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- Frank Boguschewski
Sachspenden-Versteigerung
http://sozial-ag.de/info_ebay.php
Sachspenden sind bei Hilfsorganisationen meist nicht willkommen. Sie benötigen Bargeld, um gezielt und wirkungsvoll helfen zu können. In diese Lücke springt der Bielefelder Verein Sozial AG. Über das Projekt SocialBay macht er Sachspenden über eBay zu Bargeld. Der erzielte Kaufpreis fließt abzüglich der Versteigerungsgebühr und Portokosten sozialen Einrichtungen und Vereinen zu. Der Spender kann selbst festlegen, welcher Hilfsorganisation er den Erlös zukommen lassen will. Neben regionalen Vereinen aus ganz Deutschland finden sich in der Auswahlliste auch bundesweit tätige wie „Ärzte ohne Grenzen“ oder der NABU. Der Spender kann aber auch einen nicht genannten gemeinnützigen Empfänger angeben.
Für den Spender selbst ist der Aufwand gering; die Initiatoren fotografieren die Gegenstände, stellen sie bei eBay ein, wickeln den Verkauf ab und erstellen auf Wunsch eine Spendenbescheinigung. Über ein Formular auf der Seite lassen sich kostenlose Paketmarken bestellen. Der Versand erfolgt per Post, wobei die Pakete maximal 31 Kilo wiegen dürfen. Über 650 positive Bewertungen belegen den Erfolg des Bielefelder Erlösmodells. Das Projekt wird unterstützt von der Bundesagentur für Arbeit, die derzeit sechs AB-Maßnahmen für Schwerbehinderte dafür zur Verfügung stellt. (Frank Boguschewski/uma)
DJ Partykeller
www.webjay.org
www.smoothouse.org/smoothouse/webjay.asp
Welcher Hobby-Plattendreher träumt nicht davon, seine Mash-Ups über den ganzen Globus zu verteilen? Wem bislang der Aufwand für ein eigenes Internetradio zu groß war, bekommt die Infrastruktur vom englischsprachigen Webjay gratis gestellt. Nach der Registrierung können Nachwuchskünstler ihre eigenen Playlisten zusammenstellen, wobei (im Internet bereits vorhandene) WMA-, RAM- oder MP3-Dateien als Ausgangsbasis dienen.
Allerdings fordern die Initiatoren des Projekts ausdrücklich dazu auf, nur Werke einzubinden, die nicht die Urheberrechte Dritter verletzen. Wer dies dennoch tut, muss damit rechnen, dass andere Nutzer den „Beschwerde“-Button nutzen und die Playlist bald von der Site verschwindet. Zusätzlich hilft der Webjay Wizard bei der Integration des Webjays in Blog, Podcast oder Site. Erfahrene Nutzer greifen stattdessen auf die Webjay-eigene API zurück. Die Ausgabe der Musik erfolgt wahlweise in gängigen Streaming-Formaten von Apples Quicktime bis zum RealPlayer. (Frank Boguschewski/uma)
Adress-Enigma
http://w2.syronex.com/jmr/safemailto/de/
Auf Homepages hinterlassene Mailto-Links ziehen Spammer geradezu magisch an. Der SafeMailTo-Kodierer verschlüsselt den Link auf die hinterlegte E-Mail-Adresse mit Hilfe von Java-Script, sodass er für Webcrawler unsichtbar bleibt. Als optionale Sicherheitsmaßnahme müssen Webseitenbesucher zuerst ein Captcha enträtseln, bevor sie weitergeleitet werden. Praktischerweise gibt der Dienst den Sourcecode nebst statischer Captcha-Grafik direkt aus, so dass er nur in die Seite implementiert werden muss. (Frank Boguschewski/hob)
Spielerische Forschung
Mit der Erkennung von Fotografien haben Computer so ihre Schwierigkeiten. Um geeignete Algorithmen für die Mustererkennung zu entwickeln, setzt die amerikanische Carnegie Mellon Universität das Spiel Peekaboom ein, das dabei helfen soll, Algorithmen zur Mustererkennung in Bildern zu entwickeln oder zu verbessern.
Bei dem Bilderrätsel, das eine Java-Laufzeitumgebung voraussetzt, gilt es, aussagekräftige Bildausschnitte auszuwählen, aus denen ein anonymer Mitspieler das Ganze errät. Der Erfolg stellt sich durch gute Teamarbeit zwischen den beiden Mitspielern ein, die nur per Bildausschnitt und vorgegebene Beschreibungen wie „Verb“, „Nomen“ oder „Text“ miteinander kommunizieren können. Als Belohnung stehen die eifrigsten und erfolgreichsten Ratefüchse in der täglichen Highscore-Liste. Auch die Uni gewinnt dabei: Sie beobachtet die Spieler und sammelt Informationen über Möglichkeiten, Muster in Bildausschnitten zu erkennen. (Frank Boguschewski/uma)
Männer in Blau
Was ist an einem Bauforum schon cool? Die Wenigsten werden sich für die Ästhetik von Baumaschinen interessieren oder dafür, wie gut es sich mit Biodiesel baggert. Doch im Bauforum24.biz verbirgt sich eine Perle in Form eines Filmarchivs vom Bau bekannter wie unbekannter Bauwerke. Die Macher des Forums sind an die großen Bauunternehmen herangetreten, die über ein eigenes Firmenarchiv verfügen, und digitalisieren nach und nach die dort zum Teil schon sehr lange vor sich hin staubenden Filmrollen.
Die Filme aus Gegenwart und vor allem Vergangenheit könnten durchaus den Historiker, den Bauingenieur sowie den Passanten, der in der Nähe eines solchen Bauwerks wohnt, interessieren: Etwa der Bau des Rathauses in Essen 1975, die erste Trasse der Kölner U-Bahn in den Jahren 1963 bis 1964 oder die Brücke über den Kleinen Belt 1928. Laut Anbieter soll das Archiv kontinuierlich weiter wachsen. (bb)
Nachsendeantrag
FutureMe liefert persönliche Grüße via E-Mail mit bis zu dreißig Jahren Verzögerung aus. Damit möchte das englischsprachige Projekt seine Nutzer anregen, über die eigene Zukunft nachzudenken. Man kann sich, ein schwaches Gedächtnis vorausgesetzt, selbst überraschen oder sich ganz praktisch an weit in der Zukunft liegende Termine erinnern lassen. Die Initiatoren versprechen, die Adressen nicht weiterzugeben. Die Absenderadresse soll auf Jahre hin feststehen, sodass man diese in eine Whitelist aufnehmen kann, um sicherzustellen, dass die E-Mail aus der Vergangenheit nicht als Spam klassifiziert wird. Bislang warten immerhin schon über 250 000 Nachrichten auf ihre zukünftige Auslieferung. (Frank Boguschewski/uma)
Die Websites aus c't 09/2006