Alles drin
Wer sich bislang einen eigenen Eindruck von Windows Vista verschaffen wollte, war vor allem auf Berichte und Screenshots angewiesen. CeBIT-Besucher lässt Microsoft nun erstmals selbst an 13 Stationen mit dem XP-Nachfolger rumspielen.
Der Nachfolger von Windows XP ist zwar noch lange nicht fertig, aber nach Ansicht von Microsoft ist jetzt immerhin alles drin, was rein soll. Ende Februar veröffentlichte der Softwareriese im Rahmen des Programms „Community Technology Preview“ (CTP) eine neue Vorabversion (Build 5308), die „feature complete“ sein soll. Auf der CeBIT präsentiert Microsoft eine Vista-Version, die im Wesentlichen Build 5308 entsprechen soll, die erstmals auch in deutscher Sprache erschien.
Im Unterschied zu früheren Windows-Versionen ist damit jedoch keine Lokalisierung gemeint, denn Vista existiert als laut Microsoft sprachunabhängiges Basis-Code-Paket, das sich dann durch beliebige Sprachpakete ergänzen lässt (ähnlich wie bislang die Multilingual User Interface Packs). Vorteile bringt das vor allem für multinationale Konzerne, die überall die gleiche Windows-Version installieren können und nicht mehr verschiedene Sprachversionen pflegen müssen, aber auch für Microsoft, denn im Idealfall genügt nun ein Patch statt je einer für jede lokalisierte Version.
Reichlich Neues
Die Installation von Build 5308 läuft weitgehend ohne Nutzereingaben ab, allerdings hält Vista den Anwender dazu an, nicht nur einen Kontonamen zu wählen, sondern auch gleich ein Passwort zu vergeben. Wer das während des Setup noch nicht gemacht hat, bekommt anschließend eine zweite Chance, denn Vista startet mit einem „Welcome Center“, das Assistenten für die ersten wichtigen Schritte anbietet: Treiberinstallation, Übertragen von Dokumenten und Einstellungen sowie eben für die Konfiguration der Benutzerkonten.
Neu ist auch, dass das bordeigene Backup-Programm das Sichern kompletter Partitionen als Image anbietet, allerdings hat ein solches sektorbasiertes 1:1-Abbild wohl nichts mit dem „Windows Imaging Format“ (WIM) zu tun, das Microsoft zur Installation von Vista nutzt. Die läuft weiterhin dateibasiert, jedoch dient als Quelle kein Verzeichnis mehr (wie der i386-Ordner bei XP), sondern ein Archiv eben im WIM-Format. Das enthält alle nötigen Dateien, soll sich aber mit speziellen Tools leicht abspecken oder anpassen lassen, um so beispielsweise bei einer unbeaufsichtigten Installation via Netzwerk die Handhabung zu erleichtern.
Erstmals ausprobieren kann man mit Build 5308 den sagenumwobenen Superfetch-Mechanismus: Nach dem Anstöpseln eines USB-Sticks bietet Vista an, ihn als Zwischenspeicher zu nutzen, um so mehr Leistung rauszukitzeln. Microsoft will dabei ausnutzen, dass die für einen Zwischenspeicher wichtigen Zugriffszeiten bei einem USB-Stick kürzer sind als bei einer Festplatte (im Unterschied zur Transferrate, die bei Festplatten höher ist).
Eine Aufzählung aller ins Auge fallenden neuen Funktionen würde hier den Rahmen sprengen: Microsoft selbst spricht von rund 2750 neuen Features, die Vista im Vergleich zu XP aufweist. Dazu gehört etwa die in Build 5308 wieder aufgetauchte Sidebar. In der Systemsteuerung gibt es neue Frontends für die Zuordnung, welches Programm welchen Dateityp öffnen soll, sowie zum Konfigurieren der Autoplay-Funktion, die dafür sorgt, dass Windows je nach Inhalt eines eingelegten Wechseldatenträgers bestimmte Programme startet.
Wer sich selbst einen ausgiebigen Eindruck von Vista verschaffen will, den vertröstet Microsoft auf die dann wirklich als Beta 2 bezeichnete nächste CTP-Version, die irgendwann im ersten Halbjahr dieses Jahres erscheinen und dann erstmals jedem Interessenten zugänglich sein soll.
Microsoft, Halle 4, Stand A38
Sechs Namen fĂĽr Vista
Kurz vor Redaktionsschluss gab Microsoft die Namen und einige Details der verschiedenen Versionen bekannt, in denen Vista erscheinen soll: Für Firmenkunden ist Vista Business gedacht. Nur Großkunden, die Microsofts „Software Assurance“ abonniert haben, erhalten Vista Enterprise. Diese Version soll außer den Funktionen von Vista Business zusätzlich die Festplattenverschlüsselung „BitLocker“ enthalten (siehe S. 78), den PC-Emulator Virtual PC Express sowie ein Subsystem für Unix-basierte Anwendungen.
Endanwender haben die Wahl zwischen Vista Home Basic, einer Art eingeschränkter Basis-Version, die ohne die neue Oberfläche Aero daherkommt, Vista Home Premium, die außer Aero auch die Fähigkeiten von Media Center Edition sowie Tablet PC bietet, und schließlich die auf der CeBIT zu sehende Vista Ultimate, die eigentliche Vollversion, die sämtliche Funktionen aller Versionen in sich vereint (inklusive Enterprise). Diese drei Versionen sollen ebenso wie Vista Business frei als Systembuilder oder OEM erhältlich sein.
Schließlich wird es wie bei XP auch eine Starter-Edition geben, die mit ihrem drastisch reduzierten Funktionsumfang vor allem für Entwicklungsländer vorgesehen ist und in Deutschland nicht erhältlich sein soll. Mit Ausnahme von Vista Starter werden alle Versionen nicht nur als 32-, sondern auch als 64-bittige Editionen geliefert. (axv)