Brot und Spiele

Den sehr unterschiedlichen Einsatzorten Büro, Wohnzimmer und LAN-Party widmen die Hersteller von Desktop-PC-Komponenten ihre CeBIT-Exponate. Weitere Themen sind Vierkern-Prozessoren - vor allem für Server - und komplette „Plattformen“.

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Inhaltsverzeichnis

Seit Jahren strapaziert Intel das Schlagwort „Plattform“ und meint damit die Kombination aus Prozessor und Chipsatz. Im Desktop-PC-Bereich spielt bislang vor allem die Stable Image PC Platform (SIPP) eine tragende Rolle für Intels Marktmacht bei den Bürocomputern. Dank ATI-Übernahme zieht AMD auf diesem Gebiet nun gleich und präsentiert mit dem AMD 690G den ersten eigenen Chipsatz für die Corporate Stable Image Platform (CSIP). Jetzt kann man also auch bei AMD wie bei Intel die wichtigsten PC-Komponenten aus einer Hand beziehen. Der AMD 690G ist aber nicht alleine fürs Büro gedacht, sondern auch für Wohnzimmer-Rechner nach AMD-LIVE!-Konzept. Überraschend viele der vorab angekündigten AMD-690G-Boards bringen DVI-Anschlüsse für digitale Monitore mit, einige auch DVI-HDCP- und HDMI-Ports. Mal sehen, ob Rechner mit AMD-Chipsatzgrafik auch auf dem „lifestyle@CeBIT“-Stand in Halle 2 laufen.

Die Mainboard-Hersteller versammeln sich in diesem Jahr größtenteils in CeBIT-Halle 21. Hier sitzt auch Intel. Gleich nebenan in Halle 22 macht sich die AMD-Grafikchip-Sparte - also Ex-ATI - mit einer Gaming-Zone breit. Auch am Intel-Stand spielt das Thema PC-Spiele sicherlich eine große Rolle, denn vor allem Gamer kaufen schnelle und teure CPUs. Erst nach und nach bringt Intel die sparsame Core-Mikroarchitektur auch in billigere Prozessoren wie Celeron und Pentium E2000 (siehe c't 6/07, S. 164), was sie für den Büro-Einsatz weitaus attraktiver macht.

Während AMD mit dem 690G eigentlich bloß die Athlon-Variante des bereits im Sommer 2006 angekündigten Radeon Xpress 1250 für Intel-Prozessoren feiert, dürften auf der CeBIT schon erste Mainboard-Prototypen mit Intels kommender Chipsatz-Generation Bearlake zu finden sein. Einige Varianten - man munkelt von G33 mit Grafik und P33 ohne - sollen vielleicht noch im Mai erscheinen, der G35 mit Direct3D-10-Grafik aber wohl erst nach dem Halbjahreswechsel. Anlässlich der CeBIT will Intel einige weitere Details über die Bearlakes verraten - schließlich gilt es, das SIPP-Revier als Platzhirsch zu verteidigen. Sicherlich redet Intel auch viel über PC-Fernwartung (sprich: vPro-Technik), die mittels TPM und Trusted Execution Technology (alias La Grande) in diesem Jahr noch vertrauenswürdiger werden soll. Da kann man ja gleich mal bei Symantec nachfragen, wo eigentlich die schon vor knapp einem Jahr angekündigten „Virtual Appliances“ für vPro-Rechner bleiben. Die frisch gebackene Symantec-Tocher Altiris hat immerhin ein paar vPro-Fernwartungs-Tools im Koffer; die Altiris-Übernahme scheint allerdings das Geld für einen eigenen CeBIT-Stand verschlungen zu haben, denn Symantec tritt nur als Co-Aussteller auf.

Von den Hardware-Herstellern haben etwa auch AOpen, Benq, FIC, Nvidia, Shuttle und VIA Technologies auf CeBIT-Stände verzichtet. Dennoch hat die Messeleitung - anders als im Jahr zuvor - die Halle 21 belegt, wohl auch wegen der Gaming-Veranstaltungen in Halle 22. Der für Händler gedachte Planet Reseller ist wieder in Halle 25 untergebracht, hier sind auch Großfirmen wie Acer und Packard Bell zu finden sowie einige kleinere Hersteller von Komplettrechnern. Die PC-Giganten Hewlett-Packard und Dell fehlen auf der CeBIT schon traditionell, Lenovo dürfte ein Eckchen auf dem IBM-Stand okkupieren. Der größte deutsche PC-Hersteller Fujitsu Siemens hält am üblichen Platz in Halle 1 Hof; Medion ist in Halle 11 zu finden.

Mini-PCs wie der Nano Abox von Albatron sind in diesem CeBIT-Jahr seltener.

Ein wichtiges Thema der PC-Hersteller ist Windows Vista; zwar scheint der neue Microsoft-Spross keine gigantische Nachfrage-Welle ausgelöst zu haben, bringt aber einige Hardware-Neuerungen. Über die SideShow-Displays von Asus hatten wir bereits berichtet, Vista-Accessoires wie Trusted Platform Modules (TPMs) und Flash-Cache werden auch andere Hardware-Hersteller zeigen.

Bereits wieder abgeebbt ist der Case-Modding-Trend, doch farbenfrohe PC-Komponenten stehen wegen ihrer visuellen Wirkung an vielen Ständen im Vordergrund. Beleuchtete Lüfter und Kabel, PC-Gehäuse mit durchsichtigen Seitenteilen sowie Wasserkühlsysteme gehören mittlerweile zum Standard-Lieferprogramm zahlreicher Hersteller. Neuheiten aus dem Bereich PC-Kühlung zeigen auf dieses Gebiet spezialisierte Firmen wie Arctic Cooling, Asetek, Innovatek, Thermaltake, Ultraforce, Xigmatek oder Zaward; immer häufiger geht es dabei um die leise Kühlung von Grafikkarten, weil der Energiebedarf der Hauptprozessoren zurzeit eher schrumpft und dafür sowohl leise als auch kräftige Kühler schon seit geraumer Zeit zu haben sind.

Für die Kühlerhersteller sind deshalb die Übertakter eine wichtige Zielgruppe; dieser Klientel dienen auch die Netzteil-Firmen ihre Kleinkraftwerke an, von denen manche bereits die Kilowatt-Marke überschreiten. Overclocking ist auch das beherrschende Thema an den Ständen der Third-Party-Speichermodulhersteller (darunter Corsair, GEiL, G.Skill, MDT, Patriot und takeMS), schließlich rauschen die Preise für Standard-DIMMs gerade in den Keller. Dennoch springen manche Firmen erst jetzt auf den Speichermodul-Zug auf, etwa SiS - dabei ist dieser taiwanische Chipsatz-Hersteller als einziger neben AMD und Intel noch auf der CeBIT vertreten: ULi wurde von Nvidia gekauft, ATI von AMD.

Die ersten Mainboards für DDR3-SDRAM-DIMMs könnten Mitte des Jahres erscheinen.

Zumindest die teuerste Variante X35 des Bearlake-Chipsatzes für die kommenden FSB1333-Core-2-Duos enthält einen DDR3-SDRAM-tauglichen Speichercontroller; auf der CeBIT sind deshalb einige Boards mit DDR3-Steckplätzen sowie DDR3-DIMMs an den Ständen der Speichermodulfirmen - wie Nanya - zu erwarten. Die Bearlake-Chipsätze bringen auch PCI Express 2.0. Das ist aber noch Zukunftsmusik. Greifbarer sind Core-2-Duo-taugliche Versionen von älteren Boards mit Chipsätzen aus der 945er-Familie, die einige Firmen verkaufen. Solche Mainboards verkraften zwar höchstens 4 GByte Speicher (statt 8 GByte wie ihre Nachfolger), bieten dafür aber noch einen integrierten IDE-Controller. Attraktive Alternativen zu Intels Chipsatz-Kost hat Nvidia angerichtet, Boards mit dem nForce 570i sind von verschiedenen Herstellern für weniger als 80 Euro zu haben. Ganz neu sind die nForce-650i-Boards, die mindestens Asus (P5N-E SLI) und MSI (P6N SLI-F/Platinum) zeigen werden. Boards mit Chipsätzen von SiS und VIA, die billiger sind als Produkte von AMD/ATI, Intel oder Nvidia, bieten meistens nur einen Speicherkanal und sind deshalb auch nur für Billigrechner interessant. Möglicherweise kann man schon erste Prototypen von Boards mit SiS673/SiS673FX sehen, die den Direct3D-10-tauglichen Mirage-4-Grafikkern enthalten.

Auch für AMD-Prozessoren könnten einige neue Chipsätze zu sehen sein. Man munkelt von einem Nachfolger des GeForce 6100/6150 namens GeForce 7050, der zwar wohl noch keine Neuheiten wie HyperTransport 3.0 oder PCI Express 2.0 bringt, aber möglicherweise verbesserte Unterstützung für einen kopiergeschützten digitalen Grafikanschluss - eben HDMI 1.2 oder HDCP wie der AMD 690G. Die kommenden Chipsätze für HT 3.0 und PCIe 2.0 werden auf Boards mit einer sogenannten „AM2+“-Fassung sitzen. Letztere dürfte physisch mit dem aktuellen Sockel AM2 identisch sein.

Neben den Brot-und-Butter-Brettern zieren opulent bestückte High-End-Mainboards die Stände; sie zielen vorrangig auf Übertakter, denen der von Grafikkarten her bekannte Mainboard-Neuling eVGA in Kooperation mit Innovatek eine wassergekühlte Variante seines nForce-680i-SLI-Boards empfiehlt. Am gleichen Stand in Halle 21 zeigt Albatron ein anderes Extrem-Board, nämlich eine AM2-Platine im Mini-ITX-Format. Albatron hat auch einen Mini-PC mit aufklappbarem Display und Core-2-Duo-Mobilprozessor im Gepäck; der Nano Abox V2.0 hat in diesem Jahr wenig Konkurrenz, fehlen doch AOpen, FIC und Shuttle und deshalb die meisten der in den letzten Jahren so häufig gezeigten Mini-Barebones. Biostar hat noch ein paar kompakte Barebones im Angebot, darunter den IDEQ 250N für AM2-Prozessoren. Asus führt eher voluminösere und billigere Gehäuse, Gigabyte hat einige interessante Media-Center-PC-Barebones im Angebot.

Außer Albatron hat auch Jetway einige der kompakten Mini-ITX-Mainboards im Programm, darunter auch welche mit passiv kühlbaren Prozessoren. Ähnliche Produkte führen die Industrie-Spezialisten Bona Computech, IEI, Kontron sowie die Industrie-Sparte von Epox oder die Auto-PC-Firma CarTFT.com. MSI, Gigabyte und andere Aussteller zeigen Thin-Client-Barebones mit VIA-Innenleben, wie sie auch am Stand des European Thin Client Forum (ETCF) zu sehen sind.

Bei der x86-Server-Hardware geht es zurzeit vergleichsweise ruhig zu - Intel hat die Quad-Core-Xeons bereits im Markt, den Barcelona dürfte AMD höchstens in Demo-Systemen zeigen. Falls Barcelona zu sehen ist, kontert Intel vielleicht mit einer Vorschau auf die Viersockelplattform Caneland mit Tigerton-Xeons. Und Sun könnte bereits Blicke auf eine der angekündigten Xeon-Maschinen erlauben.

Zu erwarten sind Blade-Systeme und Cluster auf den Ständen der größeren Server-Hersteller (IBM, Sun, Fujitsu Siemens, NEC), im LinuxPark sowie bei kleineren Firmen wie Pyramid oder Transtec. Am Transtec-Stand kann man aktuelle Server-Power selbst ausprobieren und gegen das Schachprogramm Deep Fritz spielen.

Das wichtige Server-Thema Virtualisierung hat mit Hardware nur am Rande zu tun - alle aktuellen Prozessoren bringen ja bereits Befehlssatzerweiterungen mit. Bei den Profi-Maschinen geht es daher mehr um neue Möglichkeiten der Fernwartung, Konzepte zur automatischen Verwaltung, Ausfallsicherheit durch Redundanz und den Service.

AMD: Halle 2, Stand D35
Acer: Halle 25, Stand D40/M102 (Planet Reseller)
Albatron: Halle 21, Stand C38
Arctic Cooling: Halle 21, Stand B15
Asetek: Halle 21, Stand A16
Asus: Halle 2, Stand A12
Biostar: Halle 21, Stand C37
Bona: Halle 2, Stand A43
CarTFT.com: Halle 2, Stand B41
Corsair: Halle 21, Stand B38
DFI: Halle 21, Stand B40/1
Epox: Halle 20, Stand C42/B01
ETCF: Halle 4, A04
eVGA: Halle 21, C38/1
Fujitsu Siemens: Halle 1, G51
GEiL: Halle 21, Stand D13
G.Skill: Halle 21, Stand B27
Gigabyte: Halle 21, Stand C34
IBM: Halle 1, Stand F41/F51
IEI: Halle 21, Stand B09
Innovatek: Halle 21, Stand C38/1
Intel: Halle 21, Stand B42
Jetway: Halle 21, Stand A20
Kontron: Halle 15, Stand E27/2
LinuxPark: Halle 5, Stand G47
lifestyle@CeBIT: Halle 2, Stand C22
Medion: Halle 11, Stand D03
MDT: Halle 21, Stand C03
MSI: Halle 21, Stand B34
Nanya: Halle 21, Stand D05
NEC: Halle 2, Stand B24
Packard Bell: Halle 25, Stand D40/M104 (Planet Reseller)
Patriot Memory: Halle 21, Stand B11-1
Pyramid: Halle 7, Stand B02
SiS: Halle 21, Stand C10
Sun: Halle 1, Stand A90
Supermicro: Halle 21, Stand A43/A01
Symantec: Halle 1, Stand F69 (bei Network Appliance)
Thermaltake: Halle 24, Stand C04
takeMS: Halle 23, Stand A34
Transtec: Halle 2, Stand C20
Tyan: Halle 21, Stand A34/A04
Universal Abit: Halle 21, Stand B21
Uniwide: Halle 21, Stand A34/A05
Ultraforce: Halle 21, Stand C11
Xigmatec: Halle 24, Stand A11
Zaward: Halle 20, Stand C42-05
(ciw)