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UMTS wird schneller: T-Mobile und Vodafone wollen die Empfangsrate auf 1,8 MBit/s erhöhen, erste Handys dafür sollen im Sommer folgen. Mit UMA-Mobiltelefonen führt man VoIP-Gespräche nahtlos in WLANs und Mobilfunknetzen. Der Handy-Trend geht vom Alleskönner-Telefon zum Spezialisten: Musikhandys mit viel Speicher ersetzen den MP3-Player und Volltastatur-Geräte mit E-Mail-Pushdienst halten unterwegs auf dem Laufenden.
Der Mobilfunk-Markt boomt, was sich nicht zuletzt an den im Vergleich zum Vorjahr um satte 40 Prozent gestiegenen Aussteller- und Besucherzahlen des 3GSM World Congress 2006 in Barcelona ablesen lässt. Die meisten der dort gezeigten Mobilfunk-Trends wird es im Rahmen der CeBIT jetzt auch in Deutschland zu bestaunen und auszuprobieren geben.
Dazu gehören auf bestimmte Dienste zugeschnittene Geräte wie Musikhandys, die den separaten MP3-Player überflüssig machen wollen. So setzt Sony Ericsson seine 2005 gestartete Modellserie mit Walkman-Schriftzug fort. Die Handys zeichnen sich durch separate Tasten für die Playerbedienung, Slots für wechselbare Speicherkarten, Norm-Anschlüsse für Kopfhörer und Rechtemanagement (DRM) für Songs von Online-Musikanbietern aus. Das Symbian-Smartphone W950i bietet als neues Flaggschiff der Walkman-Serie mit vier Gigabyte Flashspeicher reichlich Speicher für Musik, funkt im UMTS-Netz und lässt sich per Touchscreen steuern.
Auch Motorola, Nokia und Samsung präsentieren auf Musikwiedergabe spezialisierte Handys und Smartphones. Anders als Sony Ericsson haben Nokia und Samsung ihre Modelle N91 und SGH-i300 mit Mini-Festplatten bestückt; für Motorolas Rokr E2 benötigt man eine SDCard, die maximal zwei GByte fassen darf. Zum schnellen Befüllen der großen Speicher besitzen die Musikhandys bis auf das Samsung SGH-i300 (siehe Test auf Seite 110) schnelle USB-2.0-Schnittstellen und werden automatisch als Massenspeicher erkannt.
Das W950i ist mit 15 Millimeter Dicke auch ein gutes Beispiel für die gegenwärtige Handy-Mode: Die Geräte werden dünner und leichter. Motorola hatte mit dem flachen Klapphandy Razr V3 den Design-Trend gestartet und unter anderem mit dem nur zwölf Millimeter dicken Slvr L7 fortgesetzt. Die flachen UMTS-Telefone S81 und EF81 von Benq-Siemens wird es zunächst nur auf der CeBIT zu sehen geben, der Marktstart ist für das zweite Quartal 2006 geplant. Ebenfalls im UMTS-Netz funkt das Samsung SGH-Z150, das mit einer Dicke von zehn Millimetern und 90 Gramm Gewicht zu den flachsten und leichtesten UMTS-Telefonen überhaupt gehören dürfte. Begnügt man sich mit dem GSM-Netz, kann es Samsung noch flacher: Das SGH-P300 ist mit neun Millimetern dünner als mancher Taschenrechner und wiegt laut Datenblatt nur 65 Gramm. Da die Modelle anders als frühere Mini-Handys zwar flacher, aber nicht kleiner als normale Mobiltelefone sind, besitzen sie zum bequemen Bedienen genügend große Tasten.
Die Kamera im Handy hat sich durchgesetzt, der Trend zu immer höheren Auflösungen scheint sich jedoch abzuschwächen. Beim gut ausgestatteten Mobiltelefon findet man als Standard 1,3 Megapixel; auf Fotos spezialisierte Geräte wie das K800i von Sony Ericsson bieten zwei bis drei Megapixel, Autofokus und eine Bildqualität, die auch für kleinformatige Abzüge genügt.
Breitband-UMTS
Das UMTS-Netz spielt erst bei Datenanwendungen seine Stärken aus, beispielsweise beim mobilen Surfen. Bislang empfangen UMTS-Geräte maximal 384 kBit/s, doch soll das nach der CeBIT anders werden: Sowohl T-Mobile als auch Vodafone wollen auf der Messe den Startschuss für den UMTS-Beschleuniger HSDPA (High Speed Downlink Packet Access) geben, der den Datenempfang übers UMTS-Netz auf DSL-Niveau anheben soll. Zunächst liegt die maximale Rate bei 1,8 MBit/s, doch soll sie in den nächsten Jahren auf 3,6 und 7,2 MBit/s erhöht werden. Vodafone, der den schnellen Datendienst als UMTS-Broadband vermarktet, hat auf dem Messegelände in Hannover ein spezielles UMTS/HSDPA-Netzwerk aufgebaut und will dort Übertragungsraten von bis zu 10 MBit/s demonstrieren. Das theoretische Maximum liegt bei 14,4 MBit/s.
In Senderichtung steht mit HSUPA (High Speed Uplink Packet Access) eine vergleichbare Technik bereit, die im Endausbau bis zu 5,8 MBit/s erreicht. Nach den bisher bekannten Plänen soll HSUPA 2007 zusammen mit der Beschleunigung von HSDPA auf 3,6 MBit/s in Betrieb gehen. Vodafone will zeitgleich mit dem HSDPA-Start die UMTS-Senderate auf 384 kBit/s erhöhen. Ein weiterer Vorteil von Breitband-UMTS liegt in der Verringerung der Latenzzeit. Lange Laufzeiten der Datenpakete können vor allem die Übertragung kleinerer Datenhäppchen, wie sie beim Surfen häufig sind, verzögern. Bei UMTS liegt die durchschnittliche Latenzzeit zurzeit bei 200 bis 300 Millisekunden, was auch ein großes Hemmnis für Echtzeitanwendungen wie Online-Spiele und besonders Internet-Telefonie (VoIP) ist. Mit HSPA versprechen die Netzanbieter Laufzeiten von zunächst 100 ms, später will man sie noch einmal halbieren, womit UMTS DSL-übliche Latenzen erreichen würde.
Als Endgeräte wird es - wie schon beim UMTS-Start 2004 - zunächst PC-Cards für Notebooks geben, T-Mobile und Vodafone bieten sie bereits seit Oktober an. Doch die ersten Handys mit dem UMTS-Turbo stehen in den Startlöchern und werden auf den Messeständen zu sehen sein: Das Klapp-Handy Benq-Siemens EF91 erreichte schon auf der 3GSM in einem eigens aufgebauten Testnetz Datenraten von über einem Megabyte pro Sekunde. Fotofreunde lockt es darüber hinaus mit einer 3,2-Megapixel-Kamera und Autofokus-Objektiv. Laut Hersteller soll es noch im zweiten Quartal 2006 in den Handel kommen. Ebenfalls fürs zweite Quartal ist das HSDPA-Handy SGH-Z560 von Samsung angekündigt. Das schicke Klapp-Telefon mit Ultraflach-Gehäuse ist für Datenraten bis zu 3,6 MBit/s ausgelegt. Es knipst Fotos mit einer Autofokus-Kamera und zwei Megapixeln, der interne Speicher mit 30 MByte lässt sich mittels microSD-Cards erweitern. Auch LG Electronics kann mit einem - allerdings noch namenlosen - HSDPA-Handy aufwarten. Wann das Klappmodell zu haben sein wird, verriet der Hersteller bislang nicht.
Multimedia-Dienste und E-Mail
Weitere Dienste stehen bereit, die von schnellem Datentransfer profitieren: Zusammen mit hochauflösenden Displays eignen sich die Mobiltelefone zunehmend auch zum Anzeigen von größeren Webseiten. E-Plus und T-Mobile bieten schon länger Surf-Telefone der Firma Danger unter Namen wie Hip Top oder Sidekick an. Ein kostenpflichtiger Proxy-Server der US-Firma bereitet Webseiten so auf, dass sie sich gut auf den Displays lesen lassen. Der Handy-Browser Opera mini funktioniert auf die gleiche Weise, doch sind Java-Browser und Proxy-Dienst kostenfrei (siehe Soft-Link).
Kommende Datendienste schließen auch Sprachanwendungen mit ein, zum Teil lassen sie sich auch schon nutzen. So erlauben die Datenraten prinzipiell VoIP-Telefonate (Voice over IP). Clients für die Dienste gibt es bislang für Smartphones mit Windows-Mobile-Betriebssystem. Zusammen mit einer UMTS-Flatrate würde sich so eine Menge Geld sparen lassen - E-Plus arbeitet als Anbieter einer Datenflatrate sogar mit dem VoIP-Provider Skype zusammen. Von Nachteil ist jedoch die lange Latenzzeit des UMTS-Netzes; zumindest muss man bei der Internet-Telefonie übers Mobilfunknetz eine schlechte Verbindungsqualität in Kauf nehmen. Bezahlbare UMTS-Flatrates könnten mobile Datendienste und damit auch den Mobilfunk der dritten Generation voran bringen.
Eine weitere Sprachanwendung ist der Walkie-Talkie-Dienst Push to Talk over Cellular (PoC), der auf dem IP-basierten Multimedia-Subsystem (IMS) aufbaut. Sind die Netze der Betreiber erst mit den nötigen Control-Domains ausgestattet, kann man beispielsweise Videos und andere Daten während des Telefonierens versenden und wie die Sprache bei Push to Talk auch Bilder oder Filmclips per Knopfdruck an eine vorher ausgewählte Gruppe übermitteln. Noch werben in erster Linie die Zulieferer wie Ericsson oder Siemens mit IMS-Lösungen.
Zu den beliebten mobilen Anwendungen gehören E-Mails, die über einen Push-Dienst wie Blackberry direkt auf dem Mobilgerät landen. Die E-Mail-Handys der kanadischen Firma RIM sind jedoch ausschließlich auf den Blackberry-Dienst festgelegt und setzen die teuren Server des Unternehmens voraus. Blackberry-Clients lassen sich zwar auch auf vorbereiteten Smartphones anderer Hersteller installieren, doch suchen die Geräte-Hersteller nach flexibleren Lösungen, mit denen sich auch die Dienste anderer, zum Teil billigerer Anbieter nutzen lassen. Microsoft hat dazu mit Windows Live! eine eigene Lösung entwickelt, die außer E-Mails auch Web-Suche und andere Dienste bietet (siehe Seite 30). Hersteller wie Nokia und Sony Ericsson haben ihre neuen Symbian-Smartphones für verschiedene Push-Dienste vorbereitet. Die Endgeräte wie das P990i von Sony Ericsson oder das E61 von Nokia sind mit Qwertz-Tastaturen und großen Displays für die E-Mail-Nutzung gut ausgestattet, das Multitasking-fähige Symbian-Betriebssystem erlaubt das Versenden und Empfangen von Mails auch während eines Telefonats. Nokia hat darüber hinaus mit Intellisync einen Anbieter von plattformübergreifenden E-Mail-Lösungen übernommen.
Die Smartphones nutzen für den Mailtransfer nicht nur die Mobilfunknetze, sondern dank eingebautem WLAN auch Hotspots. Die Geräte von Nokias E-Serie arbeiten zusätzlich mit einigen VoIP-Telefonanlagen zusammen. Nach Anmeldung reicht die firmeninterne Kurzwahl, um mit dem VoIP-Handy den Kollegen im zweiten Stock anzurufen, ebenso sind über die Telefonanlagen Gespräche ins Festnetz möglich. Den Trend zu flexiblem Telefonieren über Mobilfunk-, Fest- und Datennetze haben außer Nokia auch andere Hersteller wie Motorola erkannt. Über Unlicensed Mobile Access (UMA) sind sogar Wechsel zwischen den verschiedenen Funknetzen möglich, ohne dass die Verbindung abbricht. Mit dem 6136 hat Nokia ein Handy speziell für UMA vorgestellt. Zurzeit laufen verschiedene Tests, an denen sich auch Netzbetreiber wie T-Mobile beteiligen.
TV mit dem Handy
Auch der Fernsehempfang per Handy gehört zu den Mobilfunktrends auf der CeBIT. Zur Fußball-Weltmeisterschaft sollte es eigentlich losgehen, doch herrscht über die verwendete Technik noch keine Einigkeit. Geräte-Hersteller wie Nokia und Sagem favorisieren DVB-H (Digital Video Broadcasting for Handheld) und stellen passende TV-Handys vor, Samsung und LG setzen auf das in Korea erfolgreiche T-DMB (Terrestrial Digital Multimedia Broadcasting). DVB-H ist ein Ableger des Digital-Fernsehens DVB-T und soll das gleiche Sendeband nutzen. DMB könnte Frequenzen des digitalen Radios DAB nutzen, doch gäbe es je nach Lage nur Platz für einen bis zwei Sender, während via DVB-H durchaus 16 oder 24 Sender zu empfangen sein würden. Die Bundesländer sind bislang uneins, verschiedene Pilotprojekte mit beiden Fernsehsystemen sind im Gange. Zu den offenen Fragen gehören auch, wer die Sendenetze betreiben soll und wie viel das mobile Fernsehvergnügen kostet - nur wenige Handynutzer sind bereit, dafür zu bezahlen. Nicht zuletzt steht die Sinnfrage, ob das Fußball-Gucken auf den kleinen Displays wirklich Spaß macht.
BenQ-Siemens, Halle 26, Stand C32
Ericsson, Freigelände, Stand K04
LG Electronics, Halle 26, Stand A59
Motorola, Halle 26, Stand E40
Nokia, Halle 26, Stand E68
O2, Halle 25, Stand D40
Sagem, Halle 26, Stand E32, F30
Samsung, Halle 26, Stand D60
Siemens, Halle 26, Stand A31
Sony Ericsson, Halle 26, Stand D32, F30
T-Mobile, Halle 26, Stand A01
Vodafone, Freigelände, Stand G04