Platzhirsch
Die Firma AMD stellt ihren bisher schnellsten Doppelkern-Prozessor vor, nur wenige Tage nach Intels Präsentation des Pentium Extreme Edition 955.
Das neue Jahr beginnt mit einem regelrechten Prozessor-Feuerwerk: Der Athlon 64 FX-60 ist bereits der dritte Newcomer. Mit dieser Dual-Core-CPU reagiert AMD auf Intels neues Flaggschiff namens Pentium Extreme Edition 955, über das wir bereits in c't 1/06 berichtet haben. Auch im Notebook-Segment gibt es Prozessor-Neuheiten, nämlich den Yonah - mehr dazu ab Seite 72.
An dieser Stelle geht es um den bisher leistungsstärksten AMD-Doppelkern, den Athlon 64 FX-60 mit 2,6 GHz Taktfrequenz. Er ist gleichzeitig die erste Dual-Core-CPU aus der teuren FX-Serie der Athlon-64-Familie. Sein Vorgänger, der Athlon 64 FX-57, enthält nur einen 2,8-GHz-Kern. Weil viele Spiele ohnehin nicht von einem zweiten Prozessor-(-kern) im System profitieren, dürften sie auf einem FX-57 ein wenig schneller laufen als auf dem FX-60; dessen beide Kerne rennen allerdings nur um sieben Prozent langsamer - subjektiv dürfte also keine Einbuße im Vergleich zum FX-57 spürbar sein. Dennoch positioniert AMD sein neuestes CPU-Filetstück nicht mehr hauptsächlich als Spieler-Prozessor, sondern eher als Leckerbissen für High-End-PCs.
Die beiden Kerne des Athlon 64 FX-60 stellt AMD weiterhin in 90-Nanometer-Technik her, während Intel den Pentium EE 955 bereits in 65-nm-Technik fertigt. Letzterer ist im Vergleich zum 90-nm-Vorgänger zwar sparsamer geworden, doch ein Testaufbau mit dem Extrem-Pentium, 2 GByte RAM, einer Mittelklasse-Grafikkarte (MSI NX6600GT mit GeForce 6600 GT) und einer Festplatte schluckt insgesamt knapp 280 Watt unter Volllast. Zusammen mit zwei High-End-Grafikkarten im SLI- oder CrossFire-Verbund rückt also die 400-Watt-Grenze ins Blickfeld. Zudem lässt Intel bei den Extreme-Edition-Modellen die SpeedStep-Stromsparfunktion weg, sodass das Testsystem schon ohne Last (On-Idle-Modus) unter Windows um die 150 Watt verheizt. Der Athlon 64 FX-60 arbeitet wesentlich sparsamer: ohne Last benötigt er 40 Watt, unter Volllast sogar 50 Watt weniger. Trotz Cool-and-Quiet-Technik zieht das FX-60-System im On-Idle-Modus aber auch schon 110 Watt aus dem Netz. Beeindruckend ist dennoch, dass es AMD schafft, zwei AMD64-Kerne mit 2,6 GHz Taktfrequenz auf einem Die zu vereinen. Dazu hat sicherlich auch das neue Stepping E6 beigetragen.
Ăśbertakten
Die FX-Baureihe ist für Übertakter besonders interessant, weil sich der so genannte Multiplikator ändern lässt; das ist übrigens auch bei Intels Extreme-Edition-Prozessoren der Fall. Der Athlon 64 FX-60 arbeitet wie alle bisherigen AMD64-Prozessoren mit einer Basis-Taktfrequenz von 200 MHz, von der sich die Taktraten für CPU-Kern sowie Speicher- und HyperTransport-Schnittstellen ableiten. Mit dem Multiplikator 13 kommt der FX-60 auf seine spezifizierten 2,6 GHz, es lässt sich aber etwa auch der Faktor 14 einstellen (2,8 GHz). AMD gewährleistet allerdings nicht, dass er dann stabil läuft. Solche Experimente erfolgen auf eigene Gefahr und setzen voraus, dass das Mainboard die Einstellmöglichkeiten überhaupt anbietet. Meistens gelingt das Übertakten erst, wenn man den Prozessor mit leichter Überspannung betreibt und ihn besonders stark kühlt. Mit unserem Standardkühler war auch der Betrieb bei 2,8 GHz mit 1,375 statt 1,350 Volt Kernspannung möglich, aber schon dann stieg die Spitzen-Leistungsaufnahme um bis zu 20 Watt. Statt den Multiplikator zu erhöhen, kann man auch die System-Taktfrequenz höher als 200 MHz einstellen, dann läuft - je nach den Verstellmöglichkeiten des Mainboards - auch das Speicher-Interface schneller. Zu diesem Zweck kaufen Übertakter die teuren Spezial-Speichermodule, denn mit gleichzeitig schnellerem Speicher und höherer CPU-Taktfrequenz lässt sich noch deutlich mehr Leistung herausholen.
Unsere Benchmark-Vergleiche haben wir wie immer mit den Standardeinstellungen für RAM-Latenzzeiten sowie CPU- und Speicher-Taktfrequenzen vorgenommen. Wenn man beispielsweise PC3200-2,0-2-2-Speicherriegel einsetzen würde, müsste man im Systemvergleich sonst auch deren Aufpreis im Vergleich zu gewöhnlichen DIMMs mit 3,0-3-3-Zeitparametern einbeziehen.
Die Rechenleistung des Athlon 64 FX-60 ist jedenfalls auch mit Standardspeicher beeindruckend, vor allem in den Benchmarks mit Multi-Threading- Software (Linux Kernel, SPEC CPU2000_rate, Cinebench 2003). Nur in wenigen Benchmarks liegen der FX-57 oder ein Pentium 4 670 vorne. Der Pentium Extreme Edition 955 kann sich mit hoch optimiertem Code vor den FX-60 schieben, was die Gleitkomma-Ergebnisse das SPEC CPU2000 zeigen. In der neuesten POV-Ray-Betaversion 3.7 rennt der Pentium Extreme Edition 955 sogar um satte 22 Prozent schneller, während unsere Experimente mit DivX 6.1 wiederum den FX-60 in Führung setzten.
Fazit
Mit dem Athlon 64 FX-60 demonstriert AMD eindrucksvoll die Vorteile der AMD64-Kerne und der Direct-Connect-Architektur: Bei recht niedriger Taktfrequenz und deshalb akzeptabler Leistungsaufnahme liefert der 2,6-GHz-Doppelkern enorme Leistungen und setzt sich in vielen wichtigen Benchmarks vor den Pentium Extreme Edition 955. Andererseits kann auch der Intel-Prozessor einige Zweikämpfe für sich entscheiden - der Abstand zwischen den beiden Topmodellen ist also nicht riesig. Die größten Konkurrenten der Super-High-End-Prozessoren sind eher die preiswerteren Modelle aus dem eigenen Hause, denn ein Athlon 64 X2 4800+ oder der demnächst erwartete Pentium D 950 dürften nicht wesentlich langsamer sein.
Sockel-939-Konfusion
Den Server- und Workstation-Prozessor Opteron hatte AMD ursprünglich nur im Sockel-940-Gehäuse geliefert. Diese Bauform stellt mehrere HyperTransport-Kanäle bereit, die meisten Server-Mainboards sind zudem für die etwas teureren Registered DIMMs ausgelegt, um einen größeren Hauptspeicherausbau zu ermöglichen. Vor wenigen Monaten hat AMD die nur für Ein-Sockel-Mainboards vorgesehenen Opterons der 100er-Serie auf den Sockel 939 umgestellt; diese Bauform ist für preiswertere Mainboards mit ungepufferten PC3200-Speicherriegeln ausgelegt. AMD will damit dem Opteron neue Einsatzgebiete erschließen, vor allem soll er in kleinen Servern gegen Intels Doppelkern Pentium D antreten.
Um den Opteron noch attraktiver zu machen, hat AMD kräftig an der Preisschraube gedreht: Einige der günstigen Opteron-1XX-Modelle sind jetzt billiger zu haben als technisch gleichartige oder ähnliche Athlon-64-Typen. So ist der Athlon 64 3000+ beispielsweise kaum noch zu beschaffen, der günstigste Athlon 64 ist deshalb der 3200+ für 155 US-Dollar OEM-Listenpreis. Zwar sind die Handelsaufschläge bei den Profi-Prozessoren typischerweise höher, doch selbst dann bekommt man einen Opteron 144 meistens noch billiger als einen Athlon 64 3200+. Kaum teurer als dieser ist auch der Opteron 146, der aber doppelt so viel Cache mitbringt. Eine ähnliche Situation hat sich bei den günstigeren Doppelkernen ergeben.
Dieses Preisgefüge hat die Opterons auch für Privatkäufer sehr attraktiv gemacht, obwohl nur wenige Sockel-939-Mainboards diese Prozessoren offiziell unterstützen. Wenn das BIOS eine CPU nicht erkennt, dann bootet das Board möglicherweise nicht oder es fehlen Sonderfunktionen wie „Cool and Quiet“. Trotzdem gehen die 100er-Opterons weg wie warme Semmeln, vor allem seit auch noch Berichte über sehr gute Übertaktungsfähigkeiten die Runde machten. Kurz vor Weihnachten waren die Prozessoren deshalb bei vielen Händlern ausverkauft.
Leistungsdaten unter Linux und Windows XP Professional SP2
| AMD64-Prozessoren fĂĽr den Sockel 939 | |||||
| Prozessortyp | Typenbezeichung/Stepping | Taktfreq./L2-Cache | Kern-Name | Leistungs-aufnahme (TDP) | Listenpreis |
| Athlon 64 FX-60 | ADAFX60DAA6CD/E6 | 2,6 GHz/2 x 1 MByte | Toledo | 110 Watt | 1031 US-Dollar |
| Athlon 64 FX-57 | ADAFX57DAA5BN/E4 | 2,8 GHz/1 MByte | San Diego | 104 Watt | 1031 US-Dollar |
| Athlon 64 FX-55 | ADAFX55DAA5BN/E4 | 2,6 GHz/1 MByte | San Diego | 104 Watt | 827 US-Dollar |
| Athlon 64 X2 4800+ | ADA4800DAA6CD/E6 | 2,4 GHz/2 x 1 MByte | Toledo | 110 Watt | 803 US-Dollar |
| Athlon 64 X2 4600+ | ADA4600DAA5CD/E6 | 2,4 GHz/2 x 512 KByte | Manchester | 110 Watt | 643 US-Dollar |
| Athlon 64 X2 4400+ | ADV4400DAA6CD/E6 | 2,2 GHz/2 x 1 MByte | Toledo | 89 Watt | 507 US-Dollar |
| Opteron 1751 | OSA175DAA6CD/E6 | 2,2 GHz/2 x 1 MByte | Denmark | 110 Watt | 475 US-Dollar |
| Athlon 64 X2 4200+ | ADA4200DAA5CD/E6 | 2,2 GHz/2 x 512 KByte | Manchester | 89 Watt | 408 US-Dollar |
| Opteron 1701 | OSA170DAA6CD/E6 | 2,0 GHz/2 x 1 MByte | Denmark | 110 Watt | 367 US-Dollar |
| Athlon 64 X2 3800+ | ADA3800DAA5CD/E6 | 2,0 GHz/2 x 512 KByte | Manchester | 89 Watt | 328 US-Dollar |
| Opteron 1651 | OSA165DAA6CD/E6 | 1,8 GHz/2 x 1 MByte | Denmark | 110 Watt | 278 US-Dollar |
| Athlon 64 4000+ | ADA4000DKA5CF/E6 | 2,4 GHz/1 MByte | San Diego | 89 Watt | 341 US-Dollar |
| Athlon 64 3800+ | ADA3800DAA4BW/E6 | 2,4 GHz/512 KByte | Venice | 89 Watt | 288 US-Dollar |
| Athlon 64 3700+ | ADA3700DKA5CF/E6 | 2,2 GHz/1 MByte | San Diego | 89 Watt | 238 US-Dollar |
| Opteron 1481 | OSA148DAA5BN/E4 | 2,2 GHz/1 MByte | Venus | 85,3 Watt | 213 US-Dollar |
| Athlon 64 3500+ | ADA3500DAA4BW/E6 | 2,2 GHz/512 KByte | Venice | 67 Watt | 205 US-Dollar |
| Opteron 1461 | OSA146DAA5BN/E4 | 2,0 GHz/1 MByte | Venus | 67 Watt | 125 US-Dollar |
| Athlon 64 3200+ | ADA3200DAA4BW/E6 | 2,0 GHz/512 KByte | Venice | 67 Watt | 155 US-Dollar |
| Athlon 64 3000+ | ADA3000DAA4BW/E6 | 1,8 GHz/512 KByte | Venice | 67 Watt | abgekĂĽndigt |
| Opteron 1441 | OSA144DAA5BN/E4 | 1,8 GHz/1 MByte | Venus | 67 Watt | 111 US-Dollar |
| 1 alle aktuellen Opteron-Modelle der 100er Familie sind für den Sockel 939 ausgelegt und vom Kern her baugleich mit Athlon-64-Prozessoren, laufen also auch bei gleicher Taktfrequenz, Kern-Anzahl und L2-Cache-Kapazität genau gleich schnell. Es gibt aber nicht für alle Sockel-939-Mainboards ein BIOS, das die Opterons erkennt. | |||||
(ciw)