Zeigen, wo es langgeht
Navi-Systeme auf PDA-Basis gibt es nun schon seit über drei Jahren und die Nachfrage nach den elektronischen Pfadfindern reißt nicht ab. Auf der IFA nutzen viele Hersteller die Möglichkeit, ihre wegweisende Ware einem breiten Publikum vorzustellen.
- Daniel LĂĽders
Nach den Zahlen des Analysten Canalys haben sich die Abverkäufe in Stückzahlen innerhalb eines Jahres nahezu verdoppelt. Im zweiten Quartal dieses Jahres konnten die Hersteller insgesamt nahezu 2,5 Millionen Navigationseinheiten absetzen. Vor allem die Produzenten höherwertiger Navi-Systeme wie TomTom, Garmin und Navman profitieren von diesem Boom. Einzig Mio Technology taucht als Billighersteller auf den vorderen Plätzen dieser Statistik auf, vor allem weil dieser auch viele Lizenzfertigungen für andere Anbieter vornimmt.
So viel Marktpotenzial ruft immer mehr Produzenten auf den Plan und der Markt wird zusehends enger. Gut für den Kunden: Die harte Konkurrenz lässt die Preise purzeln, sodass man heute schon ab 200 Euro Navigationsgeräte für den Grundbedarf bekommt und ab 500 Euro Geräte der Premiumklasse abstauben kann.
Der Trend geht auch weiterhin weg von Schnäppchen-Angeboten aus dem Supermarkt hin zur gestandenen Premium-Navi-Lösung mit umfangreichem Kartenmaterial, reichhaltiger Ausstattung und vielen Funktionen. Der Nutzer hat gemerkt, dass sich der Personal Navigation Assistant (PNA), einmal gekauft und installiert, meist nicht aufrüsten, erweitern oder auf eine neue Firmware bringen lässt, und geht deshalb keine Kompromisse mehr ein. Eine Navigationslösung muss sich durch gute Streckenführung, laute Ansagen und ein entspiegeltes Display auszeichnen. Des Weiteren möchten immer mehr Nutzer ihren Straßenführer auch zu Fuß oder auf dem Fahrrad mitnehmen, weshalb immer kleinere und leichtere All-in-one-Navis auf den Markt kommen.
Klein, aber oho
Acer zeigt mit dem e300 ein Gerät, das auf den ersten Blick wie ein PDA aussieht, sich nach dem Einschalten aber als waschechter GPS-Navigator präsentiert. Es ist so groß wie eine Zigarettenschachtel und zeigt seine Inhalte auf einem 2,8-Zoll-Display an und läuft unter Embedded Windows CE 5. Als Prozessor dient eine Samsung-S3C2442XL-ARM-CPU mit 300 MHz. Wegen der geringen Abmessungen und einem Gewicht von nur 130 Gramm soll das kleine Kästchen nicht nur im Auto, sondern auch als Reisebegleiter für Fußgänger und Fahrradfahrer dienen. Dank seines SiRFstarIII-Chips der zweiten Generation findet der kleine Wegweiser nicht nur schnell Satelliten, sondern geht auch genügsam mit Strom um. Eine GPS-Antenne ist bereits im Gerät eingebaut. Als Navigations-Software kommt Destinator DS zum Einsatz, das Kartenmaterial stammt von der Firma Navteq. Außer der Navigationsfunktion sind auch ein MP3-Player und eine Bildanzeige mit dabei. Bereits im September nach der IFA soll das Gerät im Handel verfügbar sein und inklusive europäischem Kartenmaterial knapp 300 Euro kosten.
Yakumo präsentiert auf der IFA gleich drei neue Navi-Einheiten. Alle drei haben bereits eine Deutschlandkarte von Teleatlas auf einer 256-MByte-SD-Karte vorinstalliert nebst über 370 000 Points of Interest, etwa Tankstellen, Parkplätze und Sehenswürdigkeiten. Der Yakumo EazyGo XS verzichtet auf Schnickschnack und wird von einem Centrality-Atlas-II-ARM-Prozessor mit 300 MHz angetrieben, der auf 64 MByte ROM und 64 MByte RAM zugreift. Als Betriebssystem kommt wie bei allen anderen Navi-Systemen von Yakumo die Version 4.2 von Embedded Windows CE zum Einsatz. Als Anzeige dient ein 3,5-Zoll-Touchscreen, der 320 x 240 Pixel bei 16 Bit Farbtiefe anzeigt. Der EazyGo XS arbeitet mit einem SiRFStar-II-GPS-Chip und dürfte für die Satellitensuche somit besonders beim ersten Mal mehrere Minuten benötigen.
Im Vergleich zum XS muss sich der Nutzer beim Modell XSL mit einem langsamen Samsung-Prozessor mit 266 MHz und halb so viel ROM zufriedengeben, aber dafür besitzt es Anschlüsse für Kopfhörer und GPS-Antenne.
Yakumos Premium-Gerät EazyGo Ultra kommt mit einem vergleichsweise großen Transflektiv-Breitdisplay von 4,3 Zoll daher, das Inhalte mit 24 Bit Farbtiefe anzeigt. Ein Samsung-Prozessor mit 300 MHz greift auf 64 MByte RAM zu. Im Unterschied zu seinen Brüdern besitzt er bereits einen SiRFStar-III-Chip, der GPS-Satelliten meistens sekundenschnell finden dürfte.
Alle Geräte sollen ab Oktober im Handel erhältlich sein. Die EazyGo-Geräte XS und XSC sollen je knapp 230 Euro kosten, während der EazyGo Ultra mit 333 Euro zu Buche schlagen soll.
TomTom zeigt auf der IFA eine neue Version seines TomTom One, das mit 9,6 cm x 8,2 cm x 2,5 cm Größe und 174 Gramm Gewicht kleiner und leichter als die Vorversion sein soll. Damit dürfte sich die Navi-Box auch gut für die Fußgänger-Navigation eignen, weil sie bequem in die Hemdtasche passt.
Des Weiteren lässt sich der Navigator um Stimmenprofile, beispielsweise vom britischen Komiker John Cleese oder von FranzBeckenbauer, erweitern. Staumeldungen und Wetterdaten sowie Standorte von Radarfallen holt sich der TomTom One per Bluetooth-Handy aus dem Internet. Mit Kartenmaterial für Deutschland, Österreich und der Schweiz kostet er 300 Euro. Mit Karten für ganz Westeuropa kosten er 100 Euro mehr.
Bei Klicktel kann man die aktualisierten Versionen der Klicktel-Navigatoren bewundern, die auĂźer einem Telefon- und Branchenbuch auch den Staumeldedienst TMCpro und einen Radarfallenwarndienst mitbringen.
Anders als der Staumeldedienst TMC, der seine Daten aus per Hand eingetragenen Staumeldungen verschiedener Radiosender bezieht, empfängt TMCpro die Daten tausender in Deutschlad aufgestellter Brückensensoren sowie Kameras an Verkehrsknotenpunkten, die automatisch das Verkehrsaufkommen messen.
Außerdem können die neuen Navigatoren mittels einer Text-to-Speech-Engine auch Straßennamen aufsagen. Der neue Navigator präsentiert seine Inhalte auf einem Bildschirm im 16:9-Format. Eine Infrarot-Fernbedienung sorgt für bequeme Steuerung vom Beifahrersitz aus.
Darüber hinaus will Klicktel den Messebesuchern einen ersten Einblick in die erweiterten Funktionen der neuen hauseigenen Navigationssoftware gewähren. Die nächste Generation soll über eine verbesserte grafische Darstellung verfügen und über eine Million Branchenbuch- sowie Points-of-Interest-Einträge mitbringen. So werden in der neuen Version des Klicktel-Navigators Geldautomaten und Bankfilialen aller führenden Geldinstitute in Deutschland, Markenlogos für Tankstellen wie auch Hotels und Restaurants der gehobenen Klasse in den Karten hervorgehoben dargestellt.
Navigon präsentiert neben den aktuellen Navigationsgeräten auch seine neue Software Mobile Navigator 6, die als Embedded-Version auch in diversen PNAs zum Einsatz kommt. Das Programm bietet unter anderem Neuerungen, wie Fahrspur- und Geschwindigkeitsassistenten und zeigt Sehenswürdigkeiten auch als 3D-Modell an. Des Weiteren bietet die angekündigte Version bereits über fünf Millionen Sonderziele an. Die Software soll nach der IFA verfügbar sein. Ein Preis für die Stand-alone-Version steht noch nicht fest.
Aufgewärmtes
Im Unterschied zu Acer, Yakumo und Klicktel zeigen die Firmen Falk, AV Map srl und Pioneer nur ihre aktuellen Produkte. Trotzdem lohnt sich auch hier ein kurzer Blick, um sich eine Ăśbersicht zu verschaffen.
Auch der Car-Audio-Hersteller Harman/Becker, der unter dem Label Harman firmiert, reiht sich mittlerweile in die Hersteller von Navigationssystemen ein. Auf der IFA präsentiert der Automotive-Hersteller sein Navigationssystem Becker Traffic Assist High Speed. Es enthält Kartenmaterial von 37 europäischen Ländern und außer der Navi-Software noch einen MP3-Player sowie einen Bildbetrachter. Ob es noch weitere Neuigkeiten auf der Funkausstellung zu bestaunen geben wird, verrät Becker momentan noch nicht.
Acer Computer GmbH Halle 28, Stand 121
AV Map srl Halle 8.1, Stand 119
Falk Marco Polo
Interactive GmbH Halle 8.1, Stand 114
Harman/Becker Halle 18, Stand 101
Klicktel AG Halle 8.1, Stand 111
Navigon AG Halle 8.1, Stand 112
Pioneer-Electronics
Deutschland GmbH Halle 17, Stand 101
TomTom International BV Halle 8.1, Stand 116
Yakumo GmbH Halle 1.2, Stand 201
(dal)