Fesselnde Angebote

Die T-Com hat auf der IFA neue Produkt-Bundles vor-gestellt, die dem Kunden eine Ersparnis von rund 30 Prozent bringen sollen. Im Vergleich zum Mitbewerb sind die Pakete zwar nicht allzu attraktiv, aber immerhin verlangt die T-Com nur zwölf Monate Vertragsbindung.

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Die Konkurrenten jagen der T-Com über günstige Preise immer mehr Kunden ab. Dadurch gerieten sogar die Stühle des Telekom-Chefs Kai-Uwe Ricke und des T-Com-Chefs Walter Raizner ins Wackeln und das Unternehmen unter gewaltigen Zugzwang. Als Befreiungsschlag präsentierte der Ex-Monopolist auf der IFA einen Schwung neuer Tarife die ab 18. September gelten; günstige Paketangebote sollen die Kunden in allen Bereichen bei der Stange halten.

Bei näherer Betrachtung der Konditionen fallen zunächst die längeren Vertragslaufzeiten ins Auge, die wohl aus Sicht der Telekom den Kundenschwund verzögern sollen. Greift der Kunde zu einem der neuen Kombi-Pakete, muss er mindestens ein Jahr lang bei der Stange bleiben. Die weiterhin erhältlichen T-Com-Basisprodukte Telefon-, ISDN- und DSL-Anschluss sind hingegen einzeln bestellt mit einer Frist von wenigen Werktagen kündbar. Diese Produkte werden nicht mehr beworben, können aber weiterhin beauftragt werden.

Inzwischen haben aber viele Kunden keinen T-DSL-Anschluss mehr, sondern den eines Resellers, beispielsweise T-Online, 1&1 oder Freenet. In diesem Fall gelten durchweg längere Vertragslaufzeiten. Bei „echten“ T-DSL-Anschlüssen hat der Kunde einen separaten Vertrag mit einem anderen Anbieter über den Internetzugang mit einer längeren Laufzeit, die sich nicht nach der des Anschlusses richtet.

Das günstigste DSL-Paket ist für 34,95 Euro monatlich erhältlich, es heißt „Call & Surf Basic“ und bietet einen T-DSL-Anschluss mit 2 MBit/s und einen Pauschaltarif für den Analoganschluss mit 120 Freiminuten; für den in allen Paketen für vier Euro monatlichen Aufpreis erhältlichen ISDN-Anschluss sind es 240 Freiminuten. Das ist tatsächlich ein wenig günstiger als ein analoger Basisanschluss mit 2-MBit/s-DSL, nämlich genau 99 Cent pro Monat. Für ISDN-Kunden ist die Ersparnis größer; sie sparen gegenüber dem Standardtarif weitere drei Euro monatlich.

Der im Einsteigerangebot enthaltene Internet-Zugangstarif bietet aber nur unzeitgemäß magere 500 Megabyte Freivolumen - jedes weitere schlägt mit 1,59 Cent zu Buche. Selbst ohne große Downloads kann sich der Spareffekt dadurch schnell ins Gegenteil verkehren. Der DSL-Anschluss wird sich aber höchstwahrscheinlich mit einem beliebigen Internet-Zugang für T-DSL nutzen lassen, beispielsweise mit einer Flatrate der T-Online-Tochter Congster für fünf Euro monatlich. Die jeweils günstigsten Pakete der Konkurrenten Arcor und Hansenet bieten diese Möglichkeit nicht und sind statt mit einem Volumen- mit einem Zeittarif gebundelt, was die Nutzung eines Routers zum Vabanquespiel macht - eine versehentliche 24-stündige Online-Sitzung kostet dann schon 17 bis 21 Euro.

Wer mit einem Paketangebot der T-Com unbegrenzt surfen will, muss tiefer in die Tasche greifen: Call & Surf Comfort umfasst neben einem Analog- und 2-MBit/s-DSL-Anschluss eine Flatrate für Telefonate ins deutsche Festnetz und für DSL und kostet 49,95 Euro im Monat. Das umfangreichste Paket ist „Call & Surf Comfort Plus“ für 59,95 Euro monatlich. Es enthält ebenfalls einen Telefonanschluss mit Telefonie-Flatrate fürs deutsche Festnetz sowie einen DSL-Anschluss mit 16 MBit/s inklusive Flatrate und ein Security- und E-Mail-Paket. Bei allen T-Com-Tarifen, also auch den Flatrates, wird allerdings zu Verbindungen in die Telefonfestnetze bestimmter Betreiber ein Aufschlag von 0,2 Cent pro Minute erhoben (kostenlose Abfrage betroffener Zielrufnummern unter 08 00/3 30 95 76). Andere Flatrate-Anbieter treffen diese Unterscheidung nicht.

Vielsurfer in Großstädten sind bei den T-Com-Konkurrenten in den meisten Fällen weiterhin günstiger aufgehoben, auch wenn sich der Abstand nun etwas verringert hat. Bei den Resellern bindet man sich aber in den meisten Fällen vertraglich für zwei Jahre und damit doppelt so lange wie bei den Paketangeboten der T-Com. Meist gelten die günstigsten Angebote nur für bestimmte Städte. Bundesweit verfügbar ist der 2-MBit/s-DSL-Resale-Anschluss von Strato, kombiniert mit dem Basisanschluss „Call Plus“ der T-Com kostet er knapp 36 Euro im Monat und enthält derzeit eine DSL-Flatrate.

Neukunden ohne Telefonanschluss können bei den Einrichtungsgebühren deutlich sparen, die für „Call & Surf Comfort“ und „Call & Surf Comfort Plus“ bei 59,95 Euro liegen. Bislang war für die erstmalige Einrichtung eines DSL-Anschlusses zusätzlich ein Entgelt von 100 Euro zu entrichten, das nur noch für „Call & Surf Basic“ erhoben wird. Wer bereits einen Telefonanschluss der T-Com besitzt, kann ohne Anschlussentgelte mit einem der Comfort-Pakete einen DSL-Anschluss bekommen. Wenn man die Einrichtungsgebühren in die Rechnung einbezieht, kostet das kleine Comfort-Paket mit Doppel-Flatrate im ersten Jahr nur 68 Euro mehr als die Basislösung ohne Flatrates und dürfte damit in den meisten Fällen günstiger sein, sofern man den Tarif nach einem Jahr an den tatsächlichen Bedarf anpasst.

Paket-Vorreiter Arcor hat für den 2-MBit/s-Anschluss inklusive Doppel-Flatrate ein etwas günstigeres Paketangebot. Rund fünf Euro im Monat können Kunden bei vergleichbaren Leistungen damit sparen, müssen sich allerdings für zwei Jahre an den Anbieter binden. Beim 16-MBit/s-Paket liegt Arcor von Preis und Leistung nahezu gleichauf mit der T-Com. Die T-Com bietet indes ihre Leistungen immer noch in erheblich mehr Ortsnetzen an als Arcor; besonders in kleineren Städten und auf dem Lande ist Arcor oft nicht präsent.

Tiscali schnürt Pakete ohne Telefonie-Flatrate mit einjähriger Laufzeit, die etwas günstiger ausfallen; DSL mit 6 MBit/s und Flatrate sowie einem Telefonanschluss kostet beispielsweise nur 37,90 Euro im Monat, was unwesentlich teurer als das Basisangebot der T-Com mit nur 2 MBit/s ist. Das „Alice“-Angebot von Hansenet schlägt mit einem 4-MBit/s-DSL-Anschluss, Internet- und Telefon-Flatrate mit 39,90 Euro zu Buche. Hansenet verzichtet im Unterschied zu fast allen Konkurrenten auf eine Mindestvertragslaufzeit. Beide Angebote sind nur in Großstädten verfügbar. (uma) (uma)