EndgĂĽltige Vorabversion

Microsoft hat den „Release Candidate 1“ von Windows Vista zum freien Download bereit gestellt und erstmals offiziell verraten, was Vista kosten wird.

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Es soll laut Microsoft die „endgültige Vorabversion“ sein: Seit Anfang September steht ein neuer Build (5600) von Windows Vista zum Download bereit, der erstmals nicht mehr die Bezeichnung „Beta“ trägt, sondern stattdessen „Release Candidate 1“ (RC1). Damit ist üblicherweise gemeint, dass die Version nun alle eingeplanten Funktionen enthält und alle weiteren Vorabversionen nur noch dem Finden und Beseitigen von Fehlern dienen sollen. Allerdings hat sich Microsoft schon beim Service Pack 2 für Windows XP nicht daran gehalten, sondern noch lange nach dem Ende der Betaphase weitere Funktionen eingebaut.

Der RC1 von Vista ist die erste Version, die wirklich für jedermann zum freien Download zur Verfügung steht (siehe Soft-Link). Den CD-Key für die Installation gibt Microsoft derzeit an alle eingetragenen Beta-Tester (per Mail) sowie MSDN- und Technet-Abonnenten heraus. Wer noch nicht als Beta-Tester registriert ist, soll das demnächst nachholen können, ab wann genau, war bis Redaktionsschluss jedoch nicht bekannt.

Doch auf den RC1 können Sie auch ohne CD-Key einen Blick werfen, denn erstmals ist der nicht unbedingt erforderlich: Das Setup-Programm erlaubt, auf die Eingabe zu verzichten, um das später nachzuholen. Allerdings bleiben dafür nur 14 Tage, anschließend verweigert der RC1 den Dienst. Mit CD-Key und Aktivierung soll er bis zum 1. Juni 2007 laufen.

Wenn Sie während der Installation auf die Eingabe des Keys verzichten, dürfen Sie sogar die Vista-Version auswählen: Zur Wahl stehen die echte Vollversion „Vista Ultimate“ oder eine der abgespeckten Varianten „Home Basic“, „Home Premium“ und „Business“.

Installieren können Sie auch „Home Basic N“ und „Business N“. Diese N-Versionen (das N steht für „not with Media Player“) muss Microsoft auf Druck der Europäischen Union anbieten: Im März 2004 hatte die EU-Kommission den Software-Konzern wegen Marktmissbrauchs mit einem Rekord-Bußgeld von 497,2 Millionen Euro bestraft und eine Reihe von Auflagen für mehr Wettbewerb verfügt, darunter die Veröffentlichung der Schnittstellenspezifikationen für die Server-Kommunikation und eben einer Windows-Version ohne integrierten Media Player.

Skurrilerweise bietet der RC1 auch die Installation der „Vista Starter Edition“ an. Hierbei handelt es sich den Nachfolger der Windows Starter Edition, einer stark abgespeckten Version von Windows XP, die bislang in Europa nicht erhältlich ist, sondern nur in Thailand, Malaysia, Indonesien, Russland, Mexiko und Brasilien. Vista Starter erlaubt das Ausführen von maximal drei Anwendungen gleichzeitig: Jeden weiteren Programmstart verweigert es mit einer Fehlermeldung, und zwar auf Deutsch, was die Frage aufwirft, ob diese Version vielleicht auch hierzulande erhältlich sein wird. Microsoft hat sich bis Redaktionsschluss nicht dazu geäußert.

Die „Enterprise“-Version ist die einzige Vista-Variante, die das Setup-Programm des RC1 nicht anbietet. Sie soll ausschließlich Großkunden mit speziellen Verträgen vorbehalten bleiben.

Die Installation läuft recht zügig und ohne weitere Eingaben ab. Anschließend belegt eine Ultimate-Version rund 9 GByte Plattenplatz, die anderen Versionen dürften kaum weniger brauchen - selbst die Starter-Edition belegte von einer 10-GByte-Partition fast 7 GByte.

Dem ersten Eindruck nach hat sich im Vergleich zur Beta 2 kaum etwas geändert - allerdings fühlt sich der RC1 schneller an. Erst auf den zweiten Blick sind manche Kleinigkeiten zu entdecken: Das Malprogramm Paint beispielsweise speichert Bilder nun standardmäßig im JPG-Format, die Sidebar hat einige zusätzliche Widgets bekommen, der Taskplaner ist in die Computerverwaltung gewandert und die Kindersicherung wurde an deutsche Verhältnisse angepasst: Wenn Eltern festlegen, welche Spiele der Nachwuchs daddeln darf, können sie sich nun unter anderem auf die Bewertungen der „Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle“ (USK) stützen.

Auffallend nach der Installation ist das ĂĽberarbeitete BegrĂĽĂźungscenter: Das bietet jetzt nicht nur VerknĂĽpfungen zu nĂĽtzlichen Konfigurationswerkzeugen fĂĽr den Anfang wie der Benutzerverwaltung oder dem Assistenten zum Ăśbertragen von Dokumenten und Einstellungen, sondern auch Werbe-Links zu diversen Microsoft-Angeboten wie Onecare, Windows Live oder dem Windows Marketplace. Auch an anderen Stellen sind Werbe-Links zu finden, etwa im Media Player.

Deutlich weniger nervt hingegen nun die User Account Control (UAC). Bei Aktionen, die administrative Rechte erfordern, fragt Vista den Anwender, ob er das auch wirklich will, doch die Anzahl der Fragen hat Microsoft beim RC1 deutlich reduziert. So lassen sich die meisten Elemente der Systemsteuerung nun ohne lästige Nachfrage nutzen, lediglich bei sicherheitsrelevanten Elementen wie Firewall, Kindersicherung oder Antispyware ist das Zustimmen erforderlich. Ob eine Bestätigung erforderlich ist, signalisieren Icons und Schaltflächen meist bereits im Vorfeld mit einem kleinen Schild in den Windows-Farben.

Bei der Beta 2 von Vista haben sich viele Tester darüber geärgert, dass manche Programme, die Vista automatisch beim Hochfahren mitstartet, jedes Mal Bestätigungsfenster aufklappen ließen. Unter anderem war das bei dem von Microsoft für die Beta 2 empfohlenen Virenscanner eTrust von Computer Associates der Fall. Der RC1 lässt solches Verhalten nicht mehr zu, sondern blockiert das Programm von vornherein und weist den Anwender nach dem Start mit einer Sprechblase darauf hin. Zugleich empfiehlt Microsoft allen Software-Herstellern dringend, ihre Programme so zu schreiben, dass sie ohne Bestätigungsprompt während des Hochfahrens auskommen.

Das Konto „Administrator“ ist jetzt deaktiviert. Hierbei handelt es sich um ein speziell geschütztes und nicht auf den ersten Blick zu sehendes Konto, das vor allem für Notfälle gedacht ist. Unter XP Home kann man sich etwa nur im abgesicherten Modus damit anmelden, braucht dann aber kein Kennwort. Da sich so auch die in Vista eingebaute Kindersicherung aushebeln ließe, haben die Vista-Programmierer das Konto kurzerhand deaktiviert. Selbst im abgesicherten Modus scheitert das Anmelden.

Für den Fall, dass ein Anwender versehentlich allen aktiven Konten die Administratorrechte entzieht und sich so selbst von der Verwaltung des Systems aussperrt, hat Microsoft vorgesorgt, wenn auch auf etwas ungewöhnliche Weise: Sobald das Konto „Administrator“ das letzte verbliebene Konto mit Admin-Rechten ist, erlaubt Vista im abgesicherten Modus das Anmelden damit, und zwar in der Default-Einstellung ohne jedes Kennwort und obwohl es eigentlich deaktiviert ist.

Als Termin für die Fertigstellung von Vista nennt Microsoft weiterhin den November 2006, Anfang nächsten Jahres soll das neue Betriebssystem dann in den Läden stehen. Dass der Termin ungefähr gehalten wird, dafür spricht auch eine Personalie: Brian Valentine, seit knapp 20 Jahren bei Microsoft und seit Dezember 2003 als Senior Vice President für die Entwicklung von Windows Vista zuständig, wechselt zum Online-Einzelhändler Amazon. An seine Stelle bei Microsoft tritt laut Medienberichten sein bisheriger Stellvertreter John DeVaan. Für den Analysten Dwight Davis ist laut Seattle Times - eines der Heimatblätter des Redmonder Softwarekonzerns - der Wechsel ein Zeichen dafür, dass Windows Vista keine weiteren Verzögerungen erfährt. Valentine hätte Microsoft nicht verlassen, wenn es große Probleme im Vista-Code gäbe.

Erstmals hat Microsoft auch verraten, was Windows Vista kosten soll, allerdings gelten die Angaben nur für die USA und sind zudem als Empfehlungen („suggested“) gekennzeichnet. Demzufolge reicht die Preisspanne von 100 bis 400 US-Dollar (Details in der Tabelle). Die Enterprise-Version wird nicht für Endkunden erhältlich sein, zur Starter-Edition machte Microsoft bis Redaktionsschluss keine Angaben.

Soft-Link (axv)