Cache von 3 MByte sowie eine gemeinsame FPU. Als Gleitkomma-Numbercruncher eignet sich der T1 folglich nicht, aber für Web- oder File-Server wird das auch nur äußerst selten gefordert. Texas Instruments fertigt den mit 1,2 GHz laufenden Chip im 90-nm-Prozess. Erste Systeme will Sun noch in diesem Jahr herausbringen.
Yonah in Babylon
Intel ist dem Konkurrenten AMD bei der Virtualisierung ein paar Monate voraus: Wie im Frühjahr versprochen, werden jetzt die ersten Desktop-Prozessoren mit der Virtualisierungstechnik Vanderpool (VT) ausgeliefert. Erhältlich sind erst mal aber nur die Spitzenmodelle 672 (3,8 GHz, 1000-Stück-Listenpreis 605 US-Dollar) und 662 (3,6 GHz, 401 US-Dollar) mit Hyper-Threading. Die Dual-Core-Pentium-D-Prozessoren, wie sie jetzt beispielsweise von Aldi/Medion in den Weihnachtsmassenmarkt eingeführt wurden, sind noch nicht dabei. Von den Duals unterstützt derzeit nur die neue Xeon-MP-Baureihe VT.
Vielversprechende Signale hört man auch aus Israel. Die von Intels Design-Schmiede in Haifa entwickelten Mobil-Prozessoren Yonah und sein 64-bittiger Nachfolger Merom liegen gut im Zeitplan. Ersterer wird vermutlich mit bis zu 2,16 GHz ganz früh im ersten Quartal 2006 herauskommen. Und schon munkelt man von Apple-PowerBooks mit Yonah zur Entwicklerkonferenz WWDC Anfang Januar - vermutlich optional bestückt mit den Low-Power- (zunächst bis 1,66 GHz) oder Ultra-Low-Power-Versionen (1,2 GHz).
Der biblische Yonah (Jonas) war offenbar auch mal in Babylon - und so hat sich Intel beim Produktnamen einen dazu passenden Sprachwirrwarr ausgedacht, frei nach dem Motto: Alle meine Brüder heißen Paul, nur Willi nicht, der heißt Gustav. Zunächst wurde beispielsweise der 2,16-GHz-Yonah intern als Modell 780 bezeichnet, dann entschied man sich für ein neues Nummerierungssystem (siehe Kasten). Gemäß Oktober-Roadmap sollte diese Yonah-Version als Pentium M T1600 herauskommen. Doch nun gab es offenbar einen weiteren Schwenk. Die erste Ziffer präsentiert jetzt die Zahl der Kerne - folglich wurde der T1600 zu T2600 umfirmiert. Das Model 750 (1,66 GHz) stieg via T1300 zum T2300 auf und machte damit den Namensplatz frei für das Single-Core-Modell 756 mit gleichem Takt, das nun Pentium M T1300 heißt. Ähnlich sieht die Sache bei den Low-Power- (L) und Ultra-Low-Power-(U)-Versionen aus. Einige Yonah-Ausführungen werden übrigens auch ein freigeschaltetes VT bieten - diese Fähigkeit geht allerdings nicht in das Nummerierungsschema ein.
Intels neues Nummernsystem
Ein Buchstabe und vier Ziffern sollen hinfort Intels Mobil- und Desktop-Prozessoren kennzeichnen. Der Buchstabe gibt die Energieklasse an:
| Prefix | TDP |
| E | >50 Wat |
| T | 25-49 Watt |
| L | 15-24 Watt |
| U | <=14 Watt |
Die erste Ziffer ist für die Anzahl der Kerne vorgesehen, danach folgt eine performancebezogene Modellnummer: Größere Nummern signalisieren höhere Performance, aber nur innerhalb einer Energieklasse. So ist der L2500 mit 1,83 GHz nicht schneller als der T2400, da der ebenfalls mit 1,83 GHz läuft. (as)