Die blaue Periode
Die Spezifikationen für die HD DVD und Blu-ray Disc sind verabschiedet, nun warten die Hersteller auf die finale Version des Kopierschutzes AACS. Erste Laufwerke der beiden DVD-Nachfolger könnten bereits im März zu haben sein.
Eigentlich wollten NEC und Toshiba mit ihrer HD DVD der Blu-ray Disc (BD) zuvorkommen und schon Ende 2005 mit den ersten Laufwerken auf den Markt gehen. Dass daraus nichts geworden ist, liegt an dem aufwendigen Advanced Access Content System (AACS), das die Abspiel- und Kopierrechte der beiden DVD-Nachfolgeformate verwaltet. Dessen Spezifikation 1.0 soll Ende Januar fertig werden. Erst dann können die Hersteller die nötigen Schlüssel in ihre Laufwerke implementieren. Laut AACS kann man Filme von der HD DVD oder BD nur dann kopieren oder im Netzwerk streamen, wenn der Anbieter dies per Mandatory Managed Copy (MMC) explizit erlaubt.
Die Blu-ray Disc konnte deshalb mit ihrem Terminplan zur HD DVD aufschließen. Die letzten Spezifikationen wurden am 5. Januar freigegeben, sodass nun Lizenzen und Logos verteilt werden können. Erste Nutznießer sind Pioneer und Samsung, die auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas (siehe Seite 22, c't 3/06) erste Laufwerke für Anfang März beziehungsweise April ankündigten.
Laut Pioneer ist der BD-Brenner BD-R-101A bereits fertig, man warte lediglich auf die AACS-Schlüssel. Nach deren Implementierung werde man zunächst OEM-Partner bedienen, die die Laufwerke in Komplett-PCs verbauen. Erst danach beliefere man den freien Handel. Laut Pioneer werde es keine Retail-Version geben. Das Laufwerk soll mit einem einfachen Software-Paket ausgeliefert werden, mit dem der Anwender Daten auf einmal beschreibbare BD-R-Rohlinge oder mehrfach beschreibbare BD-RE-Rohlinge mit jeweils 25 GByte speichern und hoch aufgelöste Filme von BD-ROM abspielen kann. Der Preis steht noch nicht fest, er soll sich zwischen 500 und 1000 Euro bewegen.
Der BDR-101A liest und beschreibt BDs mit 2X (entspricht 9 MByte/s) und DVDs mit 8X (10,8 MByte/s). FĂĽr beide Formate setzt Pioneer einen Schreiblesekopf mit nur einer Linse ein. Auf eine CD-UnterstĂĽtzung wurde verzichtet, sie soll erst in der zweiten Laufwerksgeneration folgen.
Samsung will im April einen BD-Brenner nachlegen, der dank zweier Linsen im Pickup-Head alle drei Speicherformate BD, DVD und CD lesen und schreiben kann. Dabei erreicht er bei BD-Rohlingen mit 25 oder 50 GByte zweifaches Brenntempo, mit DVD-Rohlingen 12X (DL 4X) und mit CD-Rohlingen 40X. Die interne Version SH-B022B soll in den USA 500 US-Dollar, die externe Version SE-B026B mit USB-2.0- und FireWire-Anschluss 650 US-Dollar kosten.
Die Vorreiter der Blu-ray Disc Panasonic, Sony und Philips hielten sich auf der CES mit konkreten Produktvorstellungen hingegen dezent zurück. Sony und Panasonic redeten nebulös von Laufwerken in der zweiten Jahreshälfte, ohne konkrete Bezeichnungen oder Details zu nennen. Auch Philips ist nicht früher dran: Der Triplewriter SPD7000, der mit einer Linse CDs, DVDs und BDs lesen und beschreiben soll und per S-ATA Anschluss am PC findet, soll nicht vor dem dritten Quartal erscheinen.
Abspieler fĂĽr HD DVD
Für die HD DVD wird man vorerst nur Abspielgeräte von NEC bekommen. Das ROM-Laufwerk HR-1100A wird HD DVDs mit 2X, DVDs mit 8X, DVD-RAM mit 5X und CDs mit 32X lesen. Ab März soll es für deutlich unter 500 Euro in den Handel kommen. Im Mai folgt ein Combo-Laufwerk, das zusätzlich CDs und DVDs brennen kann. Der erste HD-DVD-Brenner ist für Juli vorgesehen. Preise nannte NEC hier bisher nicht.
Für Notebooks entwickelt Toshiba das erste Slim-Line Combo-Laufwerk TS-L802A, das ein- und zweilagige HD DVDs mit 1X abspielen und DVDs (4X), DVD-RAM (3X) und CDs (16X) zusätzlich noch beschreiben kann. Es soll zunächst in Notebooks von Toshibas Qosmio-Reihe eingebaut werden, die mit Intels Centrino-Duo-Mobile-Prozessoren, einem Display mit Auflösungen bis zu 1920 x 1080 Bildpunkten, einem Audio-System von Harman/Kardon und - wie auf der CES in Las Vegas zu sehen war - einer HDMI-Schnittstelle ausgestattet werden. Preise und Lieferdaten will Toshiba im Laufe des ersten Quartals nachreichen.
Gleichzeitig mit den Laufwerksherstellern wollen auch Sony, TDK, Panasonic, Verbatim und Philips ab dem zweiten Quartal einlagige BD-Rohlinge mit 25 GByte (BD-R und BD-RE) und wenig später dann zweilagige Varianten anbieten. Verbatim will zusätzlich HD-DVD-Rohlinge mit 15 GByte (HD DVD-R) und 20 GByte (HD DVD-RW) herausbringen. Preise nannte bisher lediglich TDK: So sollen der einlagige BD-Rohling rund 20 Euro und die zweilagige Version mit 50 GByte 39 Euro kosten. Wiederbeschreibbare Medien (BD-RE) schlagen mit 25 Euro beziehungsweise 50 Euro für die 50-GByte-Disc zu Buche. Einen Ausblick auf künftige Medien gab TDK auf der CES und präsentierte den Prototypen einer vierlagi-gen Blu-ray Disc mit 100 GByte Speicherplatz auf einer Seite.
Schnittstellen-Chaos
Ungeklärt ist derweil, mit welchen Grafikkarten denn die Kunden die gut geschützten HD-Filme in voller Auflösung anschauen können. Bisher hat nämlich kein Anbieter ein Modell mit nötigem HDMI- oder HDCP-fähigen DVI-Anschluss angekündigt, obwohl ATIs X1000-GPU dies eigentlich unterstützen soll.
Aller Voraussicht nach werden zunächst nur spezielle OEM-Karten für Komplett-PCs ihr Ausgabesignal per HDCP verschlüsseln können. So soll Pioneer derzeit mit Nvidia wegen einer entsprechend ausgerüsteten Karte in Verhandlungen stehen. Aber auch Notebooks sollen HDMI mitbringen. Neben Toshiba präsentierten Asus und Dell Prototypen auf der CES. Über ungeschützte Schnittstellen wie DVI oder VGA wird man die Filme lediglich in Standardauflösung ausgeben können, die anschließend hochskaliert wird.
Doch bei den Anschlüssen kann sich in den nächsten Monaten noch einiges ändern. So soll der aktuelle HDMI-Standard 1.1 durch die Version 1.3 abgelöst werden, die doppelte Bandbreite und Farbtiefen bis 36 Bit erlaubt. Vielleicht finden wir künftig aber auch das neu ersonnene Unified Display Interface (UDI) an den PC-Slotblechen, das derzeit Apple, Intel, LG, National Semiconductor, Samsung und Silicon Image in Zusammenarbeit mit Nvidia, Thine, Foxconn, und JAE entwickeln. Die Signalübertragung soll zwar zu DVI und HDMI kompatibel sein, die Anschlussbuchsen wurden für UDI jedoch neu entworfen. (hag)