Barcelona funkt

Nicht erst seit dem Umzug nach Spanien entwickelt sich der 3GSM World Congress zur wichtigsten Plattform, auf der sich Hersteller und Netzbetreiber präsentieren. Während etwa Motorola und Nokia ihren Auftritt auf der CeBIT 2007 abgesagt haben, sind sie vom 12. bis 15. Februar in Barcelona vor Ort.

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Der 3GSM World Congress entwickelt sich mehr und mehr zu einer Leitmesse. Im Vorjahr fand die nach Angaben des Veranstalters GSM Association (GSMA) weltweit größte Veranstaltung rund um den Mobilfunk zum ersten Mal in der katalonischen Metropole statt und erreichte mit 962 Ausstellern und 50 000 Fachbesuchern einen neuen Rekord: Im Vergleich zu Cannes, bis 2005 3GSM-Domizil, legte der internationale Mobilfunktreff um beachtliche 40 Prozent zu. Mussten in Cannes viele Aussteller auf angemietete Yachten ausweichen, bietet das Ausstellungsgelände an der Placa d’Espanya doppelt so viel Platz.

Für 2007 melden die Veranstalter mehr als 1300 Aussteller und erwarten über 60 000 Besucher. Zu den Neuerungen auf der Ausstellung gehören außer zusätzlichen Bühnen für Präsentationen eine „Mobile Entertainment and Content Zone“, in der Anbieter von mobilen Inhalten ihre Klingeltöne, Multimedia-Streams oder Handy-TV-Produkte präsentieren können. Auch der Kongress wartet mit einigen Neuerungen auf, etwa dem Business Operations Seminar, in dem es um die Zusammenarbeit zwischen Netzen und Servern für mobile Dienste geht, oder dem CMO Forum für Marketing-Manager.

Die Ausrichtung der Dienste in den Handynetzen tendieren von der Sprache und den Kurznachrichten weiter in Richtung Surfen und Multimedia. Für die schnelle Verbindung mit dem Internet haben sich UMTS-Netze etabliert. Mit HSPA-Datendiensten (High Speed Packet Access) passen sie sich an den stetig steigenden Bandbreiten-Bedarf an. Netzausrüster wie Ericsson zeigten schon 2006 HSPA-Lösungen für den Downlink (HSDPA), die die Empfangsraten auf 7,2 MBit/s und mehr hochschrauben, die deutschen Netzbetreiber stehen zurzeit mit der zweiten Ausbausufe von HSDPA (bis zu 3,6 MBit/s) und der Uplink-Variante HSUPA, mit der man zunächst bis zu 1,4 Mbit/s versenden kann, in den Startlöchern; auf der 3GSM 2007 zeigen die Zulieferer voraussichtlich passende Lösungen.

Auf der Endgeräte-Seite gibt es bislang vor allem HSDPA-PC-Cards für Notebooks, bei Handys und Smartphones ist die Zahl der HSDPA-fähigen Modelle noch sehr übersichtlich. Die ersten Mobiltelefone, die bereits Daten mit bis zu 3,6 MBit/s empfangen können, stammen von Motorola. Die Motorazr-Modelle V3xx (siehe auch Seite 64) und V3maxx dürften nicht nur Mitbewerber aus dem eigenen Haus bekommen, andere Hersteller wie Nokia und Samsung werden vermutlich ebenfalls Handys mit aktuellen HSPA-Chipsätzen im Gepäck haben.

Der auf Windows-Mobile-Smartphones spezialisierte, taiwanische Hersteller HTC zeigt vermutlich am Stand das Athena, einen HSDPA-fähigen Funk-PDA mit King-Size-Maßen (13,3 cm x 9,8 cm x 2 cm) inklusive großem fünf-Zoll-VGA-Touchscreen. T-Mobile hat das Gerät unter dem Namen Ameo bereits angekündigt. Zu dem UMTS-PDA gehört eine Tastatur, die mittels Magnethalter am Gerät haftet und bei Bedarf komplett zu enfernen ist. Der Ameo funkt auch in GSM-Netzen (Quadband-GSM) und per WLAN. Für genügend Speicherplatz sorgt ein eingebautes 8-GByte-Microdrive. T-Mobile will den Funk-PDA noch im Februar in die Läden bringen.

Während Microsoft mit dem Windows-Mobile-Betriebssystem bei Funk-PDAs mit Touchscreen-Bedienung die Nase vorn hat, führt Symbian OS mit über 50 Prozent Marktanteil bei den Smartphones, die sich nur via Tastatur bedienen lassen. Bei Nokia wird es die ersten Symbian-Geräte zu sehen geben, die mit dem Feature Pack 1 für die S60-Bedienoberfläche Verbesserungen beim mobilen Surfen und der Texteingabe bieten.

Mit dem Windows-Mobile-5-Nachfolger „Crossbow“ versucht Microsoft, den Rückstand zu Symbian aufzuholen. Insidern zufolge wird der Software-Riese auf der 3GSM zumindest einige Details des neuen Mobilsystems verraten. So soll es offenbar weiterhin zwei verschiedene Versionen geben: eine für Smartphones und die Pocket-PC-Variante für Geräte mit Touchscreen.

Manche Experten rechnen mit einen SIP-Client für VoIP-Telefonie. Die Bedienung der Oberfläche soll flüssiger vonstatten gehen, die Wahlhilfe und die Suchfunktion in den Kontakten soll Microsoft überarbeitet haben. Voraussichtlich zeigen die Messaging-Programme nun auch HTML-Inhalte an; sicherlich fehlt auch die Kompatibilität zu Windows Vista und MS Exchange 2007 nicht. Interessant wäre eine Update-Funktion, über die man künftige Smartphones und PDAs mit neuen Betriebssystem-Versionen aktualisieren kann, bislang lassen sich nur wenige Windows-Mobile-Geräte per Update auf den neuesten Stand bringen. Veränderungen am Bedieninterface, wie sie viele Nutzer fordern, erwähnte bislang keine Quelle.

Der andauernde Trend zum „Alles-in-Einem“-Handy setzt sich fort: Nach Foto- und Musik- kommt nun das Navi-Telefon. Bislang verfügen hauptsächlich Funk-PDAs über eingebaute GPS-Empfänger und Navigations-Software. Doch wird Nokia auf der 3GSM mit dem N95 ein Smartphone mit Symbian OS und S60-Oberfläche zeigen, das GPS-Navigation und mittles Smart2Go von Gate5 Routenplanung beherrscht. Als Flaggschiff von Nokias Nseries knipst es hochauflösende Fotos mit der 5-Megapixel-Kamera und überträgt Daten in Hotspots oder übers UMTS-Netz, wobei es HSDPA zum beschleunigten Surfen nutzt.

Andere Handys und Smartphones des Marktführers sprechen gezielt Käufergruppen an. Dazu gehört das Video-Handy N93i mit optischem 3fach-Zoom, VGA-Auflösung fürs Filmen, AV-Ausgang und einer 1-GByte-Speicherkarte für Filmfreunde, die den Camcorder immer dabei haben wollen. Die XpressMusic-Serie und die teurere Nseries-Music-Edition locken wie die Walkman-Serie von Sony Ericsson Musikbegeisterte. Allen besseren Handys und Smartphones ist ein Slot für eine Wechselkarte gemein, der noch im vergangenen Jahr nicht selbstverständlich war.

Spätestens seit Motorolas Erfolg mit dem flachen Razr-Design spielen Designer-Handys mit auffälligem Äußeren und zum Teil ungewohnter Bedienung eine Rolle auf der 3GSM. Doch das meistdiskutierte Modell, das iPhone, wird es wohl nicht zu bewundern geben, da Apple nicht mit einem eigenen Stand in Barcelona vertreten ist. Dafür zeigt LG das mit dem Luxusartikel-Hersteller Prada zusammen entwickelte KE850, das man wie das iPhone ausschließlich per Touchscreen bedient und das dem Apple-Handy auch sonst auffallend ähnelt.

Das nur 12 mm dicke Prada-Handy besitzt ein 240x400-Pixel-Display und eine 2-Megapixel-Kamera, die auch Videos mit 30 Bildern pro Sekunde aufnimmt. In puncto Speicher hält es aber nicht mit dem iPhone mit: Der interne Speicher fasst nur 8 MByte, eine 256-MByte-microSD-Karte liefert LG mit. Zwar hatte LG das Prada-Handy erst zehn Tage nach Apples iPhone-Enthüllung vorgestellt, interessant ist jedoch, dass der koreanische Hersteller bereits Anfang Dezember 2006 den iF product design award für das KE850 gewann - zusammen mit Apples iPod. Während das iPhone erst im Juni 2007 auf den US-Markt kommen soll, ist das Prada-Handy laut LG schon im Februar zu haben.

Viele der neuen Handys orientieren sich an Motorolas Bestseller Razr: LG zeigt mit dem KV420 „Shine“ ein verspiegeltes Schiebe-Modell mit der typischen Flach-Tastatur, selbst Nokia zieht das nur 14 mm dicke Klapp-Smartphone N76 aus dem Hut. Auf dem Stand von Samsung wird es vermutlich weitere Modelle der Ultra Edition zu bewundern geben. Mit den extrem flachen Telefonen - das X820 ist nur sieben Millimeter dick - setzt der Koreaner beim vorherrschenden Trend immerhin eigene Akzente.

Ericsson: Halle 7, Stand C48
HTC: Halle 1, Stand A46
LG Electronics: Halle 8, Stand C129
Microsoft: Halle 1, Stand D19
Motorola: Halle 8, Stand A09
Nokia: Halle 8, Stand B169, C167
Samsung: Halle 8, Stand C137
Sony Ericsson: Hall Avenue, Stand AV104, AV68
(rop)