Blu-ray und HD DVD warten auf Kopierschutz
Ursprünglich wollte Pioneer bereits Ende Januar seinen ersten Blu-ray-Brenner BDR-101A ausliefern. Da jedoch die Spezifikation des Kopierschutz-Systems AACS nicht rechtzeitig fertig wurde, verzögert sich die Markteinführung um mindestens ein bis zwei Monate.
Ohne das Advanced Access Content System können die Laufwerke keine hochaufgelösten Filme von BD-ROMs abspielen. Der Schutz muss auf drängen Hollywoods in alle Laufwerke eingebaut werden. Kopien von AACS-geschützten Filmen sind dann nur noch per Mandatory Managed Copy (MMC) möglich, wenn der Urheber dies explizit erlaubt. Ebenso kann das Filmstudio festlegen, ob der Film über einen Medien-Server im Netzwerk gestreamt oder auf mobile Geräte überspielt werden darf. Laut Angaben des Software-Herstellers Nero wird für eine legale Kopie in jedem Fall eine Internetverbindung benötigt, um die Rechte zu überprüfen.
Von der AACS-Verzögerung ist ebenfalls das konkurrierende HD-DVD-Format betroffen. So werden NEC und Toshiba kaum ihre für März geplanten Verkaufsstarts der ersten HD-DVD-Player und -Laufwerke halten können. Laut Beobachtern habe ein wichtiges Mitglied der Blu-ray Disc Association Bedenken gegenüber dem Zusammenspiel von AACS mit dem zusätzlichen Blu-ray-Schutz BD+ geäußert. Die AACS LA tagt erst wieder am 23. und 24. Februar, um die Spezifikation abzuschließen.
Wir konnten bereits ein Vorseriengerät des Blu-ray-Brenners BDR-101A von Pioneer testen, das sich abgesehen vom Kopierschutz als voll funktionstüchtig erwies. Das Laufwerk mit der Firmware 0.87 brannte im Test eine einmal beschreibbare BD-R von TDK mit einer Nutzkapazität von 22,56 GByte. Als Software kam eine Spezialversion von Nero 7.0.5.2 und CD/DVD-Speed 4.11 zum Einsatz. Der komplette Schreibvorgang mit 2X (9 MByte/s) dauerte 45:05 min. Die Disc ließ sich danach mit derselben Geschwindigkeit lesen.
Anders als Samsung setzt Pioneer im BDR-101A nur eine einzige Linse ein. Sie kann sowohl Blu-ray Discs als auch DVDs schreiben und lesen, unterstützt jedoch keine CDs. Eine DVD-R konnten wir mit 8X (10,8 MByte/s) in 10:27 min komplett beschreiben. Der DVD-Rohling von TDK zeigte bei einer anschließenden Prüfung eine gute Brennqualität mit geringer Fehlerrate (Qualitätsindex 56). Die Lesetests absolvierte das Laufwerk fehlerfrei. Die Zugriffszeiten bewegten sich je nach eingelegtem Medium zwischen 250 und 300 ms. DVDs wurden mit durchschnittlich 7,5 bis 8,2 MByte/s gelesen. Eine schlecht gebrannte DVD-R wurde zu 99,9 Prozent und eine schlecht gepresste DVD-ROM sogar zu 100 Prozent erkannt.
Unklar ist derzeit, ob der Blu-ray-Brenner später zweilagige Rohlinge mit 50 GByte brennen kann, zumindest soll er aber zweilagige BD-ROMs abspielen. An der Rückseite des Brenners saugt ein temperaturgeregelter Lüfter Luft aus dem Laufwerksgehäuse, die an der Front durch einen Filter einströmt. Die Laufwerkstemperatur blieb erstaunlich niedrig: Nach dem Brennen maßen wir auf einer Blu-ray Disc lediglich 32 °C. Auch die Laufgeräusche fielen mit 2,3 Sone beim Lesen einer BD-R und 1,8 Sone beim Abspielen einer Video-DVD recht gering aus (jeweils gemessen aus 25 cm).
Endkunden will Pioneer das Laufwerk als Bulk-Version mit einem rudimentären Software-Paket voraussichtlich ab April anbieten. Die Software soll die Wiedergabe von Filmen und die Aufzeichnung von Daten erlauben. Das Authoring von Blu-ray-Filmen wird noch nicht möglich sein, da die dazu nötige Software erst später fertig wird. Laut Nero soll die Player-Software die interaktiven Java-Funktionen der Blu-ray-Filme (BD-J) erst ab dem dritten Quartal unterstützen. In den USA soll der Brenner 975 US-Dollar kosten, für Europa peilt Pioneer einen Preis unter 1000 Euro an - fast doppelt so viel wie Samsung für seinen SH-B022 verlangen will. Genaueres könne man jedoch erst sagen, wenn alle Details für die Urheberrechtsabgaben der neuen Brenner geklärt sind.
Erst die zweite Generation der Blu-ray-Brenner von Pioneer wird auch CDs schreiben und lesen können. Der noch für dieses Jahr geplante BDR-102 soll Blu-ray-Rohlinge bereits mit 4X beschreiben (einlagig wie zweilagig). DVD-RAMs brennt er mit 5X und DVD-Rohlinge mit 12X. (hag) (es)