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Der Schritt von Analog- zu Digital-TV ist gewaltig: Neben dem größeren Programmangebot bietet das in Bits und Bytes gesendete Fernsehen Features wie anamorphe 16:9-Bilder, 5.1-Ton, mehrere Sprachspuren und Untertitel. Damit lässt sich ganz legal eine perfekte Video-DVD selbst herstellen - einen PC, die richtige Software und passende DVB-Hardware vorausgesetzt.
Die vor gut acht Jahren eingeführte DVD hat die Sehgewohnheiten gründlich verändert: Kannte man vom analog übertragenen Fernsehen und bei der VHS-Kassette verrauschte Bilder zur Genüge, bewies die Silberscheibe, wie gut digital gespeicherte Videobilder trotz verlustbehafteter Kompression (MPEG-2) aussehen können. Kinofilme, die bis dahin nur auf das 4:3-Format zurechtgeschnitten oder mit schwarzen Balken am oberen und unteren Bildrand versehen auf dem Fernseher liefen (Letterbox), lassen sich auf der kleinen Silberscheibe mit anamorphem 16:9-Bild speichern. Wurden bei einem Film im Letterbox-Format bei der Fernsehübertragung nur noch 415 von 576 Zeilen für den eigentlichen Bildinhalt genutzt, erhält man bei der DVD die volle Zeilenzahl - so sieht das Video auch auf einem größeren Fernseher oder auf der Leinwand noch gut aus.
Einen ähnlichen Wandel stieß die DVD im Audiobereich an: Begnügte man sich zuvor mit höchstens Dolby-Surround-kodiertem Stereoton oder (bei Zweikanalton-Sendungen) mit zwei Monokanälen (Original- und deutsche Synchronfassung), gerät heute jede Scheibe mit einem Film ohne 5.1-Tonspur in die Kritik - immerhin hat der echte Videofan sein Wohnzimmer mittlerweile in ein Heimkino verwandelt. Für den vollendeten Bedienkomfort sorgen Menüs und Kapitelmarken, die ein bequemes Navigieren durch den Film ermöglichen; zur Selbstverständlichkeit geworden sind zudem Untertitel-Spuren.
Das in Europa beim Digitalfernsehen verwendete „Digital Video Broadcasting“ (DVB) bietet praktisch alle von der DVD bekannten Audio- und Video-Optionen. Als vorrangiger Audio-Standard ist zwar das nur für Zweikanalton ausgelegte MPEG Audio (MPEG-1 Layer 2, kurz MP2) spezifiziert, immer mehr Sender strahlen aber eine weitere Tonspur in Dolby Digital mit aus. Auch wenn das gewöhnliche Programm in der Regel nur zweikanaligen Dolby-Digital-Ton erhält, werden Filme recht häufig mit 5.1-Ton hinterlegt. Alternativ kann ein Sender auch weitere MPEG-Audio-Spuren mit alternativen Sprachfassungen oder Erklärungen für Sehgeschädigte (Audio-Deskription) ausstrahlen.
Manchmal ist Mehrkanal-Ton aber auch zweitrangig: Der frei verbreitete Sender TV5 Monde bietet zwar lediglich eine französische MPEG-Audiospur, empfiehlt sich aber dank französischer und deutscher Untertitel für Sprachschüler.
Anders als bei der DVD übertragen die meisten Sender die Untertitel übrigens nicht als Bitmap-Strom (obwohl dies auch im DVB-Standard vorgesehen ist), sondern - wie beim analogen Fernsehen - im Videotext mit. Der zum Empfang des Digital-TV notwendige Empfänger (DVB-Receiver) muss daher einen Videotext-Decoder integriert haben oder die Signale so an den Fernseher weitergeben, dass dieser die Untertitel über seinen eigenen Decoder einblendet („Teletext Reinsertion“). Weil kein einzelner Bitmap-Strom übertragen wird, ist die Speicherung zudem etwas kniffliger.
Drum prĂĽfe, wer sich ewig bindet ...
Auf Seite 138 sind einige Sender aufgelistet, die für den DVD-Fan interessant sind - weil sie volle PAL-Auflösungen und Mehrkanalton bieten, Original-Sprachfassungen ausstrahlen oder als in Deutschland empfangbare Auslandssender mit originalsprachigen oder deutschen Untertiteln ausgestattet sind. Über kommende Sendungen mit AC3-Ton im deutschen Free-TV kann man sich beispielsweise über die Website von Eduard Hof (www.edi-hof.de) unter der Rubrik „Dolby Digital“ informieren. Eine Übersicht über Filme mit Untertiteln erhält man im Internet unter anderem über die Seite www.tvtv.de (unter „Profisuche“).
Wie in [1] dargestellt, stehen beim digitalen Antennenfernsehen als „unsicherem Übertragungsweg“ aufgrund der nötigen Fehlerkorrektur im Vergleich zum digitalen Satelliten- und Kabelfernsehen für jeden Sender niedrigere Bitraten zu Verfügung, woraus eine allgemein schlechtere Bildqualität aufgrund von sichtbaren Blockartefakten resultiert. Im Umkehrschluss bedeutet dies aber nicht, dass alle Sender bei DVB-C und DVB-S Gas geben: Spartenkanäle wie MGM muten dem Zuschauer auch auf diesen Wegen regelmäßig zu, Spielfilme im Letterbox-Format mit einer SVCD-Auflösung von 480 x 576 Bildpunkten bei einer mittleren Datenrate um 2 MBit/s zu schauen.
Im krassen Gegensatz dazu steht das ZDF, das mit voller PAL-Auflösung und im anamorphen 16:9-Format sendet und zur Fussball-WM eine Qualitätsoffensive mit Datenraten von bis zu 8 MBit/s starten will. Welche Auflösung man bei welchem Sender erwarten darf, steht in der nebenstehenden Tabelle.
Premiere bietet mit seinen sieben Hauptkanälen ein gutes Beispiel für die große Spannweite bei der Qualität von Digital-TV: Während der Pay-TV-Sender auf Premiere 1 und 2 den Filmen noch bis zu drei Tonspuren spendiert, fällt bei Premiere 3 bis 5 der deutsche Dolby-Digital-Ton, bei Premiere 6 und 7 auch der Originalton in MPEG-Audio weg. Nur auf den ersten vier Kanälen erhält man zudem die volle PAL-Auflösung, während die übrigen nur SVCD-Auflösung liefern. Anamorphe 16:9-Bilder sieht man nur auf Premiere 1, 2 und 4. Und schließlich fällt mit steigender Kanalnummer auch die Bitrate: Erreichen die vorderen Kanäle noch Spitzenwerte über 7 MBit/s, ist ab Kanal 6 bei spätestens rund 5 MBit/s Schluss.
Konservierungsmittel
Nach den oben angesprochenen Ähnlichkeiten zwischen DVD und DVB müsste man eigentlich ohne Probleme einen DVB-Receiver bekommen, der auf Knopfdruck eine Video-DVD der Lieblingssendung anfertigt - schließlich scheinen die Digital-TV-Daten geradezu mundgerecht serviert zu werden. Doch praktisch kein Gerät unterstützt die Konservierung auf Video-DVD auch nur in Ansätzen - und erst recht nicht, wenn es um Finessen geht.
Zum Teil liegt dies daran, dass der DVD-Standard wesentlich enger gefasst ist als der DVB-Standard. So kennt man beim Digitalfernsehen beispielsweise Horizontalauflösungen von 480, 528 und 544 Pixeln, die im DVD-Standard nicht vorgesehen sind. Auch die Länge der „Group of Pictures“ (GoP) ist beim Digitalfernsehen nicht wie bei DVD auf 15 Frames beschränkt.
Weiterhin liegt die maximale Datenrate beim Digitalfernsehen mit 15 MBit/s wesentlich höher als bei der DVD, die gerade einmal bis 9,8 MBit/s netto zulässt. Dies müsste aber eigentlich ohne Belang sein, da die TV-Sender niemals in solche Sphären vorstoßen. Tatsächlich können aber Schwierigkeiten auftreten, wenn sich ein Programm zum Erstellen von DVDs (Authoring) von im Digital-TV-Strom vermerkten theoretischen Maximalwert verwirren lässt. Lediglich bei den Audioformaten treten keine Probleme auf: Dass DVB keinen DTS-Ton kennt, ist zwar bedauerlich, mit MP2 und AC3 stehen aber kompatible Codecs zur Verfügung.
Holzweg
Mit einem DVD-Recorder lassen sich zwar auf Knopfdruck echte Video-DVDs erstellen, im Zusammenspiel mit einem DVB-Receiver sind aber perfekte TV-Mitschnitte nicht möglich. Ein DVD-Recorder ist nur auf den Analog-TV-Betrieb vorbereitet, nimmt die Fernsehdaten vom DVB-Receiver also nicht digital entgegen, sondern erst, nachdem dieser sie in analoge Video- und Audiosignale umgewandelt hat. Digitaler Mehrkanalton, alternative Sprachspuren und Untertitel bleiben dabei auf der Strecke.
Wie absurd dieser Weg ist, zeigt sich aber vor allem daran, dass der DVD-Recorder die analog eingespeisten Signale seinerseits wieder in Digitaldaten wandelt - womit ein via DVB mit 4 MBit/s gesendetes Video letztlich bei höchster Qualitätsstufe mit 8 MBit/s und mehr auf DVD gebrannt wird, um die beim Hin- und Herwandeln auftretenden Bildartefakte möglichst gering zu halten. Dennoch verliert man durch die doppelte Wandlung Qualität und verschenkt auch noch Speicherplatz.
Die einzige sinnvolle Lösung für direkte DVB-Aufnahmen ist somit der DVB-Festplattenrecorder, den es aber eben nicht mit integriertem DVD-Brenner gibt. Völlige Augenwischerei sind hingegen die derzeit angebotenen DVD-Recorder mit integrierten DVB-T-Tunern: Dank des eingebauten Tuners empfangen sie digitales Antennenfernsehen zwar direkt, vor der Speicherung auf Festplatte oder DVD steht aber auch hier eine DA-AD-Wandlung an. Für diese Modelle spricht somit einzig, dass bei ihnen die ansonsten nötige parallele Timerprogrammierung von DVD-Recorder und DVB-Receiver entfällt.
Einige Anwender haben ihren Rechner daher mit DVB-Empfänger zum Digital-TV-Aufnahmegerät hochgerüstet oder streamen die mit einer gemoddeteten dBox2 empfangene TV-Programme via Ethernet zum PC, um sie dort mittels Software wie „Jack The Grabber“ mitzuschneiden. Doch nicht jeder Videofan möchte einen Media-Center-PC betreiben, sondern wünscht sich eine von allen Familienmitgliedern problemlos bedienbare Wohnzimmerlösung, auf die er nur im Bedarfsfall vom PC aus zugreift - sprich, wenn eine Sendung die Konservierung wirklich lohnt.
Königsweg
Die folgenden Artikel zeigen, wie man mit der Kombination aus DVB-Festplatten-Receiver und PC aus digitalen Fernsehmitschnitten ganz legal eigene DVDs erstellt, die die volle Bild- und Tonqualität des gesendeten TV-Signals besitzen. Eventuell mitgesendete alternative Tonspuren und/oder Untertitel sollen dabei erhalten bleiben.
Im Artikel „Filmzuspieler“ ab Seite 140 werfen wir zunächst einen Blick auf DVB-Festplatten-Receiver, die die aufgezeichneten Fernsehdaten an den Rechner herausrücken. Dies ist längst nicht bei allen Geräten der Fall: Viele Hersteller schotten ihre Modelle konsequent gegen Zugriff von außen ab. Dies gilt vor allem für Premiere-zertifizierte Receiver, bei denen auf Druck des Pay-TV-Senders jede Weiterverarbeitung der Fernsehdaten verhindert wird.
Nicht hereinfallen sollte man auf einen seriellen RS-232-Anschluss, der an den meisten Receivern zu finden ist. Zum einen wäre aufgrund seiner geringen maximalen Datenrate von 115 200 Bits/s der 2-GByte-Transfer eines Spielfilms eine Qual, zum anderen sind die meisten RS-232-Anschlüsse reine Service-Ports für Firmware-Updates. Doch auch bei vermeintlich „freien“ Modellen mit USB-Anschluss kann man nicht automatisch davon ausgehen, dass sie die Videoaufnahmen weiterreichen. Als Beispiel seien hier die TechniSat-Receiver der „Digicorder“-Reihe genannt, die ab Werk zunächst nur MP3s über USB entgegennahmen, um als einfache Musikbox fungieren zu können. Die Hoffnung auf ein Firmware-Update, das den Port ganz freigibt, erfüllte sich bislang nur beim Modell S2.
Wegen der bei DVB-C bereits eingeführten und nun auch bei DVB-S zu erwartenden Grundverschlüsselung dürften sich nicht nur Premiere-Abonnenten fragen, ob sie mit einem nicht-zertifizierten Gerät überhaupt verschlüsselte TV-Programme aufzeichnen und danach am PC weiterverarbeiten können. Tatsächlich aber verfügen auch Receiver mit PC-Anschluss in der Sat- und Kabelversion in der Regel über mindestens ein Common Interface (CI), das ein Common Access Modul (CAM) samt Zugangskarte (Smartcard) aufnehmen kann. Der Weg zur Freischaltkarte erfordert allerdings einige Umwege [2].
Für den Empfang der Kanäle des Pay-TV-Senders Premiere reicht gewöhnlich ein so genanntes „Alphacrypt Light“-CAM. Fast alle Testkandidaten können verschlüsselte Sendungen bei gesteckter Zugangskarte unverschlüsselt auf ihrer Festplatte ablegen; einige bieten sogar die Option, verschlüsselte Sendungen ohne Smartcard aufzunehmen und später zu entschlüsseln. Problematisch ist die timergesteuerte Aufnahme von im so genannten Multifeed-Verfahren ausgestrahlten Unterkanälen, die mittels Options-Taste auf sder Fernbedienung über ein Hauptprogramm ausgewählt werden. Hierzu zählen Near-Video-on-Demand-Kanäle von Premiere Direkt sowie die Sender des Premiere Sportportals. Da die Receiver den jeweiligen Unterkanal vor Aufnahmebeginn nicht anwählen können, muss man die Sub-Kanälen manuell auf eigene Kanalplätze legen.
Liegt die Aufnahme schließlich auf dem PC, geht es im dritten Artikel „Filmothek Marke Eigenbau“ ab Seite 152 darum, wie man die Daten zu einer DVD stricken kann. Etwas Nachbearbeitung ist dabei leider notwendig, da auch der Weg über den PC nichts an den Inkompatibilitäten zwischen DVB und DVD ändert. Wir zeigen aber, wie man mit kostenloser und kostenpflichtiger Software die Daten so hinbiegt, dass am Ende das bestmögliche Ergebnis steht.
Literatur
[1] Peter Röbke-Doerr, Dr. Volker Zota, Nachgehak-T - Was DVB-T heute leistet, c't 22/04, S. 180
[2] Sven Hansen, Grund(los) verschlüsselt - Ärger um das digitale Kabel-TV, c't 06/06, S. 20
| "Digital-TV perfekt auf DVD" | |
| Weitere Artikel zum Thema "Digital-TV perfekt auf DVD" finden Sie in der c't 8/2006: | |
| Film-Archiv ohne Abstriche | S. 136 |
| DVB-Festplatten-Receiver mit PC-Anbindung | S. 140 |
| Digital-TV auf DVD speichern | S. 152 |
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