Mehr Bandbreite
Gerade einmal 3,5 Jahre ist das „High-Definition Multimedia Interface“ (HDMI) alt, doch mit HDMI 1.3 liegt nun schon die vierte Revision der digitalen Audio-Video-Schnittstelle vor.
Die digitale Audio-Video-Schnittstelle HDMI findet man in den meisten aktuellen Flachbildfernsehern, die kommende Generation der HD-Disc-Player kommt ohne sie nicht aus, demnächst sollen auch Mobilgeräte mit ihr ausgestattet werden. Jetzt steht ein HDMI-Update auf die Version 1.3 an. Dieses zeichnet sich insbesondere durch eine enorm gesteigerte Bandbreite aus: Erreichte die auf der TMDS-Technik (Transition Minimized Differential Signaling) basierende Schnittstelle über eine Single-Link-Verbindung bislang maximal eine Taktfrequenz von 165 MHz (entspricht einer Datenrate von 4,95 GBit/s), ist nun erst bei 340 MHz (10,2 GBit/s) Schluss. Allerdings braucht es dafür bei längeren Übertragungsstrecken spezielle Kabel und einen Kabelequalizer auf der Empfangsseite.
Die Vollbild-Auflösungen von 1920 x 1080 Bildpunkten (1080p) beherrschte bereits HDMI 1.0, Version 1.3 schafft bis zu WQXGA mit 2560 x 1600 Pixel. Im Heimkinobereich wären damit 16:9-Vollbilder mit 2560 x 1440 Bildpunkten (1440p) möglich. WQXGA zeigen beispielsweise die 30-Zoll-LCDs von Apple und Dell, nutzen als Verbindung aber einen DVI-Anschluss (Digital Visual Interface) mit zwei TMDS-Kanälen. Die HDMI-Entwickler erwarten, dass WQXGA-Displays künftig statt mit Dual-Link-DVI mit Single-Link-HDMI versehen werden.
Die größere Bandbreite erlaubt zudem eine Steigerung der Bildwiederholrate bei HD-Auflösungen auf bis zu 120 Hertz. Dies soll fließende Bewegungen auf den angeschlossenen Displays ermöglichen. Hier nimmt man auch die nächste Spielkonsolen-Generation ins Visier: Die teure Variante der PlayStation 3, die Mitte November erscheint, soll über einen HDMI-1.3-Port verfügen.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt bei der Farbübertragung: So steigt die mögliche Farbtiefe dank der höheren Datenrate von 24 auf 30, 36 und 48 Bit (RGB oder YUV) - womit man sichtbare Farbabstufungen vermeiden will. Der nun unterstützte Farbraum „xvYCC“ für Videoanwendungen umfasst laut Entwickler die 1,8-fache Anzahl von Farben aktueller HDTV-Übertragungen.
Ohren auf!
Am sehnlichsten erwartet wird HDMI 1.3 wohl von den Surround-Sound-Spezialisten Dolby und DTS. Deren so genannte Next-Generation-Audioformate Dolby Digital Plus, DTS-HD und TrueHD für Blu-ray Disc und HD DVD lassen sich nämlich erst mit Version 1.3 als Bitstreams übertragen. Bislang bleibt nur, in die HD-Disc-Player Decoder einzubauen, solche auf den Scheiben gespeicherte Audiodaten in mehrkanalige PCM-Datenströme umzuwandeln und diese über die HDMI-Leitung an den Audio/Video-Receiver zu schicken.
Die neu integrierte Funktion „Lip Sync“ soll Asynchronitäten zwischen Bild und Ton beheben, die durch aufwendige Videobearbeitungsstufen etwa im Display auftreten können. Hierfür soll die Quelle (zum Beispiel der Player) via HDMI-Rückkanal vom Ausgabegerät (Display) erfahren, mit welcher Verzögerung der Ton weitergegeben werden muss, damit er synchron zum Bild läuft.
Problembewältigung
Wer gehofft hatte, dass HDMI 1.3 die Authentifizierungsprobleme angeht, die im Zusammenhang mit dem Aktivieren des Kopierschutzes HDCP im laufenden Betrieb auftreten (beispielsweise zwischen Premiere-HD-Receivern und einigen Displays), wird enttäuscht. Auf Nachfrage erklärte HDMI-Präsident Leslie Chard, dass die HDMI-Spezifikation HDCP nicht zwingend vorschreibe. Man erwarte, dass der Kopierschutz korrekt implementiert werde, wenn sich der Gerätehersteller für ihn entscheide. Dass dies in der Realität nicht immer funktioniere, sei bedauerlich - aber ein Problem der Ansteuerung, das durch Software-Updates zu bewältigen sei. Man arbeite jedoch daran, HDMI und HDCP künftig gemeinsam zu prüfen. Beide Spezifikationen werden bislang von unterschiedlichen Gruppen getrennt überwacht.
Mini-Me
Brett Gaines, Geschäftsführer des HDMI-Vorreiters Silicon Image, glaubt, dass die kommende Display-Generation mindestens drei HDMI-Eingänge integrieren wird, einer davon an der Front. Angeschlossen sollen über letzteren vor allem tragbare Zuspieler wie Camcorder und Digitalkameras mit HDMI-Ausgang. Entsprechend ausgestattete Geräte sind bereits von Sony und Samsung verfügbar, weitere Hersteller will man mit einem Mini-HDMI-Anschluss locken, der in der Version 1.3 spezifiziert ist.
Im Gespräch mit c't äußerte Leslie Chard in diesem Zusammenhang die Hoffnung, dass die Unterhaltungselektronik-Industrie bei der Ausgabe von selbst produzierten Videos und Digitalfotos über den neuen Mini-Stecker auf den Kopierschutz HDCP verzichtet - auch wenn bislang noch kein Gerät mit HDMI-Port ohne HDCP erschienen sei.
Zu Computern und DVD-Videorecordern wird man freilich selbst dann noch eine weitere Verbindung (beispielsweise über USB oder FireWire) aufbauen müssen, da auch weiterhin keine Aufnahmegeräte mit HDMI-Eingang geplant sind. Ein Ersatz der bewährten Video-Cinch-Buchse ist also nicht in Sicht.
Ausblick
HDMI 1.3 bringt interessante Audio- und Videoerweiterungen, die aber nur genutzt werden können, wenn sowohl HDMI-Zuspieler als auch -Empfänger den neuen Standard beherrschen. Bei einem Mischbetrieb einigen sich alle auf den kleinsten gemeinsamen Nenner - ein Fakt, den gerade Early Adopters bei der Aufrüstung der A/V-Anlage beachten sollten.
Enttäuschend ist, dass HDMI 1.3 keinen Schutz vor HDCP-Problemen bieten kann. So wird es wohl auch in Zukunft misslungene Kopierschutz-Implementierungen geben, bei denen sich die Gerätehersteller gegenseitig den Schwarzen Peter zuschieben.
Vielleicht kommt ja noch eine Version 1.3a - in Anlehnung an die im vergangenen Dezember verabschiedete Fassung 1.2a. Die fügte die Funktion „Consumer Electronic Control“ (CEC) zur Weitergabe von Steuerbefehlen über die HDMI-Leitung hinzu (Stichwort „Steuerung über eine einzige Fernbedienung“). Genauere Vorgaben und strengere Prüfungen sollten zudem dafür sorgen, dass beispielsweise die Vorschriften über die Abmessungen der HDMI-Stecker an Kabeln penibel eingehalten werden. Hier ist laut Chard bereits Besserung eingetreten. (nij) (nij)