Anpfiff

Bereits am 11. August startet die neue Bundesliga-Saison, doch wissen viele Fußball-Fans noch nicht, wie sie künftig die Live-Übertragungen der Spiele am Fernsehschirm verfolgen können. Mit einer Vielzahl von Vertrags- und Empfangskonditionen ist ein wahrer Bundesliga-TV-Dschungel entstanden.

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Inhaltsverzeichnis

Die Fußballwelt war in den vergangenen Jahren recht einfach: Zusammenfassungen der Begegnungen des Tages sah man am Samstagabend in der ARD Sportschau, wer die Spiele live im TV verfolgen wollte, musste ein Abo beim Pay-TV-Sender Premiere abschließen und bekam die Spiele fortan digital über Satellit oder Kabel geliefert. Ab dieser Saison bleibt Premiere als Pay-TV-Anbieter auf diesen Empfangswegen völlig außen vor, denn neuer Rechteinhaber ist die Unity-Media-Tochter Arena. Die erklärte Ende März mit viel Tamtam, alle 612 Spiele der ersten und zweiten Liga für monatlich 14,90 Euro (bei 12 oder 24 Monaten Laufzeit) zeigen zu wollen. Das klingt zunächst simpel, bei genauerer Betrachtung stößt man jedoch auf etliche Tarifvarianten.

Zusätzlich kommt ab dieser Saison ein dritter Übertragungsweg ins Spiel: Da die Telekom die Internet-Rechte für die kommenden drei Spielzeiten erworben hat, kann sich der Fußball-Fan die Live-Übertragungen ab dieser Saison auch via Breitbandverbindung ins Heim holen. Über eine Set-Top-Box schaut man auch hier alle Spiele bequem über den Fernseher an. Da der alte Rechteinhaber als Programmmacher mit im Boot sitzt, läuft das Angebot unter der Bezeichnung „Bundesliga auf Premiere powered by T-Com“, mit eigenen Konditionen und Besonderheiten.

Im gesamten Preisgefüge bleibt kein Stein auf dem anderen: Arena stellt etwa Sat-TV-Guckern zusätzlich zu den 14,90 Euro eine „Satellitenbereitstellungsgebühr“ in Höhe von fünf Euro in Rechnung. Hinzu kommt eine einmalige „Aktivierungsgebühr“ von rund 30 Euro. Nur beim Media Markt bekommt man Prepaid-Pakete für die Hin- sowie für die Hin- und Rückrunde für 99 respektive 199 Euro, jeweils zuzüglich 19,90 Euro einmalige Aktivierungsgebühr.

Wer bislang als Premiere-Kunden über Satellit Fußball geschaut hat, kann in der Regel nicht einfach die Smartcard austauschen: Zwar überträgt Arena wie Premiere sein Programm über Astra 19,2 Grad Ost, allerdings sind die TV-Daten nun mit CryptoWorks statt Nagravision verschlüsselt. Da damit die Mehrzahl der Premiere-zertifizierten Satelliten-Receiver nicht zurechtkommt, steht oftmals die Neuanschaffung eines Arena-tauglichen Sat-Receiver an. Und auch für bundesligabegeisterte Pay-TV-Neulinge gilt es , die richtige Set-Top-Box zu erwischen.

Wer möchte, kann beim Sender einen Arena-geeigneten Sat-Receiver gleich kostenlos mitbestellen - muss dafür aber für 24 Monate Arena zusammen mit dem Pay-TV-Paket „tividi Komplett“ der Arena-Muttergesellschaft Unity Media zum Preis von monatlich 19,90 Euro abonnieren. Wer das Gerät ohne „tividi Komplett“-Abo möchte, zahlt bei einem Arena-Vertrag über 12 oder 24 Monate dafür ansonsten einmalig 99 beziehungsweise 79 Euro. Saturn bietet bei Abschluss eines 24-Monats-Abos das Modell Humax CR-FOX+ für 49 Euro an, das beim Online-Händler Amazon gewöhnlich 95 Euro kostet.

Im Einzelhandel ist die Auswahl an Sat-Receivern mit integriertem CryptoWorks bislang recht beschränkt. Glücklich kann sich schätzen, wer bereits einen DVB-S-Receiver mit eingebautem Common Interface (CI) besitzt, in den sich ein CryptoWorks-taugliches Conditional Access Module (CAM) inklusive Arena-Smartcard stecken lässt. Auch beim Neukauf ist diese Variante zu empfehlen - schließlich kann sich die Rechtelage in drei Jahren wieder ändern. Dank CI-Slot lässt sich dann das Verschlüsselungssystem mit einem neuen CAM wieder wechseln. Arena selbst bietet in den oben genannten Programmpaketen zum Aufpreis von 20 Euro auch ein Sat-Receiver-Modell an, das neben einem Kartenleser für die Smartcard des Senders einen freien CI-Slot bietet.

Mit Modulen, die mehrere Verfahren beherrschen, kann man zudem über eine Set-Top-Box sowohl Arena als auch Premiere schauen. Den Parallelbetrieb ermöglichen auch Receiver mit 2 CI-Slots, in die man für jeden Sender das passende Modul mit Smartcard schiebt.

Als CAMs stehen die TechniSat-Modelle TechniCAM CW, TechniCrypt CW und MultiCrypt 1 sowie die Mascom-CAMs AlphaCrypt Classic, Alphacrypt TC, Cryptoworks und easy.TV zur Auswahl. Beachten sollte man, dass die Mascom-Module erst mit der Firmware 3.09 (siehe Soft-Link) fit für Arena sind. Das Alphacrypt-Light-CAM lernt mit einem Upgrade für rund 39 Euro zuzüglich 5,25 Euro Versandkosten auch Cryptoworks (siehe hierzu www.alphacrypt.de).

Nach der Pay-TV-FAQ [1] regten mehrere Leser an, an der dbox 2 den ab Werk nicht verwendeten zweiten Kartenschacht für CryptoWorks zu nutzen. Die dafür notwendigen „MultiCAM“-Bausätze für rund 30 Euro lassen sich von findigen Bastlern problemlos einbauen. Voraussetzung für die Nutzung ist jedoch Linux als Betriebssystem. Die Installation wurde in [2] beschrieben; zu beachten ist, dass hierbei alle Gewährleistungsrechte verloren gehen.

Satelliten-TV-Kunden, die ihren Premiere-Vertrag nach der Neuvergabe der Fußballrechte vorzeitig kündigen möchten, müssen dem Pay-TV-Sender nach eigenen Angaben im Zweifelsfall nachweisen, dass sie das Abo tatsächlich wegen der Live-Übertragungen geschlossen hatten. Dies ist vor allem bei Abos, die auch Film-Pakete umfassen, ein schwieriges Unterfangen - zumal Premiere gerade erst Preise und Programmstruktur an die neuen Verhältnisse angepasst hat.

Kabel-TV-Kunden können in der Regel ein bisher genutztes Receiver-Modell weiter verwenden. Möglich machen dies Verträge zwischen Arena und den jeweiligen Kabelgesellschaften, die das Arena-Programm mit dem gleichen Verschlüsselungalgorithmus wie ihre übrigen DVB-C-Pakete in ihr Netz einspeisen und auf ihren Smartcards freischalten.

Ein Sonderfall liegt für Kunden vor, die am Netz von Kabel Deutschland hängen - mit 9,6 Millionen angeschlossenen Haushalten in 13 Bundesländern führender Kabelnetzbetreiber in Deutschland: Hier sprang überraschend Premiere in die Bresche. Allerdings tritt der alte Rechteinhaber nur als Vermittler auf, weshalb KDG-Kunden dasselbe Arena-Programm sehen wie der Rest der Nation - auch, wenn sie mit dem Arena-Abo automatisch Premiere-Kunde werden. Wer „Premiere Fussball“ abonniert, bekommt auf diesem Kanal nicht die Bundesliga zu sehen, sondern die 125 Spiele der UEFA Champions League sowie Spiele aus anderen europäischen Ligen.

Da die Kabel-TV-Anbieter ish (Nordrhein-Westfalen) und iesy (Hessen) wie Arena Tochterunternehmen der Unity Media sind, ist das Arena-Angebot hier gleich mit anderen Paketen der Gruppe kombiniert: So enthält das Arena-Abo bei ish und iesy stets das Digital-TV- und -Radio-Angebot „tividi free“ sowie den Zugang zum Video-on-Demand-Portal „Arrivo“. Auch bei Premiere gibt es Paketangebote: Wer alle fünf neuen Premium-Abonnements („Blockbuster“, „Entertainment“, „Thema“, „Sport“ und „Fussball“) für monatlich 34,99 Euro abonniert, bekommt Arena zum Preis von 9,99 Euro. Sonst zahlt man auch hier 14,90 Euro.

Bei allen Preisen muss man natürlich beachten, dass durch den Kabelanschluss zusätzliche Kosten (wie Anschluss- und monatliche Kabelgebühr) entstehen. Premiere erhebt für Neukunden des Bundesliga-Programms von Arena zudem eine einmalige Freischaltungsgebühr von 29,90 Euro. Wer daneben das komplette Premiere-Paket neu hinzubucht, zahlt für die Aktivierung beider Pay-TV-Angebote statt 59,80 Euro „nur“ 49,90 Euro. In jedem Fall sollte man vor der Buchung im Abo-Vertrag nach versteckten Kosten suchen.

Kabel BW verlangt bislang für die Freischaltung 9,90 Euro, schloss kurz vor Redaktionsschluss aber eine Vertriebsvereinbarung mit Premiere, weshalb sich diese Gebühr in naher Zukunft ändern könnte.

Rund zwei Millionen Kabelhaushalte, die von regionalen Betreibern versorgt werden, erreicht Arena über den so genannten „KabelKiosk“. Das vom Satellitenbetreiber EutelSat gelieferte Signal speisen rund 100 unabhängige Kabelnetzbetreiber in Deutschland ein, darunter auch lokale Betreiber von Hausverteilanlagen. Wie die KabelKiosk-Pakete „visAvision“ oder „kabelVision“ wird Arena hier mit Conax verschlüsselt, weshalb diese Digital-TV-Abonnenten ihre Conax-fähige Settop-Box beziehungsweise Settop-Box mit CI für ein Conax-CA-Modul weiterhin nutzen können. Der Preis für Arena kann für die KabelKiosk-Kunden bis 19,90 Euro pro Monat betragen, da die konkrete Preisgestaltung dem jeweiligen Kabelnetzbetreiber vor Ort freisteht. Arena hofft, über den KabelKiosk auch alle Kunden der Kabelnetzbetreiber Primacom und EWT zu erreichen, mit dem der Sender bislang noch keine Kooperationsverträge geschlossen hat. Garantieren konnte dies Arena jedoch nicht, da hier die Verträge zwischen EutelSat und den Netzbetreibern den Ausschlag geben. Primacom und EWT selbst waren bis zum Redaktionsschluss nicht erreichbar respektive konnten keine konkreten Angaben machen.

Ganz neu ist der Empfang der Bundesliga-Übertragungen via DSL. Für nur 9,95 Euro monatlich will Premiere auch hier alle Spiele der 1. und 2. Liga live zeigen - auf bis zu 14 Kanälen parallel. Neben einem Kanal mit aktuellen Statistiken des Spieltages und den besten Szenen aus den laufenden Spielen soll das Spitzenspiel der Woche sogar in hochaufgelösten Fernsehbildern übertragen werden. HDTV ist bei Arena indes bislang noch Zukunftsmusik. Nutzen lässt sich das IPTV-Angebot allerdings nur über das neue VDSL-Hochgeschwindigkeitsnetz der Deutschen Telekom, das bis zum Saison-Start nur in den zwölf Städten Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Hannover, Köln, Leipzig, Nürnberg, München, Stuttgart, Offenbach und Fürth für rund drei Millionen Haushalte verfügbar sein wird. Und selbst, wenn die Telekom bis Anfang 2007 in diesen Gebieten die Zahl der angeschlossenen Haushalte auf rund sechs Millionen erhöht haben will, darf Arena hoffen, einige Fußball-Fans bis dahin vertraglich schon an sich gebunden zu haben.

Schließlich gibt es den VDSL-Zugang nicht kostenlos: Mit Grundgebühr, obligatorischem Telefonanschluss und T-Home-Paket als notwendige Basis kommt man auf rund 81 Euro im Monat. Auf eine Aktivierungsgebühr will die Telekom zunächst verzichten, die nötige VDSL-Hardware (inklusive Set-Top-Box) schlägt aber noch einmal mit 99,95 Euro zu Buche. Das VDSL-Angebot dürfte somit vornehmlich fußballafine Triple-Player interessieren. Immerhin sollen den ersten Kunden die Premiere-Abogebühren für die Bundesliga-Hinrunde erstattet werden. Details zu VDSL finden Sie im Artikel auf Seite 57.

Das Hickhack um die Ausstrahlung könnte Arena bereits geschadet haben: Laut Manager Magazins rechnete die Mutter Unity Media zuletzt nur noch mit 176 000 Arena-Kunden bis zum 31. Juli. Arena-Geschäftsführer Christoph Bellmer hatte gegenüber der Presse Mitte Juni noch von einer halben Million Kunden zum Start der Bundesliga-Saison am 11. August gesprochen. Um mehr Kunden für sich zu gewinnen, erlaubt Arena dem Free-TV-Sender Sat.1 am 12. August von 15 bis 17:30 Uhr die Bundesliga-Konferenzschaltung mit den Spielen des Tages zu übertragen. Den Fußball-Fans wird die kostenlose Live-Übertragung Recht sein, bei der sie sich mal nicht über Empfangsmodalitäten den Kopf zerbrechen müssen.

[1] Nico Jurran, FAQ Pay-TV, c't 14/06, S. 196

[2] Stefan Porteck, Gammanova, c't 18/03, S. 182

Soft-Link

Bundesliga-Pay-TV: Empfangswege und Kosten
Empfangsweg Satellit (Arena) Satellit (über Media Markt) Kabel Kabel Kabel Kabel IPTV
Netz Astra 19,2 Ost Astra 19,2 Ost ish/iesy Kabel Deutschland Kabel BW KabelKiosk VDSL (Telekom)
Empfangsgebiet bundesweit bundesweit NRW/Hessen 13 Bundesländer1 Baden-Würtemberg bundesweit zunächst 12 Städte2
Programmanbieter Arena Arena Arena Arena (über Premiere) Arena Arena Premiere
Website www.arena.tv www.mediamarkt.de www.arena.tv www.premiere.de www.kabelbw.de www.kabelkiosk.de www.premiere.de
Verschlüsselungssystem CryptoWorks CryptoWorks Nagravision Nagravision Nagravision Conax Microsoft DRM
Abo-Preis 12 Monate monatl. 14,90 € 14,90 € 14,90 €5 14,90 / 9,99 € (ohne / mit Premiere komplett) 14,90 € 14,90-19,90 € 9,95 €
Abo-Preis 24 Monate monatl. 14,90 € 14,90 € 14,90 € 14,90 / 9,99 € (ohne / mit Premiere komplett) 14,90 € 14,90-19,90 € 9,95 €
Grundgebühren monatlich 5 €3 5 € (nicht bei Prepaid)3 14,50 € (ish) / 14,77 € (iesy)4 16,90 €3 14,50 €3 je nach Netz 70,89 €6
Prepaid-Angebote - 99/199 € (6/12 Mon.) - - - - -
Aktivierungsgebühren 29,95 € 29,90 € (19,90 € bei Prep.) - 29,90 € 9,90 € noch unbekannt 99,95 € (Hardw.) 6
1Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Bremen, Berlin, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Bayern
2Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Hannover, Köln, Leipzig, Nürnberg, München, Stuttgart, Offenbach und Fürth; laut Telekom ist VDSL bis Ende 2007 in 50 deutschen Großstädten verfügbar
3so genannte Satellitenbereitstellungsgebühr
4Grundgebühr für einen Kabelanschluss ohne Sonderkonditionen
5inklusive Digital-TV-Paket „tividi Free“
6 siehe Text

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